Das starke Geschlecht?

Weibliches Selbstbewusstsein a la Hollywood: Wonderfräulein.

Weibliches Selbstbewusstsein a la Hollywood: Wonderfroilein.

Viele meiner Zürcher Freunde und KollegInnen freuen sich extrem über den Film «Wonder Woman». Endlich mal eine Frau, die es drauf hat. Endlich mal eine Heldenfigur, die zeigt, dass Frauen nicht nur Deko und oder zu rettende Prinzessinnen sind. Es wirkt, als sei «Wonder Woman» ein modernes, feministisches Manifest.

WTF? Wir leben in Zürich. Falls es jemandem noch nicht aufgefallen ist: Wir haben eine ziemlich starke, lesbische Stadtpräsidentin. Wir leben nicht in Hollywoodfilmen, sondern in Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts. Wir leben in einer Stadt, in der wir an jeder Ecke Frauen jeden Alters begegnen, die mehr drauf haben, als diese gefühlsdusselige, gewalttätige Tussy im Stahlbadkleid.

Ich hab mich mein ganzes Leben an starken Frauen orientieren können. Angefangen bei meiner Schwester, einer alleinerziehenden Businessfrau, mit der ich schon in meiner Schulzeit den Rüppeln drohen konnte («Wenn du nicht aufhörst, sag ichs meiner Schwester!»). Dann all die geschiedenen Frauen in meinem Quartier, die sich in den 70ern nicht nur mit schlechten Jobs über Wasser halten mussten, sondern sich auch noch einer gesellschaftlichen Abwertung ausgesetzt sahen.

Oder die Schwester eines Freundes, die sich als erste in ihrem Umfeld getraute, eine Autmechanikerlehre zu machen. Oder meine Lehrerin in technischem Zeichnen. Sie hat ein damals als «männlich» geltendes Fach mit Verständnis und Strenge vermittelt. Wir haben sie alle gefürchtet, respektiert und waren alle in sie verknallt.

Es gibt in dieser Stadt einen grossen Anteil an Alleinerziehenden, die sich durch Berufs- und Mutteralltag prügeln, wie ich es keinem Superhelden zumuten möchte. Wir haben intelligente Frauen, die erfolgreich sind, ohne dass sie dabei auf ihre Weiblichkeit verzichten oder sie als Mittel zur Manipulation einsetzen müssten. Wir haben und hatten schon immer starke Frauen, die anderen (Männern und Frauen) als Vorbild dienen konnten.

Natürlich sind Frauen auch in Zürich noch nicht völlig gleichberechtigt, nur schon bei der Entlöhnung im Beruf nicht. Das liegt aber nicht an fehlenden weiblichen Rollenvorbildern, die das gängige Klischees in die Tonne hauen. Starke Frauen gibts genug. Man müsste nur drauf achten und ihnen die Anerkennung zukommen lassen, die sie verdienen.

Also, bevor wir einen SuperheldInnen-Film mit knappen Kostümchen und etwas mitfühlender Dominaromantik hochjubeln für etwas, das wir in unserem Alltag dauernd um uns herum haben, sollten wir einfach mal die Augen öffnen. Kino mag toll sein. Aber die Realität ist viel beeindruckender.

Aber selbst wenn wir in Hollywoodfilmen leben würden: Wer hat in Terminator 1 & 2 die Welt gerettet UND ein Kind zur Welt gebracht, grossgezogen und dabei finstere Mächte aus der Zukunft bekämpft, ohne dabei unweiblich zu wirken oder auf einen hautengen Dress angewiesen zu sein? Genau: Sarah Connor. Eine meiner grossen Lieben.

Oder die Ur-Version von «3 Engel für Charlie»: Drei Frauen, die alles können und denen Männer nur als dümmliche Beigabe in die Szene latschen durften.

Also: starke Frauen sind nichts neues. Aber offenbar sind sie für gewissen Leute noch immer keine Selbstverständlichkeit.