Kinder sind böse

«Herr der Fliegen» erscheint mir ein realistisches Szenario.

«Herr der Fliegen» erscheint mir ein realistisches Szenario.

«Fette Sau, fette Sau, fette Sau», zieht sich als Singsang durch das Zugabteil. Abgesondert von drei Kindern, die damit ein viertes plagen. Ich hab nicht viel Erfahrung mit Kindern, aber an diesem Punkt wär ich für Kopfnüsse. Ja, brachial, höchst unpädagogisch, altertümlich und was weiss ich. Ich habs ja auch unterlassen und stattdessen in meiner Hundekommando-Stimme ein «Fertig jetzt!» ins Zugabteil geschossen. Es hat gewirkt.

Es ist Schulreisezeit. Man sieht wieder viele dieser kleinen Menschen unterwegs und man fragt sich, wie es die Menschheit überhaupt aus den Höhlen in eine Zivilisation geschafft hat, wenn man betrachtet, wie sozial der Nachwuchs ist. Es scheint, als ob jeder kurze Mensch in seiner Kindheit die ganzen Entwicklungsstufen vom Tier über den Höhlenmenschen bis zum mittelalterlichen Barbaren nochmals durchleben müsste.

Es gab mal den Grönemeyer-Song «Kinder an die Macht», den damals alle mitgegrölt haben, ohne sich bewusst zu sein, was das bedeutet. Wenn Kinder an der Macht wären, hätten wir nicht den Weltfrieden, sondern würden unter dem blutigen, diktatorischen Joch einer eingebildeten, präpubertären Cheerleaderin in Sklavenarbeit rosa Blümchen in Freundschaftsbücher kleben.

Kinder sind böse. Natürlich nicht alle. Aber diejenigen, die nicht böse sind, sind diejenigen, die von den Bösen malträtiert werden. Sie werden später im Leben, irgendwo im mittleren Management, all die erlittene Schmach an ihren Untergebenen auslassen.

Und nicht die brutalen Bullys sind die gemeinsten. Es sind die kleinen Manipulatoren, die Hinterfotzigen, diejenigen, die nie erwischt werden und meist auch noch gute Noten schreiben. Ihr kennt sie. Ihr könntet aus dem Stegreif einen Namen aus eurer eigenen Schulzeit zuordnen.

Aber man soll ja nicht so pessimistisch sein, denke ich mir beim Anblick der bösartigen kleinen Kreaturen, die sich gegenseitig das Sandwich aus der Hand schlagen und (absichtlich) klebrige Limonade über die Schuhe giessen. Die sich zwicken und hintenrum an den Haaren reissen, die, sobald eine Aufsichtsperson auftaucht, besser Anstand heucheln als Karl Dingsda vor dem Bewährungsausschuss.

Vielleicht ist das ja nur eine Phase, und die Kinder werden von den ihren liebenden und fürsorglichen Eltern noch liebevoll auf den richtigen Pfad gebracht. Dieser Gedanke tröstete mich bis zur Endstation.

Da durfte ich sehen, von welchen Eltern welche Kinder in Empfang genommen wurden.

Himmel, wir sind verloren! Die Menschheit ist am Ende.