Rot ist meine Lieblingsfarbe

Teilnehmer eines öffentlichen Vortrags über Farben in der ETH Zürich. (Foto: Beni Frenkel)

Während meiner Schulzeit war ich nie das beliebteste Kind in der Klasse. Als ich zehn Jahre alt wurde, hat mir meine Mutter ein Freundschaftsbuch zum Geburtstag geschenkt. Die Lehrerin hat reingeschrieben und dann ich. Die anderen Seiten blieben leer. Auf die Frage «Was ist deine Lieblingsfarbe habe ich notiert: «Rot». Frau Bachmann, meine Lehrerin: «Violett».

30 Jahre später ist Rot immer noch meine Lieblingsfarbe. Mit Rot verbinde ich a) feurige Ekstase und b) unzähmbare Leidenschaft. Sogar beim Essen achte ich auf die Farbe. So esse ich meine Pommes frites praktisch nie ohne Ketchup.

Wer sich so intensiv mit Farben beschäftigt wie ich, der ist natürlich dankbar, wenn die ETH Zürich einen öffentlichen Vortrag über Farben anbietet. Am Dienstagabend bin ich zum Hönggerberg gefahren. Der Vortrag hiess: «Geschichte(n) zwischen Grün und Blau – von giftigen Tapeten, blutigen Maya-Ritualen und tibetischen Lebermitteln

Soll ich es verraten? Ja, doch. Bevor ich mich in den 69er-Bus setzte, habe ich im Internet nach «Testen Sie kostenlos Ihren IQ» gesucht. Ich habe zwei verschiedene Tests gemacht. Ich weiss, in der Schweiz redet man nicht gern über das Thema Hochintelligenz. Ich will dieses Tabu heute umstossen: Ich habe einen IQ von 104. Das bedeutet: Ich bin überdurchschnittlich intelligent. Ich darf an die ETH.

Übrigens: Auch Albert Einstein war überdurchschnittlich intelligent. Sowie Mozart, Bundesrat Johann Schneider-Ammann und Stephen Hawking.

Ich gebe aber zu: Ein bisschen Angst hatte ich davor, dass einer der 30 Rentner während des Vortrags Amok läuft. Was mache ich dann? Zum Glück stand auf der Tür des Hörsaals, wie man clever reagiert, wenn plötzlich jemand mit der Axt herumrennt. Der erste Schritt: Türe verbarrikadieren, dann die Alarmzentrale anrufen. Der nächste Schritt: nicht sprechen (also nach dem Anruf ). Der letzte Schritt: Polizeianforderungen befolgen. Mit meinem IQ von 104 habe ich sämtliche vier Schritte verstanden. Aber was mache ich, wenn jemand im Hörsaal herumballert? Dann auch die Tür verbarrikadieren?

Gott sei Dank kam es während des Vortrags aber zu keinen Handgreiflichkeiten. Stattdessen erzählte eine Frau über die geschichtlichen Hintergründe von Grün und Blau. Das hört sich jetzt furchtbar langweilig an. Andererseits: Was kann man Spannendes zwischen 18 und 19 Uhr erleben? Für einen Blitzkrieg gegen Polen ist es längst zu spät und für ekstatische Leidenschaft noch ein bisschen zu früh.

Ich habe zum Beispiel gelernt, dass die Menschen aus Basel tatsächlich nicht unbedingt die Klügsten sind. Sie haben es einfach nicht auf die Reihe gebracht, sich auf eine Tramfarbe zu einigen. Bis 1920 waren die Basler Tram hellgrün, bis 1935 Cellini-Grün, ab dann graugrün, dunkelgrün, mitteldunkelgrün, helleres Grün und seit 2017 mittelgrün. Da ist sogar meine Frau unkomplizierter.

Jeden Abend zwingt sie mich, ihr zuzuhören. Welche Stühle passen zum neuen Tisch? Hm, was denkst du? Buche oder Eiche? Oder lieber einen Farbkontrast? Hm? Es muss auch dir gefallen, Schatz.

1 Kommentar zu «Rot ist meine Lieblingsfarbe»

  • KMS a PR sagt:

    sie schmeissen unseren durchschnitts-br. jsa in den selben topf mit einstein (dreht sich im grabe um) und hawking (würde sich im grabe umdrehen). geht gar nicht. gut, es kommt immer drauf an, was man damit macht. intelligenz per se ist einem zufriedenen leben ja eher abträglich. und empathie? – hinsichtlich des letzten abschnitts – vergessen! – bringt auch nix. „intelligenz richtig eingesetzt“ hätte zur folge dass man damit alle(s) manipulieren könnte, ohne gewissensbisse-, und dabei auch noch steinreich würde. und das ist rein hypothetisch. ein hoher iq ist somit (leider) schlichtweg weder relevant, noch gewinnbringend praktikabel, im richtigen leben. amen.

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