Mitleid mit den Amis

Die Amis bekommen eine Art Flüchtlingsstatus in der Schweiz.

Die Amis bekommen eine Art Flüchtlingsstatus in der Schweiz. (Bild: Roland Zumbühl, www.picswiss.ch)

Ein guter Freund der Familie, ein Wissenschaftler mit iranischen Wurzeln aus dem Raum Zürich, musste als Folge von Trumps Muslim-Bann seine Flüge in die USA für dieses Jahr absagen.

Die Reaktion seines Umfelds war zurückhaltend empört. Er durfte also nicht mehr in die USA. Aber er kann noch immer in jedes andere Land, das ihm gefällt. Damit kann man leben. Unterschwellig ist er eine Art Held, weil er direkt von den Wirren der Weltpolitik betroffen ist. Das passiert in Zürich nicht so oft.

Viel mehr Mitgefühl zeigt mein Umfeld für die US-Amerikaner in Zürich. Es ist irgendwie wie in diesen Erdbeben-Situationen: Man findet es schade, dass man den Urlaubsflug umbuchen muss, aber das echte Mitgefühl gilt den armen Leuten im Katastrophengebiet. Es ist unfair, dass der Iran-Schweizer nicht in die USA fliegen kann, aber die Leute, die wieder dahin zurück müssen, tun uns viel mehr leid.

Jedes Mal, wenn ein US-Ami den Raum betritt senken die Leute den Blick. Es ist, als ob ein naher Verwandter Krebs hätte und man nichts dagegen tun kann. Wir versichern unseren Ami-Freunden immer wieder, dass wir sie trotzdem lieb haben. Dass sie nichts dafür können und dass wir in diesen schweren Stunden für sie da sind. Wenn jemand einen Trump-Witz macht («Trump wird nie eine Atomrakete abfeuern» – «Dem Irren trau ich alles zu» – «Ja schon, aber man muss dazu einen 16-stelligen Code fehlerfrei eingeben …»), und ein Ami stösst dazu, hat man das Bedürfnis, sich für die Pietätlosigkeit zu entschuldigen. Die US-Amerikaner bekommen eine Art geschützten Flüchtlingsstatus in der Schweiz.

Es ist ja nicht so, dass die Amis es vorher leicht gehabt hätten. Ich hab auf meinen Reisen US-Amerikaner getroffen, die sich als Kanadier ausgaben, um Anfeindungen wegen Bush und den Irak-Kriegen auszuweichen. Aber Trump hat den europäischen Anti-Amerikanismus aufgelöst. Seit Anfang Jahr müssen sich die Amis in Zürich nicht mehr harten Diskussionen über die US-Politik stellen, sondern sie werden geschont. Sie sind nicht die Täter, sie sind die Opfer.

Meine Frau hat ihren US-Studenten und Doktoranden unser Gästezimmer angeboten, falls sie nicht mehr zurück wollen oder können. Meine linken Freunde organisieren Online-Petitionen, mit denen die Demokratie in den USA gerettet werden soll.

Ich persönlich habe meine USA-Reise für 2017 auch abgesagt. Ich dachte mir, ich geh dann 2021 mit dem Hilfswerk «Demokraten ohne Grenzen» und helfe beim Wiederaufbau.

7 Kommentare zu «Mitleid mit den Amis»

  • Dieter Schmid sagt:

    Mitleid mit den Amis? Ganz sicher nicht. Jedes Land hat die Regierung, die es verdient. Und die USA sind nun mal die Absteiger des 21. Jahrhunderts.

  • Hans Hegetschweiler sagt:

    Die Einreisesperre für Doppelbürger ist bereits wieder aufgehoben, die brauchen nur ein Visum, das brauchen aber alle, die in den letzten 5 Jahren im Iran waren (kriegt man relativ leicht in Bern, kostet einfach Geld und Zeit).

    Übrigens – ich mag Trump ja nicht – aber der Satz „Fakt ist, dass sich die Amis hier für ihren Präsidenten schämen“ ist wegen des determinierten Artikels „die“ falsch. Ich kenne beiderlei Amis hier.

  • Sigi Neukomm sagt:

    Nur weil man „Muslim-Bann“ mantramässig wiederholt wird es nicht wahrer. Die Sperre gilt allen Staatsbürgern aus diesen Staaten und nicht nur Muslimen, die Religion spielt keine Rolle. Ausserdem wäre das ihrem Freund auch schon unter Carter und Reagan passiert, die haben nämlich das genau Glaiche gemacht. Das Gesetz stammt übrigens von Harry S. Truman aus dem Jahr 1952 und war keine Erfindung von Steve „Devil-Incarnate“ Bannon. Und könnte man aufhören zu weinen oder haben Sie um die Kubaner geweint, die Obama in seiner letzten Amtswoche mit einer Einreisesperre belegt hat und die genauso gestrandet sind? Nicht? Warum? Ach ok, Flucht aus einem kommunistischen Paradies ist ja was ganz…

    • Réda El Arbi sagt:

      Blablabla. Fakt ist, dass sich die Amis hier für ihren Präsidenten schämen. Fakt ist, dass Bannon und Trump ihr eigenes Dekret „Muslim-Ban“ nannten, bevor sie es „legal“ umsetzten. Fakt ist, dass Bundesrichter den Bann als Verfassungsbruch einschätzten. Fakt ist, das Trump damit den USA international geschadet hat.

      • geezer sagt:

        kein fakt, aber eine nicht ganz abwägige vermutung ist, dass Trump und seine (überalterten, weissen) herren mit ‚make america great again‘ eigentlich ‚make america white again‘ meinen…..

    • Hans Hegetschweiler sagt:

      Lieber Herr Neukomm

      Es muss befriedigend sein, ein Leben als Propagandist zu führen und die Wahrheit zu verdrehen. Obama hat keine Einreisesperre für alle Kubaner verhängt, sondern nur festgesetzt, dass man aus Kuba nicht mehr automatisch einreisen und eine Aufenthaltsbewilligung bekommen kann. Leute wie Sie betrachten ja praktisch niemanden als echten Flüchtling, mit Ihren Massstäben sind aber auch die Kubaner keine Konventionsflüchtlinge, weshalb das Wort „Flucht“ aus Ihrem Munde mehr als merkwürdig tönt.. Wenn ein Kubaner, wie jeder andere Bürger dieser Welt, ein Visum für die USA beantragen will, so kann er dies im Gegensatz zu einem Iraner tun..

  • geezer sagt:

    einer meiner ami-kollegen ist inzwischen eingebürgerter schweizer geworden. er schüttelt nur den kopf, wenn das thema ‚psychopathischer oberhäuptling der cowboys‘ aufkommt. wir verschwenden keine weiteren worte über diesen idioten, seine helfershelfer und unterstützer. und ja: ins ami-land wird es mich ferientechnisch in nächster zeit sicherlich auch nicht ziehen. da gibt’s sehr viele interessantere alternativen. es wäre noch interessant darauf zu wetten, wie lange sich solch ein trottel im anscheinend ‚besten land der welt‘ im amt halten kann…….

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