Der Kinder-Bespassungsmarathon

Was gibts als Nächstes?

Was gibts als Nächstes?

«Heute Alpamare, morgen gehen wir dann in den Zoo. Mittwoch weiss ich noch nicht, vielleicht Swiss Miniature, und am Wochenende sind dann wieder zwei Kinderfestivals», zählte eine Mutter einer anderen Mutter das Wochenprogramm auf – mit etwas ratlosem Blick auf die vier Sprösslinge, die im Zugabteil herumtobten . Der Sommerferien-Kinder-Bespassungsmarathon ist in vollem Gange.

Ich versteh ja, dass man die Kinder abends müde im Bett haben will. Und ich finds auch gut, dass man in den Sommerferien mal was gemeinsam unternimmt, wenn man schon Ferien hat. Aber brauchen Kids wirklich dieses Endlosprogramm?

Ich kann mich erinnern, dass ich die Sommerferien vor allem deshalb mochte, weil  mir kein nerviger Erwachsener mit irgendwelchen Aktivitäten auf den Sack ging. Meine Mutter unternahm ab und zu etwas mit uns, aber ehrlich, meistens konnten wir uns nicht mehr als einen Eintritt pro zwei Wochen leisten. Weder ins Alpamare noch in den Zoo. Und eben, ich war ganz glücklich so ohne Programm.

Wandern? *Klick, peng*
In die Badi, an Mamis Rockzipfel? *Not*
Museen? *Üärks*
Kinder, die ich nicht kannte, mit denen ich aber spielen sollte? *Tot umfall*

Ich konnte, durfte, musste mich mit mir selbst beschäftigen. Meine Mutter wollte zwar wissen, wo ich unterwegs war (mit 6), aber sonst vertraute sie mir. Und meistens war das unheimlich geil und ging gut. Naja, ausser als ich den Friedhof in Brand steckte (Sorry nochmals, Stadtverwaltung Dübendorf!) oder Strassenzoll von anderen Kindern eintreiben wollte (Ihr habt bei mir einen Kafi gut, ehrlich!). Ich hatte eine Badi-Saisonkarte, sobald ich bewiesen hatte, dass ich 50 Meter schwimmen konnte ohne abzusaufen. Ich hatte eine innige Beziehung zu meinem Velo, sobald es ohne Stützräder ging, weil es Freiheit bedeutete. Ich gab ihm sogar einen Namen. Und ich verdanke ihm so manche Narbe.

Aber in erster Linie lernte ich, mit Langeweile umzugehen. Ich lernte, eine Frustrationstoleranz zu entwickeln. Dort – und genau dort – startete mein kreatives Leben. Ich musste aus wenig oder nichts etwas Spannendes machen. Natürlich las ich viel. Aber irgendwann begann ich selbst Geschichten zu erfinden. Oder ich bastelte die Welt aus meinen Büchern in der Realität, aus allem was ich fand, nach. Ich entwickelte Vorstellungskraft und Fantasie. Ich lernte, eigene Entscheidungen zu treffen – und dann auch die Konsequenzen (Arztbesuche, Hausarrest, Taschengeldsperre, persönliche Entschuldigungen bei diversen Eltern, etc.) zu tragen.

Ich weiss, das hört sich extrem nach «Früher war alles besser» an. Aber so ist es nicht. Naja, wenigstens nicht ganz. Ich freute mich dann doch auch auf unsere Ausflüge. In erster Linie, weil sie aussergewöhnlich waren.

Ich habe den Verdacht, dass dieses kontinuierliche Bespassungsprogramm in den Kids eine gewisse Erwartungshaltung generiert. Jeder Ausflug muss noch geiler sein, jede freie Minute, die nicht mit Action gefüllt ist, ist wertlos. Kurz: So züchtet man sich kleine Konsumenten heran, die mit 18 in den Club gehen und böse Kommentare schreiben, wenn das Programm nicht den Wünschen entspricht. Man zieht ganz sicher keine Kids gross, die mit 16 ein eigenes Label gründen oder sonst irgendwie Initiative zeigen.

Vielleicht ist das übertrieben. Ich weiss es nicht, ich habe keine Kinder. Ich hab aber das Gefühl, dass es wert ist, mal fünf Minuten darüber nachzudenken.

64 Kommentare zu «Der Kinder-Bespassungsmarathon»

  • Oliver Brunner sagt:

    Ehrlich gesagt, glaube ich keinem die Hälfte von dem, was er hier geschrieben hat. Wäre eine zu gute Welt, ich würde dauernd den Ausgang suchen aus der Truman Show. Wieso schreibt niemand über Mitzürcher, die sich dauernd über zu laute Kinder aufregen, über Kinder, die einfach vor TV, Handy, Playstation sitzen, kiffen, onanieren und Tiere quälen, wenn sie nicht bespasst werden usw.

    Den ganzen Scheiss früher war alles besser, weil wir uns im Wald verprügelt haben und jeder den Purzelbaum konnte, kann ich nicht mehr hören.

    • irene feldmann sagt:

      Das ist es hr. Brunner, es tut echt weh heute zu leben! Und frueher?? Tat es auch weh nur VERGLICHEN mit was heute tatsaechlich und in ueberhand abgeht war frueher sowas wie adam&eva in woodstock( oder ihre persoenliche streetparade)::::))))

      • Lichtblau sagt:

        Frau Feldmann – genau so. Gilt für alle Ihre Beiträge.

        • tina sagt:

          sich im wald prügeln ist besser.?? aha. meine güte…..
          und heute leben tut weh??
          was stimmt eigentlich mit den erwachsenen heute nicht, die sowas von sich geben? 🙂
          ich erinnere mich, dass mein vater auch behauptet hat, früher und so, ihr wisst schon….

          • irene feldmann sagt:

            Niemand schrieb hier: im wald gepruegelt! Und was tatsaechlich mit den alten:) von heute NICHT STIMMT ist, sie koennen vergleichen weil die ALTEN von heute hatten eine kindheit wo grundsaetzlich alles aufgebaut wurde….und ja deshalb tuts HEUTE weh, weil heute ist entwicklung der tatsaechlichen beduerfnisse der menschen auf folgendem stand: lebensmittel hat es mehr als genug, doch werden sie bewusst so verteilt das hunger immer noch herrscht, um gewisse politische kanaele zum spuren zu bringen. Reichtum ja, doch nur fuer ganz spezielle gruppen wiederum fuer politische zwecke welche den denweilige finanzsack wieder fuellen…es gibt etliche beispiele doch lesen und denken sie selber…

          • irene feldmann sagt:

            Beim aufbau gab es auch korruption doch behaupte ich wesentlich weniger als heute auf grund dessen das die kommunikation anno duzis einfach nicht im ueberschall bereich lag wie heute. Und jetzt noch was, wenn leute das wort frueher erwaehnen dann glaubt es einfach, es war besser und nicht jeder hatte das privileg es zu erleben. ::))))

  • Anderegg sagt:

    Ja, warum sind es fast immer Menschen mit solchen Artikeln, welche keine Kinder haben? Tatsachen vermischen sich mit Schönreden und allgemeinem „Brei“… Viel Spass bei der „Verschlachtung“ von Texten wie diesen.

  • Irene feldman sagt:

    Klara, so hieß mein feuerrotes Mini-Velo::)))) unser programm hieß: das Dorf unsicher machen, und es gelang auch fast täglich. Mit Rollschuhen, damals mit 2lederriemen mit bändeln bestückt oder Trottinett mit Riesen Pneus doch auch mit häufigem bremsversagen ,die Straßen runter donnern meistens den Stillstand nur in den Büschen erstehen….:) ein Pflaster war da überflüssig, einfach die Zähne nicht verlieren, das war das Motto! Der Wald war für uns die Auslandsreise, der reißende Fluss ein provozierender Akt des Überlebens, das Leben war schön, und wenn man mal Getto-Gefühle hatte na für diese hatte man ECHTE Freunde…..dank dir reda für die Zeit Reise!!!

  • tststs sagt:

    Sie treffen den Nagel auf den Kopf; es handelt sich auch meiner Meinung um eine Veränderung zu früher (jedoch war es früher nicht besser, weil man es bewusst besser machte, sondern weil man schlicht keine Zeit für Bespassung hatte; und einem noch kein schlechtes Gewissen eingeredet wurde, wenn man nicht 24/7 ums Kind war).
    Dies ist übrigens nicht nur im Privaten beobachtbar, sondern auch in der Schule… Unterricht findet häppchenweise statt und muss ja einem Event gleichen. Mit dem Ergebnis, dass dann junge Leute (>16) bei mir sitzen, die schon überfordert sind, wenn sie in aller Ruhe 15 Minuten (jawohl, eine VIERTELSTUNDE!) einen Text lesen sollen!

    • Maiko Laugun sagt:

      „..sondern weil man schlicht keine Zeit für Bespassung hatte..“

      Einspruch! Das Gegenteil ist der Fall. Heute sind die jungen – und sowieso heillos überforderten – Eltern zu sehr mit ihrem eigenen (!) Bespassungsmarathon beschäftigt. Das liegt der Hund —äh… das Kind begraben.

    • tina sagt:

      das mangelnde durchhaltevermögen kommt doch eher von der heutigen medien-zapperei. ich meine damit dass gezappt wird auch wenn man selber nicht zappt. auch bei nachrichten. damits dem zuschauer ja nicht zu langweilig wird. ich selber kann mich kaum mehr 15minuten konzentrieren, man ist sichs nicht mehr gewohnt

  • Judith Anna van der Linde sagt:

    Meine Berner Grossmutter pflegte uns auf entsprechende Klagen zu sagen“Nur de tumme Ching isch langwiilig!“.Meinen Enkelkindern habe ich das weitergegeben und wenn heute eines daher kommt und mit dem Schlachtruf „Mir isch langwiilig“ versucht, Action zu erzeugen, muss ich bloss sagen“Habe ich dir schon einmal erzählt, was mein Grossmuetti……“und schon suchen sie seufzend selber eine Beschäftigung. Geht doch!!

  • KMS a PR sagt:

    hilft gegen langeweile und fördert das rollenverständnis -> er-kind im bademantel mit der seifenblasenpfeife im fauteil. sie-kind im schürzchen vor dem puppen-kochherd. limo holen, staubsaugen, bügeln. interdisziplinäre und pädagogisch wirksame dialoge spielen. er „die fernbedienung gehört mir. und mein lätzli ist dreckic – mach was!“ sie. „fauler sack! selbern.“ er. „mit kunsthistorik bist du auf mich angewiesen. mir macht die arbeit ja auch keinen spass, aber einer muss es ja machen“. sie. „möchtest du noch eine limo?!“

  • TS sagt:

    Grossartig geschrieben!! Es trifft genau den Punkt. Ich habe selber Kinder bringe ihnen aber konsequent bei auch allein zu spielen und sich zu beschäftigen. Am Anfang wird meist gemeckert aber dann verlieren sie sich in ihrer Fantasiewelt und das finde ich so wichtig. Ich bin nicht der Bespassungsterminator für meine Kinder – zumindest nicht pausenlos. Ich habe auch viel allein gespielt und mir die wildesten Geschichten ausgedacht – das war so cool! Mein Fahrrad war ebenfalls das Tor zur weiten Welt.
    Liebe Eltern – wir haben es alle selbst in der Hand – wie unsere Kids die Welt erleben und entdecken können. Am spannendstens ist es doch auf eigene Faust und ohne PC, Konsolen, Handies etc.

  • isabelle sagt:

    dafür, dass du keine kinder hast, siehst du das kolossal richtig – naja, warst halt selber mal eines 😉 wie hiess denn dein velo?

  • Maiko Laugun ★Klein-(!)-Kinder, Kerzen-, u. Blumenhasser★ sagt:

    «Früher war alles besser» an. Aber so ist es nicht.“

    Doch, früher war zumindest dies besser. Damals hat man die Kinder noch für ihren wirklichen Existenz- und Verwendungszweck angesehen, nämlich als lebendige Altersvorsorge.

    • Jones sagt:

      Maiko Misanthrop ich hoffe innigst, dass du keine Kinder has(s)t und finde es traurig wenn du Kindern einem ‚Verwendungszweck‘ zuschreibst, wie einem Gegenstand.
      Zum Glück warst du nie ein Kind und wenn dann wirst du deinem Verwendungszwck heute hoffentlich gerecht.
      Ansonsten wünsche ich dir ein einsames Leben und halte dich um Gotteswillen von Kindern, Blumen oder allg. anderen Lebewesen fern. Man muss nicht immer voll begeistert von Kindern sein aber so einen Anthrophoben bzw. Paedophoben möchte ich nicht begegnen und wenn sollte er sich besser vor mir fernhalten…

      • Maiko Laugun sagt:

        Für was denn sonst, ausser zur Fortpflanzung und als Beitrag zur Überbevölkerung, du Schlaumeier? Lerne den Unterschied zwischen sachlichen und emotionalen Argumenten. Von ersteren lese ich leider keine.

        P.S. Als 50+ Familienoberhaupt, Beschützer, Ernährer und Vater einer jugendlichen Tochter habe ich bisher weit mehr in die AHV einbezahlt als ich jemals erhalten werde. Also, erziehe deine Gofen richtig, damit die dann meine Rente bezahlen.

        • Jones sagt:

          Dein Problem ist, dass du zu alt warst als du Vater wurdest, wie es scheint. Hättest es lieber bleiben lassen. Sei froh dass du noch etwas von deiner AHV hast, bei mir wird das anders aussehen. Zudem wäre es doch sachlicher wenn man solche wie dich wenn Sie dann auf Hilfe angewiesen sind (und ihre Kinder als Altersvorsorge missbrauchen) einfach abtun würde. Bei der Überbevölkerung und Überalterung unserer Gesellschaft wäre dies die sachlichere und emotionsfreiere Lösung, findest du nicht. Nur um mal auf deinem Niveau zu argumentieren. Nur so du Schlaukopf. Das Einzahlen in die AHV hat bei uns nichts mit Erziehung zu tun. Höchstens mit dem Bildungsstand und Dauer der Arbeitstätigkeit……..

          • Maiko Laugun sagt:

            Oh, jetzt verstehe ich. Du bist noch ein ganz Junger und hast von nichts eine Ahnung. Hoffentlich weisst Du wenigstens schon wie das geht, ich meine das mit dem Kinder produzieren. Ist leider der falsche Ort hier, um es Dir zu erklären. 🙂

  • Fussel sagt:

    Langeweile fördert Kreativität.

  • sonja sagt:

    seh ich auch so : es braucht unverplante freizeit. kann auch mal langweilig werden. aber alles in allem haben ja die kids (und die eltern) eher zu viel programm und stress als zu wenig. drum geniess ich es total, in den ferien mit den kids einfach zeit zu haben und der nase nach zu gehen. diese nase führt uns auch mal in die badi oder in den europapark, wenn uns danach ist. aber oft genug spielen wir zuhause oder draussen und geniessen das langsame tempo der ferien.

  • Dani sagt:

    Also ich habe Kinder – und ich sehe das genau so! Gut erkannt. Schade, dass so viele Eltern immer angst haben, etwas falsch zu machen. Ich verbringe viel Zeit mit meinen Kindern. Und manchmal liege ich sogar einfach mit ihnen am Zimmerboden und langweile mich mit ihnen. Und irgendwann kommt eine Idee, von irgend jemandem. Es entstehen so immer wieder tolle Dinge.
    Mein Tipp: Fragt doch mal die Kinder was sie tun wollen. Im Winter kommt ab und zu der Vorschlag: Wollen wir im Pyjama zuhause bleiben? Und wir haben einen tollen Tag zusammen. In der selbstgebauten Hütte unter dem Esstisch. Oder im präparierten Wohnzimmer mit vielen Inseln – denn der Boden ist Lava! 😉

  • Barbara sagt:

    Unsere Kinder durften genau solche Ferien geniessen. Einzig die Lager waren gesetzt. Aber auch die waren Abenteuer pur.

  • Clara sagt:

    Ich habe drei Kinder und ja man könnte immer noch mehr machen. Aber ich sehe es auch im Umfeld die Kinder sind dankbarer und zufriedener, wenn nicht immer alles geboten wird. Und die Ansprüche wachsen. Wir unternehmen auch viel in der Natur. Gehen aber auch mal in den Zoo oder Ravensburgerspieleland. Ist aber eher die Ausnahme und sie schätzen es umso mehr. Und das danke ist umso grösser nachher. Aber vielfach ist es einfach auch aus Bequemlichkeit, denn ein Spiele-oder Basrelnachmittag Zuhause ist den meisten wohl zu anstrengend

  • Paula sagt:

    Ich bin total für die Langeweile.
    Das arme Hirn sollte sich doch zwischendurch entspannen können, nicht?
    Leider gibt es sie fast nicht mehr – dafür umso mehr Smartphones! Mit tollen Apps!
    Yeah – wo das wohl hinführt?

  • Marisa sagt:

    Ich habe drei Kinder, und wir waren 2 Wochen in den ferien in Italien. Strandferien, mit jeder Menge, schnitz, Fischen, krebsli fangen, sandburgen bauen und langeweile Potenzial. dann waren wir auch mal im Zoo, und ein paarmal in der Badi.Aber wir machen viel solche sachen, wie Alpamare, Lego land u.s.w. und ich geniesse jede einzelne Minute mit meiner Familie.Mir ist das so etwas von Piepegal, was andere davon halten.Es hat ja sowieso immer jemand etwas auszusetzen, egal was und wie mans macht.Drum, ich mach was ICH will, und das ist der Schlüssel zum Glück.

    • geezer sagt:

      @Marisa: finde ich sehr gut! so wie du das beschreibst, verbringt ihr wirklich viel zeit miteinander, was sehr wichtig ist.

      der im blog beschriebenen hyperaktivität und dem ‚vollen unterhaltungsprogramm‘ für den nachwuchs liegt m. e. eine konsumeinstellung der eltern zugrunde, welche den kindern nun wirklich nicht noch mehr antrainiert werden sollte, als es von werbung und medien schon gemacht wird. zudem: das geht ganz mächtig ins geld!

      andererseit sind heute die hälfte der erstklässler motorisch nicht mehr zum purzelbaum fähig: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/nur-die-haelfte-der-kinder-kann-den-purzelbaum/story/14850419. herumturnen ist auch gratis..:-)

      • tina sagt:

        genau. was als bespassen runtergemacht wird ist zeit miteinander verbringen. unsere eltern glänzten durch desinteresse. war damals zeitgeist, nicht dass ichs ihnen übelnehmen würde

  • Laura sagt:

    Zum hier aufkommenden Thema «Kinderlose sollen die Fresse halten!»: Ja, ich übe Kritik an Helikoptereltern, an allzu antiautoritären Eltern und an der hier beschriebenen „Dauerbespassung“. Ich denke (oft) und sage (selten) «Das würde ich anders machen.» Diese Kritik müssen Eltern ertragen. Genau so, wie ich die Frage ertragen muss, ob ich (40) nicht doch langsam die biologische Uhr ticken höre und ob ich mir bewusst sei, was ich verpasse. Wir alle dürfen schlecht finden, was der jeweils andere tut. Und wir dürfen das auch offen sagen! Einem Aussenstehenden den Mund zu verbieten, wie es Eltern gegenüber Kinderlosen (und anderen Eltern!) oft tun, gehört sich einfach nicht.

    • geezer sagt:

      @Laura: heute sind die kinder (in den augen ihrer helikoptereltern) halt ‚mega individuell und jedes kind ist ein ABSOLUTER SPEZIALFALL‘, da erträgt es scheinbar keine kritik mehr. wir waren eben noch ‚massenware‘, da durfte auch noch von extern ab und zu mal kritisiert werden…:-) ich bin jedoch positiv erstaunt, dass dieser blog nicht mehr echo seitens erzürnter eltern erzeugt…..

      • Katrin sagt:

        Ich bin auch der Meinung, dass man schlecht finden darf was andere tun. Aber ich verstehe das Bedürfnis, dies ungefragt zu äussern, nicht. Egal bei welchem Thema. Es klingt einfach schnell nach ‚ich bin der bessere Mensch‘ und das wirkt intolerant und unsympathisch.

  • Kamran Safi sagt:

    Zuerst dachte ich lass es, denn mein Credo #1 ist: Reagier nicht auf die Ratschläge alternder kinderloser Erziehungberater (wovon eine ganze Armee existiert). Ich kann aber nicht anders. Die Zeit, die ich mit meinen Kids habe, ist sehr beschränkt und unfreiwillig auf die Ferienzeit fokussiert. Es geht nicht um Bespassen, es geht darum in einem Minimum an Zeit ein Maximum an Familie rauszuholen, denn schliesslich haben wir bewusst Kinder gewollt. Nichtarbeiten ist leider keine Option. Und meine Kids langweilen sich viel und oft, aber bitte nicht wenn ich Urlaub habe. 13 Wochen Schulfrei – 5 Wochen Urlaub = 8 Wochen Langeweile, sollte reichen für ausreichend kreatives kaputt machen.

    • Réda El Arbi sagt:

      Hihi, auf deinen Comment hab ich gewartet, Kami. Aber da ihr ja öfters im Notfall und bei Elterngesprächen seid, mach ich mir keine Sorgen um die Kreativität eurer Kids 🙂

    • Marc sagt:

      „Und meine Kids langweilen sich viel und oft“. Diese Aussage bzw. diese Tatsache verstehe ich überhaupt nicht. Mir war’s als Kind NIE langweilig. Meine Mutter war zwar immer zu Hause und mein Vater nach der Arbeit auch, aber ein Unterhaltungsprogramm war nicht nötig. Keine Minute war es mir da langweilig. Ich habe alleine, mit meinen Brüdern oder mit anderen Kindern gespielt. Das Leben war das reinste Abenteuer. Ins Haus sind wir oft nur gegangen wenn’s Essen gab ansonsten waren wir immer draussen.

      • Lichtblau sagt:

        @Marc: Habe Sie, aufgrund des Namens, erst für meinen Bruder gehalten:-). Denn ganz ähnlich würde ich meine Kindheit beschreiben. Langeweile gab’s nicht, Regentage überbrückte ich mit exzessivem Lesen und sonst war draussen Spielen in Freiheit angesagt. Irgendwo habe ich aber mal gelesen, dass alle, die eine so glückliche Kinderzeit erlebt haben, sich danach wie aus dem Paradies verbannt fühlen. Und ja, das hat was.

  • Katrin sagt:

    Schon komisch, dass man als Eltern ständig kritisiert wird. Selbstverständlich unter dem Deckmantel des sich um die moralisch-ethische Zukunft der Gesellschaft Sorgenden. Man muss also eigentlich sogar dankbar sein, dass endlich mal jemand sagt, wie’s sein bzw. natürlich eher wie’s nicht sein soll. Nicht dass wir uns da in der Kindererziehung noch weiter in die Misere reiten. Nur: auch die Erwachsenen waren früher nicht so intensiv bespasst und keiner regte sich in den Ferien über den schlechten Handyempfang oder das fehlende WIFI auf. Früher hat man in den Ferien ein Buch gelesen, heute hat man das Handy, Tablet, Laptop und den Kindle dabei. Immer gut: vor der eigenen Haustür kehren.

  • thomas sagt:

    Ach – aufgewachsen in Volketswil erging es mir gleich wie dem Autor. Badi Waldacher mit Velo, ohne Handy, nicht erreichbar. Einfach „am sächsi dihei zum znacht“.oder sackmesser vom Vater geklaut und ab in den wald…dinge anzünden, in die luft sprengen, baustellen auseinander nehmen. Die heutigen Kinder sind immer beaufsichtigt. Paranoide eltern mit überwachungswahn, übersensible schulbehörden & kinderpsychologen. die eltern sind von diversen Ratgeber-Büchern bestens ausgebildet . da geht nichts mehr schief in der erziehung. alles folgsame kleinkonsumenten…
    werden wir 80er Kinder uns bald um die jungen mitzwanziger kümmern und ihnen zeigen, wie man den kopf wieder selber braucht?

  • geezer sagt:

    kann das auch beobachten. und ich weiss nicht mehr, wann ich das letzte mal von einem teenager gehört habe, dass er einen ferienjob hat, um sich irgendeinen wunsch zu finanzieren (die alten bezahlen ja sowieso alles). klar kann man früher nicht mit heute vergleichen. wir hatten als goofen noch keinen pc (erst als teens hatte dann er eine nachbar einen Atari, die sensation!) und kein mobile inkl. sogenannt ’sozialen netzwerken‘. wir waren im wald, in der badi oder auf dem velo. mutter hatte keine ahnung, wo genau wir steckten. wir haben im der natur hütten gebaut, bäche gestaut und ganze sturzfluten verursacht. sind auf bäume und über felsen geklettert und haben feuer gemacht. lässig.

    • Roman sagt:

      sprichst du mit vielen teenagern?
      meiner Meinung nach ist das einfach das übliche gejammer.: früher war alles besser…
      es langweilt…

    • tina sagt:

      mutter bekam auch keine probleme mit der vormundschaft/KESB, wenn sie nicht wusste wo du steckst oder womöglich von diesem fels runtergefallen bist (rembember „loch im kopf“? den ausdruck gibts gar nicth mehr)

  • Evy sagt:

    Ich finde das zwangshafte Bespassungsprogramm übertrieben. Wenn die Kinder schon alles erlebt haben und jedes Jahr an exotische Ferienziele bereist haben, bleiben ihnen gar keine Perspektiven als Erwachsene.
    Zudem sind die Ferien auch für die Kinder zur Erholung gedacht. Unser Jüngste (8J) verlangte vor den Sommerferien explizit, sie möge Zeit zum ausschlafen, Nichtstun und spülen haben.

    • tina sagt:

      spülen? was für ein musterkind 😀 😀 😀

    • tina sagt:

      dass man jemals alles gesehen haben könnte ist doch blödsinn. reisen mit kindern sind nur gut und haben mit bespassen nichts zutun. was als bespassen dargestellt wird ist meiner ansicht nach ein grosses feld, das man differenziert betrachten muss. bespassen wäre wenn ich dem kind unterhaltung biete. die ferienkurse bieten input. heute hat man nicht mehr so platz für freies spiel wie früher, die strassen wurden gefährlicher, die behörden hat man immer im nacken

  • Pascal Müller sagt:

    Bei diesem Artikel beschleicht mich etwas das glorifizieren der eigenen Kindheit („wir hatten kein Geld und darum war alles viel besser“. Umso mehr gebe ich dem Autor Recht, dass die grösste erzieherische Herausforderung heutzutage darin besteht keinen konsum-süchtigen, narzisstischen Teenager heranzuziehen. Wir geben uns mit 3 Kids mühe, aber mit den erwähnten Hürden (druck auf dem Pausenhof, Gruppenchats,…) ist das nicht ganz einfach. Etwas weiter ausgeholt scheint mir das auch immer wiederkehrender „Trend“ von den aktuellen (ich sage bewusst) Amokanschlägen zu sein (Einzelgänger, wurden viel gehänselt, etc.). Die Religion bietet dann nur ein Aufgangbecken, ist aber nicht die…

  • Britta Müller sagt:

    Ich bin in einer Zeit groß geworden, als es noch 8 Wochen Sommerferien gab. War ne tolle Zeit. Ich war jeden Tag nach dem Frühstück draußen. Irgendwer war immer greifbar. Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen. Manchmal,sind wir ins Schwimmbad gegangen, manchmal ins Kino. Die Krönung war da schon ein Besuch im Zoo. Also ich war in den Ferien mich selbst selbst überlassen. Mutter hat gearbeitet, da war also nichts mit Bespaßung jeden Tag. Ist garnicht schlimm, wenn man weiß wie es geht. Unseren Kindern habe ich das weiter gegeben. Und die sind auch groß geworden. Man muss seinen Kindern nicht alles bieten müssen. Eigentliche ist das denen egal, die finden schon eine Beschäftigung. Glaubt mir.

  • TiFlaYa sagt:

    Wir habe 3 Kinder, (4, 8, 10) waren 5 Wochen hier…
    Haben Freibäder besucht die in unserem Sportpass inkludiert sind, wir sonst nicht besuchen da „eusi Badi“ mit dem Velo in 5min erreichbar ist. Waren auf dem Campingplatz, 40min von Tür zu Schranke. Haben unser Zoo Abo gebraucht, waren mit der Mitgliederkarte im Technorama. Die Kids haben an der Kreisbundesfeier mitgeholfen und jeder ein neues Schwimmabzeichen. Die Grossen dürfen 1h am Tag ihr Tablet brauchen, danach stellt es sich selber ab. Wir waren jeden Tag zusammen unterwegs. Stopp stimmt nicht, der Grosse ist gerade noch im Trainingslager – da wird er von anderen bespasst. Langeweile? Ja das gibt es, aber soll ja gesund sein 😀

    • Eric sagt:

      „Tablet stellt sich nach 1h selber ab“: Wie geht das denn? (das hat mir schon mal einer erzählt, der hatte jedoch geflunkert und diese Funktion schlicht erfunden…)

      • Laura sagt:

        @Eric
        Das geht durchaus. Es gibt unter Android diverse Apps, die den zeitgesteuerten Gebrauch ermöglichen (und die sich ohne Master-, sprich Elternpasswort nicht umgehen lassen).

  • Benni Aschwanden sagt:

    Einverstanden! Schade, dass es viele derjenigen offenbar nicht merken, die Kinder haben. Reizüberflutung ist das Stichwort, betrifft übrigens nicht nur Kinder. Ich erachte die beobachteten Verhaltensänderungen bei den heutigen Kids nicht als übertrieben oder banal. Durch praktisch pausenlose passive Berieselung mit Reizen (optisch über Bildschirm, akustisch über Kopfhörer) verlernt das Hirn aktives kreatives selbständiges Denken. Das Gehirn ist wie ein Muskel, es passt sich an, braucht Training und Pausen! Jugendliche halten es heute ja kaum noch aus, mal 10 Minuten gar nichts zu tun. Und machen ihre Eltern damit verrückt. Und bekommen darum psychologische Nuggis: Handy und Daueranimation.

    • Benni Aschwanden sagt:

      Eine andere Ursache für den vermehrten Bedarf nach ultra-coolen exklusiven und superspeziellen Happenings in den Ferien orte ich in der massiv angestiegenen Bedeutung von Sozialprestige, schon und besonders bei Schulkindern. Weil heute über Chatforen jeder über jeden Bescheid weiss und Loser schnell gefunden werden möchte man sich mit etwas Vorzeigbarem nach den Ferien auf Fb, Insta, Whatsapp, Snapchat etc. zurückmelden. „Ich war in den Ferien zu Hause“ hat halt weniger Prestigefaktor als „Wir waren in Disneyland“. Nicht zuletzt auch für die möchtegernhippen Eltern.

  • Nadine sagt:

    Ich habe zwar auch keine Kinder, bin aber Primarlehrerin und somit täglich mit Kids zusammen. Mich schmerzt nichts mehr, als wenn Kinder nach den Sommerferien in die Schule kommen und erzählen, dass es ihnen langweilig war und sie nur am PC gezockt haben. Diese Kids tun mir leid! Gemeinsame Aktivitäten mit der Familie braucht es, aber sicher nicht täglich. Und was man Draussen alles machen kann, ohne das Handy oder den PC, muss ihnen jemand zeigen oder vorleben, sonst wird da leider nichts draus. Ich hab nur im Wald Stöcke geschnitzt, weil mir jemand gezeigt hat, wie man mit einem Sackmesser umgeht…

    • Réda El Arbi sagt:

      Ich hab im Wald Finger geschnitzt, bis ich rausgefunden hab, dass es auch Stöcke gibt. Langeweile ist ein Kulturgut, das uns langsam ausgeht.

    • maia sagt:

      @Réda – so arg muss es ja nicht unbedingt sein ;-); aber es ist schon schon auf manches kommt man alleine und da braucht es Versuch und Fehler! @Nadine: draussen hat(te) es ja meinst jüngere und ältere Kinder, welche einem dieses und jenes (wobei vor allem „jenes“ (=verbotenes, gefährliches, spannendes….)) beibringen.

    • geezer sagt:

      ich frage mich in diesen fällen aber wirklich, was sich die alten dabei überlegen. die kinder wochenlang während den ferien vor dem pc verblöden zu lassen. wahrscheinlich haben sie einfach keine zeit, sich richtig um sie zu kümmern. und der pc ist halt ein günstiges ‚chindermeitli‘, aber sich kein gutes. wie hiess es früher: bei schönem wetter dürft ihr sicher NICHT drinnen sitzen und fernsehen!

      mir tun auch die kinder leid, die ich hier in der stadt in den shopping centren ‚abhängen‘ sehe. überhaupt nichts zu tun. keine anreize und wohl schon keine fantasie mehr, selbst etwas zu unternehmen. nur abchecken, wer schon die neuesten turnschuhe etc. trägt und wer nicht……

      • tina sagt:

        ich bin jahrgang 69 und in der agglo aufgewachsen. WIR wussten nicht was unternehmen. WIR haben nur blöd geschwatzt und halblegales zeugs gemacht. WIR sind nur blöd herumgehängt. hauptsache draussen?

  • Stefan sagt:

    Darf ich Dir meine Kinder „Ausleihen?“

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