Der totale Mario

Schwerpunkt: PK des siebenköpfigen Gesamt-Regierungsrats zum Sparprogramm des Kantons, mit Stocker, Fehr&Fehr, Heiniger, Steiner, Kägi, Walker-Späh. Mario Fehr. 13.04.2016  (Tages-Anzeiger/Urs Jaudas)

Er beschützt uns alle. Tag und Nacht, ich schwör! (Foto: Urs Jaudas)

Einer will kommen und uns retten. Er will die totale Sicherheit. Er will Menschen mit einem gewissen Status die Bewegungsfreiheit einschränken, sie präventiv und ohne Anklage und Urteil in einem Rayon einschliessen (früher nannte man sowas «Ghetto»). Er will abgewiesenen Asylbewerbern auf Vorrat die Bewegungsfreiheit nehmen, obwohl das Ausschaffungsprozedere bereits juristisch geregelt ist. Zur Begründung bringt er ein Beispiel, das aus allen abgewiesenen Asylbewerbern potentielle Drogendealer macht. (Nachzulesen hier)

Der Mann will auch noch eine Kleidervorschrift für eine religiöse Minderheit (früher nannte man das … ach, lassen wir das)Er will das Burkaverbot, weil er für uns offenbar eine Gefahr in gefühlten 50 verschleierten Muslima im Kanton ausgemacht hat. Auch dies auf Vorrat, da mir persönlich kein Fall von Staatsgefährdung, Terrorismus oder nur schon Ladendiebstahl durch eine verschleierte Frau bekannt wäre.

Aber das reicht noch nicht. Er will die totale Überwachung jeglicher Kommunikation durch den Staat, sprich, durch seine Leute. Er will die Instrumente dazu so dringend, dass er nicht mal die neue Gesetzgebung abwarten konnte, bis er sie (bei Betrügern) einkaufte und sie in einem juristischen Graubereich einsetzte. Ein Trojaner, der – wie auch alle kriminellen Hacker – Hintertüren und Fehler in Software ausnutzt, anstatt sie sicherer zu machen.

Das ist unser Supermario – Mario Fehr, der «linke» Sicherheitsdirektor. Also, links nennt er sich selbst, und sein Parteibüchlein von der SP soll das auch beweisen. Aber eigentlich kümmerts mich nicht, wie sich jemand nennt oder einschätzt. Ich beurteile einen Mann nicht nach seinem Parteibüchlein, sondern nach seinen Handlungen und Äusserungen.

Er handelt sicher nicht im Stile der SP. Das ist auch nicht irgendwie linksliberal. Sowas grenzt an einen inneren Zwang zur Sicherheit. Auf Kosten der Freiheit.

Manche würden ihm jetzt vorwerfen, er sei nach rechts gerutscht, vielleicht, um sich neue Fans und Wähler zu sichern. Aber das ist es nicht. Ich denke, der Mario leidet unter einer Deformation professionelle. Er sieht sich als Sicherheitsdirektor als Übervater, der alle seine Kinderchen beschützen muss. Wahrscheinlich kann er nachts nicht schlafen, wenn er sich vorstellt, was uns alles von jedem drohen könnte. Ich nehme an, er kriegt Schnappatmung, wenn er in einem Bahnhof einem Bärtigen oder einer Verschleierten begegnet. Wahrscheinlich sieht er in jedem Pokemon-Jäger mit Smartphone eine potentielle Datendrehscheibe für den IS.

Nun, die totale Sicherheit gibts nur in totalitären Systemen. Und Mario Fehr ist uns dahin zwei Schritte voraus, immer ganz knapp am Rande der Legalität: Ein ausgesprochenes Bewegungsverbot wurde bereits von einem Gericht kassiert. Und im Fall des fragwürdigen Einsatzes des Staatstrojaners hat eine selbst in den Fall involvierte Behörde es nicht für nötig befunden, eine Untersuchung durchzuführen.

Irgendwer aus seiner Partei sollte dem Sicherheitsdirektor vielleicht klar machen, dass er nicht alle einsperren, ausspionieren oder einem Kleiderzwang unterziehen kann, um die freiheitliche Demokratie zu retten. Jemand sollte ihm sagen, dass er so die freiheitlich-demokratischen Werte ad absurdum führt. Jemand müsste ihn unbedingt beiseite nehmen und ihm einmal die sozialdemokratische Grundidee vorbeten.

Aber wahrscheinlich würde er nur wieder beleidigt sein Parteibüchlein für ein paar Tage zurückgeben. Und die Genossen würden sich so davor fürchten, das Amt des Sicherheitsdirektors aus dem Parteirepertoire zu verlieren, dass sie ihm wieder nachhöselen würden. Die Linke hatte immer Beisshemmung, wenns um eine ihrer Ikonen ging. Diesmal haben sich sogar einige zu zögerlicher Kritik hinreissen lassen. Aber hier steht die ganze Glaubwürdigkeit sozialdemokratischer Politik  auf der Kippe. Mal sehen, was von den Genossen in den nächsten Tagen und Wochen noch so kommt.

Irgendwie bin ich froh, dass ich kein Parteimitglied bin. So kann ich meinen Prinzipien treu bleiben, ohne mich für Ämter und Würden zu verkaufen. Und meine Freunde können mir klar ins Gesicht sagen, wenn ich Scheisse baue.

Natürlich wird Herr Fehr sich bei meinen Vorgesetzten über meinen respektlosen Ton beschweren. Er wird, wie beim letzten Post, für eine Weile nicht mehr mit dem Tages Anzeiger sprechen. Deshalb gleich hier: Eine Carte Blanche für Herrn Mario Fehr, mit der er sich hier im Stadtblog ohne Probleme meiner Einschätzung entgegenstellen kann.

19 Kommentare zu «Der totale Mario»

  • Sportpapi sagt:

    „Irgendwie bin ich froh, dass ich kein Parteimitglied bin. So kann ich meinen Prinzipien treu bleiben, ohne mich für Ämter und Würden zu verkaufen.“ Und auch kein Politiker, schon gar nicht in einem Exekutivamt. Die müssen dort nämlich ihren Job machen, nach bestem Wissen und Gewissen, und nicht nach Parteibüchlein. Und das gilt ja nicht nur für die Linken.

    • Réda El Arbi sagt:

      Ich müsste meinen Job so machen, dass ich meinen Prinzipien treu bleibe. Warum haben wohl überall in Zürich die Linken die Sicherheitsposten? Stapo, Justizdepartement, Sicherheitsdirektor.

  • Héloise sagt:

    Vielleicht ist Mario Fehr ein Vordenker? Gut möglich, dass er für seine Partei dringend benötigte neue Wählerschaften rekrutieren oder ehemalige zurückholen wird. Und die werden sich dann aus dem Reservoir der „Vernünftigen“, das ohne SVP-Clientèle auskommt, speisen. Sich für die Burka (und all ihre bescheuerten Abwandlungen) stark machen: hallo?

  • Philipp Rittermann sagt:

    der mario macht das schon richtig. und deshalb wird er wohl „gezwungen sein“ in eine vernünftige partei zu wechseln.

  • Marco Weibel sagt:

    Alle reden vom Burkaverbot und ignorieren den eigentlichen Staatsterror, den dieser Regierungsrat schon seit zwei Monaten gegen die Schwächsten der Gesellschaft einsetzt. In dieser Sache ein Danke an Réda El Arbi. Aber bitte «er will» ersetzen mit «er tut». Die 33 bis heute eingereichten Rekurse gegen die Eingrenzung kommen von einer Minderheit der Eingesperrten, weil die Maximalstrafe bei Übertretung (3 Jahre unbedingt) Viele davon abhält, nur schon eine Rechtsvertretung zu kontaktierten. Denn Herr Fehr hat dafür gesorgt, dass selbst für Anwaltsbesuche kein Ausgang gewährt wird.

  • Ruedi sagt:

    Glaubwürdige Medien und Politik?

    Zitat von John Swinton (1829-1901, ehemaliger Herausgeber der New York Times):

    „Es gibt keine solche Sache wie eine unabhängige Presse. Sie wissen das, und ich weiß es. Es gibt nicht einen von Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn Sie es würden, wissen Sie im Voraus, dass sie nie im Druck erscheinen würde.

    Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, um meine ehrliche Ansicht aus der Zeitung, mit der ich verbunden bin, herauszuhalten. Andere von Ihnen erhalten ähnliche Vergütungen für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der närrisch genug wäre, ehrliche Meinungen zu schreiben, würde sich auf der Straße wieder finden…

    • Ruedi sagt:

      …um sich nach einer anderen Arbeit umzusehen.

      Wenn ich es mir erlauben würde, meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung erscheinen zu lassen, wäre ich meine Beschäftigung vor Ablauf des Tages los.

      Die Aufgabe der Journalisten ist es, die Wahrheit zu zerstören, geradeheraus zu lügen, zu verdrehen, zu verunglimpfen, vor den Füßen des Mammons zu kuschen und sein Land und seine Rasse für sein tägliches Brot zu verkaufen.

      Sie wissen es, und ich weiß es. Was für eine Narrheit ist dieses Trinken auf eine unabhängige Presse! – Wir sind die Werkzeuge und Vasallen reicher Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Fäden und wir tanzen…

      • Ruedi sagt:

        …Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unser Leben sind das Eigentum anderer Männer – Wir sind intellektuelle Prostituierte.“

    • Réda El Arbi sagt:

      Ich kann es mir leisten.

      • Saxer sagt:

        Ja Sehen Sie Herr El Arbi … Mario Fehr als wirklich insgesamt einziger SP Politiker den man in Fragen der Sicherheit ernstnehmen kann, kann es sich auch leisten Sie zu ignorieren… Von Ihnen beiden kennt einer den Unterschied zwischen einem Schmierling und einem ernstzunehmenden Journalisten … und Sie sind es nicht…

        • Réda El Arbi sagt:

          Ja, wo genau gibts denn mehr Sicherheit?

          Ich denke, Sie verwechseln „Sicherheitsgefühl“ mit Sicherheit.

          • Saxer sagt:

            Es wird zum Beispiel auf Antrag an einen Richter möglich sein Angehörige des schwarzen Blocks und des Hausbesetzergesindels zu überwachen und ihre verbrecherischen Aktivitäten zu unterbinden … ein Plus an Sicherheit für die gesamte Gesellschaft.

  • Yadigar Özdeniz sagt:

    İch würde ein Burka Verbot Schweizweit begrüßen. Meine Generation hat für die individuelle Freiheit der Frau hart gekämpft.
    Einst in meiner Bekanntenkreis gab es lediglich zwei Frauen mit Kopftuch. Heute sind nur zwei die keine Kopftücher tragen. Das ist nicht mehr die Religion die unsere Eltern, Großeltern, die von ihren Glauben Hoffnung schöpften und in Ihren Gebeten ausnahmslos alle Menschen miteinschlossen. Heute ist Islam und Islamismus ein globales Virus. Sie macht kein halt vor Bildung Aufklärung. Auch die Akademikerinnen und Akademiker importieren ihre Bräute und Bräutigame aus ihren Herkunftsländern, denn hierzulande sind Frauen und Männer nicht gläubig und traditionell genug.

    • Ruedi sagt:

      Zitat: „Denn hierzulande sind Frauen und Männer nicht gläubig und traditionell genug.“

      Das haben die Flüchtlinge von Anfang an gewusst. Sie importieren ihren Nationalismus in die Fluchtländer, zusammen mit ihren Problemen. Die Menschheit ist und bleibt im Denken und Handeln Nationalistisch, geprägt von ethischer Herkunft, bei den Moslems kommt noch die Religion als starker Politischer Machtfaktor dazu.

      Die meisten Einwanderer, Secondos sind und bleiben Stolze Nationalisten, selbst wenn ihr Land in Armut, Korruption oder sogar Krieg versinkt. Es wird die eigene Nationalität, Religion, Kultur aus falschem Stolz hochgehalten. Sogar dann noch, wenn sie versagt hat und so schlecht ist…

      • Ruedi sagt:

        …dass man vor ihr flüchten musste. Die Selbstlüge ist bei vielen stärker, wie der Wahrheit ins Gesicht zu schauen, die Fehler eingestehen, benennen und zu korrigieren um eine Änderung herbeizuführen, welche ein Leben in der Heimat ermöglicht.

        Einwanderungsländer sind selbstverantwortlich, die Ziele der Flüchtlinge zu durchschauen, und für die Maßvolle Steuerung der Einwanderung und Integration, welche aus beidseitigem Nationalistischen Denken nie zu 100%, und nur funktioniert indem eine Mehrheit eine Minderheit integriert, welche sich der Mehrheit anpasst. Sobald die Einheimischen zur Minderheit werden, funktioniert die Integration nicht mehr, sie kehrt sich um und wird zur Gefahr.

  • geezer sagt:

    ist doch hüben wie drüben: wenn einer mal parteipolitische tabu-themen anspricht, ist er halt gleich ‚gefährlich‘. wie z. b. wenn ein sünneliparteimensch sich gegen landwirtschaftssubventionen stemmen würde…..insofern würde es mich nicht erstaunen, wenn die linken in diesem fall Fehr schon bald dazu nötigen würden, bei ihnen auszusteigen. wenn die ideologie über den konsens gestellt wird, kommt’s selten gut. das trifft auf alle politischen lager zu.

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