Wem gehört die Stadt?

Die 24-.Stunden-Spassgesellschaft geht auf Kosten der Anwohner.

Die 24-.Stunden-Spassgesellschaft geht auf Kosten der Anwohner.

Das Züri-Fäscht steht wieder an und wieder steht die Frage im Raum, ob die Anwohner in der Innenstadt einfach mit dem Ausnahmezustand bei Grossanlässen leben müssen.

Natürlich ist es in den Jahren, in denen die Zürcher sowohl Street Parade wie auch das Züri-Fäscht aushalten müssen, speziell unangenehm. Aber das ist ja nicht die einzige Belastung. Das Seebecken ist auch ohne Grossanlässe jedes Wochenende die Freiluft-Partymeile der ganzen Region. Dreck, Randale und Lärm gehören vom ersten sonnigen Tag an zum Seeufer.

Und hier stellt sich auch die grundsätzliche Frage: Wem gehört die Stadt? Wer bestimmt wie über die Nutzung und die Beschränkungen im öffentlichen Raum? Es ist übrigens nicht nur das Seebecken, auch rund um die Langstrasse findet die Diskussion statt, wie viel von den Folgen der Party-Unternehmen und der 24-Stunden-Spassgesellschaft die Anwohner mit ihrer Lebensqualität mitfinanzieren müssen. Züri Fäscht, Street Parade, Sechsiläuten, Dörflifest, Caliente – jedes für sich wäre auszuhalten. Aber alles zusammen, und die zusätzliche Belastung an jedem einzelnen Wochenende, kann zu einer Überdosis führen.

Die ziemlich arrogante Antwort «Dann zieht doch weg, wenns euch zu laut und zu dreckig ist», zeigt, wie viel Respekt den Leuten, die ihren Lebensraum mit den Spass-Wirtschaftern teilen, entgegengebracht wird.

Das Grundverständnis vom öffentlichen Raum unterscheidet sich bei den verschiedenen Interessengruppen immens: Für die Einen ist es der Vorgarten, der Heimweg, die Nachbarschaft. Bei den Anderen handelt es sich um ihre persönliche Markthalle, um den erweiterten Club, um einen Raum, den man benutzt und dann wieder verschwindet. An Grossanlässen benutzen die Besucher die Stadt als Toilette, Ballermann-Strand und Kotzmeile. Und natürlich immer als Abfalleimer – nach mir die Sintflut.

Natürlich ist die Stadt nicht nur Wohnraum. Ein Teil der Anziehung von Zürich kommt aus dem kulturellen Angebot. Aber es geht auch um das Zusammenleben. Und da die Anwohner weder an die Verkaufsstände an den Volksfesten pinkeln, noch in die ihre eigenen Vorgärten kotzen oder Flaschen und Scherben in die Clubs bringen, ist es vorallem eine Frage des Respekts.

Die Anziehung der Stadt wirkt ja nicht nur auf die Leute, die dann wirklich in die Stadt ziehen und da leben. Sie wirkt in erster Linie auf Spasspendler, auf Leute, die die Vorteile einer urbanen Umgebung nutzen wollen, aber dann wieder abdüsen und ein paar Zehnernötli und einen Haufen Dreck in der Stadt zurücklassen. Kindern würde man ein Fernsehverbot oder Zimmerarrest geben, wenn sie das gemeinsame Wohnzimmer so hinterliessen oder mit Lärm und Streit die Nachbarn stressen. Und Kinder hat man ja nicht zu Tausenden im Wohnzimmer.

Es ist natürlich auch eine Frage des steitigen Wachstums und der Verhältnismässigkeit. An einem normalen Wochenende kommen bis zu 50 000 Menschen zu ihrem Vergnügen in die Stadt, an der Street Parade sind es rund eine Million, am Züri-Fäscht bis zu zwei Millionen. Das ist einfach zu viel für eine Stadt mit 400 000 Einwohnern, vor allem wenn man bedenkt, dass vor allem zwei Quartiere die Spasslast tragen müssen.

In meinen Augen geht das Recht der Anwohner vor. Die Spasslawine mit ihrem ausufernden, negativen Impact auf die Wohnqualität sollte eingeschränkt werden.

Was meint ihr? Bin ich einfach eine Spassbremse oder hat die Lebensqualität der Anwohner wirklich Vorrang vor den konsumgeilen Spasstouristen?

52 Kommentare zu «Wem gehört die Stadt?»

  • Andy sagt:

    Weshalb ist es für die VBZ nicht möglich eine durchgehende Tram Verbindung vom Kreis 8 via Tiefenbrunnen-Stadelhofen-Römerhof-Kunsthaus oder ETH-Central-(Perfekte Lösung) Bahnhofstrasse-Paradeplatz / (Sekundärlösung) Löwenstrasse/Stauffacher – Enge – etc. bereitzustellen? Normalerweise konnte man noch Umsteigen und sich mit 2-3 Umsteige und Wartefrequenzen den Weg in die Innenstadt verschaffen. Doch dieses Jahr ist da nur noch mit Glück und zusätzlicher Lauferei bis 1930 möglich. Wenn Leute nicht gut zu Fuss sind eine echte Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Und wenn man zu Fuss gehen kann braucht man für einen 20 Minuten lauf 1h. Wäre wirklich nicht zu viel verlangt.Schade!

  • Andy sagt:

    Nun als Bewohner eines der beiden Kreise die immer wieder Teil des Party und Spasskultur Zürich sind, finde ich das man wirklich auch mal tolerant sein kann und Spass und Party muss schon sein. Doch gibt es etwas was mir seit Jahren mehr auffällt und dieses Jahr sein Extrem erreicht. Die Ausbreitung auf Kreis 1 und 8 als Partyzone. Als Bewohner und Arbeitsplatz- und Freizeitnutzer in diesen Kreisen, ist von einer planungsfreundlichen Grundversorgung durch die Stadt und vor allem die VBZ seit 3-4 Jahren nicht mehr zu reden. Vor allem für ältere Personen, welche Ihren Lebensmittelpunkt in diesen Sonnen haben ist dieses Jahr ein offenes Gefängnis gebaut worden.(Weiter siehe Folgebeitrag)

  • thomas sagt:

    Als Externalitäten werden die Nebeneffekte wirtschaftlicher Aktivitäten bezeichnet, die unbeteiligten Dritten ungerechtfertigte Erträge oder Kosten bescheren. Die Nachbarn ernten sowohl Erträge (urbane Wohngegend, steigende Hauspreise) sowie die Kosten (Abfall & Lärm). Mein Vorschlag: Die Stadt erhebt von den Nachbarn sowie den Bars & Clubs eine Steuer und finanziert damit die Lärmschutzmassnahmen in den Betrieben. Jeder Betrieb wird mit Lärmschutztechnik ausgestattet, finanziert vom Staat mit Geldern von Direktbetroffenen. Das ist Fair: Die Bars/Clubs/Restaurants werten das Quartier massiv auf, die Anwohner profitieren davon. Sie zahlen mit den Verursachern für die Beseitigung der Kosten

    • Réda El Arbi sagt:

      Ob die Clubs/Bars das Quartier aufwerten, ist noch zu klären. Grundsätzlich profitieren nicht die Anwohner davon, sondern die Besucher von ausserhalb und die Betreiber. Frag mal einen Anwohner, ob der Club in seiner Strasse seine Wohnqualität verbessert.

      • thomas sagt:

        Ich denke ja, Clubs & Bars werten das Quartier auf oder zumindest werten Sie es nicht ab. Natürlich ist der Grenznutzen irgendwann abnehmend. Aber nehmen wir den neuen Club Lexi, welchen Kollege Flach beschrieben hat. Da arbeiten bestimmt 10 Personen an einem Abend, es wurde investiert, Maler, Tontechniker, Elektriker und weitere KMUs aus der Region bekommen Aufträge. Finanziert wird das alles durch die Besucher von Ausserhalb. Die bringen ihren Lohn sozusagen direkt nach Zürich. Das bringt uns doch alle weitern hier, oder? Nun müssen wir schauen, wie wir mit den Externalitäten umgehen. Ich würde mal sagen „Wir schaffen das“!

  • Hans Müller sagt:

    Was jetzt? Der linke Obertolerante mutiert plötzlich zum gutbürgerlichen Bünzlispiesser? Nur weil er plötzlich Kinder hat und seine Ruhe will?
    Geht nicht ganz auf. Entscheidet Euch endlich mal, was Ihr sein wollt.
    Ihr habt das bekommen, was Ihr Euch immer gewünscht habt: Eine Multi-Kulti-Spassgesellschaft ohne Grenzen, ohne Anstand, wo jeder nehmen darf, was ihm passt und sich auch so verhalten darf, wie er will. Schliesslich hat man ja tolerant zu sein.
    Ihr habt die Lärmbelästigung verdient!

    • Réda El Arbi sagt:

      Multi-Kulti und 24-Stunden-Konsum hat irgendwie nicht so viel miteinander zu tun.

      • Mila sagt:

        Ja, aber der 24h-Konsumterror ist in Zürich doch räumlich sehr beschränkt. Warum nicht akzeptieren, dass eine Stadt Partymeilen braucht und die Wohnungen dort Leuten überlassen die’s nicht stört? Unsere K4-WG wurde von Jungs übernommen, die fanden die turbulente Umgebung vorbehaltlos geil. Und wir, die wir aus der Not (Kind unterwegs, Budget beschränkt) heraus provisorisch in die Vorstadt zogen, lernten diese wieder Erwarten zu lieben. Alles so schön echt hier draussen. Und ruhig.

        • Réda El Arbi sagt:

          Kurze Erklärung: Die wirtschaftliche Aufwertung macht dann auch die Mieten unbezahlbar.

          • Mila sagt:

            Wo es wirklich laut ist bleibt es eben gerade billig.

          • Tim Birke sagt:

            @Müller nanana, Réda ist zwischen den gekaufen Werbekampagnen einer der letzten wahren Journalisten. Wie wollen Sie das als Nicht-Züricher verstehen.

            Wir haben Geschichte hier. Anstand hat keine politische Richtung. Es gibt auch Bürgerliche, welche Anstand haben. Wenn Sie das in ein Schwarz-Weiss Diagramm schachteln wollen instrumentalisieren Sie Leute, welche keinen Anstand haben.

            Aus Anstand werde ich meine Müllsäcke vor Ihre Haustüre stellen. Und ich finde schon, dass dies ein Wert ist welcher hoch zu halten ist.

      • Hans Müller sagt:

        Das behaupten Sie jetzt mal. Ich beobachte da was ganz anderes. Und die Polizei wird auch was anderes zu berichten wissen.

        • Réda El Arbi sagt:

          Sorry, die Leute, die den Dreck in die Quartiere schleppen sind ganz gewöhnliche Schweizer, und zu 90 Prozent kommen sie nicht aus der Stadt.

    • Tim Birke sagt:

      Korrektur: „werde ich meine Müllsäcke nicht vor Ihre Haustüre stellen“ ;D

      • Ruedi sagt:

        Tim Birke, es gibt viele Nicht-Zürcher die kennen die Stadt Zürich aus Beruflichen Gründen, viel besser, als die Eingeborenen.

        Welche von ihrer Stadt Hauptsächlich die 4 Wände ihrer Wohnung und ihres Arbeitsplatzes (Büro usw.) kennen. Wo sie die meiste Zeit ihres Lebens verbringen oder dahin vegetieren. Wirklich kennen und mit eigenen Augen sehen, was da so läuft, tun sie ihre Stadt welche Hauptsächlich von Nicht-Zürchern Aufgebaut und Versorgt wird, nicht wirklich in ihrer Matrix.

        Aber Okay, Einbildung hört sich ja auch fast wie Bildung an. Viele Zürcher erinnern mich mit ihren Eigenschaften, irgendwie an unsere Deutschen Nachbarn, mit dem übergroßen Maulwerkzeug, können und wissen…

  • Mila sagt:

    Wir, die wir vor 20, 25 Jahren in illegale Bars gingen und dort gegen das Tanzverbot antanzten, WIR haben doch die Entwicklung zur Partystadt in Gang gesetzt. Unser Bumbum hat damals auch Anwohner gestört und die 68er empfanden minimal techno als Ende jeder Musikkultur. Nun sind wir 40plus und jedes Wochenende fallen Horden junger Leute in unsere Stadt ein deren Ausgangsverhalten wir nur noch vulgär finden. Was also tun? Eindämmen und verhindern, was wir vor 20 Jahren selbst taten und was uns heute stört? Dann wird die Stadt mit uns altern und erstarren. Oder akzeptieren, dass Wohnen in Ausgangsquartieren nichts mehr für uns ist, dass unsere Kinder dort nicht frei sind, & weiterziehen?

  • wegmann sagt:

    Ich lebe seit 25 Jahren auf einer Farm in Canada , der nächste Nachbar ist 1 km weit weg . Es ist gut so, ich bin froh.

  • Toerpe Zwerg sagt:

    Das Problem ist wie so oft die Sauferei. Mit dem Saufen fallen die Hemmungen und es bricht der Anstand weg. Würden die 50’000 (ich denke es sich wesentlich mehr) nur Kiffen und MDMA schmeissen, wären Abfall-, Aggressions-, Kotz- & Piss- und Lärmprobleme auf einen Schlag gelöst – oder wenigstens fast – auch an den Grossanlässen. Es ist die legale Droge Alkohol, welche für viele der Probleme verantwortlich ist und nicht die Anzahl Leute oder die Nachtaktivität. Scheissdroge.

  • Réda El Arbi sagt:

    Vielleicht noch kurz zur Verhältnismässigkeit.

    Würde New York ein Fest wie das Züri-Fäscht durchführen, müssten sie im Verhältnis zur Bevölkerung eine Party für 24 Millionen Menschen schmeissen.

    Für etwas Street Parade-ähnliches wären es 12 Millionen Menschen, die eine Parade durch Manhattenm führen würden.

    • Hans Müller sagt:

      Verhältnis und Verhältnismässigkeit sind nicht das Gleiche. Nur so als kleiner Hinweis.
      Das Problem ist ohnehin nicht das alle 4 Jahre stattfindende Züri-Fäscht und auch nicht die einmal im Jahr stattfindende Streetparade. Das Problem ist das völlig enthemmte und primitive Partyvolk, das JEDES Wochenende die Sau rauslässt.

  • dr house sagt:

    an alle, die hier meinen, es würde nur die innenstadt und langstrasse betreffen: die nachbarschaft des seit 3 jahren besetzten KOCH-areales ist ebenso eine Freiluft-Toilette, Kotzmeile und Abfalleimer. das jedes (!) Wochenende begleitet von monotonen bum-bum-sound. alles mit dem segen der stadt, die dafür noch 70 millionen ausgab.
    angeblich sei das «moderne urbanität» und in einer stadt müssten auch alternative lebensformen und kultur ihren platz haben… heisst es von den verantwortlichen.

  • Marcel Zufferey sagt:

    Ihr linken Spiesser: Kaum arriviert, beharrt Ihr schon in gutbürgerlicher Manier auf Rrrrrrrrrrrrrrrrrruhe da draussen, verdammt nochmal: Wir wollen schliesslich schlafen..! Gäbe es noch den guten alten Opel Rekord, seinerzeit der Inbegriff der Kleinbürgerlichkeit, dann würdet Ihr Euch jetzt auch noch einen solchen zutun- samt plüschigem Plastikhündchen mit wackelndem Kopf auf der Hutablage und einem ovalen Schwitzerchrüzli rechts neben dem Nummerschild…

    • Réda El Arbi sagt:

      Jep, ich will dich sehen, wenn deine Kinder mit Splittern von Bierflschane in den Füssen vom Spielplatz zurückkommen.

      Die Belastung rund um die Langstrasse war nicht mal zu Zeiten der extremsten Droegnszene so hoch, wie jetzt jedes Wochenende.

      • Marcel Zufferey sagt:

        Ich hin gerade aus Asien zurück gekommen und meine Schwester lebt in Brooklyn NY. Sowohl auf den Philippinen als auch in Brooklyn ist es nicht gerade leise… Und wir wollen eine Weltstadt sein, sorry, Réda: Aber das ist doch einfach lächerlich.

        • Réda El Arbi sagt:

          Öhm, hab ich schon geschrieben, dass New York, wenn es ein „Züri-Fäscht“ ausrichten wollte, ein Party für 24 Millionen Menschen schmeissen müsste? So im Verhältnis. Oder eine Parade durch die Innenstadt für 12 Millionen Menschen? Nur so wegen der Verhältnismässigkeit …

          • Marcel Zufferey sagt:

            Gut, aber die Verkehrsdichte und das Verkehrsaufkommen in Südostasien und Brooklyn dürfte etwas anders geartet sein, als im ruhigen, geradezu beschaulichen Züri, denke ich.

  • Silvia Baum sagt:

    50’000 Besucher pro Wochenende – die grösstenteils mit dem Auto (?!) in die Innenstadt fahren – dieser Aspekt fehlt im Artikel gänzlich und finde ich besonders störend. Dem Lärm, der Luftverschmutzung und dem Mangel an Platz auf den Strassen kann sich kaum ein Stadtzürcher entziehen – obwohl die meisten von uns selber kein Auto besitzen. Für die Probleme im Langstrassenquartier hingegen müssten auch die Club- und Barbetreiber mit den Anwohnern eine Lösung finden. Ein Ausgehviertel gehört nun mal zur Stadt – und schliesslich verdienen viele gut daran, dass Tausende nach Zürich zu kommen um hier „die Sau rauszulassen“.

  • loulou55 sagt:

    Reda El Arbi, in den 1970er Jahren als ich ein Teenager war, fuhren die letzten Trams ab Bahnhof, Belleve usw. um Mitternacht. Quartier-Buslinien wie der 67er stellten schon um 20 Uhr den Betrieb ein. Polizeistunde war um 11Uhr90 wie wir damals sagten. Danach gab es noch einige Nachtclubs die wir uns sowieso nicht leisten konnten.
    Mit anderen Worten, die Stadt war ab 1 Uhr morgens praktisch tot. Ein richtiges Provinzkaff also. Sie sind ein paar Jahrzehnte zu spät geboren, das ist ihr Problem.
    Dazu kommt, dass die Eventmanager ja ständig von neuen Besucherrekorden träumen. Früher gab es Industriezonen, heute müsste man vielleicht Unterhaltungsindustriezonen einrichten.

  • Tronco Flipao sagt:

    Etwas weniger Emissionen und Abfall an der Langstrasse wären toll, aber deswegen gleich gegen die „24h-Spassgesellschaft“ zu verteufeln? Also ja, in meinen Augen bist Du eine Spassbremse und vielleicht sogar ein bisschen ein Spiesser

    Das Zürifäscht ist alle drei Jahre und die Streetparade ein Tag im Jahr und um Mitternacht ist Schluss mit Musik im freien. Das ist kein Problem

    Mir ist Zürich heute viel lieber als die graue, langweilige Stadt die sie bis in die 90er Jahre war.

    • Réda El Arbi sagt:

      Die Frage, wessen Bedürfnisse in Belastungsfall Vorrang haben, ist damit aber noch nicht geklärt.

  • Tim Birke sagt:

    Das Recht der Anwohner geht vor. Ich habe das Glück ein Bisschen oberhalb des Zentrums von Zürich zu leben.

    • Tim Birke sagt:

      Die Geschichte ist, dass ich damals als Teenager nach Zürich gezogen bin, weil es auch eine multikulturelle und eben manchmal ein Bisschen laute Stadt ist.

      Littering und Anstand in ein anderes Thema. Als reifer Mensch kann man sich darüber aufregen, dass viele Besucher hier hemmungslos sind. Früher war man viel anständiger und hat seine Petflasche stets im Abfall entsorgt etc.. dann kommt man schnell auf die Aussage: „die Jugend von heute… , früher war alles besser … auch der Techno“ wobei das weniger nützt, als wenn man in Zürich einfach die Anzahl der Mülleimer erhöht.

      Im reifen Alter steigt auch die Gewohnheit sich zu wiederholgen ;D http://goo.gl/4ZQaCa

      • Réda El Arbi sagt:

        Nein, es geht nicht darum, dass „früher alles besser“ war. Es geht um Verhältnismässigkeit.

        • Tim Birke sagt:

          Ja aber die Streeparade ist eine gute Sache.

          Und sind wir doch ehrlich Réda, früher habe wir gefeiert. Wir waren vielleicht anständiger in aller Hinsicht und nun hat unsere Perspektive gewechselt.

          Lebensqualität ist nicht mehr Party Party Party sondern ein gemütliches Beisammensein mit einem Gläschen Wein und Familie. Darum stören wir uns am Lärm, diesen „Besuchern“ aus anderen Kantonen die in Zürich einfach feiern wollen und sich um die Erhaltung der Lebensqualität dieser Stadt nicht scheren.

          In Singapur werde Leute die einen Kaugummi auf die Strasse schmeissen gebüsst http://www.singapur.net/sauberkeit.php

          Wäre das etwas für Zürich?

          • Réda El Arbi sagt:

            Es gibt nicht nur schwarz oder weiss. Es gibt auch Verhältnismässigkeit. Und ich hab früher auch am Platzspitz konsumiert, was mich nicht annehmen lässt, dass wir wieder eine offene Drogenszene brauchen. Man könnte aus den Fehlern auch lernen.

    • Tim Birke sagt:

      Einverstanden. Vielleicht ist der Mittelweg der Richtige -> mehr Bussen für Litering in Zürich, aber nicht so hohe Bussen wie in Singapur.

      Ich wäre dafür.

  • Chegs sagt:

    Oder auch anders gefragt: Wie viel Toleranz gönnt man denn Rücksichtlosen?

  • geezer sagt:

    na ja, es ist noch schwierig, diese problematik einigermassen differenziert zu sehen. in einem punkt muss ich Réda definitiv recht geben: den grossteil der auswirkungen dieser spassgesellschaft geht auf die kappe von zwei (wohn-)quartieren. dort ist es in den letzten zehn, fünfzehn jahren schon recht heftig geworden, zumal viele der besucher scheinbar wirklich keine anständige kinderstube hatten.

    andererseits gibt es natürlich viele trendnasen, die jetzt hip urban wohnen wollen, aber der rummel in nähe ihrer wohnung darf dann schon nicht zuviel sein. bei diesen gilt die devise: wem’s nicht passt, der kann umziehen. langjährige anwohner stecken aber definitiv in einem dilemma.

    • loulou55 sagt:

      geezer
      Wer früher mal irgendwo im Grünen wohnte, hat heute vielleicht eine Autobahn vor der Nase oder lebt jetzt in einer Anflugschneise.
      Diese 2 Quartiere sind per Definition schon seit Jahrzehnten keine Wohnquartiere mehr. Ich habe es ab den 1970er Jahren hautnah miterelebt, wie Banken, Versicherungen usw. Wohnraum in den zentralen Kreisen zum Büroraum umgewandelt haben.
      Das urbane Wohnen hat eben auch 2 Seiten. Wenn man Spass will hat man ihn vor der Haustüre, wenn man darauf verzichten könnte ist er trotzdem da.
      Das Verhalten und Benehmen von Meschen in der Öffentlichkeit ist dann ein ganz anderes (trauriges) Kapitel.

  • christian röthlisberger sagt:

    einverstanden. – was mich auch stört: in den diskussionen um das ausufernde nachtleben bemühen die spassvögel immer gerne das wort „kultur“. sie nehmen für sich in anspruch, teil des kulturlebens zu sein, also wie theater, konzerte, lesungen, usw. das ist natürlich mumpitz und reinster etikettenschwindel, den man nicht länger so im raum stehen lassen darf.

    • geezer sagt:

      auf der anderen seite kann man aber nicht abstreiten, dass clubs und bars etc. auch zur ‚kultur‘ einer stadt gehören. wien ohne kaffeehäuser? prag ohne braurestaurants, etc.? zürich hat nun mal ein lebendiges, vielfältiges nachtleben. vielem davon kann auch ich nichts abgewinnen, andere leute aber schon. auch der ballermann auf mallorca ist eine art ‚kultur‘ (wenn auch eine idiotische).

      gleich dem gesamten nachtleben die ‚kultur‘ aberkennen zu wollen, wird der sache aber nicht gerecht. diejenigen lokale, die live konzerte anbieten, verursachen definitiv ‚lärm‘ für (nicht musikinteressierte) anwohner. in deren augen ist das wohl nicht ‚kultur‘. was jetzt? wer hat ‚recht‘?

      • Réda El Arbi sagt:

        Es ist eine Frage des Masses und des Verhältnisses. Würde New York etwas wie das Züri-Fäscht organisieren, müsste es eine Party für 32 Millionen Menschen schmeissen. Verhältnis Besucher/Einwohner. Jedes Wochenende würden 2 Millionen Menschen in die New Yorker Innenstadt strömen, um sich zu amüsieren. Sie hätten eine Parade auf Manhatten mit 24 Millionen Teilnehmern.

        • loulou55 sagt:

          Reda, die Stadt investiert ja nicht Mio. in die Verschönerung von Seepromenade und Limmatufer etc. nur damit dann mal 100-200 Nasen sich daran erfreuen.
          Damit will man ja auch Auswärtige und Touristen anlocken, was dem ansässigen Gewerbe widerum mehr Umsatz bringen soll.

      • Lichtblau sagt:

        Naja, das regelmässige Brüllen, Brechen und Pinkeln ganzer Horden ist nur mit Mühe mit Kultur vereinbar. Mallorca unternimmt ja derzeit einiges gegen diese Entwicklung. Mit einer „Unterhaltungsindustriezone“ in der Pampa irgendwo zwischen dem Aargau und Zürich – mit Bussen erreichbar – wäre doch beiden Seiten gedient („Hey, gömmer Pampa!“). In Zürich dafür eine vielfältige Bar- und Restaurantszene für alle (nicht nur Etablierte), die sich das Ausgehen ein bisschen anders vorstellen und nicht erst im Morgengrauen heimwanken.

  • Natalie sagt:

    Ich halte es für etwas übertrieben 🙂
    Grundsätzlich finde ich, man sollte zwischen «Langstrassenproblematik» und Grossanlässen differenzieren. Zürifäscht ist alle drei Jahre, die Streetparade einmal im Jahr. Ich wohne schon mein ganzes Leben in der Stadt, seit einigen Jahren in der Nähe vom Letzigrund. Ja, manchmal nerven mich die Leute, die an die Spiele strömen und dann eventuell noch randalieren und dann fahren die Busse nicht. Dafür kann ich auf der Dachterrasse höcklen und bei Konzerten mithören.

    • Natalie sagt:

      Teil 2:
      Einmal im Jahr ist die Stadt voller Menschen. Soll ich mich jetzt darüber aufregen oder daran denken, dass ich da eine zeitlang auch immer dabei war und es genossen hab, zu feiern und zu tanzen? Solche Wochenenden gehören für mich zum Stadtleben. Und ich finde, man kann und sollte tolerant sein.
      Aber eben, die Situation an der Langstrasse ist definitiv eine andere – aber eine Lösung hab ich dafür auch noch nicht 🙂

      • Réda El Arbi sagt:

        Jedes Wochenende 50 000 Leute als Spasstouristen sind erst in den letzten Jahren so.

        • Natalie sagt:

          Sind es wirklich jedes Wochenende 50’000?

          • Réda El Arbi sagt:

            Es sind an Sommerwochenenden 50 000 und mehr. Im Winter kann mans an der Clubdichte messen. Nur schon die 50 bestfrequentierten Nachtlokale haben jeweils zwischen 300 und 500 Gäste, da sind Restaurants, Bars etc noch nicht mitgerechnet. Im Sommer kommen die Freiluftbeizen, die Parks und das Seebecken dazu.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.