«Danke, Lebensretter!»

Heute unvorstellbar: Drogenhölle am Letten.

Heute unvorstellbar: Drogenhölle am Letten.

Für einmal habe ich die Chance, meinen Lebensrettern zu danken: Morgen, Mittwoch 4. 11., findet eine Podiumsdiskussion zum Thema Drogenpolitik mit Ambros Uchtenhagen und Robert Neukomm statt, der zwei Personen, die vor 25 Jahren massgeblich für die Wende in der Drogenpolitik mitverantwortlich waren. Mit dabei: Ich, der Stadtblogger.

Dass ich damals den Ausstieg aus meiner Heroinsucht geschafft habe, war eine direkte Folge der progressiven Drogenpolitik der Stadt. So gesehen tragen Uchtenhagen und Neukomm indirekt die Verantwortung dafür, dass ich heute hier meine Leser mit meinen Beiträgen nerven kann. Ohne die Wende hätte ich nämlich nicht überlebt.

Aber ich wär ja nicht der nervige Stadtblogger, wenn ich nicht auch ein paar unangenehme Fragen an die Podiumsdiskussion mitbringen würde:

Ich hoffe, es ergibt sich eine spannende und aufschlussreiche Podiumsdiskussion.

Natürlich könnt Ihr dabei sein:

Mittwoch, 4 November, 20.00 Uhr
Zentrum Karl der Grosse

 

16 Kommentare zu ««Danke, Lebensretter!»»

  • Maiko Laugun sagt:

    „Lebensretter“? Wie viele sind eigentlich krepiert, weil diese „Lebensretter“ zuerst jahrelang zu- und wegschauten? Diese „Lebensretter“ schritten erst pflichtgemäss ein, als der Druck von Aussen so gross wurde, dass sie gar nicht mehr anders konnten. Die haben nicht freiwillig gerettet. Das ist eine Verdrehung von Tatsachen. Die hätte weiterhin nur zugeschaut, wie weitere krepierten. Man sollte ihnen nicht danken. Man sollte ihnen noch heute den Spiegel mit den Tatsachen vor die Augen halten.

    • Réda El Arbi sagt:

      Das ist etwas gar vereinfacht, nicht nur, was Uchtenhagen angeht. Damals gabs zwar im Stadtrat Zusammenarbeit und Goodwill, aber in den einzelnen Ämtern nicht. Man hatte keine geschulten Leute.

      Zudem musste der Druck auf die Stadt erst so gross werden, dass der Stadtrat von der Bevölkerung die politische Legitimation bekam. Zur Erinnerung: Die Zürcher Bevölkerung wollte lange einfach nur Repression und kalten Entzug für die Süchtigen, egal was Fachleute und Polizei sagten. Das änderte sich erst, als das Elend nicht mehr am Platzspitz versteckt war, sondern in die Quartiere sickerte.

  • R. H. sagt:

    Hoi Réda

    Ich erlaube mir Dich so anzusprechen. Damals (Platzspitz und Letten) war die Hölle. Ich und Du waren bei. Wir kenne uns nicht, aber wir haben uns bestimmt damals gesehen und wir haben uns danach in unser Zeit der Cleanheit im „Usgang“ gesehen.
    Ich glaube wir haben einen ähnliche Werdegang, inkl der Motivation zum Ausstieg.
    Von Ambros Uchtenhagen halte ich sehr viel, mein Verhältniss zu Robert Neukomm ist ambivalent. Das ist gegenüber Neukomm definitv nicht fair, das ist mir bewusst. Er hattte damals eine harte Zeit und er hat es eigentlich sehr gut gemacht.

    Gruss an die Herren, der Dank gebührt von vielen, sehr vielen …..

  • Rolf Raess sagt:

    Lorbeer für die Falschen?
    Ich habe es doch miterlebt, als der damalige StaPo-Chef Neukomm die Streetparade verbieten wollte. Nein, verantwortlich für das Ende der Repression und das „laisser faire“ der christlichen Drogenhändler aus dem Libanon, waren die vom Stadtpräsident Estermann zusammen getrommelten PolitikerInnen aller couleur (inkl.dem „Katastrophen Franz“ aus der Innerschweiz) um der dummen Taktik ein Ende zu bereiten und damit das Elend am Platzspitz zu beenden!

    • Maiko Laugun sagt:

      Wenn schon, dann war es die Migros-Genossenschaft am Limmatplatz, welche mit Strafanzeigen drohte und dadurch die sozial-romantischen linken Träumer und die Menschen verachtenden Bürgerlichen unter Zugzwang setzten. Erst als beide merkten, dass sie an diesem Elend Geld auf Kosten der Steuerzahler Geld verdienen konnten – durch viele neue staatliche Sozialstellen für die Linken und das abzockende Vermieten von Liegenschaften (*Begleitetes Wohnen*) durch die Bürgerlichen – haben sie endlich etwas getan. Sonst gäbe es den Lettensteg und den Platzspitz noch heute.

      • Réda El Arbi sagt:

        Das wär eine wunderschöne Theorie, wenn der Staat nicht vor dem Platzspitz viel mehr Geld für die Suchtkranken hätte ausgeben müssen.

        Das mit deiner sogenannten „Sozialindustrie“ nennen andere Leute, vor allem solche in aller Welt, die mit ihrer Sucht noch ohne Hilfe oder Perspektive auf der Strasse verecken müssen, übrigens „Zivilisation“.

        • Maiko Laugun sagt:

          Der Staat hat vorher, während und auch nachher viel Geld ausgegeben. Westliche „Zivilisation“ = Geld.

          • ivan Casale sagt:

            Aber was ist wirklich falsch daran? Ist ja nicht so, dass wir unter der Steuerbelastung ächzen und stöhnen. Wir sind in der glücklichen Situation nicht 40% des Staatshaushaltes in’s Militär oder die Schuldentilgung stecken zu müssen (falls ich die Zahlen richtig beisammen habe).

            Im Grossen und Ganzen lebe ich wie eine zufriedene Made im Speck und die heutige Schweiz ist eine der besten Welten die ich kenne, die trage ich trotz all meinem Gemotze und Gemeckere gerne mit. Kenne zuviele Leute die den Staat wirklich brauchen; Alleine hätte ich ja nicht die Kraft denen zu helfen 🙁

          • Rolf Raess sagt:

            Von den 360’000 Alkoholkranken in der Schweiz (Erhebung 2012), die vom Steuerzahler unterhalten werden müssen reden Sie nicht Herr Laugun… Vom dahinterliegenden Elend für Kinder und Familien sowieso nicht – gell!

      • Rolf Raess sagt:

        @Laugun – ja, das ist die SVP Sicht der Geschichte – und die ist jeweils die einzige seligmachende Wahrheit – gell.
        Wie im Mittelalter der Katholizismus oder heute der IS (daula el-islamija).

        • Maiko Laugun sagt:

          Lernen Sie zuerst Lesen – und Denken. Danke. Denn oben haben ich geschrieben: „..und die Menschen verachtenden Bürgerlichen..“.

    • Satellit sagt:

      @Raess. Wer sind „christliche Drogenhändler aus dem Libanon“? Wen meinen Sie damit? Weiss das jemand?

      • Réda El Arbi sagt:

        Die Gruppen von Libanesen, die damals auf dem Drogenmarkt mitmischten, waren mehrheitlich aus der christlichen Minderheit.

  • Ralf Schrader sagt:

    Die am meisten naheliegende Prävention ist bekanntlich die Entkriminalisierung eines ausgewählten und repräsentativen Teiles der derzeit illegalen Drogen und deren kontrollierte Abgabe in Apotheken. Diese Lösung ist in einer Vulgärdemokratie, in der Wahlergebnisse durch das Schüren von Ängsten provoziert werden, aber nicht möglich.

    Folglich wird es unter den gegeben politischen Randbedingungen keine wirksame Prävention, nicht nur illegaler Drogen, geben.

    • Ivan Casale sagt:

      Mir erschliesst sich jetzt aber nicht gerade der Zusammenhang von Liberalisierung gleich Prävention; Prävention so wie bei Tabak und Alkohol, oder wie?

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