Backflash Spidergalaxy

Sieht viel gesitteter aus, als es war: Das Spider 2003.

Sieht viel gesitteter aus, als es war: Das Spider 2003.

Seit ein paar Wochen geistert der Name eines Clubs durch Facebook, bei dessen Schliessung jeder dachte, dass er für alle Zeiten beerdigt sei: Das Spidergalaxy. Als die Polizei am 3. April 2005 den Club stürmte, soll es ausgesehen haben wie an der Soldaten-Verabschiedung am Ende einer Rekrutenschule – bloss flogen nicht hunderte Berets in die Luft, sondern hunderte Minigrips mit Koks- und Speed-Füllung. Selbst anarchistische Clubber hatten sich im Vorfeld der Razzia gefragt, warum die Polizei dem Treiben im Spidergalaxy untätig zuschaut: In diesem Club galten Gesetze nichts und es wurden Drogen vertickt, als wäre es Traubenzucker.

Es gab jedoch ein Spidergalaxy vor dem Drogenclub und dieses Spidergalaxy war eine familiäre Location. Es war der Club, der heute in Zürich fehlt: Ein Lokal, in dem Schwule und Heteros zusammenfanden, um gemeinsam zu feiern. Ebendiese uralten Zeiten möchte Roli Brunner, einer der Macher des Ur-Spidergalaxys, mit einer Remember-Party am 11. Oktober in Oerlikon wiederauferstehen lassen. Samt DJs wie dem Panthera Records-Betreiber Marc Fuhrmann, mit seinem Plattenladen selbst einer der Motoren des frühen Zürcher Clubbings.

Dennoch stellt sich die Frage, ob es diese Reinkarnation (die eigentlich gar keine ist) braucht. Der Zauber von damals wird sich nicht mehr einstellen und es dürfte eine Nacht werden, in der die Erinnerung wichtiger sein wird, als der Moment. Das gilt aber mehr noch für alle anderen Flashback-Partys, wie die vielen Remember Trance-, 80’s-, 90’s und mittlerweile gar Nullerjahre-Partys (immerhin hat Brunners Spidergalaxy-Event den Anstrich eines Klassentreffens, da die Anwesenden einen persönlichen Bezug zum Club und damit einen gemeinsamen Nenner haben). Es gibt diverse Remember House-Events und unzählige „Back-to-irgendwas“-Feten – sich selbst zitieren ist zu einer Nachtleben-Manie geworden.

Das wirkt nicht nur wehmütig, die schiere Masse an Rememberpartys schadet auch dem grossen Ganzen. Es entsteht der (falsche) Eindruck, dass keinem mehr was Neues einfällt, dass in der Clubwelt nichts Neues mehr entsteht, das es wert wäre, gefeiert zu werden. Dabei gibt es Beispiele dafür, wie auch elder statesmen des Nachtlebens mit Neuem überraschen können, so auch Michael Aemmer. Der zählte in den 90ern unter dem Alias Mike Levan zu den bekanntesten Schweizer House-DJs. Nun hat er sein Comeback lanciert, aber anstatt sein altes Pseudonym wieder aufzuwärmen, mixt er jetzt als Raw Cut. Auch den Sound hat er gewechselt und er frönt nun dem hierzulande noch weitgehend unbekannten «Club Music»-Trend von der US-Ostküste. Klar könnte Aemmer es einfacher haben und klar geht er damit ein Risiko ein. Aber vielleicht weiss er auch um die konfuzianische Weisheit, dass wer immer nur zurückschaut, nicht sieht, was auf ihn zukommt.

Das Spidergalaxy ist 2005 zugegangen und alles was unter diesem Namen jetzt noch kommt, es wird nie mehr dasselbe sein. Warum nicht lieber unter neuem Namen den Missstand beheben, dass es in dieser Stadt keinen ordentlichen schwulen Club mehr gibt?

Alex FlachAlex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

9 Kommentare zu «Backflash Spidergalaxy»

  • Samuel sagt:

    ja das gemeinsamgefühl ist abhanden gekommen. es werden auch nicht mehr allesindliebmitenand-pilleli geschluckt, sondern sondern nur noch ichbindegeilscht-egodroge. ist mir egal was ihr schnupft, aber bleibt doch bitte zuhause.

  • Freezer sagt:

    ich war gestern auf der Backflash Spidergalaxy Party
    Es war eine schöne, friedliche und Familiäre Atmosphäre. Ob es früher so war, weiss ich nicht. Damals wohnte ich noch nicht in Zürich. Es ist allgemein mit dem Nachtleben in Zürich serh schwierig geworden seid dem vor ca. 10j die Kontrollen verschärft worden sind. Ich persönlich, befürworte es sehr. Dennoch hätte man das Ganze humaner machen sollen und nicht wie geschehen sehr animalisch und schon fast brutal. das hat das Nachtleben kaputt gemacht.
    Langsam geht wieder die Sonne auf und das finde ich gut!
    Über Konzepte darf man immer anderer Meinung sein. Doch wenn man immer alles in Frage stellt, bleibt man stehen und kommt nicht voran. Daher ist meine Meinung, den Veranstaltern die Chance geben etwas neues zu Kreieren und das ohne irgendwelchen Sanktionen die nur dienen den Club nicht aufmachen oder die Party nicht stattfinden zu lassen.

  • Michael sagt:

    Warum nicht den Missstand beheben, dass es in der Schweiz keinen schwulen Club gibt wo Drum & Bass und Dubstep läuft?

  • madhatter sagt:

    ja es wird in zürich immer wieder was neues gemacht aber leider viel hänliches seelenslos ab und zu, wo es geht fast mehr um cool zu sein als um die richtige stimmung.. orte wie der spidergalaxy waren so was von schön, mann hat sich frei gefuhlt, und ich finde so ein club fehlt in zürich im moment sehr.. ich vermisse die alte zeiten, spider, dachkantine für die stimmung, rohstofflager, oxa, für die Musik…

    in die neue clubs fehlt leider das „gemeinsam zu sein gefuhl“ viele sind nur am selfies machen, oder am handy itoggele… fruher hat mann echt viele menschen gekannt im ausgang.. jezt wenn man jemand anspricht kommt fast nicht mehr gut an… ich wäre froh um wieder ein ort zu haben wo mann sich echt frei fuhlt.. Berlin hat es geschafft mit orte wie sisyphos, bar 25, usw.. vielleicht schaffen wir das auch noch 🙂

    • Alex Flach sagt:

      Da muss ich schon etwas widersprechen. 🙂 Dieses Wirgefühl entstand in den 90ern auch aus einer Not heraus: Es gab nur sehr, sehr wenige Clubs und da traf man halt immer auf dieselben Gesichter. Mitte 90er, z.B.: Donnerstags waren alle bei Dani im Kauf, am Freitag im Gothic und am Samstag in der Garage die heute der Supermarket ist. Dieses Wirgefühl wird heute aber von einigen Clubs wieder gepflegt, ist dann aber meist halt Location-bezogen. Ich denke schon, dass sich Leute die regelmässig in Clubs wie der Zukunft, dem Hive, dem Café Gold, dem Supermarket, der Büxe oder dem Revier verkehren als Teil einer eingeschworenen Gemeinschaft sehen. Bloss muss man diese Clubs wohl auch in hoher Kadenz frequentieren, damit dieses Wirgefühl entstehen kann, denke ich.

      • madhatter sagt:

        Ja stimmt was du sagst, es gibt einfach ein aber von meine seite, die Club dass du gennannt hast besuche ich regelmässig, in die Büxe oder Hive gibts schon wiederkehrende Gesichten, in Supi trifft mann often an die After die gleiche leute, was mir fehlt ist einfach diese „offenes“ gefühl.. in die andere leute habe ich echt viele menschen kennengelernt heut zu tag ist mann mehr mit der eigene freundschaftkreis und stopp… aber ich muss es auch sagen es gibt wirklich eine andere stimmung von 23-3 und ab 3,4 Uhr… ich gehe jetzt immer wieder lieber spät in club weil ich finde die stimmung viel besser… und naja ich muss es auch sagen, ich würde sehr gerne wilkommen die anlass erst ab 23 für die männer, weil often trifft mann menschen die gar nicht in so ein club gehoren.. in die büxe eher weniger, aber in Hive ab und zu gibts menschen die haben keine ahnung von wo sie sind und was für musik lauft…. Hive kann sich sicher leisten eine „strikte türpolitik“ zu haben und ich denke viele besucher von der Club würden das wilkommen.. ich würde auch spannend finden so ein abend ab 25 Jahren zu erleben um zu schauen wie die stimmung sich ändert.. ich denke die ab 25-28 haben noch die goldene jahren erlebt von zürich und gehen in Club mit ein andere mentalität..
        ..ich denke ein gute beispil für das ist Stairs, er hat das schwächste programm in gegenteil zu die oben gennanten club und macht auch komplett ein andere musikstil, aber dort fühlt mann sich echt gut, und ich bin noch nie dort gewesen ohne 2-3 worte mit ein unbekannt zu tauschen und often habe ich neue freunde gekannt…

        für die andere clubs mann mus es wirklich mit hoher kadenz die frequentieren, also echt mehrmals in Monat…. aber trotzdem ein compliment, weil vorallem im Hive und in die Büxe mann gibt es viele energien raus auch für die decos und dafür dass die stimmung passt. Cafi gold folgt sein konzept und macht es auch gut so wie die andere…

        was natürlich cool wäre ist wieder leute vie Chris Liebling, Adam Beyer, Dave Clark in zürich zu sehen.. und nicht nur am street parade wochenende 😉

  • roli brunner sagt:

    lieber alex, ich danke dir für diesen kommentar. obwohl mir kein kommentar eigentlich lieber gewesen wäre.
    der club ist sehr klein und wir hätten gerne sowas wie ein familienfest.falls es uns allen spass macht,
    werden wir danach vielleicht wieder einmal etwas organisieren. mit dem namen hast du recht. so habe ich jedoch
    die möglichkeit die richtigen leute zu erreichen. und wenn ich ehrlich bin, ist mir bis jetzt kein anderer name eingefallen
    mit dem ich zufrieden wäre. (unglaublich aber wahr)
    des weteteren bin ich nicht der meinung das zürich einen reinen schwulenclub braucht. ich fände etwas buntes gemischtes
    viel zeitgemässer. einen lieben gruss und vielen dank roli

    • Alex Flach sagt:

      Damit stehst Du nicht alleine, lieber Roland. Habe auch mit Greg vom Mannschaft Magazin gesprochen. Er ist gar der Meinung dass ein schwuler Club von der Grösse eines Labys heute wahrscheinlich chancenlos wäre – wegen Plattformen wie grindr. Danke für Deinen Kommentar!

  • KMS a PR sagt:

    also wir von der svp organisieren auch mal gerne einen „schwulen-zmorge“ mit warmen gipfeli und kaltem kaffee. 🙂 was wieder einmal mehr eindrücklich beweist, dass wir auch randgruppen gegenüber aufgeschlossen sind, jawoll.

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