Stadt des Bartendings

Sieger des Bartending Contest 2014: Alexander Nicolaides

Sieger des World Class Bartending Contest 2014 (CH): Alexander Nicolaides

Das Nachtleben besteht nicht nur aus Clubs. Viele Menschen verbringen ihren Ausgang lieber in den Zürcher Bars und in diesen herrscht Aufbruchstimmung: Die Qualität des Bartendings hat in den letzten Jahren stark zugenommen und wo einem früher meist nur ein leidlich akzeptabler Vodka Lemon über den Tresen geschoben wurde, kriegt man heute die ausgefallensten Cocktails.

Alexander Nicolaides ist Chef de Bar des NEO an der Europaallee und hat 2014 die Schweizer Ausscheidung der Diageo World Class Competition, des weltweit renommiertesten Bartending-Contests, gewonnen.

In den 90ern war Zürich eine Barstadt. Insbesondere die Lokale im Niederdorf und am Limmatquai boomten. Dann, ab Mitte der 90er, wurde Zürich innert weniger Jahre zur Clubstadt. Was ist passiert?

Mit der Lockerung der Bewilligungsverfahren Mitte 90er durfte plötzlich jeder einen Club eröffnen. Zudem: Elektronische Musik war neu und damit aufregend, was zu einer Verschiebung der Prioritäten beim Zürcher Ausgehpublikum geführt hat. Die Leute wollten nun tanzen und nicht mehr an der Bar stehen.

Wieso haben die Bartender ihr Wirken nicht einfach in die Clubs verlegt und dort eine gehobene Barkultur installiert?

In den Clubs hat niemand die Zeit, einen Cocktail zu mixen: Schnelligkeit ist die wichtigste Qualität. Zudem bestand in den 90ern keine Nachfrage nach experimentellem Mixing: Die Barkeeper mussten Unterhalter und keine Mixologen sein.

Und das ist heute anders?

Klar gab es schon damals hervorragende Zürcher Bars wie beispielsweise die Kronenhalle Bar. Aber in den letzten Jahren ist auch in der Schweiz eine neue Generation Barkeeper herangewachsen, die experimentierfreudig ist, die ihre Profession als Passion definiert und die damit begonnen hat, in dieser Stadt eine neue Barkultur zu installieren. Inspiriert von der Entwicklung im Küchen- und Food-Bereich hin zu mehr Natürlichkeit und Kreativität haben auch die Bartender angefangen, ihren Job neu zu erfinden, was auch Einfluss auf die Industrie hat, die in immer höherer Kadenz immer noch ausgefallenere Brände und Liköre auf den Markt bringt.

Auch Alex Armbrüster, Gründer der Barfachschule Zürich, freut sich über diese Entwicklung. Er meint jedoch, dass viele dieser aufstrebenden Barkeeper zwar wirklich gute Cocktail-Mixer seien, jedoch vergessen hätten, dass ein Barkeeper auch ein guter Gastgeber sein muss.

Da hat er leider Recht. Die Qualität des Mixings ist in dieser Stadt so gut wie nie zuvor. Um die nächste Phase in der Entwicklung der Zürcher Barkultur einzuläuten, ist es notwendig, dass die Barkeeper sich daran erinnern, dass sie auch Entertainer sein müssen.

…und dann wird Zürich wieder von einer Club- zu einer Bar-Stadt?

Das muss kein Entweder/Oder sein, beides kann nebeneinander existieren und in einigen Clubs wie dem Kauz findet man durchaus tadelloses Bartending. Zudem würde ich eher sagen, dass Zürich mal eine Stadt der Bar-Entertainer war, dann zu einer Stadt der Clubs wurde und dass sie nun und dank der jungen Wilden die Chance hat, zu einer Stadt des Bartendings zu werden.

Alex-Flach2Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Hiltl Club und Zukunft.

10 Kommentare zu «Stadt des Bartendings»

  • Alexandros Nicolaides sagt:

    Hier noch ein paar weitere Tips für den Cocktailian. Die Liste ist bestimmt nicht vollständig,
    und falls jemand vergessen wurde, dann bitte ergänzen. Es geht hier nicht um den Laden an sich sondern um die
    Plätze wo kompetentes Personal zu finden ist, die mit Liebe ihre Arbeit verrichten.
    Vertraut auch den Bartendern und wenn ihr nicht sicher seid fragt sie nach ihrer Empfehlung… 😉

    Tales Bar
    Hotel Rivington & Sons
    Onyx Bar
    Old Crow
    Raygrodski
    Modissa Rooftop Bar
    Widder Bar
    Renaissance Hotel Bar
    Bar 63
    Dante Bar
    Neo Bar & Restaurant
    Bovelli Bar

    Und falls ihr euch in die NEO BAR verirrt, so probiert mal den „NAMELESS COCKTAIL“ !
    Best EUER BARTENDER des VETRAUENS
    ALEXANDROS NICOLAIDES

  • Tronco Flipao sagt:

    Ich kenne leider nur die Tina-Bar und die Widder-Bar die ich in dieser Kategorie. Wo kommt man in Zürich sonst noch in den genuss von gutem Bartending?

    • Alex Flach sagt:

      Es sind nicht zuletzt auch die Hotelbars, die ein sehr hohes Niveau fahren. Jene des Renaissance beispielsweise, aber auch das Park Hyatt. Auch das Clouds oder für Rum-Liebhaber die Bar 63. Alexander kennt sich da aber bestimmt besser aus; habe ihn angeschrieben und gefragt, ob er Dir ein paar gute Insidertipps geben kann.

    • Ex-Agglo-Pendler sagt:

      Old Crow Bar. Diese ist auch in der von Ihnen genannten Kategorie anzusiedeln und durchaus empfehlenswert.

    • Oreg Meyer sagt:

      Da Rauch die Geschmacksnerven blockiert und damit verhindert, einen fein ausbalancierten Cocktail zu geniessen, fällt die Tina-Bar leider raus. Kronenhalle, Widder und Old Crow sind exzellent, gehören aber nicht zu den jungen Wilden. Hotel-Bars, Clouds und die Bar 63 ebenso wenig.

      Barfly’z war eine Enttäuschung. Das Raygrodski ist das einzige junge Wilde mit Anspruch, das mir einfallen will. Wo sind die anderen?

      • Alex Flach sagt:

        ….manchmal an den alten Orten. Beispiel Dirk Hany, der neue Chef der Widder Bar, ist knapp über 30. Laura Schacht vom Clouds, die das World Class 2013 gewonnen hat (zumindest damals noch Clouds), ist auch sehr jung (Mitte 20). Raygrodski (Yves Niedermayr) haben Sie schon genannt, das Dante (ebenfalls Nähe Langstrasse) wäre sicher auch noch zu nennen…. Alex Nicolaides könnte sicher auf Anhieb noch viele weitere Beispiele nennen, aber er liegt wohl bereits an der Sonne…

        • Oreg Meyer sagt:

          Hm, das Dante fand ich nicht überzeugend. Schien auch eher das Caipi-Publikum zu sein. Aber fähiges junges Blut an gesetzten Orten ist ein gute Einwand — zumindest gibt es also Nachwuchs. Haben die einen anderen Stil als die Altvorderen?

  • geezer sagt:

    „dass viele dieser aufstrebenden Barkeeper zwar wirklich gute Cocktail-Mixer seien, jedoch vergessen hätten, dass ein Barkeeper auch ein guter Gastgeber sein muss.“ das ist doch das allgemeine problem im gastrobereich in dieser stadt. entweder sind sie mit dem job überfordert oder dann sind sie ‚zu cool‘. da gibt es noch viel potential nach oben!

    es gibt aber auch einige wenige bars, die seit jahren schon wirklich viel wert auf guten service legen. da verzichte ich unter umständen gerne auf einen noch so ausgefallenen cocktail, werde dafür aber freundlich begrüsst und bedient.

  • Ben sagt:

    Als ich das Foto mit Bart zunächst sah, dachte ich, es gibt irgendeinen Preis für Bart-ending. 🙂

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.