«Nimm deinen Dreck mit!»

Unter diesem Dreck ist irgendwo der See. Und wie muss man drauf sein, um Menstruationsbinden in den See zu werfen?

Unter diesem Dreck ist irgendwo der See. Und wie muss man drauf sein, um Menstruationsbinden in den See zu werfen?

Das Bild stammt von gestern Morgen – dieser Dreck sammelt sich bei der Badi Uto-Quai. Wir kennen ähnliche Bilder von anderen Stellen am See, vom Flussufer, von den Stadtpärken, von den Seitenstrassen rund um die Clubsszene an der Langstrasse, aus der ganzen Stadt.

Es ist nicht «die 24-Stunden-Gesellschaft», es sind nicht die Beachpartys oder die Clubs. Diese Faktoren tragen nur dazu bei, dass sich das Ganze multipliziert. Es liegt viel mehr daran, dass die Leute die Stadt nicht mehr als Lebensraum, sondern als Konsummeile verstehen. Als ob man in eine Beiz geht, da konsumiert und dann einfach aufsteht und weggeht. Das Personal kümmert sich dann ja um den Dreck, den man hinterlässt.

Wenn man seine Party zuhause feiert, kann man noch so hageldicht sein, wenn man am nächsten Tag aufwacht, muss man sich dem ganze Müll stellen, dem Chaos, das man angerichtet hat. Geht man aber mit ein paar Freunden an den See, in den Park oder in einen Club, kann man sich die Kante geben und Flaschen, Kondome, Einweg-Grills und Erbrochenes einfach liegen lassen. Schliesslich geht man am Ende ja weg und siehts  am Morgen dann nicht mehr.

Es wär einfach, die ganze Schuld den Partytouristen zu geben. Aber so ist es nicht ganz. Es geht um den Begriff «Zuhause». Ich wette, dass sich einige Stadtzürcher in den Bergen oder am Strand genau so aufführen. Sobald man nicht mehr in der eigenen Homezone ist, benehmen sich manche wie Schweine.

Ich hör jetzt schon die Law & Order-Typen nach mehr Polizei rufen. Die Polizei  hat Besseres zu tun, als Babysitter für kleine Dreckspatzen ohne Gemeinschaftssinn zu spielen. Das ist nicht die Lösung. Viel mehr bräuchte es mehr Zivilcourage. Ein «Hey, ich leb hier, nimm bitte den Dreck mit» könnte einen Unterschied machen. Natürlich neben einem grundsätzlichen Sinn für Gemeinschaft, der uns in der Konsummeile Stadt mehr und mehr abhanden kommt. Oh Gott, ich hör mich schon wie einer dieser Typen an, der jammert: «Diese Leute haben keine Kinderstube mehr. Uns haben noch die Eltern beigebracht, dass wir unseren Dreck selbst wegräumen müssen.» Und ehrlich: Genau so ein Typ bin ich.

Ein Vorteil der Anonymität der Stadt ist, dass man Vieles tun und lassen kann, ohne dass sich die Leute das Maul darüber verreissen. Ein Nachteil ist jedoch, dass viele denken, es habe auch keine Handlung Konsequenzen. Bei den Wildpinklern im Kreis 4 nützt es übrigens, die Typen in flagranti zu fotografieren und auf Facebook und Instagram zu posten. 

Vielleicht hat ja jemand eine kreative Idee, wie wir mit den Schweinen umgehen können, die ihren Dreck jedes Wochenende in unserem städtischen Wohnzimmer liegen lassen ….

17 Kommentare zu ««Nimm deinen Dreck mit!»»

  • Jo sagt:

    Die Binden könnten auch aus der illegalen Entsorgung von Chemie-WCs der Boote herrühren.

  • Barbara sagt:

    «Hey, ich leb hier, nimm bitte den Dreck mit»
    Schön gedacht. Aber etwa am oberen Letten kommst du mit Deutsch nicht mehr weit, da musst du das Sprüchli schon auf Englisch sagen, sonst wirds nicht verstanden.

  • Franz Biberkopf sagt:

    Wenn es mit dem „Zuhause-Gefühl“ zu tun hat oder, wie VorkommentatorInnen vermuten, die neoliberale Gesellschaft das Littering fördert, dann sehe ich folgende Möglichkeiten:
    1.) mobile kleine Aschenbecher als Accessoires zum neuesten Modetrend erklären
    2.) Abfalleimer kombiniert mit Glücksspiel: bei jedem Abfall, der Eingeworfen wird, nimmt man automatisch an einer Verlosung teil (das gab’s früher schon mal als Lucky-Can und Geld als Anreiz klappt im Neoliberalismus meistens)
    3.) Wiedereinführung von Pfand (wird Abfall dennoch liegen gelassen, so können Andere diesen einsammlen und Geld „verdienen“)
    4.) Take away-Food in essbarer Verpackung abgeben
    5.) den Müll vom ERZ beim Auflesen in durchsichtige und reissfeste Ballone verpacken, welche vor dem Wochenende in Parks und im See platziert werden
    6.) grössere Abfallkübel und alle mit Aschenbecher, auf denen gleichzeitig die aktuellsten Partyfotos abgerufen werden können

  • Martin Hegner sagt:

    Herr El Arbi, haben Sie schon mal Ihren eigenen Rat ausprobiert? Ich kann da nur allen raten, sagt nichts, es geht euch nichts an. Das letzte mal, als ich einem jungen Typen gesagt habe, wirf doch Deinen Dreck in den nächsten Kübel, wurde ich brutal zusammengeschlagen. So wie bestimmte junge Migranten ein Agressionsproblem haben, haben sie auch ein Benimmproblem im öffentlichen Raum. Ja, es gibt auch junge Schweizer, die Ihren Dreck einfach liegen lassen, aber ich beobachte das eigentlich fast nur bei bestimmten jungen Migranten. Und da sehe ich eigentlich auch den Zusammenhang zwischen dem im Artikel erwähnten „sich nicht zuhause fühlen“. So wie westliche Touristen in fremden Ländern gerne Party machen und Ihnen die einfachsten Benimmregeln egal sind, so fühlen sich offenbar bestimmte junge Migrantengruppen in der Schweiz auf einer ähnlichen Party und sehen sich nicht als Teil des Lebensraumes Schweiz.

    • Réda El Arbi sagt:

      Ich sehe ihre Frustration, aber ich würde nicht von Ihrem Erlebnis auf alle schliessen. Beobachten Sie mal, wer im Bus für ältere Menschen aufsteht und Platz macht. Durchwegs Junge mit Migrationshintergrund.

      Und die Grüppchen am See oder in den Clubs sind oft durchmischt oder sogar reine Schweizer.

      • Markus Graf sagt:

        Ich persönlich versuche immer Freundlich zu sein und weise vermehrt Teenager zurecht wenn ich das Gefühl habe, dass ich noch wenigstens eine Chance habe, einerseits körperlich, andererseits wo es noch was bringt. Bei älteren zurückgebliebenen, ja leider meist Migranten, lasse ich es auch sein sie zu belehren.

    • Pierbattista sagt:

      Ich frage mich langsam Herr Hegner für was wir Secondos/Migranten noch verantwortlich sein sollen. Wir sind anscheinend billiger, nehmen die Wohnungen in Anspruch, nehmen den Schweizern die Frauen weg, verstopfen die Strassen, sind Raser und sonstige Kriminelle und jetzt verdrecken wir auch noch das schöne Zürich.
      Als wir vor mehr als 30 Jahren an den Ufern des Rheins in Schaffhausen unsere Partys feierten, sah es am Morgen danach genau so aus wie im Artikel beschrieben, wenn niemand sich um die Entsorgung gekümmert hat und glauben sie mir das waren hauptsächlich Schweizer! Sollten in der Schweiz eines Tages die Strassenputzmannschaften ein paar Tage ihre Arbeit niederlegen, würde sich der Müll höchstwahrscheinlich auch in Ihrer Strasse meterhoch türmen und zwar nicht in Abfallsäcken.
      Ich kann das Gehetze gegen Secondos, Ausländern und Migranten nicht mehr hören!!!

    • Marc Diethelm sagt:

      Der Begriff Bestätigungsfehler (confirmation bias) bezeichnet in der Kognitionspsychologie die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu suchen und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen. Unbewusst ausgeblendet werden dabei Informationen, die eigene Erwartungen widerlegen (disconfirming evidence). Die betreffende Person unterliegt dann einer Selbsttäuschung oder einem Selbstbetrug.

  • urs bilger sagt:

    ich lebe in und liebe thailand. A-BER die ‚ichwerfwegwoichstehmentalitaet‘ hier ist wirklich zum … eben !
    sogar als ‚militanter‘ raucher achte ich strikt darauf, meine zigistummel nicht einfach auf den boden zu werfen;
    nehm sie sogar mit nach hause, wenn’s keine andere moeglichkeit gibt und entsorge sie dann dort im abfall.
    leute, die ihren dreck stehen und liegen lassen, sollten dazu verdonnert werden, auf ewigkeiten anderer leute
    muell weg zu schaffen. punkt.

  • Irene feldmann sagt:

    Ich mache es kurz und schmerzlos: man verteile, nur sehr Verantwortlichen Mitmenschen, schiffshörner oder American Trucks-Sirenen….einmal auf so einem Horn geblasen, die verschmutzter brauchen ein volle viertel Stunde um sich zu erholen. Es wirkt und vielleicht gibt’s so auch einen Schall-denk-Anstoß für die Ferkellchen…..:)

  • Ben sagt:

    Wie soll den das gehen wenn seit bald dreissig Jahren die neoliberale Ideologie der Eigennutzmaximierung und Verursachergerechten Kosten propagiert wird und plötzlich will man wieder Gemeinsinn haben? Finde ich besonders lustig auf Wahl- und Abstimmungsplakaten und Wahlpropaganda der bürgerlichen…
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    Das eine geht nun mal nicht mit dem anderen. Wenn wir alle gemeinschaftlich sozialen Bereiche wie etwa Spitäler, Alters- und Pflegeheime an Investoren zur Profitmaximierung verschachern und den Gemeinsinn durch bürgerlich primitive Weltsicht kaputtsparen kommt genau das dabei heraus. Besser wären Mülleimer die gross genug für allen Abfall sind. Gratis….mit Pauschalsystemen anstatt diese bürokratischen Monster der Verursachergerechten Kosten.
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    Das,Gegenstück sind etwa privatisierte Parks wie in den USA wo nicht mehr die Gesellschaft sondern Investoren entscheiden was dort getan wird… so wird ais Öffentlichem Raum eine private Einheit ohne bürgerliche Rechte. Auch das treiben die bürgerlichen neoliberalen Gemeinsinnverächter seit Jahren ungehindert voran. Die linken und bürgerlichen sozialen, die mit letzten Resten Gemeinsinn und Humanismus im Herz schauen seit Jahren ob der Hetzerei nur dumm aus der Wäsche…
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    Soziales Denken, fühlen und Handeln gilt heute als perversion der menschlichen Entwicklung und wird der lächerlichkeit preisgegeben… eine Gesellschaft die Alte und Kranke an Investoren verschachert und menschliche Arbeitskraft und Zusammenleben als Verlustfaktor betrachtet wird genau so….

    • hans sagt:

      merci ben für deinen kommentar!

    • Clara sagt:

      Topkommentar und intelligente Kurzanalyse.

    • Arthur Cohn sagt:

      Das bringt es genau auf den Punkt!

    • max sagt:

      gut gesagt!
      Aber die Frage: Was kann man gegen diese neoliberale Brühe machen? Es ist mir aufgefallen, dass El Arbi Entschuldigungen für seine berechtigte Anklage im Text integriert. Wie Sie schreiben, soziales Denken wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Spott und Häme ist zu einer Waffe geworden, welche auch systematisch kultiviert wird. Wo endet das?

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