Fifa-Tempel der Korruption

Seine Majestät Don Blatter eröffnet ein Museum n Zürich.

Seine Majestät Joseph Blatter eröffnet ein Museum in Zürich.

«Ah, von Zürich? Da sitzt doch die korrupte Fifa, nicht?» – so begegnete mir gestern in meinen Ferien ein Fussballfan. Nun, was sollte ich da antworten? Nachdem eine neue Doku nach fünf monatiger Recherche  – zum x-ten Mal – aufgezeigt hat, wie korrupt Sepp Blatter und die Fifa funktionieren, wie die Gelder für die Qatar-WM flossen und nachdem Sepp Blatter selbstherrlich in aller Öffentlichkeit erklärt, dass die Fifa inzwischen mehr Einfluss habe als eine Religion?

Ja, muss ich sagen, meine Stadt beherbergt diese dunkle Krake des Sports.

Und nun eröffnet die Fifa in der Enge – mitten in Zürich – Anfang 2016 ein Museum. Das Geld stammt aus dem Geschäft mit dem Sport der Herzen, welches die Fifa in einen ethischen und moralischen Schlammtümpel verwandelt hat. Komischerweise finde ich nicht mal in der Schweiz einen Fussbllfan, der einer solchen Aussage widerspricht. Man liebt hierzulande den Fussball, aber, wie jeder anfügt, «trotz der Fifa und Sepp Blatter».

Natürlich fragt man sich, was in diesem neuen Museum  denn ausgestellt werden wird. Vielleicht der Email-Verkehr von bestochenen Funktionären? Oder das Kündigungsschreiben des Chefermittlers Garcia, in dem er vor der Korruption innerhalb des Verbandes kapituliert? Oder eine eindrückliche Galerie mit Bildern von den unaussprechlichen Arbeitsverhältnissen in Qatar? Die Projektstudien zeigen indes bereits, wie grossspurig die Fifa sich in der Enge selbst darstellen wird. Kein bisschen Schweizerische Bescheidenheit, sondern Protz, wie er in Qatar wohl gerne gesehen würde.

Die Fifa, einst Vorzeigebeispiel dafür, wie Sport die Welt vereinen kann, hat sich schon lange zu einem Sinnbild für Korruption gewandelt. Und mit ihrer Hauptzentrale in Zürich und dem Schweizer Sepp Blatter an der Spitze, färbt dieses dreckige Image auf Zürich und die Schweiz ab. Erstaunlich ist, dass sich niemand dagegen wehrt. Wenn Banken und private Unternehmen sich offensichtliche Schweinereien leisten, gehts nicht lange, bis Boykott-Aufrufe ertönen und sich Menschen zu Protestaktionen zusammenfinden.

Bei der Fifa zucken alle nur mit der Schulter, selbst wenn nachweislich Sklavenarbeit auf den in ihrer Verantwortung stehenden Baustellen stattfindet und wenn die WM nicht vergeben, sondern wie eine billige Prostituierte an den geilsten Freier verscherbelt wird.

Sepp Blatter tritt mit seiner Fussballmafia inzwischen auf wie ein Staatsmann. Seine Macht, Milliarden zu verschieben und so die Wirtschaft von Staaten nachweislich zu beeinflussen, macht ihn unangreifbar.

Aber vielleicht reagieren wir ja in Zukunft wie bei den Olympiaden und lassen uns nicht mehr kaufen, sondern weigern uns, ein Teil dieser suspekten Sportoligarchie zu werden. Vielleicht sollte die Fifa ihre Grossanlässe auch nur noch in Diktaturen oder Scheindemokratien wie Russland oder Qatar abhalten können. Da ist der Sportverband unter Seinesgleichen.

Und natürlich könnten wir der Versuchung widerstehen, ins Museum zu pilgern und der Selbstbeweihräucherung der Fifa für einmal kein Publikum geben.