Street Parade als mehrtägiges Festival?

Street Parade als 4-tägiges Festival? Die Clubbesitzer sind nicht überzeugt.

Street Parade als 4-tägiges Festival? Die Clubbesitzer sind nicht überzeugt.

Der weltweite Siegeszug der elektronischen Musik hat unzählige Festivals hervorgebracht, die sich gegenseitig mit immer noch fantastischeren Line Ups zu überbieten versuchen. Traditionelle wie das Sonàr in Barcelona oder die Winter Music Conference (WMC) in Miami sind mit der Zeit zu wahren Monstern gediehen, aber auch neuere Happenings wie das Tomorrowland in der belgischen Stadt Boom oder das Balaton Sound in Ungarn, haben sich in nur wenigen Jahren zu alljährlich stattfindenden, mehrere Tage dauernden Woodstocks für manchmal mehrere hunderttausend Electronica-Freunde gemausert.

Bei den vielen Millionen die hier umgesetzt werden kann man sich die eine oder andere Extravaganz schon leisten: Die Tomorrowland-Macher haben beispielsweise den Filmkomponisten Hans Zimmer mit der Komposition der Hymne zum zehnten Geburtstag ihres Open Airs beauftragt.

Davon kann Joel Meier, Präsident des Street Parade Komitees, nur träumen: Zwar feiern an seinem Umzug mehr Leute als am Balaton Sound und am Tomorrowland, jedoch tun sie dies kostenlos: Die Street Parade kämpft alljährlich ums finanzielle Überleben. Dennoch keimte in den letzten Wochen die Hoffnung, dass aus der Street Parade ein Festival analog der Sonàr werden könnte, samt eines Schulterschlusses zwischen Organisationskomitee und Zürcher Clubszene.

Die Idee: Die ersten Rahmenpartys mit international renommierten DJs steigen bereits am Mittwoch und die Festivitäten sollen dann bis Sonntag dauern. Der Umzug am Samstag wäre nicht mehr isoliert sondern würde zum Hauptanlass eines mehrtägigen Zürcher Festivals unter Einbezug der elektronisch orientierten Clubs. Joel Meier: «Das Ganze müsste erst etabliert werden und zwar über einen Zeitraum von circa fünf Jahren. Aktuell ist es so, dass die Street Parade-Raver am Samstag an- und irgendwann in der Nacht auf Sonntag wieder abreisen. Von einem Ausbau der Street Parade zu einem mehrere Tage dauernden Festival würden vor allem die Clubs profitieren. Aktuell werden ihre Tanzflächen am Donnerstag und Freitag vor der Street Parade meist nur leidlich frequentiert: Mit diesem Konzept könnte dieser Makel behoben werden».

Jedoch scheint auch dieses Vorhaben, wie auch schon die Idee eines Street Parade- Solidarbeitrages der Clubs von 2013, an der fehlenden Identifikation der Clubbetreiber mit der Street Parade zu scheitern – die Zürcher Nachtleben-Schaffenden wollen mit dem Umzug nichts mehr zu tun haben. Ihre Begründung: Der Umzug hätte sich zu weit von dem entfernt was sie tun, sei zur Fasnacht für Eintagestouristen geworden, die keine Ahnung von Clubmusik hätten. Sogar der von Meier vorgebrachte Einwand, dass sich die Clubbesitzer dann aber doch nicht zu schade seien mit Rahmenpartys an der Street Parade zu verdienen, wird von einigen bestritten: Ihr Stammpublikum würde an den Partys nach dem Umzug ausbleiben und das Volk, das an diesem Tag in der Stadt unterwegs ist, sei gar Image-schädigend.

Die Frage ist nur, warum sich die Clubbesitzer dann partout weigern, an diesem Missstand etwas zu ändern, denn das Konzept eines ausgedehnten Clubfestivals im Rahmen der Street Parade könnte tatsächlich die Lösung sein.

Alex-Flach2Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Hinterhof, Nordstern Basel, Rondel Bern, Blok und Zukunft.

13 Kommentare zu «Street Parade als mehrtägiges Festival?»

  • Agent soz.IO sagt:

    Ja, die Antiparade gibt es leider seit 2 Jahre auch nicht mehr. Marschierten am Anfang noch mehrere hundert Leute mit, interessierte sich gegen den Schluss keine Sau mehr dafür. Organisatoren, die einen Wagen machten (am Schluss dann nur noch ein Soundsystem auf dem Helvetiaplatz) fanden sich praktisch keine mehr – auch wenn man dies sehr leicht finanzieren konnte. Über die Streetparade-Fasnacht motzen konnten viele – aber eine Art Gegenbewegung zu machen oder zu unterstützen – dafür waren viele dann doch zu faul. In Berlin hat dies mit der Fuckparade komischerweise geklappt und dort sogar die Loveparade überlebt.

  • Cyril Wyse sagt:

    „die Zürcher Nachtleben-Schaffenden wollen mit dem Umzug nichts mehr zu tun haben.“ Clubbesitzer / -Pächter sollen doch dort hin wo der Pfeffer wächst…. und by the way; Abgeneigt sind sie dann trotzdem nicht wenn am SP-Weekend noch ein paar zahlende Gäte mehr kommen!

    Ich meinerseits geniesse jährlich den schönsten Anlass der Welt und habe letztes Jahr zum ersten mal ein kleiner Betrag (100.-) als Dankeschön an den Verein Streetparade überwiesen. Nebst dem direkten Konsum an den Ständen und den jährlichen Streetparade-Compilations einkäufen. Lg ein StadtZürcher seit 29 Jahren.

    PEACE, LOVE & HAPPINESS

  • MvanOz sagt:

    mehrtägige Parade? *feuchte Augen krieg*
    wie geil wär das denn?
    Ich war auf jeder bis auf die ersten beiden Loveparades in Berlin, und finds zum kotzen wie sie n werbefestival mit todesfalle draus gemacht haben, geht gar nicht
    aber ich werde keine einzige street parade mehr verpassen, und wenn ich zu fuss aus bayern loshatschen müsst.
    Wahnsinnig geniale organisation, verfickt scheisse Laut, sp war das 2. mal in meinem leben, dass ich gesagt hab PK-muss jetz wegen mir nich lauter werden… Ich liebe es. Das, was es insgesamt ist, dazu gehören auch noobs und adabeis, wen interessierts
    wir feiern ne party die mir wichtiger is als jeder urlaub und jedes andere datum und es is mir scheissegal dass ich für 200 mark wasser kaufen muss, tu ich gern, ich dank allen die das ermöglichen und küsschen an alle, die schon vor 20 jahren gesagt haben, techno sei tot. noch 4 monate und 1 woche, ich spring jetz schon im dreieck rum vor freude. danke CH!!!!!!!

  • Kant, Immanuel sagt:

    Da sollte man schon unterscheiden zwischen den verschiedenen Clubs. Ein Hive ist nicht die Kanzlei. Da ist die Sachlage ganz anders und auch die Mehrgewinne ganz anders – und dass man Letztere nicht gerne teilt, ist die wirtschaftliche Logik. Naja, die Streetparade bleibt ein Leuchtturm, für den niemand etwas bezahlen möchte. Wie lange dies noch gut? Irgendwann steuert man dann im Dunkeln.

  • Marco D'Alessandro sagt:

    So, und jetzt auch noch mein WIRKLICH SEHR ERNST gemeinter Kommentar zum Vorschlag einer mehrtägigen StreetParade: *geht gar nicht!* (meine beste Freundin wird mich ç“&%ç!!, wenn sie das liest, mir aber egal).

    Als (ja, echter) Stadtzürcher liebe ich diese Stadt, aber bitte OHNE „Fasnacht für Eintagstouristen“.

    Die erste Streetparade war legendär.
    Die zweite war auch sehr schön.
    Die folgenden waren …

    Offensichtlich kein Fan von Mega-Events schliesse ich mich gern Tanja an, denn in der Roten war das LineUp bekanntlich stets hervorragend

  • Patrick sagt:

    „Fehlende Identifikation“ hin oder her. Bei gewissen Zürcher Clubs mag das stimmen, schliesslich sind diese durch’s Jahr weg immer gut gefüllt.

    Meiner Meinung nach müssten / könnten aber die grossen Veranstaltungen wie bspw. das Electric Maag jene sein, welche der Streetparade in irgendwelcher Form entgegen kommen. Ich glaube nicht, dass ein solcher Event ohne die Streetparade (besonders im Sommer) eine Chance hätte…

  • Gertrud sagt:

    Solange die Clubs weiter so arrogant zu uns Anwohnern und Kunden sind, sag ich einfach mal nein.
    Brauchen wir nicht.

  • Lukas sagt:

    Mehr Streetparade auch in die anderen Städten, die es sehr nötig haben. Etwa Basel, Luzern und Genf sind sehr langweilig im Vergleich zu Züri. Kann man da nicht auch kantonale Entwicklungshilfe leisten?

    • Réda El Arbi sagt:

      Gute Idee! Lasst uns die Street Parade den Baslern schenken! (Ohne Rückgaberecht)

      • Lukas sagt:

        Züri behält schon das Original, aber kann den Dorfgemeinden zeigen, wie Vergnügung geht. Dann feiern in Züri auch wieder mehr die entspannt coolen und Szenis auf der Streetparade und die Agglos haben was eigenes. 🙂

      • Marco D'Alessandro sagt:

        Brüll! @Réda El Arbi: Diä hen doch scho d’Faasnacht 😉

  • tststs sagt:

    „Ihr Stammpublikum würde an den Partys nach dem Umzug ausbleiben und das Volk, das an diesem Tag in der Stadt unterwegs ist, sei gar Image-schädigend.“ Krchkrch… Agglokids finden, Dorfkids seien unter ihrem Niveau…

    Aber zum Thema:
    1) 5 Tage wären zu viel, die bisherigen 3 (Fr-So) sind völlig ausreichend.
    2) Joel Meier sollte besser der Stadt mehr Liebe und Energie (und Afterakrobatik) zuwenden als den Clubs. Ich glaube, deren Desinteresse ist mittlerweilen mehr als offensichtlich. Aber die Stadt – als erste Nutzniesserin – könnte schon noch den ein oder anderen Franken/Leistung springen lassen.

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