Die Feinde der Schweiz. Ehrewort!

Achtung! Landesverräter!

Achtung! Landesverräter!

Nun stehen ja bald wieder Wahlen in Zürich an, und da macht es Sinn, sich einmal quer durch die politischen Blätter und Veröffentlichungen zu lesen, bevor man da irgendwen wählt, der vielleicht gar nicht für die eigenen Werte steht.

Ein besonderes Fundstück erreichte mich glücklicherweise noch vor den Wahlen über die Zeitschrift «Schweizerzeit»: Eine Liste der «Feinde der freien Schweiz». Das war vielleicht ein Augenöffner! Ich muss jetzt mein ganzes Weltbild neu definieren!

Wer hätte gedacht, dass das Mädchenhaus Zürich, das Heks und der Kinderschutzbund zu den Landesverrätern zählen? Ganz unheimlich sind mir auch die «Arbeitsgruppe Tourismus & Entwicklung» und die «Caritas». Ich sehe schon bildlich vor mir, wie diese subversiven Organisationen unsere Freiheit mit Füssen treten. Und ehrlich, «Fastenopfer»? Wer sich selbst als Opfer sieht und mit Fasten die Wirtschaft schädigt, kann doch kein Patriot sein, oder? Opfer. Pfft.

(Fortsetzung unter dem Bild)

Ui nei! Alle böse!

Ui nei! Alle böse!

So wie ich das sehe, sind die «Reporter ohne Grenzen» eigentlich nur der militante Arm der Lügenpresse, während die Menschenrechtsorganisationen uns an unserer nationalen Freiheit auf Menschenrechtsverletzungen hindern. Pfui bäh, das ist ja schon beinahe Diktatur!

Aber beinahe am Schlimmsten auf der Liste ist das Schweizerische Rote Kreuz. Diese vaterlandsverräterischen Halunken benutzen sogar unser heiliges Schweizer Kreuz als Symbol! Das ist doch die Oberfrechheit! Treiben sich im Ausland herum, verschenken unsere teuren Medikamente an Dahergelaufene und stehen im eigenen Land gegen die Freiheit! Dass das Kommunisten sind, sagt ja schon der Name! Henry Dunant war sicher Bolschewik!

Irgendwie dünkt mich die Liste aber nicht konsequent. Auch die Heilsarmee (die ihre aggressiven Ambitionen ja schon im Namen trägt), die kantonalen Samichlaus-Vereine (die Bärte, sag ich nur. DIE BÄRTE!) und die Verkehrskadetten (die uns vorschreiben wollen, wie wir unsere Freiheit im Strassenverkehr leben dürfen) gehören auf diese Liste!

Dankbar für die Warnung vor der Gefahr für unsere freiheitlichen Werte bin ich der ganzen Redaktion der Schweizerzeit und werde diese Liste – und den Geist dahinter – sicher auch beim Ausfüllen meines Wahlzettels berücksichtigen.

(Die politischen Konsequenzen, die man aus der in der Liste herrschenden Weltsicht ziehen mag, sind natürlich ganz dem Leser überlassen. Ehrlich.)

Hier die Redaktion der «Schweizerzeit»:

Chefredaktor:
Dr. Ulrich Schlüer (us)

Abschlussredaktion:
Olivier Kessler (ok)

Mitarbeiter:
Roland Burkhard
Patrick Freudiger
Thomas Fuchs
Arthur Häny
Hans Kaufmann
Barbara Keller-Inhelder
Olivier Kessler
Hermann Lei
Anian Liebrand
Luzi Stamm