«Femmes fatale» übernehmen

Nicht nur schmückendes Beiwerk sondern in Charge: «Femme fatale» .

Nicht nur schmückendes Beiwerk sondern in Charge: «Femme fatale» .

Normalerweise überlasse ich es unserem Nachtleben-Fachmann Alex Flach, über Clubs zu schreiben. Heute aber habe ich eine kleine Geschichte, die auch gesellschaftspolitisch relevant ist.

Die Zürcher Clubszene ist für Frauen ein eher hartes Pflaster. Nicht an den Clubtüren, da werden Frauen gerne gesehen, müssen oft weniger oder gar keinen Eintritt bezahlen, gelten sie doch als Publikumsmagneten. Sie sollen wie Honig die Fliegen (Männer) anziehen. Ansonsten sollen sie möglichst sexy tanzen, möglichst leicht bekleidet sein und die Atmosphäre mit der nötigen Erotik aufladen. Steht einmal eine Frau hinter den Plattentellern, ist sie gleich dem Verdacht ausgesetzt, wegen ihres Aussehens oder ihres Exotensstatus, nicht wegen ihres Könnens, gebucht worden zu sein. Soweit, so banal.

Schaut man aber die Anzahl der Frauen unter den Clubbesitzern, den Partyveranstaltern und den DJ(ane)s an, siehts eher schäbig aus. In der Lobbyorganisation Zürcher Bar & Club Kommission sind Frauen nicht mal mit 10 Prozent vertreten. Die ach so moderne Zürcher Clubsszene kann sich in Sachen Frauenanteil also nicht mal mit der normalen Schweizer Marktwirtschaft messen. Clubbusiness ist Männersache.

Darum war ich wirklich erfreut als ich von der im April startenden Partyreihe «Femme fatale» hörte. Von Kathrin Hasslwanter ins Leben gerufen, will dieses neue Format in erster Linie eine Plattform für Frauen sein. Das heisst, von der Organisatorin über die DJanes bis zur Security werden die Jobs nur an Frauen vergeben. So sollen neben internationalen Acts auch CH-DJanes (Auftakt am 10.4 mit Manon, Frau Hug, Susie Star, Samsara, Rennie Takeda, Rina Lou und Clit Eastwood) endlich mal die Möglichkeit haben, regelmässig vor einem einheimischen Publikum zu spielen und ihr Können zu zeigen.

Ironischerweise findet die Party im ehemaligen Füdlischuppen und jetzigen In-Club «Revier» mitten in der Strichmeile an der Langstrasse statt. Hoffentlich nehmen die anderen Clubbetreiber der Stadt die Möglichkeit wahr und schauen sich das einheimische weibliche Schaffen an den Plattentellern auch mal an. Man könnte ja jemanden sehen, den man für den eigenen Club buchen könnte.

Ansonsten bin ich gespannt, ob wir Männer an der Clubtüre jetzt mit einem süssen Augenaufschlag und knappen Shorts auch eher reinkommen. Und wie viele männliche Groupies extra sexy vor den DJ-Pulten tanzen.

Auf jeden Fall freuen wir uns auf diese spezielle Partyreihe. Sie hat schon heute das Stadtblog-Gütesiegel.

30 Kommentare zu ««Femmes fatale» übernehmen»

  • Ali Ramic sagt:

    Mädels den Staubwedel ned vergessen…. 😉

  • Huldreich sagt:

    Hach, Zürich ist so eine tolle Stadt…

  • Hannah sagt:

    Es wird Zeit für eine Frauenquote von zunächst mind. 30% in allen Geschäftsführungen, Vorständen und Aufsichtsräten in Wirtschaft und Politik!

    • Marcel Zufferey sagt:

      Hm, haben Sie sich vielleicht… verirrt, Hannah? Den gestrigen Artikel über die Frauenquote finden Sie im Ressort Wirtschaft. Sorry, Réda: Der Gatekeeper bis ja Du hier: Hätt‘ ich fast vergessen 😉

    • KMS a PR sagt:

      jaja. dann wird es aber auch höchste zeit, dass die werten damen in gleichem masse bereit sind, leistung zu erbringen und zwar ohne „foifer und weggli – und no dä sohn vom beck“. ich denke, das wird noch etwas dauern….

    • Eleonore sagt:

      30% sind zu wenig, die heutigen Verhältnisse müssen umgekehrt werden, 95% Frauenquote!!!

  • Marcel Zufferey sagt:

    Endlich wird etwas gegen die Diskriminierung von Frauen im stadtzürcher Nachtleben unternommen, ehrlich! Vielleicht stand sie ja nicht einmal im Zentrum dieses Projektes- aber Réda versteht es wieder einmal blendend, diesen einfachen Vorgang mit viel Moral und politischem Feingefühl auf ein Genderthema zu reduzieren! Das ist eigentlich die wahre Leistung am Ganzen: Den Frauen wünsche ich viel Glück und Erfolg!

  • Hört euch DJ Marcella an. Das ist eine Frau (was ich für komplett unwichtig halte) und legt total einzigartig auf. Ihr Geschlecht spielt dabei keine Rolle.

  • Jorge sagt:

    Mh, also wenn DJanes nur gebucht sind, weil sie hübsch sind, ist das böse und sexistisch.

    Wenn die ganze Belegschaft aber zwingend aus Frauen bestehen muss, damit sie nur aus Frauen besteht, ist das hip und fortschrittlich.

    Da der Autor anfangs noch darüber lästert, Frauen werden bis anhin aufgrund ihres Exotenstatus gebucht, ist das wieder schlecht, wobei eine Bar, nur von Frauen geführt, natürlich nicht exotisch ist.

    Habe viel mehr den Eindruck, als ob der Zürcher Partyszene sonst nichts Neues mehr einfällt… ausser vielleicht ein Club, der nur von Minderjährigen geführt wird – aber das hat ja noch Zeit, bis Hirschmann wieder auf freiem Fuss ist.

    Gesellschaftspolitische Relevanz : Ja genau… genauso wie der Hafenkran

    • Réda El Arbi sagt:

      Wenn wir eine Witschaft haben, in der Frauen die gleichen Chancen und Löhne bekommen, werde ich mich mit deinen Ansichten auseinandersetzen, Jorge. Bis dahin nämlich ist eine weibliche Crew mit einem weiblichen Organisator noch ein Statement.

      • Jorge sagt:

        Aja, und was für ein Statement wäre das? Hier geht’s doch ausschliesslich um das Generieren von Aufmerksamkeit, Umsatz und einer Marke und hat aber auch gar Nichts mit Emanzipation zu tun – eher im Gegenteil.

        Und zum Thema Chancen und Löhne: Wo sind denn die Frauen, die eine Chance erhalten wollen, in der Kanalreinigung zu arbeiten? Oder im Gerüstbau? Oh, es geht nur um gut bezahlte Kaderjobs? Oder Teilzeitstellen im BackOffice? Merken Sie, dass diese Rosinenpickerei auch ein Statement ist oder zählt das nicht, weil … ja, weil einem kein besseres Argument auf meine ernst gemeinte Kritik einfällt?

        • Réda El Arbi sagt:

          Nun ja, das sind natürlich schlagende Argumente, wenns darum geht, die einflussreichen Jobs den Männer vorzubehalten.

          Und ich finds super, dass du die Motivation von Kathrin gleich so telepathisch eruieren kannst. Ehrlich, beeindruckend.

          Ich kenn übrigens kaum einen Schweizer, der aus der Schule kommt und sich einen Job in der Kanalreinigung wünscht. Dafür haben wir ja die Ausländer. Die stehen da noch ein wenig unter den Frauen, gell.

          • Jorge sagt:

            Wieso den Männern vorbehalten? Was ist besser;

            – die beste Frau für den Job
            – der beste Mann für den Job
            – das beste Teammitglied für den Job

            (ja ich weiss, unseren emanzipierten Mitmenschen ist sicher nicht entgangen, dass da Glied steht … dafür entschuldige ich mich aufrichtig – natürlich war damit auch die weibliche Form gemeint, Anm.d.T)

            ——————————-

            Wieso Kathrin? Ich spreche von Deinem Text!

            Kathrin wird es schaffen, nicht weil sie eine Frau ist, sondern wenn sie gut ist. Ich werfe ihr auch nicht vor, ihren Betrieb zu bewerben – wie gesagt, ich reagier auf Deinen literarischen Gedankengang – mehr nicht.

            ————————————-

            Wieso jetzt wieder Ausländer?

            Überlegst du Dir eigentlich Antworten zu den Argumenten oder versuchst du absichtlich mit nicht themenbezogenen Konter Dein Gegenüber zu Entmutigen?

            Ganz abgesehen davon: Eigentlich wollte ich doch nur Deine satirische Leistung weiterspinnen – bin mir jetzt aber nicht mehr so sicher, ob du Dir dessen bewusst bist.

            PS: du hast die ausländischen Frauen vergessen #aufschrei

          • fritz sagt:

            die wahren „kanalreiniger“ sind diejenigen, die im sozialsystem leben (müssen) und härteste arbeit verrichten

  • Adi Nalin sagt:

    full support! ich freu mich schon!

  • Erwin Zürcher sagt:

    Ob dieser Beitrag wirklich gesellschaftspolitisch relevant ist, wage ich doch zu bezweifeln…

    • tststs sagt:

      Naja, der Leser kann/darf ja auch noch was beitragen… er könnte sich am Ende fragen, weshalb dies so ist…
      Denn ich gehe mit Kommentator Geezer einig: Männlein, Weiblein, Schmulein… am Ende wird es eine tolle (oder weniger tolle) Party und der Besucher wird vom Geschlechterunterschied nicht viel mitbekommen.
      Interessant (und eben gesellschaftspolitisch relevant) wäre die Frage, wieso dies so ist.

  • geezer sagt:

    da muss ich unbedingt hin! ich werde auch das kurze röckli anziehen und mich von der security ganz genau untersuchen lassen!

    jetzt mal ernst: mir gehen diese SIE oder ER events so was von auf den sack. elend verkrampft!

    • Réda El Arbi sagt:

      Das Publikum ist übrigens gemischt, wie immer. Es geht nur um die DJanes und die Organsiatorin.

      • geezer sagt:

        hoffentlich ist es gemischt!!! eigentlich müsste es doch so sein: wer organisiert oder wer hinter den plattentellern steht, sollte kein schwein interessieren. es sollte im 21. jahrhundert doch langsam klar sein, dass männlein und weiblein gute events veranstalten können. ich hoffe, dass der event ein erfolg wird. aber ich finde es trotzdem mühsam, dass es an die grosse glocke gehängt werden muss. es sollte eine selbstverständlichkeit sein.

    • Adi Nalin sagt:

      Wie beschrieben sind Ladies im Nachtleben nur minim vertreten und genau diesem Umstand gebührt diese Eventreihe. Vekrampft wird diese Nacht auf keinen Fall haha aber geh du ruhig an deine ER Events, was auch immer damit gemeint ist 🙂

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