Sinnvolle Night Life Awards

Die Awards könnten auch etwas bedeuten.

Die Awards könnten auch etwas bedeuten. (Bild: Usgang.ch)

In drei Wochen werden im Komplex 457 die Swiss Nightlife Awards 2014 verliehen. Überraschungen wird es keine geben: Die Kategorien sind mehr oder weniger dieselben wie in den Jahren zuvor und die drei Finalisten pro Kategorie sind meist ebenfalls Altbekannte.

Anstatt aber wie immer nur zu kritisieren, werde ich nun erklären wie man es besser machen kann: Weg mit dem Public Voting, weg mit den Kategorien Best Club, Best Big Club, Best New Location, Best Festival, Best Event Serie, Best Event und vor allem weg mit The Most Original Nightlife Bar. Begründung: Was macht einen Club zum besten Club? Was macht eine Nightlife Bar «most original»?

Das ist alles nur schwammig, viel zu sehr in individuellen Wahrnehmungen fussend und nicht empirisch begründbar. Es müssen Kategorien geschaffen werden die mit Fakten bewertet werden können: Welcher Club führt das beste Bartending, welcher die besten Line Ups (nach Genre), welche Location bietet abseits dieser beiden Basiselemente am meisten, wer bietet die besten Visuals und wer die opulentesten Dekos?

Klar: Bezüglich Qualität der Line Ups gibt es immer noch viel individuellen Spielraum, aber man könnte Bewertungsinstrumente wie «Internationalität» oder «musikalische Kompaktheit» einführen. Mit den aktuell geführten Wischiwaschi-Sparten werden alljährlich einfach nur die bekanntesten Clubs und Bars ins Finale kommen und nicht jene, die im abgelaufenen Award-Jahr tatsächlich Ausserordentliches geleistet haben.

Dasselbe gilt für die DJs: Was macht einen Aufleger zum besten House DJ, wieso stehen Bazooka, Green Giant und Vincz Lee im Finale auf den Titel des besten Open Format DJs? Was haben sie konkret geleistet? Auch hier müssen die nichtssagenden Kategorien durch griffige ersetzt werden: Wer hat im abgelaufenen Jahr den Aufsehen erregendsten Track produziert? Welcher DJ hat die besten Bookings gekriegt? Wer hat die besten Sets (technisch und musikalisch) abgeliefert?

Bei den Clubmusikanten existiert noch ein weiterer, markanter Makel: Was ist mit den Live-Musikern? Clubmusik lebt längst nicht mehr nur vom DJing, im Gegenteil: Es sind nicht zuletzt die live Spielenden, die die Genres weiterentwickeln. Und sie werden an den Swiss Nightlife Awards ignoriert.

Hier also ein paar Alternativvorschläge zu den jetzigen Kategorien, angefangen bei den Clubs und Bars: Line Ups (unterteilt nach Genres), Bartending, Eventkreativität, Visuals, Deko und Innenarchitektur, Specials (Gäste-Treatment). Für Clubmusiker und DJs: Track, Album und Compilation des Jahres, Bookings (zu bewerten nach Renommee der buchenden Clubs und Labels), Innovationscharakter der Sets, technische Skills.

Für das Komitee würde eine Umgestaltung der Kategorien grossen Abklärungs- und Evaluations-Mehraufwand bedeuten. Jedoch könnten so tatsächlich die Leistungen für ein Award-Jahr gewürdigt, die Kategorien könnten auf Basis von Fakten vorgenommen und es könnten Preise verliehen werden, die tatsächlich Sinn ergeben. Es wären die Swiss Nightlife Awards, die das Swiss Nightlife verdient.

Alex-Flach2Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Nordstern Basel, Rondel Bern, Blok und Zukunft.