Striptease des Christopher S.

Christopher S zeigt alles. (Screenshot Blick.ch)

Christopher S zeigt alles. (Screenshot Blick.ch)

Es war einmal allgemeine Usanz und viele Artisten halten es noch immer so: Sie sprechen über ihre Kunst, aber nicht über Privates. Was zuhause in den eigenen vier Wänden geschieht bleibt auch dort. Es sind vor allem die ernstzunehmenden Musiker, Filmschaffenden und Maler, die es so halten. Künstler die mit ihrer Arbeit ein kulturell gebildetes Publikum ansprechen, das sich nicht für die Sensationsmeldungen der Boulevardpresse interessiert.

Aber auch Exponenten der weit gefassten Popkultur wie beispielsweise Stefan Raab halten ihr Privatleben unter Verschluss: Wenn doch mal etwas zur Presse durchsickert, dann ist dies einem besonders hartnäckigen Journalisten zu verdanken, der sich auch von einem hundertfachen «kein Kommentar» nicht abschrecken lässt.

Auf der anderen Seite gibt es Prominente, die sind berühmt, ohne (künstlerisch) etwas Nennenswertes geleistet zu haben: Kim Kardashian ist das aktuell fleissigste Mitglied dieser Gattung, aber auch Paris Hilton und Gina-Lisa Lohfink zählen dazu. Sie sind berühmt um des Berühmtseins willen – und unbeholfen-verwackelte Heim-Pornos und andere an die Öffentlichkeit getragene Peinlichkeiten gehören halt dazu.

Sie sollten bloss die Finger von der Musik oder der Schauspielerei lassen, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen, von allen Seiten genüsslich mit Eiern und faulem Obst beworfen zu werden. Ebensowenig sollten sich aber Künstler zu sehr hinter den Vorhang blicken lassen, wollen sie ernst genommen werden.

Christoph Spörri alias Christopher S hat diese Lektion definitiv nie gelernt: Der Berner DJ und Produzent galt einmal als versierter Clubmusiker, vermittelt aber längst nur noch das Bild eines verzweifelt nach Aufmerksamkeit hechelnden Semipromis, dem der endgültige Durchbruch nicht gelingen will und wohl auch nie gelingen wird.

Zementiert wurde dieses Bild vergangene Woche von der SRF-Sendung «Puls», in der Christopher S und seine Frau Tina eine misslungene künstliche Befruchtung in aller Offenheit ausgebreitet haben.

Selbstverständlich: Ein Schicksalsschlag, der Mitgefühl verdient. Zudem hilft Christopher S‘ Gang an die Medien vielleicht anderen Betroffenen, die nun freier mit diesem Thema umgehen können. Jedoch nimmt man ihm einfach nicht ab, dass er aus diesem hehren Grund damit zum SRF gegangen ist: Dieser Mann hat stets jede Gelegenheit auf Publicity genutzt, hat beispielsweise dem «Blick» erlaubt seinen Rücken abzulichten, auf den er die Konterfeis seiner Familie hat tätowieren lassen. Er hat derselben Zeitung auch bereitwillig erzählt, dass sein «Baby aus dem Reagenzglas» 36‘000 Franken gekostet habe. Er war es auch, der mit jedem Detail aus dem Hickhack mit seinem ehemaligen Stage-Partner Luca Hänni zu den Journalisten rannte, selbst dann noch, als die Sache längst peinlich für ihn wurde.

Christopher S denkt wahrscheinlich immer noch, dass jede Publicity gute Publicity ist. Doch er liegt weiterhin falsch: Durch seine obsessive Gier nach Aufmerksamkeit ist er zu jemandem geworden, der die Leute peinlich betreten schmunzeln lässt. Bestenfalls. Und so jemandes Musik hört man auf Dauer nicht.

Alex-Flach1Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Nordstern Basel, Rondel Bern, Blok und Zukunft.

42 Kommentare zu «Striptease des Christopher S.»

  • Gurtner sagt:

    Ja Tina, zuerst bezahlt man seine Schulden, bevor man eine künstliche Befruchtung vornimmt.
    Wenn man weis, dass man den Gewinnsteueramt 167’500.- Fr schuldet.
    Du bist sehr zu bedauern, dass dein Mann so ein Hochstappler ist.
    lg Mike

  • Ranger sagt:

    bin auch deiner meinung alex… seine letzte chance.. Dschungelcamp

  • Hannah sagt:

    Berichte über den Herrn sind so wissenswert, wie wenn das MHD einer Dose Ravioli abgelaufen ist, aber genau davon handelt ja der Artikel. 😉

  • Marco Walder sagt:

    Es gibt aber noch eine Steigerung in Sachen Peinlichkeit: „Mr. Pink“…

  • tststs sagt:

    „Und so jemandes Musik hört man auf Dauer nicht.“
    Oje, ehrlich?
    Kann man natürlich so handhaben, sagt aber u.U. mehr über den Hörer, denn über den Künstler, geschweige denn die Qualität der Werke aus…

    • Alex Flach sagt:

      Es geht nicht um die Musik an sich, sondern um das Bild das vermittelt wird.

      • tststs sagt:

        Klaro, aber meine Anschlussfrage wäre (okee, es war wieder mal nicht als Frage, sondern als provokative Aussage meinerseits formuliert): selbst wenn sich ein Künstler öffentlich demontiert, darf/soll/muss/kann man die Qualität seiner Musik/Werke daran festmachen. Ist in diesem konkreten Fall Christopher S. ein weniger „versierter DJ“?

        Ansonsten teile ich übrigens Ihre Meinung: selbst wenn es nur um die Sache ginge, bleibt ein schaler (Profilierungs)Nachgeschmack…

  • Spörri Tina sagt:

    So peinlich was hie gschribe wird, vo auem ke ahnig ha, aber wüw grad nüt bessers ume isch öper so persönlich agriffe. Leider sehr truurig, aber vom herr flach isch o nüt angers zerwarte! 🙁

    • Alex Flach sagt:

      Liebe Tina: Ich werde auch angegriffen und schalte es dennoch frei. Wenn man damit nicht umgehen kann, sollte man die Öffentlichkeit meiden und sich eine andere Tätigkeit suchen. Christopher weiss das (bestimmt) ebenfalls.

      • Spörri Tina sagt:

        Wär PULS gluegt het weiss, dases ä familiebricht isch gsi, wo houptsächlech um das heikle thema (künstliche befruchtung) isch gange. Das itz so i dräck zieh finde ig nume truurig:-(.

        • Alex Flach sagt:

          Halt, halt… wenn es wirklich NUR um die Thematik gegangen wäre… wieso hat man denn nicht einfach eine völlig unbekannte Familie genommen? So funktionieren die Medien nicht: Ihr wurdet wegen der Quote für die Sendung gebucht. Ich gehe in diesem Artikel auch nicht auf das Thema der PULS Sendung ein. Es steht mir nicht zu, dazu einen Kommentar abzugeben. Was ich sagen wollte steht im Artikel.

    • Marcus A. Leder sagt:

      Gähn, Alex Flach -> entschuldige aus meiner Sicht ein langweiliger Artikel, nicht zuletzt mit veralteten Photos ’nüt gschiiders zschribe‘? Der teil ‚Reagenzglas‘ find ig gschmacklos, das isch e Familiesach & är het sich im Hintergrund ghalte. Wenns ume Sound goht; är goht mit dr ziit & neui wäge -> bitte schriib gschiider, du chasch das besser, gruess

      • Alex Flach sagt:

        dafür dass er so langweilig sein soll ist er heute aber ab wie ein zäpfli. 🙂 das bild ist nicht von mir und wenn’s eine familiensache ist… herrje… wieso trägt er es dann ins schweizer fernsehen? selbst wenn sie (srf, blick, etc.) angefragt haben; man kann doch nein sagen. sobald man was ins fernsehen trägt ist es per se keine „familienangelegenheit“ mehr. und man kann nicht an die medien in der erwartung, dass keine kommentare kommen die einem nicht entsprechen – als promi sollte man das nun wirklich wissen. oder etwa nicht? aber danke für das (letztendliche) vertrauen in mich. 😉

        • Marcus A. Leder sagt:

          Hi Alex, nicht der Christopher ist langweilig, sondern der Artikel.
          Trotzdem Danke für Deine Antwort. Du nennst Dich Kolumnist, ich bin
          Analyst, daher versuche ich das ganze immer mit einer 360 Grad Sicht anzusehen.
          Es wurde m.E. ins Fernsehen getragen um auch anderen Paaren Mut zu machen,
          ich denke aus diesem Grund blieb er auch bewusst im Hintergrund. Daher ist mit der
          360 Grad Sicht auch die Partnerin zu berücksichtigen. Deine Meinung ist das man dies
          als Promi Wissen sollte, ich kann dies nicht beurteilen da ich keiner bin. Aber vom Menschen-
          verstand her finde ich hätte man dies im Artikel umgehen können/sollen.
          Deine Meinung, meine Meinung –> zum Glück Meinungsfreiheit 😉
          Gruess, marcus

          • Alex Flach sagt:

            Die Meinung eines 360 Grad Analysten will ich natürlich nicht anzweifeln… Das mit dem Mut machen habe ich übrigens drin. Bloss ging es, meiner Ansicht nach, nicht nur um das Thema sondern auch um die Quote. Und das gibt dem ganzen einen etwas fahlen Beigeschmack. Weil: Wenn es tatsächlich nur um das Thema gegangen wäre… wieso hat man nicht einfach jemanden zu Wort kommen lassen, der über keinen Bekanntheitsgrad verfügt?

    • Rob1n sagt:

      ich find, de Alex schriebt genau das wo mir alli dänked. Eimal meh chan ich ihm für en absolut glungene Bietrag danke.

  • Dave Joy sagt:

    Der einzige Profilneurotiker hier ist wohl Alex Flach, der es nicht lassen kann, die ganze Zeit Leute und Clubs aus der (kommerzielleren) Schweizer Musikszene in den Dreck zu ziehen ohne aber in seinen Hasstiraden zu berichten, was diese Personen im Hintergrund alles geleistet haben oder immer noch leisten!

    Über seine Stammlokale Supermarket, Hive, Nordstern Basel, Rondel Bern, Blok und Zukunft und dessen möchtegern-intellektuelle DJs kann er stundenlang Lobeshymnen singen… alles was über diesen sogenannten Underground geht wird verrissen und als Scheisse deklariert. Ein Journalist sollte unvoreingenommen sein… Alex Flach ist es mit Bestimmheit nicht… und ist wohl, wie man von Insidern hört, von den oben genannten Clubs gekauft, um positive Berichte zu schreiben und alles andere muss/soll/wird verrissen… offensichtilicher geht’s nicht mehr!!

    • Alex Flach sagt:

      Meine Kolumne, meine Ansichten. Soviel dazu. Und ja: Ich stehe nicht auf den Sound der Hitparadenjockeys. Und ebenfalls ja: Ich mache PR für Clubs. Und das steht auch unter den Texten jeweils. Seit Jahren schon. Kann man auch ganz einfach googlen. Aber ich bevorzuge sie nicht. Falls Du anderer Meinung bist: Verlink hier eine Kolumne in der ich einen meiner Kunden streichle. Oder in der ich einen „positiven“ Bericht über sie publiziert habe wie Du es nennst. Und: Ich bin kein Journalist, ich bin Kolumnist. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Und falls Du noch weitere Sachen hast (irgendwas das nicht dumm, schon lange bekannt oder wirklich aufregend ist wäre nett): mail@alexflach.ch.

      • Dave Krümel, was genau qualifiziert dich eigentlich Unwahrheiten über die Pressearbeit von Alex Flach im Supermarket zu schreiben?
        Es geht vielmehr darum die Medien zu kanalisieren und unnötige Artikel zu vermeiden.
        Ausserdem selektiere ich internationale Künstler nach harten Kriterien und buche keine pseudo Künstler. Lobeshymnen gibts nur für solche, die es auch verdienen!

        Wenn der Kuchen spricht, hat der Krümel zu schweigen!

    • Alex Flach sagt:

      Aber was soll’s… wenn ich bei K-Tel arbeiten würde und (eigentlich lässigen) DJs für die Street Parade Compilation wüstesten EDM reindrücken müsste (und damit im Alleingang schuld wäre, dass die klingen wie sie klingen), wäre ich vielleicht auch frustriert. Aber vielleicht solltest Du dir trotzdem bei DJs und Produzenten eine andere Tonart angewöhnen, da solche Äusserungen auch auf Deinen lieben Arbeitgeber zurückfallen könnten. Nicht, lieber Dave Joy?

      • Deejay sagt:

        @Dave Joy: Im übrigen sollte jemand wie Du, der Jahrelang Deejays abezockt hat, die vertrauensvoll ihre Produktionen in Deine Hände gelegt haben, bei solchen Diskussionen schön den Ball flach halten!

        Tja Marc, die Vergangenheit holt jeden ein, irgendwann…

  • markus müller sagt:

    dann könnte man noch weitergehen: wer ist der noch grössere narr? der, der das geschriebene noch liest, also ich selbst 😀

  • Patrick sagt:

    Meiner Meinung nach kann man dem Artikel nichts beifügen und ich muss Alex Flach auch in den Kommentaren zustimmen: jeder der hier kommentiert, schafft dem werten Herrn mehr Publicity, auch ich.

    Wenn man nur einmal die Kommentare der letzten Artikel von Alex Flach anschaut, hat dieser Artikel nach wenigen Stunden gleich viele eifrige Kommentatoren vorhergebracht, wie die alten und – so glaube ich – war auch Alex sich diesem Umstand durchaus bewusst.

    Dennoch würde ich mir wünschen, dass der Stadtblog diese Themen anderen Medien überlässt… Schöni Wuche

  • Dorian Doppelganger sagt:

    Wieso muss jetzt genau hier über Ihn geschrieben werden, wenn er sowieso schon zu viel Publicity erhält und er auch mit Zürich nicht viel zu tun hat?

    • Alex Flach sagt:

      Weil die Welt überraschenderweise nicht an der Zürcher Grenze endet. 🙂 Aber zum ersten Teil deines Posts… klar. Da hast Du recht – kann man so sehen.

      • Dorian Doppelganger sagt:

        Ok, ich dachte immer dieses Heft heisst Züritipp, weil es etwas mit Zürich zu tun hat. Aber nur gut, freue mich schon auf den kommen Bericht hier über das Tapati-Fest auf den Osterinseln. Die Welt hört schliesslich auch nicht an der Schweizgrenze auf. 😉

  • Diego sagt:

    Habe heute zum ersten Mal von diesem Clown gehört. Besten Dank, Herr Flach!

  • Adrian Wehrli sagt:

    … und wieso genau schreiben Sie über diese belanglose Nichtigkeit? Und wieso lese ich Trottel das auch noch!

  • geezer sagt:

    von diesen oberhochnotpeinlichen kreaturen gibt es leider viel zu viele. andererseits muss sich die presse auch den vorwurf gefallen lassen, dass genau sie das instrument ist, welches diese art publicity überhaupt erst ermöglicht. würde sie nicht konstant über schwachköpfe wie Kardashian und Hilton etc. berichten, würde die allgemeinheit auch nicht mit diesem unsäglichen schrott belästigt.

  • markus müller sagt:

    stellt sich mir die frage wer der grössere narr ist: der narr oder der über ihn schreibt? 😉

  • pat rat sagt:

    versierter Clubmusiker!…der mickey mouse und kinder musik… peinlich…leider bringen auch all die schönen tattoos nichts!

  • Sandro Lang sagt:

    Chris S. glorreiche Zeiten waren damals zwischen 2003 – 2008… Jetzt wo es auch noch das OXA mit Double House nicht mehr gibt ist diese Plattform auch passé. So zieht die Zeit hinüber… Trotz allem, gute Mixes hat er damals gemacht. Gruss Ein Fan

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.