Der selbsternannte Aufriss-Guru

Sie warten nur darauf, vom Aufriss-Gurur Pöhm bewertet zu werden.

Sie warten nur darauf, vom Aufriss-Guru Pöhm bewertet zu werden.

Der Gründer der Anti Powerpoint Partei Matthias Pöhm gibt Rhetorik- und Schlagfertigkeit-Seminare und ist Autor episch betitelter, aber etwas skurriler Lebensratgeber («Die Welt ist perfekt, genauso wie sie ist: Nichts muss sich ändern – die Lösung für das Leid der Erde»).

Für Schlagzeilen sorgt Matthias Pöhm aktuell aber vor allem als selbsternannter Verführungsexperte: Pöhm weiss, wie man die Gunst der holden Weiblichkeit gewinnt und er möchte seinen Erfahrungsschatz mit anderen teilen – gegen Geld versteht sich. Wie das 20minuten berichtete, hat Matthias Pöhm ein Team, bestehend aus fünf jungen Männern aus der Zürcher «Pick-Up Szene» (fragen Sie lieber nicht was das ist…), zusammengestellt und die verschiedenen Zürcher Clubs, respektive deren weibliche Gäste, ein Jahr lang auf ihre Verführungstauglichkeit getestet.

Auf seiner Homepage www.poehm.com ist der Aufriss-Messias voll des, in holprigem Deutsch formulierten, Eigenlobes: «Matthias Pöhm hat für die Zürcher Männerwelt Aussergewöhnliches gemacht. Er hat eine Karte erstellt, wo die hübschesten Frauen Zürichs ausgehen und, noch besser, wo ihr am einfachsten an sie rankommt. Wo ist der beste Flirt-Faktor in Züricher (mit «i»!!!!) Clubs».

Dann ein Lobpreisung auf ein pöhmsches Buch mit dem verheissungsvollen Titel „Ich kann euch alle haben“, bevor zu den Kriterien, auf denen das Club-Rating beruht, übergeleitet wird: Männerüberschuss (Verhältnis Männlein/Weiblein im getesteten Club), Hotty-Faktor (wie viele sexy Frauen sind im Club), Zicken-Faktor (wie gross ist deren Zugänglichkeit), Brüll-Faktor (kann man sich im getesteten Club mit Frauen unterhalten ohne brüllen zu müssen), Rückzugs-Faktor (kann man sich im Club mit dem Objekt der Begierde in eine ruhige Ecke zurückziehen um zu knutschen) und Aufriss-Faktor (Punktesystem, das die getesteten Clubs nach ihrem Aufrisspotential bewertet).

Gemäss Pöhm eignet sich das Hiltl am ehesten um eine Frau aufzureissen, gefolgt vom Supermarket und vom Jade. Ganz unten in der Liste rangieren Mausefalle, Kanzlei und Mascotte. Vor allem Kanzlei und Mascotte kamen bei den fünf Test-Minipöhms gar nicht gut an: Ein Hotty-Faktor von gerade mal 0.00 Punkten im Kanzlei (Hiltl kommt auf stattliche 16.22) und nur eine 2.00 bei den Rückzugsmöglichkeiten fürs Mascotte (das Hive kommt hier auf eine kugelrunde 10.00).

Pöhm, der sich auf Fotos gerne in weissem Beinkleid und mit rosa Hütchen auf dem kahlköpfigen Haupt präsentiert, beweist auf seiner Page eine Unmenge unbeabsichtigten Humor: Ein Bild, das den Casanova umschart von viel willigem Weibsvolk zeigt, trägt beispielsweise die Beschriftung „das Foto links ist nicht gestellt“. Die Reaktionen bei den Betreibern der getesteten Clubs fielen sehr unterschiedlich aus und lagen irgendwo zwischen freudiger Ironie und verärgertem Spott.

Auf den Punkt bringt es wohl Alfonso Siegrist, Chef des, 2011 mit dem Swiss Nightlife Award für den besten Schweizer Club ausgezeichneten, Mascotte: «Wenn schon Letzter in einer Rangliste, dann bitteschön in dieser».

Alex-Flach1Alex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter Anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Nordstern Basel, Rondel Bern, Blok und Zukunft.

32 Kommentare zu «Der selbsternannte Aufriss-Guru»

  • Simon sagt:

    Wow, habt ihr die englische Version mal angeschaut? 😀

    Se decision from my gut was absolutely worth it.

  • Hannah sagt:

    Wenn man sich den Herrn P. auf einem Foto so anschaut, sollte man ihm hinsichtlich Verführungstips trauen? Ob seine Erfahrungen wirklich für jemand massgeblich sind? 🙂

  • Jost Müller sagt:

    Welch armer Mensch.

  • KMS a PR sagt:

    ach ja. wenn man mal im berufsleben gescheitert ist, versuchen sich viele mit „consulting“. nach blick auf seine page, scheint mir der herr pöhm auch keine ausnahme zu sein, zumal er sich bez. themen den zeitgeist zu nutze macht und inhalte anpreist, die sich unter einsatz gesunden menschenverstandes und fundierter ausbildung hier seminartechnisch erübrigen. die „info-tainment“ floskeln sprechen auch nicht wirklich für seriösität. und die spiritualität beisst sich gewaltig mit der kommerziellen effekthascherei. meine empfehlung. finger weg – sonst ist ganz schnell die kohle weg ohne added value.

  • Jack Stoffel sagt:

    Einer seiner Referenzkunden heisst Lattoflex. Honny soit…

    • geezer sagt:

      ….qui mal y pense. ich machs trotzdem: das ist sicher eine andere lattoflex als die bettgestell-bude. sicher „latto-flex, a subsidiary of pfizer“; wie es sich für einen so tollen aufreisser-bullen gehört..:-)

  • Ostwienerli sagt:

    CHF 1’350 für ein Tagesseminar „Schlagfertig und erfolgreicher“ beim Pöhm??? ÖÖÖÖÖHM, echt? Und mit einer schlagfertigen (Aua) Geschichte kann man so ein Seminar noch gewinnen. Ist das jetzt der Shiva der Rhetoriker?

  • Philipp De LYon sagt:

    „Mit dem Swiss Nightlife Award für den besten Schweizer Club ausgezeichnet“ ist aufgrund der inexistenten Glaubwürdigkeit des Preises als positives Attribut allerdings nicht weniger peinlich.

  • Irene feldmann sagt:

    Es erstaunt mich gar nicht das in der heutigen verirrten Zeit wo die SHOW über das natürliche Verhalten von Männchen und Weibchen dominiert Typen wie er erfolg haben. Wo ein Markt ist dort wird abgesahnt. Vergessen wir die Natürlichkeit und Leichtigkeit zwischen Begegnungen der Geschlechter. Psychologie im rappenwert und tiefes Verständniss der männlichen Urgewalt ist angesagt. Der national geografikchannel wäre da einfacher und noch billiger obwohl da nicht miteinander gebalzt wird…:)

  • Dani sagt:

    Ist ja alles witzig und lustig.
    Aber den Typen find ich einfach nur machoid und sexistisch! Laut Amazon Kritiken, wird der Oberaufreisser M. Pöhm auch von dem einen oder anderen ehemals-Loser-jetzt-Frauenflüsterer auch tatsächlich ernst genommen.
    Wenn solch vollkommen dummes und frauenfeindliches Geschwafel gekauft und gelesen wird, ist für mich das eine Problem. Sobald aber Fernsehsender wie joiz diesen Herren als Experte in einer Jugendsendung „So flirtet man erfolgreich“ eingeladen wird, seh ich das Ganze schon als krass grenzüberschreitend gegenüber den joiz-Zielpersonen.
    Obwohl, wenn eine Sendung namens „so flirtet man erfolgreich“ als voll genommen wird, geschiehts demjenigen vielleicht auch recht.

  • Rona sagt:

    Mein Fazit, nachdem ich diesen Artikel gelesen habe: ich muss unbedingt mal ins Mascotte.

  • geezer sagt:

    wow, da kann ich als durchschnitts-loser wohl nur den hut ziehen und in bester Kuno Lauener-manier sagen „geile siech!“. was der mensch nicht alles kann! ich erblasse vor lauter neid (es folgt ein auszug aus seiner website).

    „In seiner Freizeit spielt Matthias Pöhm Piano, von Klassik über Rock bis zu Jazz, frei und ohne Noten. Fünf Jahre lebte er in Genf und spricht daher fliessend Französisch. Sein fliessendes Englisch hat er durch längere London-Aufenthalte und mehrere englischsprachige Freundinnen (!!!) erworben. Wenn es die Zeit zulässt, geht er gerne tanzen in Clubs, wo House und Techno gespielt wird. Er geht 2 bis 3 mal pro Woche joggen und macht jeden Morgen seine 50 Liegestützen.“

    da muss ich wohl öfters wieder ins mascotte, um unter meinesgleichen über mein tragisches schicksal zu sinnieren…..

    • Alex Flach sagt:

      Was mich beinahe am meisten erstaunt: Da steht irgendwo dass er mal Software-Ingenieur war. Und dann hat er eine solche(!) Page?

      • geezer sagt:

        na ja, man könnte bei einem solchen grossmaul auch davon ausgehen, dass er mal in seinem früheren job im büro vis-à-vis von einem software-ingenieur sitzen durfte und sich seither einfach so betitelt. seine mehr als dürftige website lässt jedenfalls eher darauf schliessen…:-)

      • Auch ein Software-Ingenieur sagt:

        Software-Engineering wird leider im Web-Bereich zu oft mit Geschmack oder Design-Affinität gleich gestellt. Dabei wissen wir doch aus jedem Hollywood-Film, dass jeder „richtige“ Software-Engineer (pardon: Hacker) die Kommandozeile als designtechnischen Höhepunkt betrachtet.

    • Isa Bratsche sagt:

      Das geilste ist, wie er von sich selbst in der dritten Person spricht.

      • tststs sagt:

        Sehr amüsant auch folgende Passage:
        „Sobald Sie sich wieder beim Denken erwischen, sind Sie schon mittendrin im Gedankenstrom und Sie erfassen nicht, wie viele Gedanken davor schon gedacht wurden.“ (http://www.spiritueller-blog.com/Gedanken-beobachten-ist-gedanken-erinnern)
        🙂

        • KMS a PR sagt:

          ist mir auch aufgefallen. im konsens ist die aussage nicht mehr wert als „rülps“. ich denke aber, auch herr pöhm wird ein paar dumme finden, die auf plakative banalitäten hereinfallen. „mind-fucking“ resultiert immer aus unsicherheit. vielleicht sollte herr pöhm bei mir mal einen exorzismus-kurs belegen – und he – dauert höchstens 3h und kostet einiges weniger als seine tagesähseminare! 🙂

          • tststs sagt:

            Er ist wenigstens prrrrrutal ehrlich:
            „Folgende Beobachtung machte ich: 1) Es gibt keinen Erleuchteten, der sich nicht mindestens in einer Sache irrt 2) Man muss nicht erleuchtet sein, um erleuchteten Rat geben zu können.

            Zur Kategorie 2) zähle ich mich.“

          • KMS a PR sagt:

            …wenn die glühbirne erleuchtet statt beleuchtet, muss man sie wechseln! 😉

      • KMS a PR sagt:

        es tun das a) göttliche… oder b) schizophrene. ich fürchte, es ist hier eine unselige kombination.

  • Markus Hutter sagt:

    Wahnsinn, die Webseite von Pöhm ist ja obergeil! Danke für den Link! Ich meine hey, mit so einem Geschmack für die eigene Webseite gratuliere ich dem Mascotte, das bei ihm offenbar am schlechtesten ankam! Muss wohl wieder mal dort hin.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.