Photobastei-Closing: Koks, Kunst & Krankenschwestern

«... und überall waren Pornstars mit Drogen!»

«… und überall waren Pornstars mit Drogen!»

Um es vorwegzunehmen, wir waren nicht dabei. Das Zwischennutzungsprojekt «Photobastei» ging am letzten Wochenende zu Ende und zur Abschlussparty wurden 3500 Gäste geladen, ungefähr die Hälfte fand auch Einlass. Alle, die etwas auf sich halten, alte Szenis und junge Hipster, wollten rein. Einige durften, andere nicht. Und genau hier werden wir Zeugen, wie eine urbane Legende entsteht. Wie damals bei Woodstock, bei der Dachkantine, Berghain Berlin 2002 etc.

Anhand einer Chronik der nachträglichen Aussagen über die Party zeigen wir auf, wie aus einer überfüllten Party ein legendärer Anlass wird.

Sonntagmorgen, unmittelbar nach der der Party, ein verlässlicher Zeuge:
«Es war ganz ok, zu viele Leute und zu heiss.»

Sonntagnachmittag, verlässliche Zeugin:
«Man konnte sich kaum bewegen. Sieben Dancefloors und noch mehr DJs. Es gab irgendwo eine MDMA-Bowle, verkleidete Krankenschwestern tröpfelten die Drogenbowle denen in den Mund, die das Bedürfnis hatten.»

Montagmittag, einigermassen verlässlicher Zeuge:
«Die Leute legten sich Linien Koks direkt an der Bar, eine Frau tanzte oben ohne. Es gab gratis MDMA für alle. Viel zu heiss und zu viele Leute.»

Montagabend, vermeintlicher Zeuge:
«Es lag Koks auf der Bar bereit, einige tanzten nackt und alle waren auf MDMA. Ganz geil. Sowas hab ich in der Schweiz noch nie erlebt.»

Dienstagmittag, vermeintlicher Zeuge:
«Auf der Treppe lagen Kokshaufen wie in «Scarface», auf den Toiletten wurde gevögelt. Man musste MDMA nehmen, sonst kam man in bestimmten Dancefloors gar nicht rein. Es war wie früher im Spider, nur mit all den Promis.»

Mittwochmorgen, vermeintlicher Zeuge:
«Es gab einen gesperrten Dancefloor mit Gratis-Koks und MDMA, viele tanzten da halb nackt oder nackt, in den Ecken wurde gevögelt. Nur bestimmte Leute wurden eingelassen.»

Irgendwann nächste Woche, vermeintlicher Zeuge:
«Es war unglaublich! Sex auf der Treppe inmitten von Bergen von Koks, Badewannen voller MDMA, Porno-Krankeschwestern kümmerten sich um die Abgespaceten und alle waren da!»

Von einem der vermeintlichen Zeugen wissen wir, dass er gar nicht an der Party war. Die anderen werden das Erlebnis mit jedem Mal erzählen um einen Level aufwerten. Irgendwann wird das Closing der Photobastei ein Anlass sein, der Nightlife-Geschichte schrieb, ein Meilenstein dieses Jahrzehnts.

In zehn Jahren ist es wie mit vielen der legendären Anlässe: Alle waren dabei (in diesem Fall sicher 10 000 Personen) und die Geschichten, die darüber kursieren, werden so gewaltig sein, dass man sich wundert, wie Zürich diesen Abend überlebt hat.

So entstehen Legenden.

Und wir werden unter den Wenigen sein, die sagen können: Wir waren nicht dabei!