Frühling! Und die Fäuste fliegen tief.

Ohne Security und mit möglichst vielen Leuten kann aus dem Partyerlebnis auch mal eine Prügelei werden.

Positives Beispiel: Am Oberen Letten kommt es nur selten zu unangenehmen Zwischenfällen.

Kaum sind die Mauersegler aus ihren Winterquartieren in Afrika zurückgekehrt, stellen die Zürcher Partymacher auf Sommerbetrieb um. Vereinzelte Clubbetreiber besetzen ihr Kassenhäuschen nur noch an den den Samstagen und demnächst verriegeln einige ihr Lokal gar für einige Wochen ganz und gönnen sich ein paar Wochen Sommerferien. Das Risiko leerer Tanzflächen steigt jetzt von Wochenende zu Wochenende exponentiell, was eine starke Ausdünnung des Indoor-Party-Angebots zur Folge hat.

Gleichzeitig sind die Outdoor-Partyveranstalter endgültig aus ihre Winterschlaf erwacht: Eine Woche nach der ersten Oberer Letten-Party 2014 hätte man alle angekündigten Freiluft-Feten nur mit einer zeitlich straffen Planung abarbeiten können. Wer stattdessen seinem Lieblingsclub treu geblieben ist, hat sich richtig entschieden, denn ausser blauen Flecken gab‘s an diesen ersten Outdoor-Partys nicht viel zu holen. Einige fanden wegen des unsteten Wetters gar nicht erst statt und die die’s doch taten wurden offenbar vornehmlich von Leuten frequentiert, die wegen ihres Faibles für Idiotie und Gewalt gegenüber Mitfeiernden in Clubs unerwünscht sind und sich deshalb an Outdoor-Partys ohne Türkontrolle halten müssen.

Die Sunset Outdoor am Samstag auf der Polyterrasse wurde vom Veranstalter wegen einer Schlägerei vorzeitig abgebrochen und die «Gänziloo»-Party auf der Allmend war ein Magnet für üble Schläger: Gleich mehrere Male kam es zu Handgemengen, wobei während der schlimmsten dieser Massenschlägereien am Boden liegende Personen mit Füssen getreten wurden. Einer der Helfer musste wegen einer allergischen Reaktion auf Pfefferspray ins Triemli Spital gebracht werden. Das Security-Aufgebot war fahrlässig ungenügend und trotz dieser gewalttätigen Zwischenfälle haben die Veranstalter die Party nicht abgebrochen. Zudem: Die Party war mit einer städtischen Jugendbewilligung für Outdoor-Partys ausgestattet, obschon vom Flyer der Schriftzug eines kommerziell orientierten Labels, geführt von Veranstaltern die das 25ste Altersjahr längst überschritten haben, prangt – zwei klare Verstösse gegen die Auflagen zur Erteilung einer solchen Bewilligung.

Gemäss Stadtpolizei sei eine Kontrolle der Einhaltung dieser Bedingungen schwierig und es werde vermutet, dass professionelle Veranstalter jüngere Bekannte vorschieben würden um diese zu erfüllen. In den vergangenen Jahren haben die Outdoor-Partys das subkulturelle Umfeld verlassen, haben immer mehr Gäste mobilisiert und wurden dadurch zu einem Betätigungsfeld für Partymacher mit kommerziellem Background, denen es egal ist, wer an ihre Partys kommt, Hauptsache die Kasse stimmt. Da sie, zwecks Gewinnoptimierung, auf eine genügende Security zu verzichten, dürfte dies nur der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Schlägerei-Events unter freiem Zürcher Sommerhimmel gewesen sein. Wer eine Outdoor-Party besuchen möchte, ist gut damit beraten, sich vorher zu informieren, wer diese veranstaltet: Die Person des Veranstalters und dessen bisherige Nightlife-Aktivitäten sind ein sicherer Hinweis auf die Qualität des jeweiligen Publikums.

Alex FlachAlex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter Anderem für die Clubs Supermarket, Hive und Zukunft.

 

37 Kommentare zu «Frühling! Und die Fäuste fliegen tief.»

  • Hannah sagt:

    Das Problem ist, dass alle möglichst viel verdienen wollen. Sicherheit darf nichts kosten, Geiz ist geil. Nicht einmal in den Branchen, wo Sicherheit vorgeschrieben ist, wie bei Geldtransporten, erst Recht nicht im Freizeitbereich. Das hat Wallraff gerade in D aufgedeckt http://www.focus.de/finanzen/news/team-wallraff-in-der-security-branche-sicherheit-darf-nichts-kosten-fuer-7-25-euro-riskieren-wachleute-ihr-leben_id_3838694.html und gilt genauso auch in CH.

  • Fred sagt:

    Besonders schön find ich auch, dass da eben mal 600 Leute (oder dann halt so viele das Alkohol bedingte Bedürfnis dazu haben) fröhlich in die Botanik pissen und scheissen. Wird ja ganz sicher vom Organisator alles weggeputzt…

  • Petter sagt:

    Eh ja, das waren sicher Hooligans. Hat das Konkordat nicht gegriffen?

  • Irene feldmann sagt:

    Hoffendlich mit einer soshu Kitae klinge, rare stücke…..:)

    • adam gretener sagt:

      Leider unbezahlbar, Franz-Carl-Weber muss reichen.

      • adam gretener sagt:

        Dieses Katana habe ich übrigens immer dabei. Wenn mir noch ein Mädel mit diesen Winter-Boots, Leggins, Dutt, Ray-Ban-Brille, rosa Handy und Tasche in der Armbeuge über den Weg läuft, ist der Arm ab.

  • Max Raabe sagt:

    Ach Alex mach dir da mal keine all zu grossen Sorgen. Auch wenn der Sommer vor der Tür steht und die Besucherschlangen vor deinen Clubs nur noch halb so lange sind, verdienst du dir doch immer noch eine goldene Nase;-) Und bevor du mir jetzt kommst mit „ertragsarme Branche“ und ein „nur aus Ideologie betriebenes Clubgeschäft“ – dein Satz: „…egal ist, wer an ihre Partys kommt, Hauptsache die Kasse stimmt“, ist doch auch bei euch mittlerweile Programm ( ausgenommen: „Zukunft“).
    Aus reiner Neugier (reflektierte Recherche und so…) an welcher der beiden Outdoor-Partys warst du?
    -Nicht dass du mit deiner Kolumne zu einer verzerrten Berichterstattung und öffentlichen Wahrnehmung (wie es im Fussball der Fall ist) beiträgst. Da kann es nämlich schon mal vorkommen, dass eine Zeitung wie die „20min“ (klar gleiches Medienhaus) deinen Text in gekürzter Version übernimmt – ohne die Faktenlage zu checken. Ab da ist es nur eine Frage der Zeit, bis irgendein Politiker (Gattung M. Tuena) zwecks Stimmenfang restriktivere Massnahmen fordert. Obwohl am Wochenende weitere Outdoor-Partys stattfanden, die ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangen sind.
    Ich sehe es von der Seite, kommende Outdoor-Partys können durch solche Geschehnisse nur besser werden (evtl. kleiner?) und die bösen kommerziellen Veranstalter ziehen sich schnell wieder zurück, sobald sie merken, dass man ausser Anerkennung und Liebe gar nichts dabei gewinnt. Des Weiteren reguliert sich der Markt von selbst, Partys an denen es oft zu Gewalt kommt, werden auf Dauer nicht mehr besucht und verschwinden von alleine wieder.
    Aber die Nachfrage nach Outdoor-Partys besteht nunmal und andere (Gross-)Städte beweisen Woche für Woche, dass nicht kommerzielle Outdoor-Partys für mehrere hundert Personen ohne Zwischenfälle (Schlägereien, Lärmklagen, Abfall, etc.) möglich sind – nur bei uns soll es nicht funktionieren? Wegen den immer gleichen Idioten? – Das kann und will ich nicht glauben…und einfach mehr Security’s kann nicht der Ansatz zur Lösung dieses Problems sein.

    • Alex Flach sagt:

      hehe… also da viele meiner clubkunden outdoor-events machen und ich auch für ein paar unabhängige outdoorsachen wusle, erübrigt sich das antworten auf die einleitung ziemlich, ziemlich. übrigens habe ich auch schon mit den beiden im heutigen artikel erwähnten gearbeitet. ich war an keiner, war alles recherche. mit betroffenen, solchen die da waren, der einsatzzentrale der stapo… stell dir mal vor man kann nur über sachen schreiben an denen man persönlich teilgenommen hat; das hätte insbesondere in den abteilungen „mord“, „naturkatastrophen“ und „flugzeugabstürze“ übelste auswirkungen auf die personalfluktuation…. dritter punkt: das mit der regulierung stimmt. bloss…. diese outdoor-anlässe sind sehr flüchtig, die partys einzelner veranstalter liegen zeitlich weit auseinander… und du kennst das kurzzeitgedächtnis von clubbern…. es ist schwierig sich in dem bereich einen guten ruf zu erarbeiten, aber ebenso wenig läuft man gefahr, sich einen schlechten zu erwirtschaften… klar geht’s, aber man muss schon ziemlich wüst tun. was die securities betrifft… welche ausländischen events mit mehr als 500, 600 leuten investieren denn nichts in die sicherheit? mir fällt jetzt grad nichts ein…

      • Müller sagt:

        die“ Zukunft“ hatte ja andere Probleme in den vergangenen Jahren .. Polizei im Haus etc. .. kleinere Waffen gefunden .. natürlich „weisses“ Zeugs .. aber eben, es waren immer einzelne Personen schuld .. aber einen kritischen Blog-Eintrag gab es damals zur Razzia nicht .. Lusitg ist jetzt das Tagi-Interview mit Cortesti, ausgelöst durch einen Blog-Eintrag. .. irgendwie ein paradoxes Verhältnis: 2 bis 3 Boxereien an einem Wochenende, wo sich tausende von Menschen in der Stadt vergnügten. Irgendwie haben wir erst Mai, und doch noch kein „Sommerloch“.

        • Alex Flach sagt:

          …liegt ziemlich sicher daran, dass es damals diesen Blog noch nicht gab (das mit der Zukunft). Zum anderen; doch. Ums Sommerlochboxen geht’s ja eben genau.

        • Alex Flach sagt:

          Bis vor diesem WE gehörte das betreffende Label (auf dem Flyer) keiner 20jährigen Frau sondern gestandenen Familienvätern. 🙂

  • Marco Meister sagt:

    Und ich darf heut allen erklären, dass ich keine Ahnung habe warum mir jemand ein blaues Auge verpasst hat…

    Da läuft man nichtsahnend ein SMS schreibend Richtung Manegg zurück und kommt am Boden liegend mit brummendem Schädel wieder zu sich. Da versteht man die Welt nicht mehr…

    PS: Danke an dieser Stelle an den jungen Herrn der mir aufgeholfen und mein Natel im Gras gefunden hat.

  • labo sagt:

    Ehm also das stimmt nicht ganz von wegen professionelle labels etc. Letztes jahr gabs eine super organisierte outdoorparty in winterthur von einem unbekannten veranstalter. Es gab keine einzige schlägerei. Allerdings war eintritt nicht gratis und es wurde selektioniert nur so als beispiel.

    Dass es an der allmend zu schlägereien kam wundert mich garnicht! Die leute waren so besoffen und zu mit drogen das war abnormal vorallem waren viele sehr jung unter 18!!

  • bünzli sagt:

    es hat an der gänziloo nur eine schlegerei gegeben. einer hat seinen kolleg mit pfeffer angesprayt. es gab 2 illegale und 2 legale am samstag an der allmend. die legalen sind problemlos abgelaufen… das sind die fakten aber die sind nicht interessant genug für ein tagibericht

  • Beat sagt:

    Alternativ sei bei der ersten Auseinandersetzung, die nicht von anwesenden Securitys umgehend unterbunden werden kann, Polizei für das event bis zur Auflösung abzustellen und deren Kosten zzgl. beachlicher Busse dem Veranstalter aufzuerlegen.

    • tststs sagt:

      Also ultrakorrekterweise müssten dann die Partyveranstalter die Kosten (und evtl. Ausfälle) auf die Schläger abwälzen können… also ein riesiges juristisches Tamtam wegen ein paar Trotteln…

      • Alex Flach sagt:

        Allzu viele Kosten dürften nicht anfallen und es wurde auch keiner angezeigt soweit ich weiss… immerhin.

      • Beat sagt:

        Ja nur leider muss man reagieren, um solche Situation zu vermeiden. Veranstalter deren Partys aufgelöst werden und die dann hohe Kosten zu tragen haben, so dass es sich nicht mehr rechnet, kalkulieren künftig von vornherein Security mit ein. Also entweder weiter Massenopenairs mit Securitys, oder kleine illegale, von denen die agressiven Spinner nichts erfahren. 🙂

  • Maiko Laugun sagt:

    Vorschlag für die Allmend: Parallel ein SVP-Schwingerfest veranstalten und die Heisssporne für einen zünftigen Hosen-Lupf ins Sägemehl schicken ☝

    ▂ ▃ Maiko Der Coole ▃ ▂

    • KMS a PR sagt:

      also herr laugun. fyl -> wir dulden keine „fremden fözzel“ an unseren schwingerfesten!! 🙂
      philipp der brutale

  • tststs sagt:

    Ouuu – Jäi – Iii! Oje, wat war denn da los…

    Aber mal ehrlich, ist der Obere Letten – so sehr es mich schmerzt – mittlerweilen nicht placa non grata?!?
    Ehrlich, in meinem Heimatdorf kam zu Saisonbeginn jeweils der Pächter, hat mit den Schlüssel geöffnet, Frau Mäder hat ihren Liegestuhl aus dem Winterlager geholt, jeder nahm seinen Stammplatz ein, und gut war…

  • Maiko Laugun sagt:

    Es braucht ein Outdoor-Party-Szene-Hooligan-Konkordat ☝
    ▂ ▃ ▄ ▅ Maiko der Kluge ▆ ▅ ▄ ▃ ▂

  • KMS a PR sagt:

    nun ja. eine gepflegte prügelei zwischendurch kann nicht schaden, insofern nur die fäuste im spiel sind, und man nicht auf am boden liegende eintritt.

  • Harry Kuntz sagt:

    Danke für den Artikel, Alex. Wiederspiegelt zu 100%, was am Samstag auf der Allmend los war. Wurde nur schon auf dem Weg vom Sihlcity zur Party mehrere Male angepöbelt. Der Gipfel war, als ich von so einem Idioten angequatscht wurde ob ich etwas Koks kaufen möchte, ich dann verneinte und er sofort aggressiv wurde., mich bedrohte und fragte, was denn bitte schön mit sein Koks nicht ok sei (ich wichser)??? Wirklich schade, denn der Sound wäre 1A gewesen. So haben wir uns nach 10 minuten entschieden, weiter zur Autobahnbrücke zu gehen, wo eine Progressive / Psy Party stattfand. Nicht wirklich meine Musik, doch die Stimmung und das Publikum war um Längen besser.

    • Alex Flach sagt:

      …scheinbar sei gerade mal ein Security vor Ort gewesen. für 600+ Leute. Vor Ort seien dann noch ein paar spontan eingesprungen, aber das kann’s ja auch nicht sein.

  • adam gretener sagt:

    Gewalt verabscheue ich. Aber ich wünsche diesen Deppen, dass sie an einen geraten, der sonst immer ruhig ist und sein Boxtraining einfach als Spass sieht, bei dem es jedoch nur noch einen Tropfen braucht und er diese Kompletttrottel einfach mal so richtig zusammenfaltet.

    • Irene feldmann sagt:

      Warum so gewalttätig? Entschlüsseln sie eine Handgranate, dann den geübten Diskuswurf, umdrehen, und hinter ihnen die berühmte Staubwolke….ignorieren sie die herumfliegenden Körperteile und dann auf in einen feinen Mittag….:)

      • adam gretener sagt:

        Ich boxe ja nicht, auf Handgranaten habe ich keinen Zugriff.

        Aber zum Glück habe ich immer mein Samurai-Schwert dabei, das schreckt doch ab.

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