Kein Clubbing mit 16?

Sechzehn ist ein Alter ohne Grenzen. Ausser an der Clubtür.

Sechzehn ist ein Alter ohne Grenzen. Ausser an der Clubtür.

Sechzehn zu sein ist nicht leicht. Man möchte alles, man möchte es sofort und darf dann doch beinahe nichts. Auf der Strasse zum Glück stehen einem die Eltern, die Lehrer oder der erbärmliche Kontostand im Weg. Nicht wenige 16-Jährige gehen in ihrer Ernüchterung mit George Bernard Shaws berühmtem Satz «youth is wasted on the young» (Die Jugend ist an junge Leute verschwendet) einig, auch wenn Shaw seinen Ausspruch nicht eben aus Mitgefühl für die Nöte der Teenager heraus geäussert hat.

Auch die Nachtleben-Macher zeigen wenig Interesse für die Belange unmündiger Mitmenschen und lassen sie gar nicht erst in ihre Clubs. Dies hat damit zu tun, dass sie an Jugendliche, die das achtzehnte Altersjahr noch nicht erreicht haben, keine Spirituosen verkaufen dürfen. Das Ignorieren des Ausgehbedürfnisses 16-Jähriger liegt aber auch in der Tatsache begründet, dass es dem Renommee eines Clubs schadet, wenn sich die erwachsenen Stammgäste auf der Tanzfläche plötzlich von (je nach Geschlecht) grölenden oder kreischenden 16-Jährigen umzingelt sehen.

Aus diesen Gründen führen die Clubs ein rigoroses Mindestalter-Regiment, im Zuge dessen die Clubber erst ab Erreichen des 18. Altersjahres eingelassen werden. Nun reift jedoch in einigen Nightlife-Exponenten der Gedanke einen Club explizit für 16 bis 18 jährige zu eröffnen. Ursprung dieser Idee ist der Erfolg von ü16-Partys wie beispielsweise den X-Travagant-Events im X-Tra oder von entsprechenden Grossanlässen wie des jährlich stattfindenden KV Fäschts.

Diese Partys generieren im Handumdrehen weit mehr als tausend Besucher und auch wenn man den Anwesenden nur Bier, Wein, Obstwein und Sekt verhökern darf, so lässt sich der bescheidene pro Kopf-Umsatz von 16-Jährigen mittels der enormen Besucherzahlen, welche diese Altersgruppe zu generieren imstande ist, wieder ausgleichen. Masse statt Klasse ist denn auch der Grundsatz einer jeden ü16-Party, denn was den Teenagern an diesen Anlässen serviert wird, ist so weit von Kultur, Gehalt und Niveau entfernt wie es etwas nur sein kann.

Fürchterliche Sets von DJs, die denken Reggaeton sei ein würdiger Clubmusikstil, Gastspiele von Übelkeit erzeugenden Promis wie der deutschen Exhibitionistin Micaela Schäfer und Auftritte von sich auf musikalisch überaus bescheidenem Niveau bewegenden Eintagesfliegen wie Tacabro (Tacata) sind Standard. Man kann unumwunden sagen, dass ü16-Veranstalter ihren Gästen nicht Qualität vermitteln, sondern sie bloss in möglichst grosser Zahl anlocken wollen, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Teenager, die bereits mit 16 einen Musikgeschmack entwickelt haben, der sich nicht mit dem aktuellen «BRAVO Hits»-Sampler deckt, stehen an diesen Partys sowieso auf verlorenem Posten. Es gibt jedoch einen Ausweg aus dieser Clubbing-Zwickmühle: Einen eigenen Partyraum auftreiben, sich beim älteren Bruder das DJ Pult ausborgen, die Nachbarn freundlich vor allfälligen Lärmemissionen warnen und eine eigene Fete schmeissen.

Auf diese Weise schaufelt man auch kein Geld in die Taschen von Veranstaltern, die sich eigentlich gar nicht für die Belange von 16-Jährigen interessieren, nicht zuletzt weil sie dieses aufregende Alter längst hinter sich gelassen haben.

Alex FlachAlex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter Anderem für die Clubs Supermarket, Hive und Zukunft.