Der Zürcher Verkehrskrieg

Besser, die Aggressionen bahnen sich so einen Weg als über das Gaspedal.

Besser, die Aggressionen bahnen sich so einen Weg, als über das Gaspedal.

Gestern löste Miklós Gimes mit seiner Gedankenschau zum Thema Velofahrer wieder mal einen hitzigen Streit zwischen Zweirad-Fanatikern und Vierrad-Kriegern aus – und natürlich hieben und stachen auch die militanten Fussgänger kräftig mit drauflos. Jedesmal, wenn das Thema Stadtverkehr im Stadtblog auftaucht, sehen wir dasselbe Bild: Die Kommentatoren holen mit dem verbalen Zweihänder aus und machen den Gegner nieder.

«Fahrrad-Anarchisten» oder «Umwelt-Mörder» tönt es da, und jeder ist sich sicher, dass seine Position die moralisch einzig mögliche sei. Ich muss zugeben, dass ich beiden Seiten etwas abgewinnen kann. Es ist wohl eine Art religiöses Thema, bei dem tiefe Glaubenssätze zum Ausdruck kommen. Jeder Velofahrer in der Stadt fühlt sich auch ein bisschen wie die legendären New Yorker-Velokuriere und kümmert sich oft wenig um Regeln, die für Autos Sinn machen. Die Autofahrer hingegen sehen sich in Zürich grundsätzlich als Opfer, weil sie hier, in der Innenstadt, halt vernünftigerweise keine «freie Fahrt für freie Bürger» haben. Die Fussgänger wiederum fürchten grundsätzlich um ihr Leben, wenn sie ein Vehikel mit Rädern nur schon von Weitem sehen.

Es schleicht sich das Gefühl ein, die Zürcher Strassen seien eine Art Todespfuhl, eine Arena der Fortbewegungskrieger, in der täglich Massen von Opfern zu beweinen sind.

Sieht man aber genauer hin, muss man feststellen, dass in Zürich der Innenstadtverkehr eher wie ein choreografierter Tanz  funktioniert. Gestern Abend stellten Freunde aus den USA überrascht fest, dass hier die Autos für Velos und Fussgänger bremsen, ohne auch nur einen Augenblick nachzudenken: «In L. A. wärst du tot, wenn du zu Fuss oder mit dem Fahrrad versuchen würdest, einem Auto den Vortritt zu nehmen. Auf den amerikanischen Strassen gilt das Recht des Stärkeren, darum kaufen sich die Leute auch immer noch diese grossen Trucks».

Ich musste einen Augenblick überlegen, bevor ich es Ihnen erklären konnte: «Hier gilt die Pflicht des Stärkeren. Wer mehr Macht hat, muss auch Verantwortung für die Schwächeren übernehmen. Es ist keine Frage des Rechts. Auch wenn der Schwächere sich nicht an die Verkehrsregeln hält, ist es die Pflicht des Stärkeren, Rücksicht zu nehmen und die kleineren Verkehrsteilnehmer zu schützen. Das ist so tief in den Köpfen, dass die Leute nicht mal mehr darüber nachdenken müssen.»

Natürlich darf man danach den Finger zeigen und aus dem Fenster oder über die Lenkstange fluchen. Das ist Teil des Spiels.  Das baut die Aggression ab und wirkt als Ventil, so dass man beim nächsten Mal wieder einen Vollstopp für den Schwächeren hinlegen kann. Aber grundsätzlich kannst du ohne zu schauen auf die Strasse latschen und jeder wird bremsen. Was nicht überall auf der Welt selbstverständlich ist. Der Umgang zwischen den Zürcher Verkehrsteilnehmern hat etwas Urschweizerisches: Man bildet eine Gemeinschaft und schaut aufeinander, aber innerhalb dieser Gemeinschaft darf man streiten, bis die Fetzen fliegen.

Ich weiss, jetzt werden mir wieder einige Kommentatoren Schönfärberei vorwerfen. Nun ja, solange ein tragischer Verkehrstoter hier in Zürich noch ein Politikum ist, und nicht etwa wie in Bangkok oder London ein gewohnter Anblick auf dem Weg zur Arbeit, denke ich, wir jammern auf sehr hohem Niveau.

PS: Beim ÖV ist es übrigens ähnlich: Die SBB muss sich mittels einer öffentlichen Entschuldigung Asche aufs Haupt streuen, wenn ihre Züge zwei Tage hintereinander mehr als drei Minuten Verspätung hatten und der Ersatz nicht innerhalb von weiteren drei Minuten bereitstand. Aber das ist ein anderes Thema und wird ein andermal behandelt. Genauso wie der Dichtestress, der offensichtlich die Leute zum Weinen bringt, wenn sie die zehn Minuten zwischen Winterthur und Stadelhofen keinen Sitzplatz finden.

120 Kommentare zu «Der Zürcher Verkehrskrieg»

  • Niklaus Vogler sagt:

    Vor fünf habe ich als Fussgänger um ca. 22.30 h in Zürich-Örlikon einem Autofahrer, welcher nach einem Kavaliersstart mir entgegen fuhr, den Finger gezeigt. Er hat sofort gewendet und ist mir auf der meiner Strassenseite nachgefahren. Er wollte, dass ich noch einmal provozieren sollte. Plötzlich ist er so ruhig verschwunden, dass ich es nicht einmal bemerkt habe. Das Ganze als urschweizerisch zu bezeichnen, finde ich eigentlich eine Frechheit und richtig zürcherisch.

  • Kurt Blaser sagt:

    Man kann es nur so erklären ,der Stassenverkehr und deren Teilnehmerverhalten zeigt ein Abbild unserer heutigen Gesellschaft

  • Samuel sagt:

    An den Klimawandel sollten die umweltverschmutzenden und menschenterrorisierenden Autofahrer auch mal denken http://www.tagesschau.de/ausland/klimabericht108.html , aber ab einem gewissen Alter ist die Lernfähigkeit wohl oftmals gen 0 tendierend, mit einem begrenzten Bildungsniveau ohnehin.

  • Jan Beran sagt:

    Es sind viele Wunschträume in diesem Artikel. Eine Gemeinschaft gibt es auf den Zürcher Strassen nicht, höchstens eine von Egoisten. Den Finger zeigen empfehle ich nicht, es ist sehr beleidigend und kann unter Umständen böse enden. Auf die Strasse latschen ohne zu schauen empfehle ich auch nicht, sogar die Zebrastreifen sind der gefährlichste Ort für den Fußgänger, dort ereignen sich die meisten schweren, auch tödlichen Unfälle.

  • Heinrich sagt:

    Die Zürcher haben halt mal gehört, dass es auf den Strassen in echten Grossstädten verkehrstechnisch wild zugehen soll und versuchen nun, das nachzuahmen.

    • Mäse sagt:

      Dachte es braucht länger bis sich wieder einer auf das kindische Zürichbashing nieder lässt. Wurde wieder mal eines Besseren belehrt. Such dir doch bitte ein Leben Heinrich, oder zumindest ein vernünftiges Hobby.

  • Bernd Zocher sagt:

    Ich bin ganz verblüfft, das sich hier keiner über die wirklich unästhetisch geschnittenen Fingernägel der Dame mit dem Stinkefinger empört hat.

  • Martin sagt:

    Nur weil man offenbar mal wieder nicht weiß, wie es in anderen Ländern funktioniert, muß man dem Zürcher Stadtverkehr-Miteinander nicht gleich wieder die Medaille „typisch schweizerisch“ oder „urschweizerisch“ umhängen und sich für einzigartig halten. Das beschriebene Verhalten werden Sie in vielen europäischen Ländern finden, mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Zürich ist keine Metropole und im Vergleich zu anderen Städten, gerade in Europa, sind dessen Verkehrsprobleme lächerlich. Das Bewußtsein und entsprechende Handeln für den Schwächeren im Straßenverkehr ist doch nicht von der Nationalität abhängig. In den USA fährt nunmal kaum einer Velo in der Stadt, alles ist überall auf´s Auto ausgerichtet. Die gönnerhaften Belehrungen der selbsternannten Schweiz-Erklärer an die Amerikaner wirken deplaziert, denn etwas so besonderes erklären sie nicht. Anbrüllen zwischen den Gruppen von Verkehrsteilnhemern – ja und? Gibt es auch in Hamburg und Palermo.

    • Réda El Arbi sagt:

      Dann lade ich Sie herzlich ein, in Palermo, Hamburg, Berlin, London oder Paris einfach mal auf die Strasse zu latschen ohne mach links oder rechts zu schauen. Und dann werden wir sehen, in wie vielen europäischen Städten die Autofahrer an so etwas gewohnt sind und auch darauf reagieren können.

      Ich hoffe, Sie sind ausreichend versichert. 🙂

      • Toni Dubs sagt:

        Aber das ist doch genau der Punkt: in Hamburg schaut man nach links und rechts, ganz einfach so, und ueberlebt und kommt sehr gut miteinander aus. Dafuer halten dann die Autofahrer, wenn sie es sollen, fahren nicht auf Kreuzungen ein, wenn absehbar ist, dass sie in der Gruenphase nicht mehr rueberkommen, koennen Reissverschlussverkehr ohne Rechthaberei und und und …
        BTW: fuer jeden aus dem grossen Kanton Zugewanderten ist das DAS grosse ungeloeste Raetsel zum Thema Schweizer/Zuercher: die unbedingte Aufmerksamkeit und Ruecksichtnahme im engen Kreis (da seid Ihr Weltmeister und seid zu Recht ueber die deutschen Trampeltiere erbost) und im voelligen Kontrast dazu der Autismus am Rand der Ruecksichtslosigkeit im oeffentlichen Raum (da dreht sich die Rollenverteilung ins Gegenteil…): da eben die voellige Unterentwicklung Zuercherseits und keinesfalls „hoechstes Niveau“.

        • Réda El Arbi sagt:

          Ja, was man nicht versteht, muss schlecht sein. Tja …

          • Toni Dubs sagt:

            Tja … das versteh ich eben wirklich nicht. Die Verkehrskriegsdiskussion in ZH dreht sich u.a. darum, dass die Leute ohne nach links und rechts zu schauen ueber die Strasse latschen und damit die Verantwortung fuer ihre Gesundheit und ihr Leben anderen in die Haende legen, die diese Verantwortung gar nicht wollen. Und Sie finden diese Situation sei hoechstes Niveau, besser als in Staedten, in denen die Leute es einfach im Blut haben, sich an die Regeln zu halten (wie in Hamburg) oder bei Chaosverkehr wenigstens auf sich selber zu achten (wie in Milano). Muss man nicht verstehen diese verquere Logik, wuerde ich aber gern.

            • Réda El Arbi sagt:

              Ich finde, dass es durchaus für einen Grad an Zivilisation spricht, wenn die Stärkeren auf die Schwächeren Rücksicht nehmen. Alles andere ist eine Form von „Meiner ist grösser, also bin ich der Chef“. Ist einfach zu verstehen, wenn man sich entsprechend seiner Macht an der Gemeinschaft beteiligt. Hier lese ich jedoch nur von Autofahrern, die sich als Opfer fühlen, wenn sie in einer Stadt, in der sie nicht mal wohnen, auf die Bewohner Rücksicht nehmen müssen. Nun ja, die anderen müssen sich hier auch nicht verteidigen, die haben verstanden, dass mit mehr Gewalt und mehr PS auch mehr Verantwortung einhergehen. Weil sonst Menschen sterben.

          • Toni Dubs sagt:

            „Ich finde, dass es durchaus für einen Grad an Zivilisation spricht, wenn die Stärkeren auf die Schwächeren Rücksicht nehmen.“ Ich auch, ist eine Grundregel. Aber wie soll ich als Velo- oder Autofahrer Ruecksicht auf einen Fussgaenger nehmen, der unvermittelt auf die Strasse latscht? Wer nimmt in dem Fall keine Ruecksicht? Was soll ich ueber einen Velofahrer denken, der – vermutlich um seine urbane Coolness auszuleben – mit Kopfhoerer, smsend, freihaendig bei Rot ueber die Ampel faehrt (vor ’ner Stunde gerade wieder mal gesehen)? Darf der mir aufzwaengen auch noch extra auf ihn acht zu geben? Wieso muessen Velofahrer bis zur Ampel vorfahren und dann auf dem Zebrastreifen halten? Usw. usw. Das Einhalten elementarster Regeln, inklusive der weichen wie schlicht aufmerksam zu sein (oder fuer Fortgeschrittene: vorausschauend zu fahren und entsprechend zu reagieren) koennte das alles vermeiden und >90% der Diskussion waeren vorbei.

          • Samuel sagt:

            Auf Veloristen ist in besonderem Maße zu achten, ebenso auf Passanten, denn sie sind den Motoristen moralisch weit überlegen und sichern durch ihr umweltfreundliches Verhalten die Existenzgrundlagen der Gesellschaft.

          • Toni Dubs sagt:

            Naja, erst wenn die auch alle Auto fahren wuerden und nur noch Stau waere, dann wuerden die „Motoristen“ wohl erkennen, dass VelofahrerInnen und Fussgaenger ihnen eigentlich einen grossen Gefallen tun …

        • Heinrich sagt:

          Simmt, habe ich auch so erlebt.

      • bernhard ehmann sagt:

        @Reda El Arbi: Ihnen geht offenbar der Stoff aus, sonst würden Sie nicht mit einer soch peinlichen Verlegenheits-Story etwas Aufmerksamkeit erhaschen wollen. Mit naivem Patriotismus und leeren Worthülsen sind keine Leser zu gewinnen.

        • Réda El Arbi sagt:

          Oh Gott, jetzt wo Sie’sagen. Aber solange noch irgendwelche Leute kommentieren und zurückkommen um nochmals zu kommentieren, solange ein Streitgespräch stattfindet und die Leute sich zu ihrem Verkehrsverhalten Gedanken machen, reicht mir das. Ihren Applaus brauch ich nicht, hab ich doch Ihren Kommentar. Offenbar wars wichtig genug, um nicht weiterzuklicken sondern zu kommentieren. 😉

    • Johannes sagt:

      Ihr USA Bsp. stimmt nicht, die Metropolen machen es mal wieder vor, die Veloverleihsysteme in NYC und Washington werden mit grossem Interesse angenommen, die Fahrradwege mit grosser Geschwindigeit ausgebaut, die Fahrradtransportmöglichkeit an der Fahrerfront der Busse ist grossartig. Anders ist das sicher bei den Rednecks, aber auch hier sind die Ländler nicht fortschrittlicher. Die Innovationen kommen hier aus den aufgeklärten Städten, meist eher Ro-Grün regiert.

  • Réda El Arbi sagt:

    Sorry, es geht diesmal nicht um Verkehrserziehung, sondern um die Realität. Wenn der Stärkere keine Rücksicht nimmt, gibts Tote.

    Wenn ich an Beerdgungen von Verwandten und Bekannten gewesen wär, die von Velos getötet wurden, würde ich vielleicht anders denken. Aber meine Bekannten und Verwandten (ein Kind) wurden in der Stadt von Autos getötet, deren Fahrer sich zwar an die Regeln hielten, aber offenbar ihre Fahzeuge im Lebensraum der Anderen nicht genug unter Kontrolle hatten.

  • Jacktherussell sagt:

    Das Liegi doch alles nur an eurer pietistisch verlogenen Pünktlichkeit und am Schlafmangel, den ein normaler Mensch im Alltag nicht vermeiden kann. Meine sauteure IWC hat Abweichungen wie das Wetter, meine underfuckte Chefin tobt selbst bei 5 min vemrspätung, und das natürlich nur wei ein uhuriger velodepp grad einen Schlafwandler gerammt hat. Vorschlag, schaffen wir die Uhren ab, exportieren sie nur noch und konzentrieren uns drauf, das Berner Tempo zu reduzieren.

  • Müllerschmid sagt:

    Jeder Autofahrer möge öfters mal Fahrrad fahren und umgekehrt. Dann wirds besser laufen.

    • Michael Leuenberger sagt:

      …und ihr Velofahrer seit keine Fussgänger gell, dann würdet ihr vielleicht daran denken dass Fussgänger gegenüber den Velofahrern vortritt haben, z.b. beim aussteigen aus dem Bus auf der Hardbrücke oder beim überqueren des Fussgängerstreifens oder dort wo der Gehsteig mit den Fussgänger geteilt werden muss oder sich die wege kreuzen und nein es sind nicht Einzelfälle es ist die Mehrzahl von euch….

      • Adam Gretener sagt:

        Lüneburger: ich glaube, alle wissen, es gibt solche und solche Verkehrsteilnehmer. Aber gerade Situationen wie erwähnte Hardbrücke, Bederstrasse/Enge, Rentenanstalt, Stauffacher oder Central sind doch Garde darauf ausgelegt, dass man sich in’s Gehege kommt.

  • Ben sagt:

    Wer sein Gesäss mal hoch bekommt, der benutzt mit dem Velo das überlegene Verkehrsmittel. Da das sogar schon lange überdacht gegen Regen und mit E-Unterstützung möglich ist, ist so gut wie niemand von der Velonutzung ausgeschlossen. Einen gesunden Körper und demzufolge Geist gibt es obendrein, wenn das nicht intelligent ist.

    • Lukas Aeschbacher sagt:

      Ich habe bestimmt mehr Velokilometer in den Beinen als die meisten Trottoir-Velofahrer. Aber im Gegensatz zu denen schaffe ich das, ohne auch nur einen Fussgänger zu belästigen oder zu gefährden. Das ist überhaupt kein Problem. Das eigentliche Problem der Trottoir-Velofahrer hat vorwiegend mit mangelndem Anstand und Respekt zu tun – vielleicht auch mit mangelnder Intelligenz. Ein gesunder Körper bringt halt nicht zwangsläufig einen gesunden Geist hervor. Leider.

      • Sarah sagt:

        Ein gesunder Körper beinhaltet jedoch weit eher einen gesunden Geist. Und wer auf dem Trottoir Velo fährt, ohne Fussgänger anzufahren, soll das ruhig weiter machen. Wir sind schließlich keine starr geregelten Maschinen, sondern flexible Denker, so zumindest noch immer die Hoffnung.

    • Lukas Aeschbacher sagt:

      Ich möchte noch etwas hinzufügen: Ich sehe in der Stadt auch viele Velofahrer, die sich an die Regeln halten oder wenigstens soviel Anstand haben, dass sie auf dem Trottoir anhalten oder gar absteigen, um die Fussgänger nicht zu belästigen. Euch gilt mein ausdrücklicher Dank und Respekt. Auch wenn Ihr vielleicht ein paar Sekunden später am Ziel seid oder ein paar Meter weiter fährt als die Rowdies, lasst Euch von denen nicht beirren oder gar „anstecken“. Ihr macht das richtig.

  • Gertrud Schneider sagt:

    Herr Arbi, es ist eine Tatsache, dass der Strassenverkehr sowie der Umgang miteinander immer aggressiver wird. Dies ist meines Erachtens sehr unschweizerisch, denn wir gleiten damit zurück in das Zeitalter des Manchester-Kapitalismus, als tatsächlich das Recht des Stärkeren galt. Wir haben keinen Grund, den Grossstädten in dieser Hinsicht nachzueifern. Es sind Modelle gefragt, die die Fortbewegungsmittel nicht als Statussymbole verstehen, sondern als blosses Mittel zum Zweck von A nach B zu kommen. Dem steht die Partygesellschaft gegenüber, die an den Abenden bei schönem Wetter bis in die Nacht und am „Weekend“ insbesondere penetrant zu hören ist und ihren Abfall in den Vorgärten der Siedlungen hinterlässt. Ich weigere mich, dies zu akzeptieren.

  • Toni Dubs sagt:

    „… wir jammern auf sehr hohem Niveau“. Naja, wenn man sich mit dem tiefsten Niveau vergleicht, vielleicht schon. Nicht aber, wenn man auf Laender und Staedte schaut, wo es wirklich gut laeuft. Mal ehrlich: die Aufmerksamkeit im Strassenverkehr und die sich daraus ergebende gegenseitige Ruecksichtnahme ist in Zuerich ausgesprochen unterentwickelt, bei allen Gruppen von Verkehrsteilnehmern. Aber wenn man’s nie wirklich anders kennen gelernt hat, kann man es sich natuerlich schoenreden …

  • Daniel Maier sagt:

    Ja, ein wirklich leidiges Thema, führwahr. Ich glaube, wenn die 3 Menschenarten (Velofahrer, Fussgänger und Autofahrer) sich eine Stunde an eine Kreuzung (mit Lichtsignal) oder, zum Beispiel, an dem Limmatquai stellen würden, wäre eventuell das Ausmass des „Anarchisten“ deutlicher und vor allem klarer zu identifizieren. Ich als Fussgänger und Autofahrer verstehe allerdings wirklich nicht, wie die Kategorie Velofahrer sich keinerlei Schuld bewusst sind. Ich sehe, als Füssgänger, eigentlich nie (99%) einen Autofahrer bei ROT über die Kreuzung düsen. Ich sehe, als Füssgänger, eigentlich immer (99%) die Velofahrer bei ROT über die Kreuzung düsen. Ich sehe, als Füssgänger, auch nie Autos auf dem Trottoit fahren, Velo’s aber schon. Und wie…! Wie kann man (Velofahrer) solche „Fakten“ einfach wegleugnen/ignorieren? Darum wäre mein Vorschlag am Anfanf sinnvoll. Dann wissen sie/wir es (genauer).

    • Max Kueng sagt:

      Also wenn man die „3 Menschenarten“ an eine Kreuzung stellt, bin ich mis ziemlich sicher, dass es die Fussgaenger sind, die 90% der Rot-Ueberquerungen ausmachen werden. Danach kommen sehr wahrscheinlich die Velos. Aber ich sehe auch jede Woche mindestens ein paar Autos, die bei Rot fahren. Schauen Sie doch einfach mal an eine stinknormale Kreuzung in der Stadt.

      Aber ist das wirklich so falsch? Macht es Sinn, als Fussganger bei einem Lichtsignal zu warten, auch wenn weit und breit kein Auto ist, nur weil es gerade rot ist? Sie muessen auch sehen, dass die Gruenphasen fuer Fussgaenger deutlich kuerzer und weniger frequent sind als fuer Autofahrer. Fuer Velofahrer ist die Situation nochmals anders. Die Velos werden in der Verkehrsplanung so gut wie nicht breuecksichtigt. Von einem Velofahrer wird verlangt, dass er sich an Regeln haelt, die fuer Autos entwickelt wurden, hat aber den Nachteil, dass er am rechten Rand fahren muss. Das vertraegt sich nicht und fuehrt zu ganz vielen Problemen, due ein Auto gar nicht kennen kann. Ein Velofahrer muss sich sowohl bei Gruen wie bei Rot selber ueberlegen, ob es nun sicher ist, zu fahren, oder eben nicht. Und nicht selten ist die Gefahr, ueberfahren zu werden, bei Rot hoeher.

      Als Velofahrer und Fussgaenger sehe ich zwar tatsaechlich selten Autos, die auf dem Veloweg oder dem Trottoir *fahren*, jedoch sehe ich taeglich einen ganzen Haufen von Autos, die auf dem Veloweg und dem Trottoir *parkieren*. Und ich sehe jeden Tag deutlich mehr Fussgaenger, die auf dem Veloweg herumlungern, als Velos, die auf dem Trottoir fahren.

      Wie breit ist ein Veloweg eigentlich im Durchschnitt? Hahh, eine durchschnittliche Strasse hat nicht mal einen Veloweg! Sehen sie das Problem? Die Veloinfrastruktur ist im Schnitt inexistent. Eine Durchschnittliche Strasse hat aber 2 oder mehr Spuren fuer Autos und Trottoirs. In einem Auto sitzt meinstens eine einzige Person (in Zuerich im Schnitt 1.15 oder so), ein Fussgaenger ist auch eine einzige Person und auf dem Velo sitzt im Schnitt auch nur eine Person (plus null komma null irgendwas wegen den Tandems). Wieso kriegt eine Person, die in einem Auto sitzt mehr Platz als eine Person in einem anderen Verkehrsmittel? Auf der Quaibruecke zum Beispiel haben die Autos 37% der Breite fuer sich, waehrend Velos gerade mal 10% der Breite zugesprochen wird. Seit wann ist sowas fair? Soll ein Fussgaenger nicht die Vorteile von mehr Armfreiheit geniessen koennen, wenn er sich dafuer platzsparend fortbewegt? Sollen Velofahrer nicht in den Genuss eines fliessenderen Verkehrs kommen, wenn siesich dafuer platzsparend fortbewegen? In Zuerich ist es aber so, dass wenn Fussgaenger und Velos Platz sparen, die Autos dafuer mehr Platz kriegen. Ziemlich logisch, oder? Das ist wie wenn Sie zu Hause extra leise musik hoeren und ihr Nachbar darin eine Gelegenheit sieht, seine Stereoanlage lauter zu machen.

      • Daniel Maier sagt:

        @ Max Küng:

        „….Macht es Sinn, als Fussganger bei einem Lichtsignal zu warten, auch wenn weit und breit kein Auto ist, nur weil es gerade rot ist…:“

        Nein, macht es nicht, doch wenn jeder jetzt anfängt, das Gesetzt zu missachten, dann wird es sehr gummig und prekär. Zumal reden wir, so nehme ich jetzt mal an, über Situationen, wie Leute die Gesetzte übertreten, und damit andere Menschen gefärden. Rein theoretisch passiert das bei Ihrer Frage (siehe oben) nicht direkt.

      • Karl Achs sagt:

        „Macht es Sinn, als Fussganger bei einem Lichtsignal zu warten, auch wenn weit und breit kein Auto ist, nur weil es gerade rot ist?“

        Nein, macht es nicht. Sogar als Autofahrer hatte ich meine „Lieblingsampel“ bei der ich fast immer bei Rot gefahren bin (Situation: Ampel mit Bedarfsschaltung, auch nachts – kein Verkehr, eben weil nach Mitternacht)

        Aber man sollte auch den anderen Fall sehen: Voll besetztes Tram muss wg. Velofahrer bremsen. Auch das gibt es. (Die „vierte Menschengruppe“ wurde ja vergessen: ÖV-Nutzer)

  • michael sagt:

    Das was auf der Strasse gilt, gilt doch auch gleichermassen auf dem Fussgängerweg. Beispiel Bahnhofstrasse an einem Sonnabend. Da gibt es die Bummler, die langsam und völlig unberechenbar mal nach rechts oder links abbiegen. Da gibt es die schnellen, die vorankommen möchten und es gibt die breiten, einen Kinderwagen fahrenden. Hier ist ebensoviel Aggression zu spüren. Nur mit dem Vorteil, Konflikte müssten direkt ausgetragen werden, man hat nicht die schützende Umgebung eines Kfz um sich oder könnte dank seines Vihekels schnell verschwinden. Ist alles ein ganz normales Verhalten, wenn unterschiedliche Menschenmassen aufeinander prallen. Works as designed.

  • Lisi Müller sagt:

    „Darum kaufen sich die Leute auch immer noch die grossen Trucks.“ Zumindest in L.A. stimmt das sicher nicht, dort sieht man überdurchschnittlich viele Hybrid-Autos.

  • Hans Züllig sagt:

    Das Ganze ist von den hiesigen Stadt-Politikern genau so gewollt. Jeder Verkehrsteilnehmer, ob Fussgänger, Velo- oder Autofahrer fragt sich dabei, WIESO SO! Vielleicht schreibt Frau Genner irgendwann ein Buch und gibt uns Einblick in den heutigen inneren Machtzirkel der Stadt-Verplaner.

  • Maiko Laugun sagt:

    Effizienz steht für Kurzfristigkeit und ist ein Mangelsystem, Effektivität für Langfristigkeit und die Dinge von Anfang an richtig zu machen. Was bedeuted das im Zürcher Strassen-Krieg?

    Autos sind schnell, werden aber aus Rücksicht für die anderen Verkehrsteilnehmer durch Tempolimiten effizient langsamer gemacht. Fussgänger sind langsam, werden aber effizient schneller gemacht, indem man sie durch kurze Ampelzeiten über die Strasse hetzt, damit die zuvor effizient gestoppten Autos wieder effizient schneller losfahren können. Radfahrer sind mittel-schnell. Deshalb gibt es einen effizienten Kompromiss mit Radwegen auf Strassen und Trottoirs. Effizient ist auch der OeV. Für die Gewährleistung einer hohen und schnellen Transportkapazität müssen sich alle anderen unterordnen, unabhängig von ihrer eigenen Effizienz.

    Da im ganzen System also die Effektivität fehlt, bleibt auf Zürcher Strassen nur der gestreckte Mittelfinger als effiziente Lösung….

  • Andy sagt:

    Gut beobachtet ! Ich freue mich aufs nächste Retten eines Velofahrerlebens in Zuerich.
    Dann bin ich der Held ! Der letze Hobby Kurier hatte weder Bremsen noch Licht, und Vortritt (fast) er lebt noch!

  • Frank Baum sagt:

    Etwas ist richtig: wir klagen auf hohem Niveau. Unsere Verkehrsprobleme sind ein Klacks im Vergleich zu praktisch allen Metropolen weltweit. Eines ist aber auch falsch: wir haben eine andere Erwartungshaltung, was das Miteinander angeht. Wenn wir uns hier anbrüllen und eine Gruppe von Leuten ohne irgend eine Form des Schuldbewusstseins sich über geltendes Recht hinweg setzen, dann ist das ein problem. Deswegen wird ja auch fast jeden Tag darüber geschrieben. Würden wir uns solchen Problemen nicht umgehend annehmen, um es noch besser zu machen, würde es uns auch gehen wie in Bangkok oder sonst wo. Und genau das hat der Artikel im Tagi gut heraus gestrichen: Das Problem bei den Velofahrern in Zürich ist, dass sie sich als Moralapostel verstehen, für die die Gesetze nicht zu gelten haben, weil sie ja in heiliger Mission unterwegs sind. Genau das passt aber mit einer pluralistischen Gesellschaft nicht zusammen.

    • Adam Gretener sagt:

      Ich gebe Ihnen recht. Ich bin so ein Velöli und ich möchte erstmal einfach überleben. Als Grashalm unter dem Mäher haben Sie eine andere Sicht der Dinge als im Range Rover.

    • Ben sagt:

      Mit einer pluralistischen Gesellschaft passt es nicht zusammen, dass eine veraltete und menschen- und umweltschädliche Technologie des Verbrennungsmotors die Menschen in ihren Wohngegenden tyrannisiert und öffentlichen Raum im Übermass blockiert. Somit ist es nur logisch, dass es demnächst für Autos in Innenstädten heisst, Ihr müsst leider draussen bleiben.

      • Heinz Meier sagt:

        jawohl und der Servicetechniker für Ihre Heizung kommt mit dem Tram. Ich freue mich auf diese Zeit

        • Peter Richter sagt:

          Der Lastwagen für die Früchte und Gemüse usw. muss leider auch draussen bleiben.
          Viel Spass mit dem pflanzen von Früchten und Gemüse auf Deinem Hausdach lieber Ben, dort oben kannst Du gleich noch zusätzliche Früchte für den nächsten Winter eindorren.
          Leider auch Finito mit Deinen Ausflügen aus der Ruheoase-Zürich, wir mögen es gar nicht,
          wenn Du mit dem Zug lärmig an uns vorbei rollst.

          • Réda El Arbi sagt:

            Ich denke, man käme ganz gut durch, wenn wir nur den orivatverkehr aus der Stadt verbannen. Und es geht nicht um „Ruhe-Oase“, sondern um einen Lebensraum der zur Zeit mit dem Privatverkehr der ganzen Region täglich umgehen muss.

          • Daniel Maier sagt:

            Sorry Réda El Arbi, Sie haben aber das Problem ganz knapp verfehlt. Oder wollen es bewusst nicht erkennen. Es ist nicht getan, dass man die Autos verteufelt. Hier geht es ganz banal und bünzlig um das Einhalten von Gesetzen. In erster Linie. Das hat gar nichts mit Umweltschutz (in diesem Beispiel) zu tun. Wenn wir anfangen alles zu vermischen, wird es kompliziert. Zuerst einmal Licht an die Velos und Verkehrsunterricht. Dann würde es uns allen schon besser gehen.

            • Réda El Arbi sagt:

              Ich verteufele Autos nicht. Obwohl man sich grundsätzlich fragen könnte, warum man noch immer 14.250.000.000 Liter Erdöl täglich verbraucht, und das aus Bequemlichkeit, nicht aus Notwendigkeit.

              Dann ein kleiner Hinweis: Die meisten Autofahrer, die ich kenne, nehmens mit den Gesetzen nicht besonders genau. Gerade wenn man Geschwindigkeitsbegrenzungen, Parkverbote und Instandhaltung des eigenen Fahrzeuges anschaut. Nur, wenn beim Autofahren die Regeln verletzt werden, sterben oft Menschen. Beim Velo verletzt sich meist nur der Fahrer selbst.

          • Lukas Aeschbacher sagt:

            El Arbi: Da habe ich schon bessere Polemiken gelesen. 14 Mia. Liter pro Tag, eine grosse Zahl… wow, beeindruckend – allerdings beinhaltet diese auch Industrie, Heizung, Kunststoffproduktion und ja, auch den lieben ÖV. Gerade in diesem Augenblick verbrennen ein paar Liter zu klimaschädigendem CO2 in den Motoren von riesigen Containerschiffen, welche Velos aus den USA oder aus Asien in Richtung Schweiz transportieren. Soviel zu „nicht aus Notwendigkeit sondern Bequemlichkeit“.

            Nichts gegen Ihren Bekanntenkreis, aber ich kenne offenbar ganz andere Autofahrer als Sie. Tatsache ist aber, dass in der Stadt sehr wenige Menschen durch von Privatautos verursachte Unfälle sterben – bei falschparkierten Autos dürfte die Zahl sogar gegen Null tendieren. Ich bin in der Stadt vorwiegend zu Fuss (oder im ÖV) unterwegs. Gefahren- oder Belästigungssituationen durch Autofahrer erlebe ich höchst selten – durch Velofahrer praktisch täglich. Interessanterweise war das vor 25 Jahren genau umgekehrt. Damals verging kaum ein Tag ohne heikle bis gefährliche Situation am Fussgängerstreifen durch rücksichtslose Autofahrer.

            • Réda El Arbi sagt:

              Wann haben Sie oder ihre Bekannten die letzte Busse bekommen? Und Sie wollen wirklich den Erdölverbrauch von Autos und Fahrrädern in Herstellung und Lebenszeit vergleichen?

              Ja, es sterben wenige Leute im Privatverkehr in der Stadt. Das hat in erster Linie damit zu tun, dass die Regeln im Stadtverkehr für Autos sehr strikt sind, und das ist richtig so.

              Dann: Sie regen sich über Velofahrer auf, die Sie belästigen. Sagen Sie’s ihnen, rufen Sie’s ihnen nach. Und dann gehts noch um Gewöhnung: Sie mag es nicht belästigen, wenn 3000 Autos an der Kreuzung vor ihrer Tür halten und Benzin verbrennen, das Sie nachher wieder einatmen müssen. Und das nur während einer Stunde. Oder die Typen, die Donnerstag bis Samstag nachts ihre Autos in die Hinterhöfe stellen und dann nach dem Ausgang besoffen nach Hause fahren. Da passieren die Unfälle nicht in der Stadt, sondern erst draussen, wenn sie aufdrehen. Anderen mag das schlimmer vorkommen als ein Velofahrer auf dem Trottoir. So hat jeder seine Schwachpunkte.
              .

          • Ben sagt:

            Zumal die Nachfrage nach Öffentlichem Verkehr exorbitant wäre, wenn man die Privatblechbüchsen am Stadtrand unter der Erde bunkert. Das führte zu einer weiteren Nachfragemacht der Verkehrsbetreiber und Innovationsförderung in den benutzten Modellen. Busse und Bahnen könnten in engeren Intervallen fahren und evtl. gar abgas- und lärmfrei, wie etwa derzeit in Genf ab airport zu testen, der Bus mit Akku. Für die Bewirtschaftung der Stadt findet man Lösungen in Zeitfenstern und mittels E- oder Gascars. Der öffentliche Raum wird endlich wieder für alle zurückerobert, anstatt sinnfrei durch rollende Blechdosen blockiert.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Ben: Immer wieder schön, wenn (Klassen-)Kämpfer den öffentlichen Raum zurück erobern wollen, obwohl das Wort ja bereits impliziert, dass er öffentlich ist und zudem noch demokratisch geregelt. Untermauert mit utopischen Forderungen sieht man schön das egoistische Ziel, nämlich eine Wohlfühl-Oase für sich selbt, am liebsten noch finanziert durch die anderen. Das Gesamt-Problem schiebt man einfach den anderen zu. Ist ja auch die einfachste Lösung. So wie Sie schreiben, haben Sie bestimmt die MEI-Initiative angenommen, damit nicht noch mehr Autofahrer in Ihre heile Welt eindringen können. Das ist klassische Ausgrenzung in jeder Hinsicht….

          • Lukas Aeschbacher sagt:

            El Arbi: Meine letzte Busse ist etliche Jahre her. 40 Stutz (vielleicht waren’s damals auch 20), weil ich auf einer abschüssigen Strasse, wo schon weit vor den ersten Häusern unerklärlicherweise 50 ist, etwas zu wenig stark gebremst hatte – also unbeabsichtigt zu schnell war.

            Und ich habe nichts verglichen, sondern Ihre offensichtlich falsche Behauptung relativiert, dass 14 Mia. Liter Erdöl täglich „nicht aus Notwendigkeit“ verbraucht würden sondern andeutungsweise durch Autos.

            Klar rufe ich den Velofahrern hinterher, was ich von ihnen halte. Ich habe auch schon mal einen etwas unsanft zum Anhalten gebracht und ihm die Leviten verlesen (Autofahrern übrigens auch schon). Aber ist das wirklich nötig? Ist das urbaner Lebensstil oder so?

            Und ja, ich habe 20 Jahre in der Stadt gelebt. Ob Sie’s glauben oder nicht, aber Autos haben mich da eigentlich kaum gestört – vielmehr das Quitschen der Trams und das Heulen der Trolleybusse. Einige Jahre davon war ich im Kr 4, bevor er verhipstert wurde. Da ging im Hinterhof unter meinem Schlafzimmerfenster einiges ab: Prostitution, Drogenhandel und -konsum, Schlägereien, Polizeiaktionen (auch mal mit Schussabgabe) – da waren parkierte Aggloautos wirklich nur Peanuts. Und Unfälle ausserhalb der Stadt sind wohl eher nicht so das Thema des Stadtblogs.

            Auf meinen wesentlichen Punkt, dass Autofahrer in den letzten 20 Jahren spürbar anständiger und rücksichtsvoller geworden sind, während bei Velofahrern genau der entgegengesetzte Trend festzustellen ist, gehen Sie gar nicht erst ein. Schade.

          • Ben sagt:

            @Maiko Sie liegen mit Ihren EInschätzungen wie stets so auch hier mal wieder voll danaben. Weder wurde Ihre Initiative hier angenommen, noch geht es um Wohlfühloasen für Einzelne sondern vielmehr alle. Blechdosenfahrer hingegen wollen die Wohlfühloase nur für sich selbst anstatt Öffentlichen Raum für alle. Dabei merken sie nicht mal, wie selbst ihre Wohlfühloase eine Illusion ist, da ihre Körper im Auto verfetten und ihr Adrenalienspiegel ob ständigen stop and gos steigt. Die kleingeistige Illusion der Maschinisten.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Ben: Und warum wollen Sie dann die Autos nur aus der Stadt verbannen? …“…wenn man die Privatblechbüchsen am Stadtrand unter der Erde bunkert…“ Häh?! Wenn schon überall. Das wäre konsequent. Ich habe gegen die Initiative gestimmt, weil ich für eine offene Schweiz einstehe. Mir gehen die egoistischen Kleindenker auf den Keks. Ich stehe für eine freie Wirtschaft und freien Personenverkehr ein. Das beinhaltet dann aber auch eine gewisse Freiheit in der Auswahl der Verkehrsmittel. Der OeV kann nicht alles abdecken. Das ist eine Tatsache, welche nur von Egoisten wie Ihnen bestritten wird, die dann nicht mal den Mut haben, zuzugeben, dass sie Ja gestimmt haben zur genannten Initiative. Oeffentlicher Raum steht allen zur Verfügung, somit auch den Autos. Utopisches und ausgrenzendes Denken wie Sie es an den Tag legen, entspricht nicht freiheitlichem Denken, obwohl sie genau dies für sich in Anspruch nehmen. Es ist das pure Gegenteil davon.

          • Lukas Aeschbacher sagt:

            Die pauschale Unterstellung von Kleingeistigkeit aus der Tastatur von Ben ist Realsatire von feinsten.

          • Ben sagt:

            Eine freie Wirtschaft ohne soziale Beschränkungen bedeutet die reine und freie Versklavung der Menschen. Und da wir das nicht wollen, ist ein soziales Korrektiv die Benutzung der ÖV, von vollbesetzten Ecars oder Velos zunächst in den Innenstädten. Der ÖV alleine kann durch ein ausgebautes Streckennetz, weitere Modernisierung und noch engere Taktung den gesamten Personenverkehr abdecken, ergänzt um Ecars und Velos ist ein humanes Dasein in Städten wieder möglich. Das ist die Zukunft und nicht die weitere Verdreckung und Blockierung öffentlichen und Lebensraumes durch engstirnige und hedonistische Blechbüchsenlenker.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Ben: Ich selber (in China lebend) fahre schon seit langem nur noch einen Elektroroller. Und nun zu Ihnen:

            1: „…da wir das nicht wollen…“ Ersetzen Sie WIR durch ICH oder hängen dem Wort WIR noch etwas hinten an, z.B. Gesinnungsgenossen, etc.
            2: „…vollbesetzten Ecars…“. Das ist wohl der Witz des Tages!:-) Erstens wird auch ein E-Car nie vollbesetzt sein und zweitens würden sich die Radfahrer auch an denen noch stören, weil es ihnen ums Prinzip geht.
            3: Was mit E (Electro) beginnt, braucht auch Strom. Wie wollen Sie das denn in der so oder so utopischen 2000-Watt-Gesellschaft in Zürich umsetzen? Weil die Atom-/Kernenergie wollen Sie ja bestimmt auch nicht. Oder sollen es vielleicht Windturbinen auf dem Uetliberg sein? Alle anderen Technologien stehen zumindest flächendeckend noch nicht zur Verfügung. Sie dürfen also noch eine ganze Weile weiter träumen….

          • Johannes sagt:

            Lieber träumen, als alt und satt die Welt verschlafen. Denn die Träume von heute sind die Realität von morgen, hat was mit Innovation und so zu tun.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Johannes: Realisierbare Innovationen entstehen durch kluge Köpfe und nicht durch Träumer. Hat was mit der Realität und so zu tun.

        • Daniel Maier sagt:

          @ Réda El Arbi: Überlegen Sie mal ganz ganz fest, was in Ihrem alltag, aus Bequemlichkeit(‚), alles mit Erdöl zusammenhängt. Wenn wir wirklich etwas für die Umwelt tun müssen, wäre das, wenn man den Klimaleuten glauben schenken kann, ist das radikal. Sind sSie bereit, in der Höhle zu leben und wieder jagen zu gehen? Doch das ist ja hier nicht das Thema. Heute beim nachhausefahren, zum Beispiel, hatten alle Autofahrer Licht an! Velofahrer? Für die gelten andere Gesetze und wehe, es passiert etwas, dann wird sofort auf das böse Auto, bzw, dessen Fahrer gezeigt. Ich meine ja nur und … just my 2 cents, liebe(r) Réda El Arbi….!

    • Daniel Maier sagt:

      @ Ben. Sorry, aber so haben keine Ahnung von AKKU’s. Vor allem nicht, wie sie hergestellt und entsorgt werden. Sichher alles CO2 neutral. Klar.Hauptsache kein Erdöl. Wahrscheinlich hört ihre heile Welt bei der Nasenspitze auf…..

      • Ben sagt:

        @Daniel Sorry, Sie denken nicht weit. Gerade an solchen Problemen muss man arbeiten und massiv forschen, also nur der veralteten Technik schädlicher Abgasmaschinen zu huldigen.

        • Daniel Maier sagt:

          G Ben. Solange diese Batterien / Akku’s in Fernost produziert werden, wird das Umweltproblem immer da sein. Wer etwas anderes glaubt ist eher naiv! Ich habe nicht geschriebe, dass man nicht an den Benzinabgasproblemen arbeiten soll, aber man wirbt sehr schnell mit Umweltfreundlichen Alternativen, die es bei genauerem Hinsehen nicht sind. BTW, die Akuus werden ja auch mit Strom geladen und wie macht man Strom??

          Ein klein wenig mehr Weitsicht, lieber Ben!

          • Réda El Arbi sagt:

            Nun das mag alles stimmen, aber „Die Anderen haben auch …“ ist irgendwie ein Kindergartenargument und macht nichts besser. Da wir davon ausgehen, dass Autofahrer zusätzlich zu den Umweltbelastungen, die auch ein Velofahrer in seinem Alltag verursacht, auch noch täglich literweise Benzin verbrennt, ist die Diskussion wieder am Ursprungspunkt.

  • Ivan Casale sagt:

    Eigentlich ist die Strasse sehr klar reglementiert. Eigentlich sollte jeder wissen, was man darf und was nicht. Persönlich habe ich nichts gegen Fahrradfahrer, denn ich war dabei und werde u.U. wieder dabei sein. Fakt ist jedoch, das Gesetz wird beim motorisierten Verkehr durchgesetzt, bei den Fahrradfahrern und Fussgängern nicht (eigentlich). Entsprechend habe ich Verständnis für das Empfinden der Vertreter des motorisierten Verkehrs. Reda hat etwas schönes gesagt “ Die Pflicht des Staerkeren…“, allerdings ist es IIRC auch so im Gesetz ausgelegt. Das wirkliche Feld des Kampfes ist nicht die Strasse – es ist der Kopf. Freie Fahrt für freie Bürger – 1:1 die Einstellung des Velobürgers ;); die Pflicht des Staerkeren zur Verantwortung ergibt heute das Recht des Schwächeren dem Ersteren auf der Nase rumzutanzen. Den Verkehrsregeln entsprechend zu fahren, bringt allgemein mehr Sicherheit auch für Radfahrer. Insofern wünsche ich mir mehr Rollenbewusstsein bei allen Beteiligten.

  • Bisaz sagt:

    Wären wir grundsätzlich höflicher zueinander und hätten nicht immer das Gefühl zu kurz zukommen,gäbe es solch eine Diskusion gar nicht.Das gilt auch beim Vordrängeln in der S-Bahn,Bus oder im Tram. Die meisten Schweizer können nicht anstehen (lerne von UK) sondern quengeln sich irgendwie nach vorne was sich halt auch auf den Strassen zeigt.

    • Heinz sagt:

      Dann waren Sie aber noch nie in China. Das sind wir Schweizer richtig heilig dagegen. Dort wird an allen Ecken und Enden gedrängelt, geschubst, gestossen, vorgezwängt. Entsprechend läuft das auch im Strssenverkehr ab. Jedoch habe ich in China während zwei Wochen genau zwei Unfälle gesehen und die gingen glimpflich ab. Wenn man bedenkt, dass eine Grossmetropole, wie Bejing, ungefähr 28 Millionen Einwohner hat, war es erstaunlich, nicht mehr zu sehen.

    • u.b. sagt:

      Der beste Kommentar ever! Genau um das geht es, ob beim Anstehen, auf den Skipisten, auf dem Trottoir oder eben wie thematisiert auf den Strassen: Seid Höflich, respektvoll und anständig. Denn das ist wahre Sexyness.

  • Maiko Laugun sagt:

    Gibt es eigentlich schon eine App/Online Game für den Zürcher Verkehrskrieg, wo man so richtig die S.. rauslassen kann? Wäre eine echte Marktlücke und müsste sogar ohne Erasmus-Gelder entwicklungsfähig sein….

    • Ben sagt:

      Für die Entwicklung braucht es dann doch bereits den internationalen geistigen input.

      • Adam Gretener sagt:

        Ben, der Maiko hat bestimmt 700 Wanderarbeiter im Keller. Einer von denen wir doch noch zum programmieren gepeitscht, äh, ermuntert werden können.

        • Maiko Laugun sagt:

          Wander- sind meistens Bauarbeiter und eignen sich nicht nicht zum Programmieren. Aber dem damaligen Schwellen-Ruedi hätten sie helle Freude bereitet, indem sie ganz Züri innert weniger Tagen in eine Buckelpiste verwandelt hätten.

  • Ben sagt:

    Vorfahrt für Zweiräder generell in Innenstädten, private Metalldroschkenkutscher haben sich devot unterzuordnen und dürfen notfalls via zulässiger Peitsche am Velo auch freundlich gemassregelt werden. Hahaha

  • Simone W. sagt:

    Mhmmm, bei diesen Grabenkämpfen finde ich ja besonders interessant, dass einige den Anschein erwecken, sich nur per einer Möglichkeit fortzubewegen. Ich bin immer mit der Quadriga unterwegs: Auto, ÖV, zu Fuss, per Velo, je nach Anspruch halt. Und dementsprechend rege ich mich nicht über einzelne Fortbewegungsmittel auf, sondern über einzelne Teilnehmer am Verkehr. Der einzige Unterschied: die Beschimpfungen! Also einen unfähigen ÖVler können Sie nicht mit einem „Wo händ denn sie ihre Rägeboge-Abo gmacht“ in den Senkel stellen 🙂

  • KMS a PR sagt:

    das bild der jungen dame mit dem stinkefinger wirkt ein wenig gestellt. es fehlt der hochrote kopf, die heraustretende halsschlagader und der offene mund. also wenn man sich aufregt, dann bitte richtig. oder gar nicht. schwarz/weiss halt. und genau so verhalten sich die meisten verkehrsteilnehmer in „stress-situationen“. ich bin auch nicht besser. wenn ich einen guten tag habe, bin ich ruhig und bemüht die contenance zu wahren; ansonsten – mord und totschlag. das ist nicht gut, aber menschlich.

    • Maiko Laugun sagt:

      @KMS: Sie haben die Foto nicht verstanden. Die freundliche Dame zeigt durch ihr vorbildliches Handzeichen nur einem schwächeren Verkehrsteilnehmer den Vortritt…

      • KMS a PR sagt:

        🙂

        • Adam Gretener sagt:

          Wenn ich dieses Zeichen mache habe ich in der zweiten Hand immer noch einen Skalp und einen Rückspiegel. Totaler Fake!

          • Irene feldmann sagt:

            Wer Gewalt SPRICHT, knickt keinen Grashalm…..Männer halt……..:)

          • Maiko Laugun sagt:

            Ein richtiger Stadt-Indianer hängt die Skalpe an seinen Off-Roader, so wie früher die Manta-Fahrer die Fuchsschwänze…

          • Adam Gretener sagt:

            Frau Feldmann, ich bin total gewaltig, oder wie das heisst 😉

          • Adam Gretener sagt:

            Offroader in der Stadt sind diejenigen, welche auch auf die kleinen blauen Pillen angewiesen sind. Und der Skalp hat sich schon ganz ohne Indianer verabschiedet…

          • Irene feldmann sagt:

            WOW Maiko….DAS WAREN NOCH ZEITEN, schmachtttttt…..:),,,, und Adam so zart wie ein 4 monatiges reh( böcklii), also jetzt mal ERNSTHAFT: wie lösen wir den verkehrskrieg????? Charakter- Bewusstsein- nächstenliebe( ja das gibts noch, habe ich gehört) und die hauptessence: zufrieden mit sich selber sein…..

          • Irene feldmann sagt:

            Adam nichts gegen die blouen Piillän, solange sie den Verkehr RUHIG UND MENSCHLICH HALTEN ( i have my doupts , do).. Die Zürcher Verkehrsbetriebe „“waren und „““werden wahrscheinlich unruhig bleiben….:) Mega Grinss.

          • Adam Gretener sagt:

            Wir sollten uns mal überlegen, ob es schlau ist, wenn der Hans aus Thalwil wirklich täglich mit 4 leeren Plätzen und 1,5 Tonnen Stahl unter dem Füdli quer durch die Stadt nach Glattbrugg fahren muss, um vor einem Compi zu sitzen.

          • Irene feldmann sagt:

            Dä Hans us thalwil?????:)

          • Adam Gretener sagt:

            Sie kennen ihn also auch?

          • Lukas Aeschbacher sagt:

            Gretener: Es wäre doch auch mal einen Gedanken wert, ob es schlau ist, wenn der Tom (eigentlich Thomas, aber dafür mit Bartflaum, Deppenbrille und Wollkappe) aus dem Kreis 4 wirklich täglich mit dem bremsenlosen Fixie unter dem Füdli quer durch die Stadt ins Seefeld über Trottoirs und Fussgängerstreifen brettern und dabei zahlreiche Fussgänger anrempeln und/oder anfiggen muss, um dann vor einem Compi zu sitzen.

          • Adam Gretener sagt:

            Sehen Sie Herr Aeschbaccher, auf diesem Niveau werden wir keinen Schritt weiterkommen. Dafür braucht es Leute in den Kommissionen, die ihren Sturkopf im Griff haben.

          • Irene feldmann sagt:

            Ich kenne nur den Peter von thalwil….und der fährt soviel ich weiß einen Töff und zwar GANZ LANGSAM…..:)

          • Lukas Aeschbacher sagt:

            Gretener: Was genau bewirken „Leute in Kommissionen“ puncto mangelndem Anstand und Respekt der Velofahrenden?

          • Adam Gretener sagt:

            Aeschbi: Sie lassen Strassen und Velowege bauen.

  • Irene feldmann sagt:

    Ein alter Hut: PROPORTIONEN!!!!

    • Réda El Arbi sagt:

      Man könnte auch sagen: Wir sind schei** verwöhnt und haben keine anderen Probleme, um uns darüber aufzuregen.

      • Irene feldmann sagt:

        Ist so reda, gefangen in unseren köpfen, überzeugt von DIESEM ( Universum)! Aber das Leben ist VIEL ZU SCHÖN um pisst off zu sein, unvorstellbar was man mit all dieser Neg.energy in Fahrt bringen könnte, die neue GRÜNE ENERGIE….:)

      • KMS a PR sagt:

        natürlich. aber das ist nun mal so. wenn wir den ganzen tag damit beschäftigt wären, nahrung zu suchen, würden wir uns nicht über den verkehr aufregen. je weiter oben auf der maslow’schen pyramide, desto verwöhnter. is‘ ja klar. der weg zur transzendenz ist mit wutausbrüchen gepflastert. weisheit wird dem verliehen, der den 2. herzinfarkt überlebt hat.

  • Maiko Laugun sagt:

    Tolles Foto! 🙂

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