Zürich im Hormon-Rausch

Es ist kaum Auszuhalten: Sonnentage in Zürich

Es ist kaum auszuhalten: Sonnentage in Zürich

Die ersten fünf aufeinanderfolgenden sonnigen Tage haben die Stadt aufgewärmt – mit Besorgnis erregenden Folgen. Die Biochemie der Zürcher spielt verrückt. Hormone fluten Männer wie Frauen. Das macht das Zusammenleben in dieser sonst so coolen Stadt kompliziert. Da wir vom Stadtblog uns für den Geschlechterfrieden in der Stadt verantwortlich fühlen, haben wir einige Tipps zusammengestellt, mit denen Sie durch den Alltag kommen sollten, bis sich ihr Körper und ihre Psyche an die Sonne gewöhnt hat.

Für Männer

1. Vermeiden Sie das Glotzen auf nackte Beine, freie Bäuche und tiefe Ausschnitte. Klar, es ist schwer, wenn das andere Geschlecht sich nach einem Winter in tragbaren Schlafsäcken wieder in Röckchen und Kleidchen zeigt. Aber glauben Sie uns: Glotzen wird in den meisten Fällen nicht als angenehm empfunden (ausser sie sehen aus wie George Clooney oder haben wenigstens gleich viel Geld wie er).

2. Tragen Sie keine Sonnenbrille, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Erstens sehen Sie damit aus wie ein Bub, der Top Gun spielt, und zweitens werden Sie sofort verdächtigt zu glotzen. (Siehe Punkt 1)

3. Machen Sie keine Komplimente an Frauen, die Sie kennen, wenn Sie einen fünfzigminütigen Vortrag über die Bereiche, die ihr weibliches Gegenüber an sich hasst, vermeiden wollen. Und denken Sie dran: Fremde Frauen interessieren sich meist nicht für ihre Meinung  (ausser sie sehen aus wie George Clooney oder haben wenigstens gleich viel Geld wie er).

4. Wenn Frauen ihren Körper der Sonne aussetzen, ist das noch lange keine Aufforerung für Sie, es ihnen gleichzutun. Tragen Sie keine Muscleshirts, reissen Sie nicht beim kleinsten Sonnenstrahl ihr Hemd auf und verzichten Sie bis im Hochsommer auf Shorts oder halblange Hosen. Nein, verzichten Sie IMMER auf halblange Hosen. Kalkweissen Mädchenbeinen kann man unter Umständen noch eine gewisse Ästhetik abgewinnen, käseweissen Männerbeinen niemals.

5. Wenn Sie schwitzen, dann schwitzen sie. Sie dürfen ein Deo benutzen, aber bitte, benutzen Sie einen Roller oder einen Stift. Deosprays wie «Axe» sind nicht dazu angetan, ihre Transpiration dezent zu kaschieren. Diese Sprays wurden von Nordkorea für den Kriegseinsatz entwickelt. Glauben Sie der irreführenden Werbung nicht. Die Frauen fallen zwar in Ihrer Nähe massenhaft in Ohnmacht, aber das hat nichts mit Ihrer Ausstrahlung und alles mit Sauerstoffmangel zu tun.

6. Sollten Ihnen die Hormone schon soweit zu Kopf gestiegen sein, dass Sie darüber nachdenken, eine Unbekannte anzusprechen, vergessen Sie nicht, dass Sie in Zürich sind! Wenn Sie sich nicht zurückhalten können, kehrt innert Sekunden wieder der Winter ein und Sie machen die Erfahrung, dass ein einziger Blick sich anfühlen kann, als würden Sie mit Eiszapfen gepfählt (ausser sie sehen aus wie George Clooney oder haben wenigstens gleich viel Geld wie er).

Für Frauen

1. Seien Sie mitfühlend! Wir wissen, dass Männer bei schönem Wetter Frauen schöner finden. Aber leider beruht das nicht auf Gegenseitigkeit. Frauen finden bei schönem Wetter in erster Linie sich selbst schöner. Was dazu führt, dass Männer glotzen und Frauen nicht. Und nun behaupten Sie bitte nicht, ein wenig Glotzen sei in Ordnung. In Ihrer Fantasie sieht der Glotzer immer aus wie George Clooney und nicht wie der Hausabwart Werner Huber. Also, zeigen Sie Nachsicht.

2. Tragen Sie keine Sonnenbrille. Erstens sehen Sie damit aus wie Biene Maja, und zweitens werden alle vermuten, Sie wollen damit die Falten um die Augen kaschieren. Sie werden mindestens 15 Jahre älter geschätzt. Zudem wirkt es oft arrogant und macht die ganze nette Wirkung des Kleidchens wieder zunichte.

3. Wenn Sie zuhause ein Röckchen anziehen, bedenken Sie die Länge des Kleidungsstücks. Was daheim im Spiegel unglaublich attraktiv aussieht, hat oft die Angewohnheit, ausserhalb der Wohnung zu schrumpfen. Und glauben Sie uns, dauerndes Herunterzupfen des Rocksaums zieht eher mehr Blicke an, als dass es irgendwas zu verdecken hilft. Vermeiden Sie weisse Kleidchen, solange noch meistens Männer für die Wettervorhersage verantwortlich sind. Sie möchten nicht in Weiss in einen Regenguss kommen.

4. Es ist schwer, wenn die Hormone verrückt spielen, die übliche weibliche Zürcher Coolness zu bewahren, trotzdem müssen Sie sich zusammenreissen. Lächeln Sie nicht aus Versehen einen Mann an. In Kombination mit dem eigenen überhöhten Hormonspiegel kann der Schock über so etwas Unerwartetes bei einem Zürcher Mann einen Herzinfarkt oder einen Hirnschlag auslösen. Halten Sie sich zurück und halten Sie im Notfall eine Gratiszeitung vors Gesicht. Apropos Gratiszeitung: Wenn Ihnen wirklich einer gefällt, können Sie am nächsten Tag ein paar Zeilen im Schatzchäschtli von Blick am Abend platzieren: «Du, gross und dunkel, gestern 16 Uhr im 2er-Tram …». Das ist offen genug.

5. Bedenken Sie, dass fünf Tage Sonne noch keinen Sommer machen. Sie werden nachmittags schulterfrei tragen und abends versuchen, die tagsüber eingefangene Farbe in der Bar zu zeigen. Das führt zu Lungenentzündung. Und setzen Sie sich über Mittag nicht mit ihrem (zu kurzen) Röckchen (siehe Punkt 3) auf kalte Steinmauern. Sollten die Hormone Sie nämlich wirklich überwältigen und Sie sich mit ihrem neuen Schwarm zum horizontalen Frühlingstanz treffen, würde Ihnen eine Blasenentzündung einen Strich durch die Rechnung machen.

6. Vermeiden Sie Frühlingsdiäten! Gemeinsam mit dem erhöhten Hormonspiegel wecken die Stimmungsschwankungen durch den dauernd niedrigen Blutzuckerspiegel abwechselnd das Bedürfnis nach Weinen und Knutschen. Und glauben Sie nicht, dass Sie im Frühling mit drei Kilo weniger einen Vorteil auf dem Zürcher Singlemarkt hätten. Den Vorteil holen Sie lockern mit drei Zentimeter Einsparung am Röckchen wieder herein (aber beachten Sie wiederum Punkt 3).

So, wenn Sie noch weitere Tipps für Ihre Mitstädter haben, dürfen Sie diese gerne in den Kommentaren weitergeben.