Das Club-Grossmaul

Einer der alten Schule: Entertainer und Grossmaul des Zürcher Nachtlebens.

Einer der alten Schule: Entertainer und Grossmaul des Zürcher Nachtlebens.

«Gestern im Flamingo… man muss nicht immer ankündigen wer so alles vorbei kommt. Danke Drake!»

Diese Worte postete der Club Flamingo-Betreiber Maurice «Momo» Mobetie zusammen mit einem Foto des Blackmusic-Superstars Aubrey Drake Graham alias Drake, das ihn, mit einer brünetten Schönheit turtelnd, auf einer Party zeigt. Das Foto ist zwei Jahre alt, wurde keineswegs im Flamingo aufgenommen und Drake stand am betreffenden Abend ein paar tausend Kilometer von Zürich entfernt auf einer Konzertbühne. Der Clubchef verfügte immer schon über ein fulminantes Mundwerk und war schon oft Quell grossartiger Räuberpistolen, mit denen er sich und sein Flamingo geschickt im Gespräch hält.

Mit seinem Drake-Post hat er gar den neuen Trend «Momoing» kreiert, denn bereits am nächsten Tag posteten einige Facebook-User x-beliebige Fotos von Stars wie Jay-Z, Kanye West und Pharrell Williams mit Kommentaren wie «Bin gerade mit einem Kumpel am brunchen». Legendär auch die Story mit seiner eigenen Reality TV-Show namens Swizz Boys on Tour, die sich um sein schillerndes Luxusleben dreht. Shaunie O’Neal, die Ex-Frau des Basketballers Shaquille O’Neal, hätte sich gar die Rechte an der Show gesichert. Nach dieser Sensationsmeldung kam jedoch nichts mehr und der letzte themenbezogene Eintrag auf der Facebookseite von Swizz Boys on Tour hat kürzlich seinen ersten Geburtstag gefeiert.

Wenn jemand versucht sein Flamingo zu diskreditieren, dann kennt der extrovertierte Momo, gemäss eigenen Aussagen ein enger Freund von Justin Timberlake, 50Cent und Akon, kein Pardon. Sein Club ist der beste überhaupt und wer das anzweifelt, der sollte schon über die Reflexe eines Igels verfügen, um seinen auf Facebook abgefeuerten Schmähsalven ausweichen zu können. Subtilität ist gemeinhin nicht so Momos Ding. Vor seinem Flamingo wurde eine Clubberin mit der Begründung abgewiesen sie sei zu klein und als der Club an den vergangenen Swiss Nightlife Awards nicht mal nominiert wurde, quittierte Momo dies mit den Worten «Ich scheiss auf irgendwelche Awards von irgendwelchen Mongos die nicht mal in Clubs reinkommen wo ich hingehe. We bigger than your fucking Carlsberg Awards!».

Nun kann man von Momo halten was man will, man kann sich über seine, bisweilen an Baron Münchhausen erinnernden, Anekdoten aufregen und darf sogar das Flamingo doof finden. Jedoch ist das Zürcher Nachtleben mit zunehmender Professionalisierung auch immer humorloser geworden. Clubs werden teilweise geführt wie Versicherungsagenturen, DJs gehen ihrem Handwerk mit sakraler Ernsthaftigkeit nach und in einigen Clubs muss man gar mit abschätzigen Blicken rechnen, wenn man zu laut lacht. Mobetie kann man Vieles vorwerfen, aber nicht, dass er sich selbst zu ernst nimmt. Er verkörpert eine aussterbende Nachtleben-Gattung und zwar jene des Showman mit grosser Klappe, der den ganzen Zirkus mit Humor sieht und der ihn mit reichlich Hochglanz füttert, selbst wenn es bisweilen nur Katzengold ist, das da glänzt. Dem Zürcher Nachtleben würden ein paar Momos mehr unheimlich gut tun.

Alex FlachAlex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter Anderem für die Clubs Supermarket, Hive und Zukunft