«Blaukreuz-Orden geht ans Kaufleuten»

Das Kaufleuten fördert den sparsamen Spritverbrauch mit einem extremen zurückhaltenden Alkoholanteil in den Drinks.

Das Kaufleuten fördert den sparsamen Spritverbrauch mit einem extrem zurückhaltenden Alkoholanteil in den Drinks.

Am Samstag haben im Komplex 457 die Swiss Nightlife Awards stattgefunden. Skandale gibt es keine zu berichten, ausser vielleicht, dass Ulises Braun der Lifetime Award für sein Lebenswerk überreicht wurde. Ulises Braun ist ein Partyveranstalter der zwischen Ibiza und Zürich hin- und herpendelt, der hierzulande aber nichts von Bestand geschaffen hat – da hätte es bestimmt geeignetere Gewinner gegeben. Ich nehme dies zum Anlass um hier die endgültigen Nachtleben Awards 2013 zu verkünden.

Einen Bronze-Uhu fürs Regal gibt’s zwar nicht, dafür aber jede Menge Ruhm und Ehre. Der Preis für das beste Nachtleben-Format auf einem Schweizer Radiosender geht an Rosanna Grüter und John Bürgin von «Grüter & Bürgin» auf SRF Virus (immer donnerstags von 17 bis 20 Uhr): Hier wird, im Gegensatz zu anderen Clubbingformaten, tatsächlich Clubmusik gespielt. Den Spezialpreis «Hüter der Narrenfreiheit» kriegt René Hagen. Seinem 2005 von der Polizei geschlossenen Sündenpfuhl Spider Galaxy, der mehr ein modernes Sodom als ein Club war, ist es zu verdanken, dass sich heutige Clubmanager wie eine Kombination aus Pablo Escobar und Aleister Crowley gebärden können ohne dass ihnen der Heiligenschein vom Kopf fällt.

Den goldenen Duracellhasen am Band erhält Jean-Pierre Grätzer: Der Mann ist über 70, steht aber noch immer an der Bar seines Clubs Supermarket und ist nicht selten der Letzte, der im Morgengrauen zur Tür rauswatschelt. Der Jahrespreis für besondere Verdienste eines Externen geht an den Grundbesitzer Dr. Georg Mayer-Sommer, der quasi im Alleingang das Areal an der Geroldstrasse aus dem Kongresshaus-Rennen genommen und damit die Clubs Hive, Supermarket und Helsinki gerettet hat.

Den Preis für das zweckdienlichste Warm Up 2013 erhält Roland Bunkus alias Mr. Da-Nos: Nach dessen Set im Stadion Letzigrund hätte Robbie Williams besoffen auf die Bühne torkeln und zwei Stunden lang Opernarien schmettern können und wäre immer noch gefeiert worden. Den Preis für den lästigsten Onlinepromoter und -spamer 2013 teilen sich Simon Auer, Matthias Müri und Oli Gamra. Sie erhalten den Preis für ihren virtuosen Umgang mit Facebook-Fakeprofilen, in Indien eingekauften Party-Likes und für ihr unermüdliches Zumüllen von Drittpersonen mit Partywerbung.

Der Prohibition-Award des Blauen Kreuzes geht ans Kaufleuten und damit an den Club mit dem wohl schlechtesten Preis-/Leistungsverhältnis bei alkoholischen Mixgetränken. Das Gegenstück dazu, der Charles Bukowski-Verdienstorden, geht an den 2. Akt: Hier muss man immer noch erst zwei Schlucke puren Wodka hinunterwürgen um ein wenig Mischgetränk ins Glas füllen zu können. Und nun zum wahren Lifetime Achievement Award: Der geht selbstverständlich an Nader Kuhenuri, Alex Dallas, Markus Ott, Michel Häberli, Tobias Rihs und Thomas Gilgen. Dieses Sextett hat mit der Dachkantine etwas geschaffen, das bezüglich Stil und Konzeption bis heute grossen Einfluss aufs Schweizer Nachtleben ausübt. Viele Clubs würden in der heutigen Form gar nicht existieren, hätte es die Dachkantine nie gegeben.

Alex FlachAlex Flach ist Kolumnist beim Tages Anzeiger und Club-Promoter. Er arbeitet unter Anderem für die Clubs Supermarket, Hive und Zukunft.

62 Kommentare zu ««Blaukreuz-Orden geht ans Kaufleuten»»

  • Louis sagt:

    müend ihr alli eigentli nöd schaffe aneme mäntig de tag dure 🙂

  • irene feldmann sagt:

    soviel ego in den kommentaren, please do not forgett the issue………..:) dieses gebalze ist ja fast nicht auszuhalten…….

    • Adam Gretener sagt:

      Mit dieser Frage bin ich letzte Woche unter die Räder geraten, Frau Feldmann.

      • Irene feldmann sagt:

        Aber wie ich sehe, leben sie noch Adam, das ist was zählt…wir hier sagen immer, was mich nicht umbringt…macht mich stärker, wish you the Perfect Day!!

  • George sagt:

    ..und wer gibt dem Kolumnist das Rechtsich als „Ausgeh-Experte“ deklarieren zu dürfen? schon praktisch wenn man Berichte und Kritik/Lob über Klubs schreiben darf bei denen man selber die Finger im Spiel hat.

  • Irene feldmann sagt:

    ……!

  • el capo sagt:

    Naja, das mit der Dachkantine…das war schon ein ding, jedoch fand ich die Stimmung im „hermetschloo“ eher fätziger als in der KAntine…und das Spider war das Lokal ohnehin unter Roly und co…..jedoch Hat Herr HAgen das ganze denn in seinen Egowahn innerhalb 2 JAhren zerstört. Ja, NAder und co hatten einfach Glück im richtigern Zeitpunkt, wie auch das Hive. Aber ebe..lömmer das Thema… Zürich ist einfach eine Stadt des Trittbrettfahrern…und Bünzlis

    • Alex Flach sagt:

      El Capo; so richtige Neuerungen, die mit allem brechen was vorher war, sind überall selten. Zumeist sind es Weiterentwicklungen von Bestehendem. Ich bin mir nicht sicher ob man Leute die Gutes aufgreifen und weiterspinnen als Trittbrettfahrer bezeichnen sollte… Hermetschloo war natürlich klasse. Grosses Kino. Jedoch war der Einfluss der Dachkantine auf die Schweizer Clublandschaft doch ungleich grösser. Nicht?

      • el capo sagt:

        Alex, das war es sicher. Und Hut ab vor dem Zuki-Exit-Ott Clan. JA, die machen heute noch ganz grosses Kino. Finde es einfach Schade das man immer wieder das Spider runtermacht, da ja Brunner usw. ja dort auch ganz grosses Kino geschafft haben. Spider immer wieder mit Hagen in verbindung zu Bringen macht mich eben Traurig. Was war dann mit g.17 / Brockenhaus.. ursyves usw.. kaufleuten chill party am Sonntag…das war für mich Kino pur..Trittbrettfahrer bezeichne ich das Mainstream in ZH…und von dem gibt es viel zu viel…..DJ die sich gegenseitig Buchen seit Jahren nur um am ball zu bleiben. Sound aus Beatport Hitliste rauf und Runter SPielen mit Autosync kann meine Grossmutter väterlicher seits auch sehr gut. Diese Politik schadet UNSERER Stadt. Tut meinen Ohren weh….Wir wollen vielfältigkeit und Musik die die Seele zum Schmelzen bringt. Frag mal den Roger Gyger aus dem alten Flamingo ( `80 ) Der konnte mit nichts alles. An dem musste man sich ein Beispiel nehmen. Zürich hat eine Legändere geschichte was Club und House anbelangt. Diese reicht von den ersten `80 jahren als die meisten Weltstädte noch gar nicht wussten was das überhaupt war. Dann kommen diese Hawardfurzies und die wollen mit Ihrem Studierten wissen entscheiden und Urteilen über das was Sie ohnehin keine Ahnung haben. Fragt den dee jay`s die sich in Ihrer Freizeit tagelang in den Kellern und in den Vinylshop`s rumgetrieben haben. Die sich 3 Tage lang mit einem 3 Stundetset`s zusammenzustellen beschäftigt waren. Dies meine ich mit Trittbrett. SO HABE FERTIG !!!

        • Alex Flach sagt:

          El Capo; ich meine mit Spider Galaxy tatsächlich nur die Zeit, in der die Räumlichkeiten diesen Namen getragen haben. Und es ist halt leider Gottes so… in der Öffentlichkeit wird diese Adresse mit dem in Verbindung gebracht, was Hagen gemacht hat. Die Marke Spider Galaxy ist zu einem Synonym für einen rechtsfreien Raum innerhalb des Zürcher Nachtlebens geworden, egal, was in diesem Haus sonst noch gelaufen ist. Wegen der Musik; das führt dann wohl zu der ewigen Diskussion ob es heute tatsächlich schlechter ist als früher oder ob uns da die ureigene und vom Älterwerden geprägte Wahrnehmung einen Streich spielt… ich würde der heutigen, jetzt aktiven, Generation nicht unterstellen, sie sei weniger enthusiastisch, kreativ oder begabt als jene, die zu Beginn der 90er ihren Output vors Feiervolk gebracht hat. Aber eben… das dürfte (erfahrungsgemäss) ausufernd werden.

        • Adam Gretener sagt:

          Es war wirklich schade, was Hagen aus dem Spider gemacht hat. Sobald Ali in einen Club Eintritt erlange, ging es bergab.

          • el capo sagt:

            @Adam… Ali aka Skandali?? uiuiui……
            @Alex….OK….hab mich abgeregt….

          • Adam Gretener sagt:

            el capo: Wir kennen uns. ganz schlimm.

          • Alex Flach sagt:

            El Capo; Ich finde durchaus dass man Deiner Ansicht sein darf und kann. Vor allem was die Technik betrifft, die den DJs/Produzenten immer mehr Arbeit abnimmt… jedoch kommt der „göttliche Funke“ bis anhin immer noch von dem der an der Maschine sitzt und nicht der Maschine selbst. Aber eben; ich kann Dich sehr gut verstehen.

          • Adam Gretener sagt:

            „Göttlicher Funke“, erst dachte ich, jetzt muss ich dem Flach schon wieder eine mitgeben. Aber dieser Funke hat es für mich wirklich ausgemacht. Wenn wir nach und während der Lethargy so am Seeufer standen… Schöne Erinnerungen. Danke.

  • KMS a PR sagt:

    ich bin mir nicht sicher. und darum frage ich. welcher besonderer leistung bedarf diese auszeichnung? wenn ich die namen der „awardierten“ so anschaue, lese ich diese allergrösstenteils zum ersten mal. kann man eventuell diese auszeichnung in neudeutsch und mit gutem gewissen als „solo-masturbation-award“ im weitesten sinne bezeichnen? falls dem so ist würde ich wieder bei frage 1 landen; sowie der ergänzenden frage, ob sowas erstrebenswert ist? ich bitte sehr dringend um aufklärung.

    • Alex Flach sagt:

      KMS a PR: yep. das mit der solo-masturbation stimmt. das ist bei kolumnen aber gang und gäbe. zur ergänzenden frage; das müssen Sie entscheiden. solo-masturbierend, sozusagen.

      • Alex Flach sagt:

        ps; jetzt, nach der korrektur des ursprungsposts, sieht meine antwort etwas seltsam aus…

      • KMS a PR sagt:

        ha. dass sie auf meinen pleonasmus hereingefallen sind, spricht nicht für sie; dass sie jedoch geantwortet haben, schon. ich schlage somit eine gruppentherapie für kolumnisten und renitente blogger vor. übung 1) handwechsel. vermittelt erste, neue perspektiven. oder so. 🙂

        • Alex Flach sagt:

          handwechsel ist zwingend nötig, alleine wegen der schwielen; wozu einen beruf mit tastatur ergreifen wenn man dann mit 40 eine rechte hat wie rafael nadal? ich werde Ihren rat gerne befolgen. 🙂

    • tststs sagt:

      „Erstrebenswert“ liegt im Auge des Betrachters, jedoch „lohnend“ würde ich ebenfalls sofort verneinen…
      Und ja, Sie und Ihre div. Alter Egos sind mir um einiges vertrauter als gewisse Namen auf dieser Liste. Wenigstens reicht Ihnen der virtuelle Ritterschlag und Sie brauchen keine Bestätigung in Form von Eulen (ob nach Athen getragen oder nicht) im Regal
      😉

  • Alex Flach sagt:

    seit wann haben nur clubs was mit nachtleben zu tun? djs und bars und discos sind auch teil des nachtlebens. auch am tag. 🙂 und das spider hat nun mal auswirkungen bis heute – sieh’s als posthume würdigung, tststs. und; wieso muss ich jetzt zu diesem offensichtlich ironischen beitrag einen ernsthaften post verfassen…

    • tststs sagt:

      Gegenfrage: wieviel Gehuste und Smiley muss ich in ein Post schreiben, damit ich nicht als bierernste Meckerin verstanden werden?!?

    • tststs sagt:

      Brrrr….ganz ruhig meine Hengst…äh Herren! Was mein schlechtes Gewissen dampft und hat ein Ziegenbärtchen 🙂 Ahja und verloren hab ich auch was?! Meine Befangenheit? Meinen Biber?
      🙂

      Aber ja, was zum anstossen wär jetzt super… in diesem Sinne meine Herren: Danke für die Kurzweile und En Guete mitenand

      PS: Adam, sorry, ich dachte, ich habe an anderer Stelle schon mal deutlich gemacht, dass es sich bei mir um ein Exemplar der weiblichen Spezies handelt…sollte keine Irreführung sein…

      • Adam Gretener sagt:

        Von Irreführung keine Spur. Ich überlese dauernd Fakten. Aber wenn mich eine Frau „meine Hengst“ nennt, dann ist es um mich geschehen. Hier mein Haus, mein Boot, mein Garten. Geschenkt.

        Ich ziehe ins Fass und bin glücklich bis ans Ende meiner Tage.

        • Adam Gretener sagt:

          Also auf dem Boot hätte ich gerne noch das Besuchsrecht. Den Rest haben Sie an der Backe, werte Ts.

      • Irene feldmann sagt:

        🙂

  • tststs sagt:

    Hüstelhüstel….und was hat das jetzt mit dem Nachtleben 2013 zu tun?

    Nichts gegen Hagen, aber seit 2005 sind doch 9 Jahre vergangen (im szenigen Szene-Nachtleben eine Ewigkeit) Dasselbe gilt für die DK… bitte nichts gegen den Club, war schon toll…aber vllt könnten Sie noch ausführen, worin dieser grosse (und einzigartige) Einfluss bestand…
    Nichts gegen Dr. GMS, aber wenn die Aufzahlung nicht gewesen wäre, wer weiss, wie viele Kräne heute auf dem Areal stehen würden…
    Nichts gegen Da-Nos, und ja sein Auftritt im Letzi war so was von grottenschlecht, echt habe ein dickes Fell, aber hier war fremdschämen angesagt; hat nichtsdestotrotz nichts mit dem Nachtleben zu tun, der Auftritt fand nämlich noch während Tageslicht statt 😉
    Nichts gegen den 2.Akt, aber seit wann ist das ein Club? Nur weil DJing betrieben wird? Und könnte mir bitte generell mal irgendjemand erklären, wann in Zürich die CLUBs Einzug gehalten haben; ich dachte bis vor kurzem in ZH nennt sich das immer noch ZUNFT; und für alle, denen dies zu cool äähhhh pardon zu elitär ist, gibt es Bars und Discos 🙂

    • Adam Gretener sagt:

      Solche Awards sind immer wie eine Miss-Wahl in einem Kuhdorf, wo angeblich die Schönste gekürt wird. Nader und co. hatten zwar sehr sehr viel Glück und ein gutes Händchen mit der Location, der Rest wurde abgekupfert. Nader durfte im All an die Plattenteller, wenn Diego und Miriam oder Liva-Act Tom mal Durst hatten 😉

      • Alex Flach sagt:

        auf jeden fall; die location selbst hat sicher einen grossteil zum zauber beigetragen…

      • KMS a PR sagt:

        …schon wieder….herr gretener. ich kann nicht tolerieren, dass ihrer ansicht nach alles, was ≤ 10000 nasen aufweist, als „kuhdorf“ o.ä. bezeichnet wird. diese statements sind doch schon sehr anmassend; zumal sie sich folgendes zitat verinnerlichen sollten:
        Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen’gen nur gewesen. Der Staat muß untergehen, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.“ – Friedrich Schiller, Demetrius (I), Der Reichstag zu Krakau.

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