«Entspannt über Sex reden»

Das dreitägige Sexfilmfestival Porny Days zeigt Filme abseits der Schmuddelecke. Wir haben mit den drei Veranstaltern gesprochen.

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Rona Grünenfelder, Dario Schoch und Talaya Schmid (v.l.), die Veranstalter der Porny Days im Sexkino Roland. Foto: Moritz Schädler

Woher euer Interesse für Sexfilme?
Schmid: Wir wollen den Sexfilm aus dem Dunklen ans Tageslicht holen. Der letztjährigen Porny Brunch ist ein gutes Beispiel dafür: Brunch am Sonntagmorgen und über Kurzfilme zum Thema Sex diskutieren. Das interessiert uns.

Schoch: Unser Interesse ist es vor allem, entspannt über Sexualität zu sprechen. Aus Jugendschutzgründen oder Prüderie wird der Sex in den Filmen oftmals weggelassen oder im spannendsten Moment weggeschnitten. Mit dem Festival wollen wir dem Sex im Film seinen Platz zurückgeben.

Dafür habt ihr einen eher schmuddeligen Ort wie das legendäre Roland-Sexkino ausgewählt?
Schoch: Die Betreiber des Kinos waren von Anfang an offen für unser Anliegen. Deshalb machen wir es im Roland. Wir versuchen mit dem Festival auch das Sexkino als Ort neu zu definieren.
Rona: So können auch mal Frauen entspannt ins Kino Roland gehen.

Ist es nicht seltsam, in einem Kino zu sitzen, wo sonst explizite Dinge geschehen?
Schmid: Es gibt wohl kein Kino in der Stadt, das so oft gereinigt wird wie das Roland. Das Kino wird jeden Morgen drei Stunden lang geputzt.

Was passiert während des dreitägigen Festivals mit den Stammgästen des Kinos?
Schoch: Wir haben Glück. Zeitgleich läuft in Basel die Erotikmesse Extasia. Möglicherweise sind ein paar Stammgäste sowieso da. (lacht)

Grünenfelder: Die Stammgäste sind informiert. Und wenn es sie interessiert, Sexfilme aus einer anderen Perspektive zu betrachten, sind sie natürlich willkommen.

Wie steht ihr persönlich zu Pornos? Seht ihr euch welche an?
Grünenfelder: Ich habe mir nie Pornos angeschaut. Poster und DVD-Covers wie z.B. DER SPERMA REPORT haben mich einfach nicht angemacht. Es ist aber auch faszinierend, dass das andere Leute trotzdem anspricht.

Schoch: Die Relevanz von Pornografie ist nicht zu unterschätzen. Wie wir alle wissen, besteht ein gewaltiger Prozentsatz der besuchten Internetseiten aus Pornografie. Doch reden tut man selten darüber. Bei uns am Festival hat man auch die Gelegenheit, über diesen blinden Fleck im Internet zu reden. Es geht nicht darum, sich im Kino einen runterzuholen.

Könnte man es öffentliches Pornoschauen für Studenten nennen?
Schoch: Uns liegt nichts daran, den Porno salonfähig zu machen. Wir zeigen am Festival ja nicht nur Filme mit expliziten Szenen. Wir finden gewöhnliche Pornofilme nicht einmal besonders ansprechend. Wie gesagt, wir wollen die Leute anregen, über Sex nachzudenken.

Schmid: Wir wollen einfach gute Filme zeigen.

Mit welchen Filmen schafft ihr das?
Grünenfelder: Wir zeigen ein breites Spektrum. Vom Einfluss von Internet-Pornografie auf Teenager in SEXY BABY bis zu MEET THE FOKKENS über Zwillingsschwestern, die vierzig Jahre als Prostituierte im Amsterdamer Rotlichtviertel gearbeitet haben.

Schmid: SEXY BABY müsste eigentlich alle Eltern interessieren, da er die Mechanismen von Social Media aufzeigt. Ebenso interessant sind die live vertonten, expliziten Stummfilme, die wir im Rahmen des Festivalprogramms zeigen werden. Dabei darf auch geschmunzelt werden.

Schoch: Dazu kommt, dass viele Regisseure anwesend sein und sich der Auseinandersetzung mit dem Publikum stellen werden.

Und worauf freut ihr euch ganz besonders?

Schmid: Porn & Politics, ein Film, der wie ein surrealistisches Faltblattspiel funktioniert. Das heisst, der Regisseur hat die letzten zehn Sekunden des vorherigen Films gesehen und danach seinen Teil gedreht. Und so weiter. Der läuft zusammen mit dem Film Der Unfertige. Darin gehts um einen sechzigjährigen, schwulen Sklaven. Die Regisseure beider Filme werden anwesend sein.

Grünenfelder: Meine persönlichen Highlights sind HEMEL und KINK, die beide am Samstagabend laufen. «Kink» geht der Frage nach, was das für Menschen sind, die für eine Sadomaso-Firma arbeiten, und was sie antreibt.

Schoch: Natürlich freuen wir uns auch auf die Partys im Kinski nach den Filmen. Dr. Sexual Healing bringt das Tanzvolk in Stimmung. Und dazu haben wir noch einige Überraschungen fürs Kinski-Publikum parat… Wir hatten übrigens witzige Anfragen deswegen, ob es zu expilziten Handlungen kommen werde, ob es Darkrooms gebe oder ob Lack und Leder erwünscht wären. Wir mussten die meisten dieser Anfragen verneinen.

Mehr zum Festival: www.pornydays.ch