One Night in Zurich: Dolder

Weitsicht und Luxus: Ein Deluxe Room im Hotel Dolder.

Weitsicht und Luxus: Ein Deluxe Room im Hotel Dolder.

In unserer Serie über Zürcher Hotels besucht Stadtblog-Autor David Sarasin das Dolder Grand Hotel. Das Traditionshaus, das in letzter Zeit ein wenig über Gästemangel klagt, wenn man den Gerüchten glauben schenken will. Hier sein Bericht:

Das Dolder. Fünfsterneluxus. Märchenschloss. Norman Foster. Golfplatz. Carl Hirschmann. Vorstellungen gibt es genug zum renommiertesten Hotel der Stadt. Doch wie fühlt es sich an, darin zu übernachten? So viel vorweg: Ich war konstant umgarnt und bin wie auf Perserwolle gelaufen. «Suchen Sie etwas Bestimmtes, Herr Sarasin?» – «Nehmen Sie doch gleich da hinten am Fenster Platz, Herr Sarasin» – «Sollten wir rasch Ihre Badehose im Zimmer holen?»

Glück ist die Abwesenheit von Schmerz, sagte Epikur. Auf Fünfsternehäuser umgemünzt heisst das: Glück ist die Abwesenheit von Ärger. Der Portier ist 24 Stunden erreichbar. Alle Angestellten kennen einen beim Namen. Eine bringt mir sogar die Badehose ins Spa. Selbst meine alte Sporttasche, mit der ich am Donnerstagnachmittag eincheckte, trug mir der Portier flugs nach meiner Ankunft aufs Zimmer. «Brauchen Sie sonst noch was, Herr Sarasin?»

Schönste Aussicht und Filme für 30 Franken

Einer begleitet mich durch die gepolsterten Gänge zu meinem Deluxe Room. Die Holztür ist so massiv wie die eines Chefbüros einer texanischen Ölfirma. Sie führt in einen mit dunklem Holz ausgekleideten Raum. Vom Balkon aus schweift der Blick über den Golfplatz auf die Alpen. Etwas weiter rechts schimmert der Zürichsee. Besser gehts nicht, denkt man. Elegant und solide. Die Dusche besitzt sechs Brausen und fünf Drehknöpfe, und in der Wand versenkt vor der Badewanne gibt es einen Fernseher. Mit der Bang&Olufsen-Fernbedienung steuert man im Schlafzimmer sowohl Raumlicht als auch Storen und, klar, den Fernseher. Für die Zapper-Generation ist die Reaktionszeit der Geräte allerdings etwas zu langsam. Auch auf Pay-TV verzichte ich, weil jeder Film, egal ob Komödie oder Porno, 30 Franken kostet.

Das Schwimmbad zwischen Natursteinwänden.

Das Schwimmbad zwischen Natursteinwänden.

Stattdessen suche ich das Spa auf, wo man problemlos so tun kann, als ob man Geld hätte. Weil hier alle höchstens Badehosen tragen. Die Statusunterschiede sind vielleicht noch an besonders neidvollen Blicken oder einem nicht gelifteten Kinn erkennbar. Das Jahresabo kostet übrigens 6000 Franken. Dafür kriegt man auf 4000 Quadratmetern Spa Design ohne Ende, frische Fruchtsäfte im eigenen Bistro und eine neue Frisur vom Spa-Coiffeur. Man empfängt mich freundlich, doch ist das im Dolder ein Pleonasmus, den ich von nun an weglassen werde. Man bezahlt ja auch dafür, ständig vom Personal umgarnt zu werden.

Im Ruheraum der Sauna stehen auf dem Tisch mit Minze und Eis angereichertes Wasser und getrocknete und kandierte Kokosnussstücke. Doch bloss eine Person ist neben mir anwesend. Zu bemängeln gibt es fast nichts, ausser vielleicht dass der Boden in der Sauna steinig und furchtbar heiss ist, weshalb man lieber auf den Holzliegen gehend den Schwitzraum verlässt. Das mit schwarzen Kacheln ausgekleidete Schwimmbad dagegen ist grossartig. Es erlaubt den Blick auf die Stadt und ist gross genug, um ein paar Längen zu ziehen.

Stetige Umgarnung

Als ich eine halbe Stunde später wieder auf meinem Bett liege und mich durch die Zimmerbeleuchtungsprogramme zappe, klingelts an der Tür. Eine Frau steht direkt unter der Deckenlampe im Gang. «Sie haben Ihre Schwimmbrille im Spa liegen lassen, Herr Sarasin», sagt sie mit russischem Akzent. Ich fühle mich in einen David Lynch-Film versetzt. Oder in die Truman Show.

Ansonsten lässt man sich das stetige Umsorgen ja gerne gefallen. Das ist irgendwie genetisch. So funktionieren teure Häuser. So funktionieren wir. Was Portiers allerdings nicht machen: Prostituierte oder Drogen aufs Zimmer bringen lassen. Ansonsten hätten sie für einen Gast innert Tagesfrist auch schon Pfingstrosen aus Amsterdam einfliegen lassen, erzählt der dientshabende Portier. Aber Illegales geht nicht.

Essen, ein Callgirl und Tom Waits

Wer in der Lobby eine Stange bestellt, bekommt dieses Gedeck.

Wer in der Lobby eine Stange bestellt, bekommt das.

Das Garden Restaurant ist zwar weniger gut ist als das von Heiko Nieder betreute The Restaurant einen Stock höher. Aber der Unterschied findet auf hohem Niveau statt. Das Dreigangmenü enthält unter anderem Lachscarpaccio, Jakobsmuscheln, Hirsch Ossobuco und am Schluss gelierte Preiselbeeren mit Ricotta und Kürbiskernkuchen. Zu jedem Gang gibts einen anderen Wein.

Als ich kurz nach elf die Bar des Dolder betrete, werde ich bereits erwartet. Ausser mir befindet sich noch ein Pärchen und ein Pianist im abgedunkelten Raum. Etwas mehr lebendige Bar-Atmosphäre wäre schön gewesen. Die Bar gleicht mit ihren Swarovski-Leuchten an der Decke eher einem Nobelclub, als einer klassischen Hotelbar. Neben mir sitzt ein Pärchen, er amerikanischer Geschäftsmann, sie ein junges Callgirl, vermute ich. «Am Wochenende ist hier mehr los», sagt der Pianist. Ich darf ein Lied von Tom Waits wünschen. Der Alleinunterhalter spielt bald Downtown Train. Etwas überakzentuiert zwar, aber trotzdem passt es.

Ein Königreich oder königlicher Reichtum

Kein Mensch kreuzt meinen Weg, als ich später durch die grosszügigen Teppichgänge wate. Nur der Portier wünscht mir im Vorbeigehen eine gute Nacht. Gewisse mögen sich selbst in dieser Luxusumgebung einsam fühlen, denke ich, doch verlassen fühlt man sich nicht. Wie sich auch Könige nie verlassen fühlen, weil sie stets von Getreuen umringt sind. Man braucht bloss das nötige Kleingeld oder ein Königreich dafür.

Muss man noch erwähnen, dass auch das Frühstück am nächsten Morgen ein Gedicht war? Eines, das von

Würstchen und Ei fehlen noch auf dem Bild.

Würstchen und Ei fehlen noch auf dem Bild.

beidseitig angebratenem Spiegelei, Speckstreifen, Wiediker-Würsten, Lachs und Jambón Ibérico handelte? Beim Packen im Zimmer fallen einem natürlich noch Dinge auf, die man mitnehmen möchte. Als allererstes der Morgenmantel, der übrigens stets auf einer leicht geheizten Oberfläche liegt, damit er warm bleibt. Doch im Innern des Mantels ist ein Zettel angebracht: «Diesen Mantel bieten wir Ihnen gerne für die Dauer Ihres Aufenthalts im Dolder Grand an. Sämtliche Bademäntel (…) sind durch einen Chip gegen Verlust gesichert.» Danach der Hinweis, dass man die Bademäntel für 249 Franken kaufen könne. Ein paar Seifen, etwas Badesalz und vier von Heiko Nieder kreierte Praliné müssen reichen.

Der Abschied

Als ich im Dolder Shuttle Richtung Stadt fahre, denke ich, dass man sich so einen Aufenthalt öfter genehmigen muss. Weil es eine andere Welt ist da oben und weil es zu Zürich gehört. Weil man sich nie ärgert und weil es zu dieser schönen Stadt gehört, in der die einen im Denner in Schwamendingen zum Sonderpreis kiloweise gefrorenes Poulet einkaufen und sich die anderen am Zürichberg von Heiko Nieder bekochen lassen. Wir jedenfalls kommen wieder.

41 Kommentare zu «One Night in Zurich: Dolder»

  • Beat sagt:

    Ist schon irre, was für eie Weltbild mancher hat. Da wird die Meinung geäussert, dass man nicht ständig in so einer Unterkunft nächtigen möchte und schon sei dies Neid. Da würde ich eine Therapie anraten, um vom monetären und oberflächlichen Weltbild wegzukommen. Denn gegönnt sei jedem der Aufenthalt, nur wird er dadurch nicht kreativer oder abwechslungsreicher. Denn das Kreative, Interessante, Unterhaltsame und Abwechslungsreiche, für mich also das Lebenswerte, ist meist gerade nicht das teuerste.

  • Mike Soldano sagt:

    Es ist schon amüsant anhand der Kommentare hier zu sehen, wie gehässig und missgünstig die Linken gegen Einrichtungen, die sie nicht verstehen und in die sie nicht reinpassen, wettern können. Für jemand mit Stil ist ein Tag in einem solchen Hotel einfach ein tolles Erlebnis. Gönnt es uns doch einfach, wir nehmen euch dabei ja nichts weg.

    • Maiko Laugun sagt:

      @Soldano: Ich bin kein Linker und habe schon oft international in solchen Hotels logiert. Das soll mich nicht hindern, solche Berichte zu lesen und auch mal mit Spass Kommentare dazu zu schreiben, gerade weil man solche Hotels von Innen kennt. Oder was ist Ihr Problem? Sie diskreditieren sich selber und die „Linken“ mit Ihrem Kommentar. Nehmen Sie es ein bisschen locker hier.

  • Bruno Froehlich sagt:

    Wetten dass, die spoettisch kommentierenden moechten alle einmal im Leben einwenig Herr Sarasin in irgend einem Nobelkasten spielen. Und keiner wuerde hinterher zugeben, doch, das koennte suechtig machen . . .was nur denen ohne Knete vorbehalten miti Bereitschaft den schwierig Ausbildungsweg zum Hochstapler zu gehen. Froehliches saludos.

  • Giorgio Brutalo sagt:

    An der Langstrasse kennt auch jeder meinen Namen.

  • Samuel sagt:

    Also Eure Visiten sind toll, aber solche locations sind mir zu spiessig und langweilig, bevorzuge da eher gute Lagen mit Spiel, Spass und Spannung im Umfeld. 🙂

  • Biene Maya sagt:

    „Das Traditionshaus, das in letzter Zeit ein wenig über Gästemangel klagt, wenn man den Gerüchten glauben schenken will.“ Häää? Der Nebensatz fehlt! Was wollten Sie uns hier noch sagen, was verschwiegen Sie, Her Sarasin? Dass doch auf ausdrücklichen Wunsch Mädchen und Drogen auf’s Zimmer geliefert werden? 🙂

  • Rudolf Wilhelm sagt:

    Der Spass kostet zwischen 590 und 970 Stutz. Selbstverständlich ohne Zmorge, das auch noch einmal mit 23 bis 46 Stutz zu Buche schlägt. Wobei David Sarasin kaum den vollen Preis bezahlt haben dürfte – Hotelzimmerpreise sind wie jede andere Ware Verhandlungssache. Bin ich jetzt ein Spielverderber, wenn ich dies hier ergänze? 😉

    Im übrigen bin ich kein Neidling, ich habe unzählige Male in gleichen oder sogar besseren Etablissements übernachtet. ’s wetzt sich allerdings alles ab nach einer gewissen Zeit…

    Wer eine andere Meinung nachlesen will, sei auf das Original der Zürcher Hotel-Tester, Ruth Spitzenpfeil von der NZZ, verwiesen.

    • Maiko Laugun sagt:

      @Wilhelm: Genau wie die FDP geht auch deren Hauszeitung NZZ vor die Hunde und beide merken es nicht. Die glauben ernsthaft, sie würden heute noch einen 5*****-Journalismus verbreiten. Genau wie im Dolder kennen die sogar die Leser namentlich. Es sind ja auch nicht mehr so viele….

    • Mike Soldano sagt:

      Und dann sind sie in ihrer Einzimmerwohnung in Schwamendingen aufgewacht.

  • Rolf Raess sagt:

    Und das allgemein zugängliche Freibad DOLDER im Wald nebenan lässt man verlottern…

  • Jonathan sagt:

    Dieses ständige Beimnamennennen finde ich weniger animierend, da kommt man sich wie in einem Dauerüberwachungsprogramm vor. Meine erste Bitte im Dolder wäre, mich nicht beim Namen zu nennen. 🙂

    • Maiko Laugun sagt:

      Ist jedes mal oberpeinlich, wenn das Personal meine jeweilige Sekretärin verwechselt und mit dem falschen Namen anspricht!

    • Beat Frei sagt:

      Einverstanden! Ich habe jahrelang in einem *****-Gastronomiebebrieb gearbeitet, dort baten viele Gäste darum, sie auf keinen Fall mit dem Namen anzusprechen. Schliesslich waren sie bei uns, um unerkannt ein paar ruhige Stunden auf höchstem Niveau (in jeder Hinsicht) zu geniessen. Der Laden hiess First Class der Swissair…

  • Denise Weibel sagt:

    herrlich sage ich nur!

    • Ruedi Merian sagt:

      Was ist da herrlich??? Ständig überwacht zu werden, in einer totalen sterilen Atmosphäre. Man kann nicht mal anonym einen Aufenthalt geniessen, da jeder der Namen kennt. Man fühlt sich wie in einem goldigen Käfig. Kontakte zu anderen Gästen zu knüpfen in einem solchen Etablissement gestalten sich als äusserst schwierig. Der Züritipp hätte sich diesen Artikel und Werbung sparen können.

  • Charlotte sagt:

    nun wuerde „man“ daselbe gerne auch als Frau erleben – aber ein umluftgekuehlter Norman Foster oder gar ein Karli Hirschmann… ???

  • Auguste sagt:

    hmm…, einladend. die „wiediker würstchen“ – wie waren die, herr sarasin? und wenn gut, wo gäbe es die wohl ausserhalb des dolder grand?

  • Anne Baynor sagt:

    Super Artikel. Gefaellt mir und animiert zur Nachahmung…

  • Jo saegesser sagt:

    Die ueberfreundlichkeit ist nicht echt. Ist wie ein besuch bei einer prostituierten, die sagt auch danke vielmals fuer ihren besuch.
    Jo LA usa

  • Maiko Laugun sagt:

    Eine B&O-Fernbedienung ist für B&O-Visionen konzipiert. Mit dieser steuert man Komponente für ein dezentes und genussvolles Ambiente. Das ist natürlich nichts für Banausen, Bauern, Julia Roberts oder für zappende Sarasin’s.

  • Franz Rosenkohl sagt:

    Was mich am meisten interessiert ist, wie Sie es geschafft haben, unter falschem Namen einzuchecken. Beim Checkin mussten SIe doch sicher eine Kreditkarte hinterlegen. Haben Sie eine auf den Namen Sarasin oder wie macht man sowas?

    • Réda El Arbi sagt:

      Der Autor HEISST David Sarasin-

      • pe küchlin sagt:

        Neidisch, Herr Rosenkohl? Wir wollen doch alle gar nicht wissen, was das gekostet hat. Es ist doch einfach eine schöne Geschichte.

      • Franz Rosenkohl sagt:

        Wurde mir gleich nach dem Klick auf „kommentar abschicken“ klar. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass Sie Herr Arbi den Artikel geschrieben haben. Beängstigend, nicht?

  • Andrea I. sagt:

    Im Hotel Adler in Sigriswil (und 1000en anderen Hotels der Schweiz!) kennt auch jeder Angestellte Ihren Namen.

  • Hans Käslin sagt:

    Zürcher Snobbyscheisse

  • Sebastien sagt:

    an die Mitarbeiterin: Vielen Dank, Sie brauchen die Badehose jetzt nicht holen, ich würde es aber begrüssen, wenn Sie sie anziehen und bei meiner Rückkehr darin auf mich warten. 🙂

  • pe küchlin sagt:

    WAS denn?? Julia Roberts – das grosse, schwarze, ultra-leise Umluftkühlgerät oder die nette Dolder Grand-Mitarbeiterin mit russischem Akzent und Sarasin’s Schwimmbrille??

  • Maiko Laugun sagt:

    Beim Lesen des Artikels kam mir spontan der Film „Pretty Woman“ mit Julia Roberts in den Sinn. 🙂

  • KMS a PR sagt:

    herr sarasin – ist ihnen das grosse, schwarze und ultra-leise umluftkühlgerät in der suite aufgefallen?! das ist von unserer firma!
    für den preis hierfür bekommen sie zwar auch einen neuen kleinwagen – aber der ist garantiert lauter als 22.2 db(A)!

  • Heinz von Moos sagt:

    … kennen wir doch.

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