Soziokultureller Soundcheck

Sechs Freunde haben beim Schaffhauserplatz ein professionelles Aufnahmestudio eröffnet: Das Studio 6, in dem auch junge Talente willkommen sind.

Studio6

Tontechniker Fabio Antenore (links) mit Simon Schmid und Goran Basic im Studio 6. Ebenfalls zum Team gehören: Domenico Fischer, Marcel Näf und Lucien Nyffeler. Foto: Dominique Meienberg

Zuerst geht es durch einen langen Kellergang, der aussieht wie der Zugang zu einem dieser typischen Zürcher Proberäume. Dannöffnet sich eine dicke Holztüre und: keine aufeinandergetürmten Pizzaschachteln, keine staubigen Verstärker, sondern ein funkelndes Aufnahmestudio mit wechselnder Raumbeleuchtung, professionellem Equipment und schalldicht getrennten Räumen.

«Wir haben dreieinhalb Jahre für den Bau benötigt», sagt Fabio Antenore. Mit fünf Freunden hat er das neue Studio 6 konzipiert, mit Innenarchitekten und Akustikern haben sie zusammengearbeitet, und letztes Wochenende haben sie es eröffnet. Viel Schweiss sei geflossen, blickt der 32-Jährige zurück – und auch Geld, wohl etwa in der Grössenordnung eines italienischen Sportwagens.

Einzigartiges Konzept

Bevor sie mit der Realisierung ihres Traums begannen, betrieben Antenore und seine Kumpels das Hip-Hop-Label Inferno Muzik. Nun ist er selbst Geschäftsführer des Studios und arbeitet daneben auch als Tontechniker im von der Offenen Jugendarbeit (OJA) betriebenen Treffpunkt Planet 5 am Sihlquai. Seine Erfahrungen als Produzent und die Nähe zur Sozialarbeit haben dem Studio 6 zu einem einzigartigen Konzept verhelfen:

Mit der Hälfte der Aufnahmen – also mit dem Produzieren von Bands, Jingles fürs Radio oder Vertonungen für die Werbung – will man Geld verdienen. Geld, mit dem Newcomer quer subventioniert werden sollen. «Wir bieten jungen, talentierten Künstlern die Möglichkeit, für wenig Geld in einem hoch professionellen Umfeld zu arbeiten», sagt Antenore. Er sei sich sicher: Soziokultur und Professionalität müssen sich nicht ausschliessen. Dabei agieren die Leute vom Studio 6 weitgehend unabhängig von den sozialen Einrichtungen der Stadt. Einzig die OJA im Kreis 6 besitzt Anteilscheine der Genossenschaft. Als solche ist das Studio organisiert und weitere Mitglieder sind willkommen.

Das Angebot des Studio 6 geht dabei über das Produzieren von Musik hinaus: So bieten die Betreiber auch Hilfe beim Online-Marketing, Pressearbeit oder Mixing und Mastering. Dies sei wichtiger denn je, in Zeiten, in denen die Rolle der grossen Labels immer unwichtiger würde, und Bands immer mehr Eigeninitiative entwickeln müssten. Musikalische Präferenzen haben die Betreiber dabei keine. Es gehe darum, jungen Musikern auf die Sprünge zu helfen. Wie zentral Musik in einer Biografie sein kann, weiss Antenore aus seiner. Einen Teil seiner Jugend verbrachte er in Heimen. Mit der Musik und mit dem Betreiben eines Labels fand er aus einem negativ geprägten Umfeld heraus. Mit dem Studio 6 geht er nun einen Schritt weiter: Jetzt habe er neben den professionellen Produktionen die Möglichkeit, junge Menschen, die in ähnlichen Situationen sind, wie er es war, zu unterstützen.

Auf Talentsuche im Planet 5

Und die Finanzen? «Klar», sagt Antenore, «irgendwann wollen wir uns Löhne auszahlen.» Der Weg dahin scheint zu stimmen. Das Studio sei in Betrieb, und zahlreiche Anfragen für die Benutzung seien schon eingetrudelt.

Talente, mit denen er arbeiten möchte, lernt Antenore teilweise bei seiner Arbeit im Planet 5 kennen, auf dessen Bühne viele junge Gruppen erste Gehversuche machen. Aufgefallen sei ihm aktuell etwa ein 15-jähriger türkischer Rapper oder eine in Zürich ansässige Metalcore Band. Auch steht bald der Bandcontest im Planet 5 an, bei dem die Gewinnerband eine Aufnahme einer EP im brandneuen Studio 6 gewinnt.

Irgendwann, so träumt Antenore, soll der soziale Teil des Studios noch grösser werden. Doch vorerst müsse man sich um die Einnahmen kümmern. Einzigartig bei ihnen sei dabei, dass eine Band, die bei ihnen produziert, gleichzeitig in eine gute Sache investiere.

www.studio-6.ch

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