Pimp my Drahtesel

Vielleicht sollten Sie Ihr Rad auch noch ein wenig putzen, bevor Sie damit rumkurven.

Vielleicht sollten Sie Ihr Rad auch noch ein wenig putzen, bevor Sie damit rumkurven.

Die ersten Osterglocken strecken ihre Köpfe aus dem Boden, der Frühling ist da, auch wenn mans noch nicht so spürt. Zeit, seinen Drahtesel aus dem Keller zu holen und wieder fit zu machen. Der Stadtblog gibt ein paar Tipps mit auf den Veloweg:

Zeit nehmen
Wenn das Velo lange Zeit im Keller stand, braucht es auch Zeit, das Ding wieder rollbar zu machen. Also: Nicht 15 Minuten vor dem ersten Date zwischen Osterglocken und Glacestand den alten Göppel hervorholen, sondern genug Zeit einrechnen.

Zeit geben
Wer sein Velo zum Mechaniker bringen will, muss sich bewusst sein, dass die halbe Nachbarschaft die genau gleiche Absicht hat. Mit den ersten Tagen jenseits der 10-Grad-Marke werden die Mechaniker mit behandlungsbedürftigen Rädern überhäuft. Deshalb entstehen rasch Wartezeiten von einer bis mehreren Wochen. Also, jetzt los, wer im April radeln will.

Pneudruck messen
Nach dem Winter besitzt der Pneu meistens zu wenig Luft. Mit einer Pumpe sollte er mit Luft gefüllt werden, bis er sich vom Daumen kaum mehr eindrücken lässt. Der maximale Druck ist auf den meisten Pneus markiert. Achtung: Falls der Pneu bereits rissig und spröde sein sollte, muss er ausgewechselt werden.

Bremsen
Gute Bremsen sind essentiell im Strassenverkehr. Dazu muss genug Bremsbelag an den Bremsklötzen vorhanden sein. Die Bremsfunktion am besten auf einer kurzen Strecke testen – nicht erst auf der Strasse!

Licht
Vorne Weiss, hinten Rot und ruhendes Licht (kein Blinken), so heisst die Regel. Bei batteriebetriebenen Lichtern sollten Sie den Akkustand prüfen und allenfalls die Batterien austauschen. Ansonsten ist darauf zu achten, dass das Licht wirklich genug hell und unterwegs klar sichtbar ist.

Reflektoren
Auch hier lautet die Devise: Vorne Weiss, hinten Rot. Und an den Pedalen Orange. Die Reflektoren sind in den meisten Velolichtern schon integriert.

Glocke
An jedes ausgerüstete Velo gehört auch eine anständige Veloglocke, die funktioniert und hörbar ist.

Velovignette
Die roten Aluplatten mit den Jahreszahlen sind schon längst passé, die Klebeversion mittlerweile auch. Achtung: JEDER Velofahrer braucht deshalb eine Privathaftplfichtversicherung, welche das Velo einschliesst. Im Zweifelsfall bei Versicherung nachfragen.

Kette ölen
Für eine gute Wartung des Velos gehört das Kette ölen dazu. Das Kettenöl auf dem Kranz und der Kette verteilen. Überschüssiges Öl mit einem Lappen abstreifen.

Helm
War das nicht einer der lange gehegten, aber immer wieder verschobenen Vorsätze: Einen coolen Helm kaufen? Die gibts tatsächlich. Ob Halbschale wie ihn Skater tragen oder sportliches Modell mit Längsschlitzen: die Dinger sind mittlerweile tragbar, leicht und kosten nicht die Welt. Dafür gibts viel Schutz für die Rübe.

Fixies
Für die ganz coolen Fixie-Fahrer gilt keiner der oben erwähnten Tipps. Die brems- und schaltungsfreien Hipstervelos sind an sich schon so gefährlich, dass sich das Fit-machen gar nicht erst lohnt. Und Helme sind für Fixiefahrer sowieso ein «No go».

Jetzt steht dem Erobern der Stadt auf zwei Rädern nichts mehr im Weg. Viel Spass!

32 Kommentare zu «Pimp my Drahtesel»

  • D.Münger sagt:

    Verkehrsregeln: Check!

  • Eduard J. Belser sagt:

    Den Reifedruck sollte man auch beim Velo professionell mit einem Manometer bzw. einer Luftpumpe mit Manometer geprüft werden. Kettensprays sind kleiderschonender als Kettenöl. Wer sein Velo liebt, kauf noch eine Velofinder-Vignette und registriert sein Velo im Internet, damit hat man eine gewisse Chance, das man es nach einem Diebstahl wieder zurück erhält.

    Wer mit einem Fixi ohne zwei einwandfrei funktionierenden Bremsen auf öffentlichen Strassen herumfährt mach sich nicht nur zu Recht strafbar. Er riskiert bei einem Unfall auch happige Regressforderungen der Versicherung und das ist gut so! Hat er dabei z.B. einen Boni-Bänkster umgenietet kann, das dann wirklich ins ganz grosse Geld gehen!

    Abgesehen davon tuen sich nur perverse Masochisten ein Velos mit starrem Übersetzungsverhältnis an und knorzen mit knackenden Kniegelenken die Steigungen hoch. Die dummen Fixi- und Singlespeedfahrer sind in Zukunft ein gutes Geschäft für die Hersteller von Kniegelenkprothesen! Ich geniesse meine innovative, kniegelenkschonende Kombination aus Schlumpf HighSpeeDrive-Tretlagerschaltung und stufenloser NuVinci-Nabenschaltung an einem Liegetrike mit bissigen Scheibenbremsen. Da macht Velofahren wirklich Spass.

    • Tino E. sagt:

      Vielleicht ein Masochist mit Singlespeed, mag sein. Aber!: Je weniger am Velo ist, desto weniger geht kaputt. Ich hasse Technik, für die ich einen Spezialisten brauche. 1 Gang (keine Einstellungen nötig, keine rausspringende Kette), 2 einfache Bremsen (kann ich ganz einfach selbst einstellen), abnehmbares Licht (alles andere geht regelmässig kaputt) …
      Die meisten Velos heute sind hochgezüchtete «Smartphones» auf Rädern – kein Mensch braucht das wirklich.

      Und wegen der Kniegelenke: Aber hallo! Jahrzehnte lang ging es mit einem bis drei Gänge. Haben die Generationen vor uns alle neue Kniegelenke?

      • Velo sagt:

        Ja Herr Belser, SIE haben das beste Velo. Wahrscheinlich haben Sie auch ordentlich investiert um zu ihrem Liege-Porsche auf 2 Rädern zu kommen… das muss darum die ganze Welt wissen!

        • Flo sagt:

          Der Herr Belser sollte mal mit den alten Rennvelohasen fachsimpeln gehen, interessant wirds nämlich erst, wenn die erzählen, wie sie mit dem Bahnvelo (ganz sicher damals auch nicht mit LED Scheinwerfer und Hyper-Scheibenbremsen) ihre Feierabendtour gemacht haben 🙂

    • KMS a PR sagt:

      velofahren macht keinen spass, solange man trampen muss; egal wie high-tech es ist, velo bleibt velo.

    • sepp z. sagt:

      @beiser, velos mit schaltungen sind was für susis und dickbäuchige unsportliche.
      alle anderen kommen mit einem gang in der stadt elegant überall durch.

  • Jo Mooth sagt:

    Velo im Winter im Keller? Sicher nicht. Ich fahre ganzjährig. Aber Kette nach dem ersten Salzstreuwagen zu ölen ist schon wichtig.

  • KMS a PR sagt:

    na ja. man muss sich halt das schönste aussuchen, das man klaut.

    • Was uns zu einem wichtigen Punkt bringt, der bisher unterschlagen wurde. Das feiste Metallschloss (während der Fahrt um den Hals getragen) schützt den Göppel vor den grusigen Griffeln der Zukki-Zombies. Wer alles richtig machen will, der bezahlt mehr fürs Schloss als fürs Velo!

      • Flo sagt:

        der hat dann bestimmt auch ein interessantes Velo, wenn das Schloss mehr kostet 😉

        • Hässliches Velo in Kombi mit teurem Schloss verringert die Diebstahlgefahr nochmals erheblich. Sufftröten sind am Wochenende nicht wählerisch, wenn sie das Taxigeld sparen wollen. 😀

  • Adam sagt:

    Ergänzungen aus der Gegenwart:

    Die Zeiten, als man das Rapsöl noch mit dem Kännchen über die Kette goss, sind schon länger vorbei. Die Zentrifugalkraft ist einfach unerbittlich. Heute gibt es Sprays, die das Haft-Schmiermittel anbringen; an der Kette und nicht an der neuen Jeans. Dann braucht es nämlich auch keinen Lappen um die Kette wieder zu entfetten.

    Den Reifendruck überprüfen nur kleine Mädchen mittels Daumen direkt am Gummi. Die Coolen haben saubere Hände und drücken zweidrei mal auf den Lenker.

    • Adam sagt:

      Nachtrag:

      Die Methode zur Druckprüfung setzt man am besten mehrmals täglich bei jeder verdammten Ampel publikumswirksam ein. Das bringt Reichweite.

      Die Vorderbremse überprüft man übrigens am genausten, indem man das Velo minimal anschiebt, voll in die Klötze geht uns sich diebisch freut, wenn das Hinterrad etwas hüpft.

      Der Adam-TÜV quasi.

    • Lukas Aeschbacher sagt:

      Auf den Lenker drücken bei einem MTB mit Stossdämpfer? Grosse Buben haben eine Pumpe mit Manometer.

      • Adam sagt:

        Ein Königreich für etwas Humor.

        • Anna sagt:

          Zur Verteidigung: Humor kann man um 8.50h nicht voraussetzen. Bei mir jedenfalls nicht, und vielleicht auch bei anderen nicht. Aber jetzt ist die Zeit schon etwas fortgeschritten und dein Kommentar hat mich ziemlich zum grinsen gebracht. Merci 🙂

  • Tino E. sagt:

    Fixies genau. Da gelten die Tipps nicht. Denn mit einem Fixie dürfen Sie gar nicht auf die Strasse. Bei diesen Rädern fehlen die Bremsen. Und ohne Bremsen ist das Fahren auf Schweizer Strassen nicht erlaubt. Wer es trotzdem tut, macht sich strafbar.

    • Flo sagt:

      @Tino: bist denn du schon mal ein fixie gefahren? Weisst du denn, dass Fixie für „fixed gear“ (auf deutsch Starrlauf) steht? Hat denn ein Starrlauf irgendwie etwas mit der Bremse zu tun? (abgesehen davon, dass eine starre Nabe, geschaltet oder nicht (ja auch das gibt es), nie einen Rücktrit haben kann)
      Dass auf Schweizer Strassen ohne Bremsen zu fahren verboten ist, stimmt. Nur macht man sich in derSchweiz auch straffbar, wenn man mit blinkendem, zu schwachem oder gar ohne Licht am velo rumfährt, oder wenn man die Busspur benützt oder wenn man auf dem Trotoir fährt… Irgendwie verstossen doch sowieso alle velofahrer in Züri gegen das Gesetz oder?

      zur Info: „SR 741.41 Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge“ Artikel 213- 218 regeln, wies der Name sagt die technischen Anforderungen und von Antrieb steht kein Wort. So lange sie die andern Anforderungen einhalten, sind also Fixies so legal wie MTB’s mit 30 Gängen..

      • Tino E. sagt:

        Ja, bin ich. Die Fixies sind eigentlich Bahnräder – eben mit Starrlauf (für Bahnrennen oder auch Radball-Räder haben Starrlauf). Wers kann, kann damit auch rückwärts fahren.
        Das Spezielle an den Fixies ist eben, dass sie fast immer keine Bremsen haben. Im Nomalfall weder Rücktritt noch Felgenbremsen. Damit im Strassenverkehr zu bremsen braucht enormes Geschick.
        Fixies sind legal im Strassenverkehr verwendbar, wenn sie zwei funktionierende Bremsen aufweisen (eine aufs Vorderrad, eine aufs Hinterrad) Punkt und klar!
        Eingangräder mit Freilauf nennen sich dann neudeutsch: Singlespeed (auf Deutsch: Eingangräder)

        • Flo sagt:

          Danke für die Erklärung, dür mich als singeli und fixieschrauber und fahrer wärs nicht nötig gewesen. Dann bleibt wohl nur noch der Punkt, wieviele keine Bremse haben.. (wie sich bei all den andern Vorurteilen auch immer die Frage nach der Wahrheit stellt;) In Zürich getrau ich mich zu behaupten, haben mindestens 99% eine und etwas weniger sogar zwei dran. Da ist die Polizei so scharf, und Tricks das Gesetz einzuhalten, auch wenns stört gibt es ja zur genüge.. (Bremshebel an Sattelstange etc).
          Trotzdem würde mich interessieren, wieviele Fixies denn schon in Unfälle verwickelt wurden, weil sie nicht hatten bremsen können.. Sind vermutlich Ausnahmen, wenns denn überhaupt welche gibt.
          Nur so nebenbei: Einen Starrlauf hat in Zürich mit seine Hügel den entscheidenden Vorteil, dass man ständig seine Kraft trainiert (weshalb früher auch die Rennradprofis mit Starrlauf trainiert haben) und dass man nie in versuchung kommt zu wenig zu drücken, wenn man den Hügel hoch fährt. Sprich es fährt sich viel ringer und schneller als mit ein, zwei oder drei gängen. (selber festgestellt)

  • Flo sagt:

    Sind denn alle Fixies gefährlich, weil sie keine Schaltung haben und wären dann die anderen Eingangvelos auch gefährlich? Oder sind nur die paar ganzwenige fixies, die keine (oder nur eine) bremse dran haben gefährlich? und wie siehts aus mit den geschalteten Velos, die nur Stempelbremsen, sogenannte Kackeschieber haben? Das wären dann die meisten Militärvelos, die sogar mal im Auftrag des Bundes unterwegs waren.
    Wenn ein Starrgang wirklich so gefährlich wäre, müsste man sich ja jetzt überlegen, wieso auf der Bahn in Örlikon auch heute noch damit rumgekurvt wird.
    zum Glück ist Hipsterbashing in, sonst müsste man sich ja über die ernsthaft getragenen Deppenbrillen der nicht-hipster auch lustig machen und das wär dann fies, weil die können ja nichts dafür, dass sie Deppen sind 😉

    • Adam sagt:

      Nimm doch das alles nicht so ernst. Reda meint wohl diese Extrem-Fixer mit weissen Pneus, die wohl noch nie länger als 100 Meter gefahren sind. Auch die gibt es eben.

      Wenn einer an einem sommerlichen Abend in Oerlikon seit Stunden seinen Runden dreht, dann ist das was ganz anderes.

      p.s.: Aktuelle Kackeschieber haben mittlerweile erstaunlichen Biss, wenn man etwas pflegt.

      • Josef Meyer sagt:

        Flo ist eben ein Hipster und diese haben keinen Humor bzw. nur einen den sie allenfalls selber verstehen und deshalb nehmen sie alles ernst . Mir würde zwar auch der Humor abhanden kommen wenn ich mit einem mühsamen Eingangvelo in Züri rumfahren müsste..

        • Adam sagt:

          Meyer: Das war eigentlich überhaupt nicht als Steilvorlage für jemanden gedacht, der immer noch auf das Militärvelo schwört und Kumpel sucht, um seine Meinung zu verbreiten. Ich mag solche ungefragten Verbrüderungen gar nicht.

          Jedem sein Velo, auch wenn es dreieckige Räder hat. Ist doch schnurzpipegal.

          Es gibt von jedem Velofahrer eine Karikatur. Das Liegevelo, das Rennrad, Cruiser, Tour de Suisse usw. Ist doch scheissegal.

          Als ob ein Benz-Fahrer zum BMW-Fahrer sagt, du bist mir ein rechter Proll. Gibt es eigentlich noch normale Leute die nicht glauben, ihr Leben und ihre Meinungen seien ein Fan-Club und alle anderen der Feind?

          Mir wäre es recht.

          • Flo sagt:

            danke Adam, darum hab ich vier verschiedene Velos, dann kann ich alle Klischees erfüllen und hab immer ein anderes parat, wenn mal wieder gebasht wird 😉

    • Immanuel Felder sagt:

      Fahren sie doch Hochrad. Da sparen sie sogar die Kette.

  • john tobler sagt:

    betr. Licht. muss das Licht von Gesetz her ruhend sein?

    und @Reda. schon mal mit einem bösen bösen hipsterfixie rumgefahren?

  • R sagt:

    Hier kann man sein Velo auch verzaubern: http://www.zeecycle.weebly.com

  • Lukas Aeschbacher sagt:

    Wie jetzt? Ernsthafte und sogar gute Tipps anstatt Satire? Nun ja, auch gut. Erwähnenswert finde ich noch, dass der VCS eine sehr günstige Haftpflichtversicherung für Velofahrende anbietet, die keine Privathaftpflichtversicherung haben. Wobei letztere allerdings sowieso empfehlenswert ist, da man vielleicht auch mal etwas kaputt macht, wenn man nicht auf dem Velo sitzt (z.B. beim Kollegen ein Glas Rotwein aufs teure Designer-Sofa kippt). Und Fixiefahrer sind mit Anden-Woll- oder Schiebermütze ausreichend geschützt, und wenn die übergrosse Deppenbrille nicht Echtglas ist, geht bei einem Crash auch weniger ins Auge.

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