Ein Zürcher auf Reisen

Freitagtasche, Online-Zeugs und Flipflops: So reist der gediegene Zürcher (Bild: Reda El Arbi)

Freitagtasche, Online-Zeugs und Flipflops: So reist der gediegene Zürcher (Bild: Reda El Arbi)

Da sich unsere Blogredaktion keine richtigen Ferien leisten kann, muss unser Autor auch in seinem Urlaub schreiben. In einer dreiteiligen Serie erklärt er, auf was Zürcher achten sollten, wenn sie im Ausland unterwegs sind. Hier der erste Teil:

Uniformen

Ja, das Ausland fängt an, bevor man richtig im Land ist. Schon am Zoll hat es so seine Tücken für einen Zürcher. Während für uns jeder Uniformträger entweder ein Beamter ist, der sich von unseren Steuergeldern ein schönes Leben macht, oder aber einer, der verkatert aus dem WK heimkommt, sieht das im Ausland anders aus. Vermeiden Sie also, mit den Zöllnern eines anderen Landes zu diskutieren, ihnen auf die Schulter zu klopfen oder grinsend obszöne Gesten vorzuführen, wie sie das mit ihrem Militärkameraden tun. Und es ist, entgegen landläufiger Vorurteile, auch nicht so, dass jeder ausländische Polizist bestechlich ist. Versuchen Sie nicht, bei Unfällen und anderen Situationen, in denen ausländische Beamte involviert sind, diskret kleine Geldbeträge in die Brusttasche der Uniform zu stopfen.

Kulturelle Bescheidenheit

Natürlich machen wir in Zürich alles besser. Aber das müssen wir ja nicht gleich jedem auf die Nase binden. Vermeiden Sie Vergleiche wie „Schon schön, aber waren Sie schon mal in Zürich? Gegen den See kann ihr Meer hier grad einpacken.“ oder gut gemeinte Ratschläge wie „Ja, guter Versuch, aber in Zürich machen wir das ganz anders. Und dann funktionierts auch!“ Sowas schafft keine länderübergreifenden Freundschaften.

Sprache

Im Ausland wiegt sich der Zürcher in sprachlicher Sicherheit. Da alle, ausser den Schweizern, sowieso keine Fremdsprachen sprechen, kann man sich getrost in üppiger Lautstärke über die Wampe des Touristen am Nebentisch oder über den zu kleinen Bikini der moralisch zweifelhaften Blondine an der Strandbar auslassen. Weit gefehlt! Spätestens wenn die Betroffenen rüberkommen und Ihnen eine reinhauen, merken Sie, dass Schweizer nicht nur viele Sprachen sprechen, sie sind auch das Volk, das am Häufigsten reist. Bis an ihren Nachbartisch.

Einkäufe

Reisezeit ist Einkaufszeit. Nun, wir empfehlen Ihnen, bei Kleidereinkäufen zurückhaltend zu sein. Offenbar wirkt sich die entspannte Ferienstimmung trübend auf die Wahrnehmung aus. Seien Sie versichert, dass das schöne achtfarbige Hawaihemd Sie männlicher oder das ultrakurze Strandröckchen Sie attraktiver macht. Wir schwören! Aber glauben Sie uns auch, dass Sie nicht drei Stück davon kaufen sollten, weil Sie in Zürich damit kaum punkten können. Auf Henna-Tattoos oder am Strand geflochtene Dreadlocks gilt es ganz zu verzichten. Damit würden sie bei der Rückreise am Schweizer Zoll nur ziemlich gründlich gefilzt und ihre Mitzürcher halten Sie höchstens für einen Winterthurer oder eine Bernerin.

Souvenirs

Bringen Sie ihren Lieben unbedingt etwas aus Ihrem Reiseland mit! Die werden sich darüber genauso freuen, wie es Sie immer tief berührt, wenn Ihnen Freunde und Familie etwas Handgemachtes (Chinderarbeit aus China) oder Folkloristisches aus den Ferien mitbringen. Und wie gerne Sie das dann aufstellen (Nippes) oder tragen (wahlweise Schal oder Schmuck).

Verkehr

Falls Sie im Ausland einen Wagen oder ein Motorrad mieten, lassen Sie sich nicht vom Übermut der Einheimischen anstecken! Gehen Sie ruhig davon aus, dass alle anderen Verkehrsteilnehmer Sie umbringen wollen. Fahren Sie also so vorsichtig, als wären Sie in der Agglomeration unterwegs. Sollten Sie nämlich in einen Unfall verwickelt werden, wird Ihnen die Schuld angelastet. Denn wären Sie nicht dahin in den Urlaub gefahren, hätte es auch keinen Unfall gegeben, so die gängige Logik vieler Einheimischer.

In den nächsten beiden Teilen lernen Sie mehr über den Umgang mit fremder Flora und Fauna, über das Benutzen von Smartphones und Tablet-PCs in ärmeren Regionen der Welt und natürlich übers Flirten unterwegs.

45 Kommentare zu «Ein Zürcher auf Reisen»

  • Happy travels, Reda! We’re looking forward to part 2 and 3!

  • Noldi Winter sagt:

    Köstlich… Gruss aus Winterthur, wo alles etwas besser ist… 🙂

  • Reto Hofmann sagt:

    Oh je, da haben sich aber einige Zürcherlis betupft gefühlt…andere dagegen mehr Humor bewiesen, als erwartet. Zürcher befinden sich übrigens auch im Thurgau schon im Ausland.

    • Daniel sagt:

      Umgekehrt aber auch!

      • christopf sagt:

        Das ist doch Pendlerschlagdistanz wenn dann eine Kolonie von ZH.
        Da ziehen die Zürcher hin die gerne alleine in einem Haus wohnen nur um sich nachher zu beschweren dass es da keine Bankomaten im Dorf hat 🙂
        schönetag

  • Annemarie Buchmüller sagt:

    Absolut köstlich geschrieben, ich hab mich halbtot gelacht, was ja immer sehr erfrischend ist!

  • bettlä el maghrebia sagt:

    ya Reda, Dein Post hat mir den Grippetag (nicht Kampfflieger sondern Volkskrankheit…wobei…..egal) versüsst, nur ein Detail:
    Freitagtaschen sind sooooooo agglo… kein waschechter Roni würde die in die Ferien mitnehmen, meshi?!

  • Lucy Wardimon sagt:

    Das hat mir gerade gut getan! Bin Auslandschweiyering (Zürcherin), lebe schon sehr lange in Israel und habe leider diese lächerliche Ueberheblichkeit auch in mir, sodass ich des öfteren denke oder auch sogar sage, wie viel besser alles in Zürich ist. Dieser humorvolle Artikel hat mich etwas zurecht gestutzt. Habe herzlich gelacht. Danke schön.

  • Hans sagt:

    Es tut mir wirklich leid, dass sich El Arbi keine richtigen Ferien leisten kann.
    Ich möchte aber trotzdem nie mehr (NIE MEHR!!!) die Wörter „Flipflops“ und „gediegen“ im gleichen (Ab)Satz lesen müssen. Danke.

    • Reda El Arbi sagt:

      Besser als Sandalen mit Socken :), das wär nicht gediegen, nur mässig elegant.

      • Hans sagt:

        Ok, einverstanden. Dann noch lieber Flipflops… 😉

        • Mäse sagt:

          FlipFlops gehören verboten, zumindest an Männerfüssen. Punkt 🙂 Ich lebe hier in México und die einzigen, die am Morgen schon schwarze Füsse haben, sind Touris in FlipFlops. Wäääk!

          • Daniel sagt:

            Ich habe sowieso Mühe wenn man bei den einen den Touristen schon von weitem ansieht! Ich lebe den Sommer durch auf Kreta, da sieht man auch einiges!

  • Werner sagt:

    und bitte, meine lieben Landsleute, wenn ihr z.B. nach Thailand kommt versucht doch Euch zuerst im Internet ueber die Sitten und Gebraeuche in diesem Land zu informieren. So oft schaeme ich mich wenn da in der Stadt halbnackt rumgelaufen wird, abends gesoffen und gegroelt, die Einheimischen wie Idioten behandelt und denen zu zeigen gibt, dass man ja Geld hat und daher sich alles erlauben kann.
    Vielleicht hilft es, wenn man sich so benimmt wie man es von den Auslaendern in der Schweiz erwartet.
    Wenn man dann noch versucht ein paar Brocken der einheimischen Spache zu lernen erhaellt man sofort mehr Beachtung und das Laecheln das man vielleicht mit nach Hause nehmen sollte.

    • Reda El Arbi sagt:

      Ich bin gerade in Thailand, und natürlich verhalte ich mich dem Land entsprechend, wie ich das überall mache, wo ich reise. Der Blogpost ist eine ironische Verballhornung der Zürcher auf Reisen. 🙂

      • Daniel sagt:

        Andere Länder, andere Sitten. Ich finde man sollte sich sowieso zuerst einmal mit dem Land sich befassen bevor man dort einreist! Mühe habe ich mit den Engländern, die besoffen und grölend halb Nackt rumtorkeln! Wir hatten lange auf Kreta das Problem mit dem Pack. Mittlerweile hat es stark gebessert! Gott sei Dank!

    • regina sagt:

      gleiches gilt für Kambodscha, hier rennen Touristen halbnackt durch die Gegend und durch die Tempel, als ob Siem Reap eine Stranddestination wäre!

      Finde es auch immer sehr lustig wenn alle zuerst ganz entsetzt ausrufen „och, ist das touristisch hier….“, aber selber fliegt man ein, möchte schnelles (und gratis) wifi, meckert wenn der Kaffee kein Schäumchen hat und isst auch gerne mal Pizza.

      Entweder gibt es eine touristische Infrastruktur, weil es noch andere Touristen hat, oder dann gibt es keine, weil es eben keine/wenig Touristen hat. Entscheidet euch!

  • Anton sagt:

    Was für en Seich! Du tust ja so, als ob wir Zürcher uns wie Deutsche oder Engländer benehmen im Ausland! Keine Ahnung wo du Manieren gelernt hast, aber:
    1. Da in Zürich Uniformiert zu schmieren, ausser WK-Kameraden, unmöglich ist, kenne ich kaum Zürcher, die/der nonchalant versuchen würde einen uniformierten zu bestechen. Meine Erfahrung zeigt, dass Länder mit einem Durschnittslohn unter 500sfr. grundsätzlich empfänglicher sind für kleine Amnesiehilfen bzw. es direkt mit der hohlen Hand anzeigen.
    2. Der See ist schöner als jedes Meer, da Süsswasser und nicht Salzwasser. Jedoch sollte es uns Zürchern klar sein, wieso wir an ein Meer gehen, wir haben keines(in der Schweiz). Also wird nie irgendwer motzen, wenn man Badeferien selber als Feriendestination gewählt hat, besonders nicht gegenüber Einheimischen. Gegenüber anderen Touristen, macht sie zur Schnecke.
    3. Wenn du sowieso einer bist der lästert, dann ist das dein Problem. Ich tue es nicht und wenn, dann lebe ich mit den Konsequenzen, so eine respekt Schelle hat noch nie jemanden umgebracht.
    4. Bei Geschenken ist es so eine Sache, entweder man kennt die zu beschenkende Person gut, dann ist es sowieso einfach. Wenn das nicht der Fall ist, dann kann man getrost auch auf den Geburtstag/Weihnachten warten, bis man was unbrauchbares schenken kann. Falls man die lokale Wirtschaft unterstützen will, kann man auch mal ein Stück überteuert kaufen um es im Meer wieder zu versenken.
    5. Hier geb ich dir vollkommen Recht.

    Fazit: Du hast keine Ahnung wie man reist, man könnte annehmen du seist ein Mallorca-Touri. Dann könntest du gleich ein Lobgesang über Kochweine starten.

    in diesem Sinne schöne Ferien!

    • Reda El Arbi sagt:

      Naja, da Sie den ironischen Unterton des Posts nicht bemerkt haben, würde ich nicht gerne mit Ihnen reisen. Humor ist so das Wichtigste, wenn man in der Welt unterwegs ist.

    • Michu sagt:

      Bitte, bitte gehen Sie zu Wikipedia und geben Sie das Wort „Ironie“ ein!

      Wirklich bitte, bitte!

      • bettlä el maghrebia sagt:

        oi humbug, wenn Sie schon am googeln sind, Ignoranz wäre auch noch so ein Wort fürs Vokabular. Und Khimar ktiir…

        • Michu sagt:

          ?

          Mein Post bezog sich auf den von Anton (sieht man an der vertikalen Linie).

          Reda El Arbi Post ist dann einfach auch noch dazugekommen.

          Anton sollte einfach nicht jeden Satz für bare Münze nehmen, war meine Aussage.

    • Reda El Arbi sagt:
      1. März 2013 um 10:57

      „Naja, da Sie den ironischen Unterton des Posts nicht bemerkt haben, würde ich nicht gerne mit Ihnen reisen. Humor ist so das Wichtigste, wenn man in der Welt unterwegs ist.“
      ———————-
      Na ja, immer nur Ironie ist irgendwann einfach nicht mehr GAR so lustig lieber Herr El Arbi! Ironie auf JEDEM Werbeposter in ganz Zürich, Ironie, Ironie, Ironie. Vergiftet unser Denken! Mir scheint, Ironie braucht man, wenn einem Inhalte fehlen! Ausserdem ist Ironie eine Form von Infantilität, mit so etwas ähnlichem wie Intelligenz gepaart. (Ich habe nur ÄHNLICH gesagt!) Schreib mal etwas von dem, was Dich umgibt, nicht nur Deine ironischen Gedanken!

      • Reda El Arbi sagt:

        Ironie ist seit der griechischen Antike ein Sprachwerkzeug der politischen Auseinandersetzung. Überspitzung und Umkehrung, um den Punkt der Aussage klarer herauszuarbeiten. Aber wenn Sie die moralische, die pädagogische und die politische Aussage in diesem Post nicht erkennen, dann fehlt Ihnen einfach der Sinn für Ironie. Macht nichts. Verhaltensforscher haben nachgewiesen, dass Menschen erst so ab dem 10. Lebensjahr Ironie erfassen können. Vielleicht kommts ja noch. 🙂 Bia dahin dürfen Sie gerne unseren Blog weiterlesen 🙂

  • Peter Kamber sagt:

    Auto fahren in der Agglo mit dem Verkehr in Thailand zu vergleichen schmeichelt irgendwie.

  • Bauernsohn sagt:

    …auf gut deutsch: trete nicht mit dem gleichen Selbstverständnis auf, wie es ZürcherInnen oft ausserhalb der Kantonsgrenzen tun.

  • Patrick sagt:

    Mit allem einverstanden ausser der Punkt Uniform. Wenn das ihre Meinung über ein schönes Leben mit Steuergeldern ist, so bitte ich sie sich bei allen Diensten wie Tel. 117, 118, 144, SBB, ZVV etc. abzumelden und in Zukunft diese auch nicht mehr zu beanspruchen. Damit meine ich auch Reisen ins Ausland. Somit verursachen sie auch keine Kosten mehr für den Steuerzahler.

  • Anthony Smith sagt:

    gelungener Artikel, genau so ist es! 😀

  • KMS a PR sagt:

    geil.
    beamte – das 50er-nötli im pass hat in polen geholfen.
    überheblichkeit – logischerweise auch im ausland beizubehalten.
    sprache – obwohl es merkwürdig anmutet, dass die in thailand kein züridütsch verstehen, kommuniziert der weltgewandte zürcher in englisch.
    einkäufe – es gibt im ausland nichts, was wir in zürich schön hätten. somit beschränkt man sich, wenn überhaupt, auf die geläufigen billig-souvenirs im ausland.
    verkehr – äh ja…kann man auch im ausland haben.
    🙂

  • Nathan Graf sagt:

    So ein Bockmist ! Bleibt doch einfach zu Hause !

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