Morgens um neun im … Clouds

Das Gedeck ist minimal, die Aussicht maximal: Clouds

Um der zähen Hochnebeldecke zu entkommen, hätte es an diesem Morgen mindestens drei aufeinandergestapelte Prime Tower gebraucht. Der Name Clouds passte bei unserem Besuch dafür besonders gut. Denn es war in dieser Höhe tatsächlich so, als ob man mitten in einer dichten Kumulus-Wolke hängen würde.

Doch erst mal von vorne. Eigentlich dürften wir das Clouds gar nicht betreten. Denn es öffnet erst um 9 Uhr und wir testen in unserer Serie nur Cafés, die spätestens um sieben Uhr öffnen. Aber heute ist Freitag, also nehmen wirs locker, und ausserdem darf das Café mit der spektakulärsten Sicht der Stadt in unserer Sammlung nicht fehlen.

Etwas aber wurde schon beim Gang über die Hardbrücke klar: Die Wege zum Prime Tower sind für Spaziergänger verschlungen, besonders wenn jene von ennet der Brücke her kommen. Man umwandert die ganze Szenerie mehrmals, bis man endlich am Fuss dieses algengrünen, glänzenden Riesen steht. Fussvolk nicht unbedingt erwünscht, denkt man.

Punkt 9 Uhr stand ich am Eingang, doch nicht als Erster, wie ich es eigentlich geplant hatte. Zwei Frauen Mitte vierzig waren vor mir da. Mittels unauffälligem Manöver überholte ich sie aber bei der Jackenabgabe im Parterre; und stand bald schon in genau jenem Lift, der mich bald dem Himmel 35 Stockwerke näher bringen sollte. Ich war der erste Gast im Clouds-Bistro an diesem grauen Morgen. 

So konnte ich mich zwischen einem Tischchen mit wunderbarer Sicht etwas mehr links und einem mit fabelhaftem Ausblick einige Meter weiter rechts entscheiden. Die gepolsterten Sitze – einige sagen Lounge – mied ich, denn zum Sichhinfläzen war es noch zu früh.

Die Musik aber hätte zur Lounge gepasst. Denn um 9 Uhr schallt aus den Clouds-Boxen bereits House. Etwas früh, dachte ich, denn House gehört wenn nicht in die Nacht, dann zumindest in eine Bar nach Feierabend. Man wünscht sich in den Momenten etwas mehr Stilsicherheit seitens der Betreiber solch schicker Locations, gerade wenn der Laden so worldclass-top-of-zurich-mässig daherkommt wie das Clouds.

Die NZZ unter dem Arm entschied ich mich für den Tisch links und bestellte eine Schale. Die kostet hier 6.50 Franken und kommt in einer eher kleinen Tasse für Café Crème daher, aber das ist offenbar normal, sagt zumindest der Mann an der Bar. Der Preis dagegen ist hoch. Zu hoch fürs Fussvolk, möchte man anfügen.

Andere Gäste betraten das Clouds, die meisten davon Pensionäre und Frauen im Zweiergespann mit ihrer besten Freundin. Das Clouds blieb an diesem Morgen aber trotzdem spärlich besucht, erstaunlich eigentlich, denkt man an die Toplage des Lokals. Der Kellner war zwar sehr freundlich, doch nicht besonders aufmerksam. Erst einige Verrenkungen meinerseits führten dazu, dass ich eine zweite Schale bestellen konnte.

Klar, man hat seine Ruhe im Clouds, man blickt nirgends sonst in Zürich derart über die Stadt wie von hier aus. Auch das Croissant (2 Franken) war formidable (wie in allen Cafés bisher übrigens). Doch alles in allem wirkt das Ambiente und die Musik etwas billig. Doch vielleicht gehören Typen wie ich bloss nicht zur Klientel des Clouds.

Und irgendwie ist das Clouds noch immer ein Geheimtipp – der schickste der Stadt freilich.

42 Kommentare zu «Morgens um neun im … Clouds»

  • Daniel Münger sagt:

    Man umwandert die ganze Szenerie mehrmals, bis man endlich am Fuss dieses algengrünen, glänzenden Riesen steht? Woher kommt Ihr? Direkt aus den Bergen? Es führt ein Trottoir direkt vom Hardplatz an die Geroldstrasse. Hier links abbiegen und schon ist man beim Prime Tower. Wenn Ihr aber mit offenen Mündern die Szene mehrmals umwandern wollt, so könnt Ihr das gerne tun. Erwähnt aber, dass Ihr dermassen Ortsunkundig seit, das Ihr das höchste Haus von Zürich nur sehr schwer finden konntet. 😉

  • Peche sagt:

    6.50 für ein Cafe Creme…..aber hallo, egal der aussicht, egal der ‚location‘ und ’sound‘
    In ‚mein‘ Bar bekomme ich ein Cafe solo für 1 Euro oder ein Carachio für 1.50, inkl top service.Ostia

  • Gubert sagt:

    Zum Geburtstag einer Baslerin habe ich eine kl. Stadtführung organisiert. Start war das Bistro im Clouds. Ein Hit: die Aussicht, die Bedienung, die Atmosphäre, die cinque Ca-Puccini! Auch der Zugang u. Aufstieg(am Vormittag) war einfach, gratis, und an der Garderobe (unten) wurden wir sehr freundlich bedient!

  • Heloise sagt:

    Tolle Serie! Bringt Kaffeeduft ins morgendliche Schlafzimmer und kann von mir aus gerne über die angekündigten sieben Tage hinaus weitergeführt werden. Habe in der Folge bereits das Odeon und das Bauer nachgetestet und bin dafür extra eine Stunde früher aufgestanden. Auf das BH-Buffet Oerlikon und das Clouds freue ich mich schon!

  • Martin Weber sagt:

    Lieber Herr Sarasin

    Ich erlebe im Clouds überhaupt nicht das, was Sie beschreiben. Weder gab es bisher dort Techno zu meinem Kafi/Gipfeli, noch finde ich die Kellner unaufmerksam. Im Gegenteil, die Leute, die dort arbeiten, sind zuvorkommend gegenüber Touristen, Landeiern, Mamis, Bankern und Hippstern. Ich finde das Interieur genau richtig gewählt, damit sich Businessleute (und die arbeiten nun mal in diesem Gebäude) und Leute wie ich (und ich zähle mich zu ihrem heiss geliebten Fussvolk) sich dort morgens wie Abends wohl fühlen. Was würdet ihr denn bevorzugen? Eine alte Bauerneinrichtung mit Heugabeln an der Wand? Stahl und Glas? Ich jedenfalls finds grossartig, um einen langsamen Tag dort zu starten.

  • Beat sagt:

    Im Prime Tower gibt’s durchaus ein Lokal, das schon um 7 Uhr offen hat. Das Hotel Rivington im Parterre bietet zwar nicht die erhabene Aussicht, aber entschädigt dafür mit dem zweitbesten Kaffee in Züri (bester im La Stanza – wenigstens für meinen Geschmack) und die Bedienung ist besonders aufmerksam. Eine Schale gibt es dort allerdings nicht – Milchkafi ist sowieso nur für Weicheier und Warmduscher – dafür wunderschöne Cappucinos, Lattes, Doppios, etc. – alles auf Espressobasis! Der Doppio – mein erklärter Liebling – kommt kurz und stark und ist mit einem Schnägg auch preislich weit und breit am günstigsten … und allein ist man dort auch nie. Wer also am Morgen sozial herausgefordert lieber allein seinen Milchkafi schlürft, der geht weiterhin ins Clouds – alle anderen gehen ins Rivington!

  • TheBoy sagt:

    Mir gefällts auch icht besonders, obwohl die Höhe des Turmes meine Karriere im Investment gut reflektiert (on top of the world!)… also 50Sfr. Trinkgeld gebe ich diesem Service bestimmt nicht!

  • Mark O. Vischer sagt:

    Das Clouds lebt einzig und allein von der atemraubenden Aussicht. Darum darf es sich dieses Lokal auch leisten, von der Innenausstattung bis zur Bedienung keinen Funken Stil zu haben.

    • Bruno Baumgärtner sagt:

      Also die Betonwüsten der Stadt kann ich auch vom Hönggerberg, vom Zürichberg und vom Üetliberg aus wunderbar bewundern. Da ist mir dieser Turm wirklich kein Schritt wert. Und Kaffee trinke ich schon seit 20 Jahren keinen mehr. Nur noch Pu-Err- und andere hochklassige Tees. Leider ist die gute Teekultur in Zürich praktisch inexistent. Ein Beutel indifferenten Tees ist wohl das Mass aller Dinge. Klar für richtigen Tee braucht man etwas Zeit und vor allem Aufmerksamkeit bei der Zubereitung. Also nichts für unsere Normalkellner und Normalservierdüsen.

  • Der Preis für eine Tasse Kafi macht schon Sinn, schliesslich heisst der Laden ja „Klauts“. Im Vergleich zum Dolder aber immer noch günstig (8.50), wobei dort weit angenehmere Hintergrundmusik läuft.

  • nestor_subiat sagt:

    Dass selbst die Mitarbeiter des Tagesanzeigers die Neue Zürcher Zeitung bevorzugen, spricht für sich…

  • Daniel sagt:

    Auf das Cafe könnte ich gerne verzichten. Nicht wegen des Preises. Aber am Morgen schon House?! Nein Danke!

  • TheBoy sagt:

    Die NZZ als Lektüre und schreiben tut er für den Tagi…. ich würde diesem Strolch gleich mal Feuer unter dem Hintern machen!

    Ich hoffe ich lese bald mal: Morgens um sieben im….. McDonald oder BurgerKing … DORT ist nämlich die „ächti“ Züri Kultur anwesend. Also bitte aufhören mit diesen versnobten Locations, Sir!

  • Anna sagt:

    Da ziehen die Zürcher doch mit Wonne über die Preise in St.Moritz her. Dabei stockt mir als ehemals Zürcher und nach mittlerweilen 30 Jahren ‚fast Engadinerin‘ der Atem bei d-e-n Preisen! Da geniesse ich im Mezdi St.Moritz ein Cappucchino mit einem Gipfel aus der Bäckerei – nicht so ein aufgebackenes Gschmöis – und mit einer Aussicht wie sie ein Prime Tower nie topen kann, zu Fr. 5.50! Gerne bestelle ich noch einen Zweiten und… komme wieder!

  • Kitty sagt:

    Da wären Sie wohl besser ins „Hotel Rivington & Sons“ unten im Prime Tower gegangen. Dort gibt es zwar nicht die Aussicht gratis dazu, aber den wohl besten Cappuchino der Stadt für 5.–… charmante Kellner inklusive!

  • Allwissend! sagt:

    ich war ein Mal dort – mein’s ist nicht!

  • KMS a PR sagt:

    das ist ja grässlich.

  • max maier sagt:

    Ich glaube der Kellner hat bei den Preise, sicherlich nicht mit einer zweiten Bestellung gerechnet

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