Morgens um sieben im … Sprüngli

Hervorragender Kaffee, gutes Gipfeli, aber was, um Himmels willen, ist in diesem Silberkrug?

Hervorragender Kaffee, gutes Gipfeli, aber was, um Himmels willen, ist in diesem Silberkrug?

Ich flüchte vor den hektischen Morgenpendlern am Paradeplatz um die Ecke und stehe vor der Tür des Cafe Sprüngli. Dieses altehrwürdige Cafe darf natürlich in unserer Morgenserie nicht fehlen! Der Schritt durch die Tür ins Sprüngli ist wie eine kleine Reise auf eine Insel der Ruhe. In der Wärme werde ich von den beiden Damen vom Service freundlich begrüsst.

Kaffeeduft liegt in der Luft, und ich setze mich an eines der zwei freien Tischchen am Fenster vor der Bar. Auf meinem Tischchen steht ein massivsilbernes Krüglein, das mich irgendwie an Aladdins Wunderlampe erinnert. Bevor ich mir weitere Gedanken über dessen Inhalt machen kann, steht die eine Bedienung vor mir und wartet dezent auf meine Bestellung. Ich ordere einen Cappuccino, worauf mich die Dame freundlich fragt, ob ich noch ein Gipfeli will. Ich nicke mit dem Kopf, und sie zählt mir die Auswahl auf: Buttergipfeli, Laugengipfeli und gesunde Vollkorngipfeli. Überfordert entscheide ich mich für das Erstbeste.

In den zwei Minuten, die ich auf meinen Cappuccino warte, mustere ich meine Mitgäste. Wo sich hier nachmittags begüterte Damen vom Einkaufsrausch erholen und Grosis zum Kuchen treffen, sitzen morgens früh Geschäftsleute (wir nennen sie hier nicht «Banker», weil das inzwischen eine so negative Konnotation hat und wir niemanden diskriminieren wollen). Mittleres Kader, gut sitzende Anzüge, aber noch nicht massgeschneidert, Uhren unter 10 000 Franken und italienische Schuhe, jetzt mit Wasserflecken vom geschmolzenen Schnee. Nur eine Dame, im Deux-Piece, dreiteiliger Cartier-Ring aus den Achzigern und dezentes Goldkettchen, also ebenfalls mittleres Kader.

Mein Kaffee kommt und mir fehlt eine Zeitung. Ich schau mich um. Hier wird die «NZZ» gelesen. Und um diese Zeit nur die «NZZ». Kein «Tages Anzeiger», keine «Süddeutsche» oder – Gott behüte! – «Blick» oder «20 Minuten». Aber ich mag mir nun nicht auch noch eine «NZZ» holen, und ich mag mich auch nicht als «Tagi»-Leser outen und aus dem Rahmen fallen.

Der Cappuccino ist göttlich: er schmeckt nach Kaffee mit etwas Milchschaum, und nicht, wie an anderen Orten, nach Milchschaum mit etwas Kaffee. Und, was ich immer zu schätzen weiss, es liegt eines dieser dunklen Schöggeli auf dem Unterteller. Das Buttergipfeli ist für meinen Geschmack etwas zu dünn und etwas zu luftig, aber sehr frisch. Naja, ist eben Geschmackssache.

Ich lese Zeitung auf meinem Handy, schlürfe den Kaffee und schon nach einige Minuten fühle ich mich ausgeruht und gestärkt für einen anstrengenden Tag in der Stadt. Ich zahle acht Franken für Kafi, Gipfeli und Erholung. Ich bin schon halb aus der Tür, bevor merke, dass ich noch immer nicht weiss, was wohl in dem kleinen, silberenen Krug ist. Vielleicht ein dienstbarer Geist? Egal, ich werde zurückkommen und diesem Rätsel auf den Grund gehen.

62 Kommentare zu «Morgens um sieben im … Sprüngli»

  • Claudio sagt:

    Herzlichen Dank für diese sehr interessante Rubrik.

    Zu Sprüngli kann ich nur eines sagen: Die wohl schönste und gediegene Ambiance in Zürich, grossartig, dass das Niveau nicht nur hoch ist, sondern durch die Jahre immer hochgehalten wurde.

  • Daniel sagt:

    Sprüngli hin oder her, irgendwo hat es Grenzen bei der Preispolitik. Und die ist bei Sprüngli schon ziemlich an der Schmerzgrenze!

  • Sylvia sagt:

    Der Sprüngli am Paradeplatz ist wirklich immer seinen Besuch wert. Das Angebot ist jederzeit frisch und bekömmlich; einen freien Tisch zu ergattern ist oft Glücksache! Was leider meines Erachtens nicht zum stilvollen Kaffeehaus passt, sind die sanitären Anlagen im 1. Stock (jedenfalls damenseitig…)! Hier müsste in einem so gut frequentierten und ja auch teuren Traditionshaus einen Schritt nach vorne gemacht werden…

  • Theos von Brot sagt:

    Also die Gipfeli im Sprüngli sind nicht gut. Alles andere stimmt.

  • HJ Werlen sagt:

    Die Atmosphäre (und Kaffee Qualität) im Sprüngli ist treffend beschrieben, die Obsession des Autors mit „mittlerem Kader“ – abfällig und neidisch zugleich – zeigt großes soziologisches Feingefühl, gepaart mit scharfem Modeblick (oder vielleicht zu intensiver Bret Easton Ellis Lektüre).

    • Reda El Arbi sagt:

      Wer zum Teufel ist Bret Easton Ellis? 🙂 Und nein, wenn ich hätte Karriere machen wollen, hätte ich Karriere gemacht. 🙂

    • KMS a PR sagt:

      ich habe noch nie einen feinfühligen banker ab dem mittleren kader gesehen und glaube auch nicht, dass es sowas gibt. das sind arrogante, selbstverliebte schnösel. so sieht das aus.

      • Marcus Ballmer sagt:

        Juhuiii – es lebe das Vorurteil! Würden Sie uns bitte mitteilen, welchen Beruf Sie ausüben, damit wir auch Sie in eine Schublade stecken können?

      • Carolina sagt:

        Ich bin mit einem Ex-mittlerer-Kader-Banker verheiratet – er ist die Feinfühligkeit in Person. Wobei ich bei Rittern aus dem Mittelalter, die ihre neuzeitlichen Vorurteile zur Schau tragen (und zwar bei jedem Thema), sehr vorsichtig sein würde 😉

  • Thomas Maurer sagt:

    Das Sprüngli ist zwar eines der wenigen Cafés, die noch so etwas wie Stil haben, jedoch ist es viel zu teuer. (Wobei der Kaffee wirklich erstklassig ist.) Weiterer Minuspunkt: Viel zu wenig Zeitungen zum Lesen, vor allem die NZZ fehlt IMMER am Ständer! – Für ausgiebige soziokulturelle Studien in der Stadt Zürich ist es aber der perfekte Ort.

  • Urs sagt:

    Das Sprüngli hat einfach Stil. Sauteuer zwar, aber Qualität und Ambiance stimmt. Und bei der Klientel, die dort verkehrt, dürften sie von mir aus sogar noch mehr verlangen… 😉

  • Rüdiger Hoffmann sagt:

    Woher kommt Reda El Arbi?

  • Peter Ringger sagt:

    In den frühen Neunzigern genoss ich öfters den Sprüngli-Brunch am Sonntagmorgen mit göttlichem Birchermüesli, wunderbarem Zopf und vielen anderen erstklassigen Zutaten. Das alles kostete Fr. 15.–, sehr fair, denn bei Mövenpick war es nicht besser, aber teurer. Leider wohne ich nicht mehr in Zürich. Gibts das noch und was kostet es?

    • trix abdelmejid sagt:

      sie meinen den konditor zmorge? an den erinnere ich mich gut. sehr leckeres fruehstuecksbuffet. am sonntag gibts den brunch meines wissens immer noch, er wird aber sicher doppelt so teuer sein wie damals. aber zuerst muss man ueberhaupt einen sitzplatz ergattern…..

    • Jean Marche sagt:

      Das gibt es noch – war erst letzen Sonntag wieder dort. Allerdings kostet er heutzutage 55 Franken…

  • KMS a PR sagt:

    ah – herr el arbi – vergessen sie bitte das café schwarzenbach nicht, auf ihrer tour!

  • f.a. blume sagt:

    starbucks ist sicher nicht billiger
    .
    jedoch dort trinkt man / frau den kaffee oder ….. aus kartonbechern
    diejenigen die sich damit begnügen kaufen sicher auch den wein
    in kuststoff- oder kartonbehältnissen
    DIE reden zwar immer von „leif-stei“l aber von stil haben die doch keine ahnung
    .
    starbucks ist eine schande
    > steuerschummler
    > umweltverschmutzer
    – durch iher kartonbecher als überbleibsel auf den strassen und in den ÖVs
    > die haben kein eigenes geschirr und besteck
    .
    die öffentliche hand sollete endlich 2 fr pfand auf jedes wegwerfbehältnis erheben
    .

    • KMS a PR sagt:

      starbucks ist scheisse – wie so vieles aus dem land der begrenzten intelligenz.

      • Thomas M. sagt:

        Das Land der begrenzten Intelligenz finde ich noch interessant. Die mir persönlich bekannten Amerikaner und Amerikanerinnen sind von Beruf: ETH Professor, Master of Childhood Education, Dipl. Architektin mit Abschluss an der Cornell Universität, Bibliothekarin, MSc. Computer Engineering. etc. Meinten Sie nach unten begrenzt? Ihre Intelligenz scheint mir begrenzter zu sein.

        • KMS a PR sagt:

          meine intelligenz ist quasi gar nicht vorhanden. im umgang mit amis, (auch studierten), reicht sie lustigerweise aber vollends aus. aber die von ihnen gelisteten titel hören sich auch ganz wahnsinnig wichtig an – vor allem die diplomierte bibliothekarin….aber gut, es müssen massenhaft leute da dorten beschäftigt werden….

      • KMS a PR sagt:

        ich brauche keinen titel. ich habe charakter.

    • Urs sagt:

      Ich halte zwar auch nichts von Starbucks, aber das mit den Pappbechern stimmt so nicht. Starbucks hat sehr wohl eigenes Geschirr: in den Lokalen selber kriegt man ganz normale Tassen. Nur den Take-away-Kaffee gibt’s in Pappbechern, aber das ist selbst bei Bäckereien und allen anderen Läden so, wo man den Kaffee „über die Gasse“ bekommt, nicht nur bei Starbucks.

    • Tobias sagt:

      Bevor hier wieder alle über den ach-so-bösen Starbucks ablästern…. Ist jemandem eigentlich bewusst, dass Starbucks NUR FairTrade-Kaffee ausschenkt? Und welche Mengen FairTrade-Kaffee so benötigt wird? Und durch diese grosse Menge die Kaffeebauern sehr profitieren können… aber das ist ja egal… es ist ja eine sooooo böse Kette….

      • Reda El Arbi sagt:

        Naja, das zweifle ich nicht an. Bei der Menge Kaffee, die die in einen Cappuccino tun, reicht ihnen eine 500 Gramm Packung Fair Trade sicher für ein Jahr. 🙂

      • Mario Montecarlo sagt:

        Toll,dass die wenigstens beim Kaffee sozialverträglich sind.Nur mit dem Steuerzahlen – auch ein Beweis für Sozialverträglichkeit – haben sie es nicht so und verschieben ihre weltweiten Gewinne von Oase zu Oase,bis fast nix mehr an Steuern anfällt.Aber dafür hängen sie sich wenigstens ein Fair-Trade-Mäntelchen um.Ich könnte kotzen bei so viel Scheinheiligkeit.

  • Für 8 Franken, verpflegen wir uns zu dritt, den ganzen Tag in Sri Lanka. ( Franken sind aktuell 1100 LKR )
    Ein Polizei Sergant verdient hier 24’000 LKR im Monat und meine Nichte bei KFC 15’000.

    Drum lebe ich als Stadtzürcher lieber in Sri Lanka und nicht mehr in der Schweiz. Leider wird auch hier alles laufend teurer, aber bis wir das schweizerische Niveau erreicht haben, lebe ich nicht mehr.

    Gruss von der Insel

    • Reda El Arbi sagt:

      Ja, die Schweiz ist teuer. Wir verdienen aber auch mehr, zahlen mehr Miete, haben eine funktionierende Infrastruktur, gute Schulen, und ein demokratisches System, das weltweit seinesgleichen sucht. Alles hat Vor- und Nachteile.

      • Leonardo sagt:

        Wir verbringen die eine Hälfte des Jahres in Südamerika und die restliche Zeit in Zürich. Es ist perfekt beide Seiten zu erleben Herr Steiner.

        Egal was es kostest, ich genisse den Morgen, wie gerade jetzt, im Kaffee Spüngli und starte den Tag jeweils mit zwei Tassen Kaffee und frischem O-Saft sowie unterschiedlichem Gebäck, egal was es kostet lieber Herr Steiner. Die Ruhe ist ein Genuss. Ebenso schätze ich es sehr das die Tage ohne „Nörgeler“ vom Schlage Alfred Steiner beginnen. Der scheint sein Glück in Sri Lanka gefunden zu haben und amüsiert uns zurückgebliebenen Sprüngli Liebhabern voller Bescheidenheit mit seinen Kommentaren den Tag. Es lässt sich wunderbar in Zürich, auch dank Sprüngli, leben und genau so lebenswert ist auch zur gleichen Zeit der Nordosten von Brasilien. Seit heute wissen wir nun das sich der Homo Sapiens auch in Sri Lanka heimisch fühlt….

        So, ich muss zur Arbeit, einen schönen Tag.

        • Fredi Feuz sagt:

          @Leonardo: ..egal was es kostet… schön dass Sie zu den Privilegierten gehören! Mit meinem bescheidenen Renteneinkommen mache ich jedenfalls einen grossen Bogen um den Sprüngli.

          • Mario Montecarlo sagt:

            Lieber Fredi Feuz,mit Ihrem bescheidenen Renteneinkommen werden Sie sich keine Freunde machen bei den vielen Schicken hier,die so gern die überteuerte „Lebensqualität“ in Zürich bei Sprüngli und Konsorten geniessen.Diese soziale Wirklichkeit der Schweiz blenden die Life-style-people nämlich gern aus…Andererseits:Wäre ich Geschäftsmann,würde ich die Kunden auch ausnehmen wie Weihnachtsgänse.Wer bereit ist,das Geld herauszuschmeissen,dem sollte man es auch abnehmen.

        • sonja sagt:

          Bravo Leonardo, ganz meiner Meinung!

      • Dominic sagt:

        Mr Leonardo: Warum sind Sie denn so garstig zu Herrn Steiner? Er darf doch sagen, dass es ihm in SL besser gefällt…?! Gemessen an dieser Reaktion sind doch eher Sie der CH-Bünzli-Nörgler…

      • Lukas Schmiesser sagt:

        Jetzt haben sie was gut bei mir 🙂 So nett waren sie noch nie mit meiner Heimat.

    • Richi sagt:

      Na, teuerer wird’s dann schon werden, wenn man nur wegen einem Kaffee nach Sri Lanka fliegt und danach wieder zurück, nicht?

  • raki sagt:

    schon rein wegen dem mythos ist der sprüngli am paradeplatz einfach kult.

  • KMS a PR sagt:

    das sprüngli ist schon toll. in den 80ern, als ich noch schön aber leider arm war, konnte man sich was verdienen. wir gingen einfach mal so gegen 4 pm hin, (kafichränzliziit), und kamen rasch mit den omis ins gespräch. später dann bei omi zuhause gabs für 10 x um den esszimmertisch laufen mit einem glöggli am p***s schon mal 3 lappen bar auf die hand!
    ich bin aber auch heute noch ein grosser fan vom sprüngli und deren gebäck.

    • Reda El Arbi sagt:

      Uralter urbaner Mythos. Es gibt auch die Version mit „nackt staubsaugen“ und mit dem Löffeli-Geheimzeichen.

      • KMS a PR sagt:

        aha. sie schlingel kennen das also auch…. 🙂

        by the way – die glacé vom sprüngli sind beschte, man – ich schwör! auch wenn der kassensturz was anderes sagt.

        pssst – es ist kein mythos….

    • rocco ziffredi sagt:

      behaltet doch die intimen stricher-details für euch und postet diese bitte nicht hier, sondern prahlt mit den „heldentaten“ in eigenen foren. solche geschichten sind doch für die mehrheit schlicht langweilig. darüber hinaus beleidigt ihr auch das heutige servierpersonal damit..solche postings sind primitiv und haben redaktionell nichts mit der tollen serie über aktuelle cafés in zürich zu tun. einfach stupid

  • trix abdelmejid sagt:

    als ich da noch gearbeitet habe, war in den silber krueglein kafferahm drin 🙂

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