Fleischkäse und Spiegelei für 13.80 Franken

Seit 1935 in den Händen der Gebrüder Beffa: Die Bierstube Gambrinus.

Unkomplizierter als hier isst man nirgends in Zürich. Die Karte ist schnell studiert, es findet sich immer ein Platz im Lokal und die Bedienung verhält sich flink und freundlich. Nach 45 Minuten verlässt man den Spunten (er ist eigentlich mit Bierstube angeschrieben) wieder, in der Regel zufrieden. Und man hat, und das ist das Schönste, nur gerade 20 Franken hingeblättert für ein Nachtessen – Stange inklusive. Die Rede ist von einer der letzten Chnellen im Kreis 4, dem Restaurant Gambrinus, seit 1935 in den Händen der Gebrüder Beffa, die mitunter auch den Aargauerhof oder das Bahnhöfli Wiedikon betreiben.

Im Gambrinus jedenfalls gibts annehmliche Cordons bleus für 22.50 Franken, eine stattliche und mit Weisswein durchtränkte Walliser Käseschnitte für 15.50 oder gebratener Fleischkäse mit zwei Spiegeleiern für läppische 13.80 Franken. Betagte Männer mit Flaschenbier und einem Teller Leberli vor sich als Kulisse inklusive.

Doch nun soll vorerst Schluss sein mit dem Gambrinus. Das Lokal wird mehrere Monate renoviert, bevor es im Sommer in neuem Gewand wieder eröffnet. Die Ustrinkete steht am 23. Februar an. Die Gebrüder Beffa wollen das teilweise baufällige Gambrinus aber nicht bloss aufmöbeln. Das Lokal soll mit dem Umbau um den Raum des angrenzenden Ladens Chäs-Bueb vergrössert werden.

Als Stammgast des Gambrinus und generell als Beobachter der Entwicklungen im Kreis 4 wollte ich mit Herrn Beffa reden. Folgende Fragen brannten mir unter den Nägeln: 1. Ist es nach dem Umbau noch immer möglich, im Gambrinus für 20 Franken eine Käseschnitte und eine Stange zu verzehren? 2. Oder wird das Gambrinus danach so was wie ein zweiter Aargauerhof, der nach dem Umbau vor ein paar Jahren bekanntlich einiges herausgeputzter (und auch teurer) daherkam? 3. Bleibt die freundlich distanzierte Bedienung dem Lokal erhalten?

Dario Beffa seinerseits antwortete dezent – und glaubwürdig: 1. Die Preise würden nicht erheblich steigen, man werde weiterhin für 20 Franken im Lokal speisen können. Auch die Karte bleibe weitestgehend die gleiche. 2. Nein, mit dem Umbau des Aargauerhofs verfolgte man ein ganz anderes Konzept. Das Gambrinus soll seinen Chnellen-Charakter behalten. 3. Auch die Bedienung bleibt mehr oder weniger die gleiche, nur der Wirt Richard Imboden geht in Pension.

Das sind gute Neuigkeiten aus der Chnellen-Landschaft Kreis 4. Zumal an der Dienerstrasse letzte Woche das Dublin Pub eröffnet hat. Und Pubs bekanntlich untrügliche Vorboten der Eventisierung eines Quartiers sind. Was ja an der Langstrasse längst geschehen ist, doch mit dem Pub ist es quasi amtlich. Das aber ist ein anderes Thema, wir gehen lieber noch ein-, zweimal unkompliziert essen im Gambrinus – und warten mal gespannt den Sommer ab.

31 Kommentare zu «Fleischkäse und Spiegelei für 13.80 Franken»

  • TheBoy sagt:

    Hey, also ich finde das Restaurant Lily’s viel trend-bewusster als diese Bierhalle. Leider scheint diese Bierhalle auch den Social-Media-Train verpasst zu haben… tststs was für Marketing-Anfänger.

    Jedenfalls werde ich das Lokal gerne mal besuchen gehen, wenn es schon so gute Kritik bekommen hat. Ich weiss gar nicht, was „Mark O. Vischer“ gegen 50 Sfr. Trinkgeld hat? Ich gebe ein solches Trinkgeld gerne aus, schliesslich hat das etwas mit WERTSCHÄTZUNG zu tun, folks!
    Einfaches Essen tut mir und den Boys bestimmt gut, da wir immerhin mit komplexen und komplizierten Finanzprodukten zu tun haben… Ausgleich ist das Stichwort! Oh yeah!

    Also See you @ the Ur-chnellä!

    • Patrick Leonardi sagt:

      Was bist denn Du f’ür ein komischer Kauz?

    • Hanspeter Krüger sagt:

      Genau vor solchen Typen habe ich Angst! Genau die sind es, welche die grossartige Stimmung in solchen gemütlichen Restaurants versauen!
      Das ist das Ende dieser schönen Beiz, dass kann ich euch mit Garantie sagen! Die jungen Wilden (Banksters) haben es entdeckt!

      Ein trauriger Restaurant-Liebhaber

  • davito sagt:

    *betagter* 🙂

  • Susi Gut sagt:

    Naja, für ein Spiegelei mit Fleischkäse kann man auch nicht mehr Geld in diesem Kreis auch Rotlichtviertel genannt verlangen. Sozuagen ist der Preis von Fr.13.80 nicht gerade günstig, wie im Artikel der Autor erwähnt. Wenn das zukünftige Lokal Gambrinus (“Gampiross“ genannt) umgebaut bzw. vergrössert wird und dort ein anderer Wirt anfängt, gibt es sicherlich Veränderungen. Es wird nichts mehr so sein wie früher. Da ist schon jetzt klar. Da machen sich ehemalige Gäste Illusionen. Man errinnere sich an und vor dem Umbau mit dem Aargauerhof.

    Da dass Chnellensterben ein Phänomen ist hier in der Stadt, das ist leider Fact. Und ich trauere auch dem ein wenig bei. Der Hauptgrund aber für die überrissenen Preise in der Gastronomie sind, die Immobilienhaie die total überteuerte Pachtzinsen für Ihre Lokalitäten verlangen. Zudem meine auch noch viele Wirte, sie können sich mit ihrer Beiz eine goldene Nase verdienen.

    • Florian Sieber sagt:

      Dass die Preise für Zürcher Verhälntisse derart niedrig sind, hat eher damit zu tun, dass das Gambrinus im alten Zürcher Arbeiterviertel liegt…

  • Bibi sagt:

    meine Güte. Es wird ein Restaurant renoviert und gleich schreien alle, der Chreis 4 werde zur hippen Location. Get real, folks.

    • Allwissend! sagt:

      Ja Bibi, ich vermute sie gehören eher der jüngeren Generation an!
      Für alte, älteren Gäste, und die haben ja durchaus auch ein Anrecht auf eine Beiz/Chnellä/Restaurant, wo sie sich noch wohlfühlen, ist es ein Verlust.. Es gibt durchaus noch Leute die es schätzen ohne den Schicki Micki Gugus einfch eine Stange zu zischen, ein Restbrot oder einOchsämuulsalat in freudlicher, Abzockerfreier, Umgebung zu geniessen. Ein Ort wo auch noch der Arbeiter im Übergwändli sich noch an einen währschaften Tisch und auf einen richtigen Stuhl hocken darf!

  • Pius Tschirky sagt:

    Es sind gerade diese Beizen, die Zürich zu einer sehr interessanten Stadt machen. Es scheint mir manchmal, als seie die Zeit stehen geblieben und man trifft dort vor allem noch auf Menschen wie „Du und Ich“!

  • Mark O. Vischer sagt:

    Über solche letzten Ufer sollte man lieber schweigen. Aber es läuft halt wie immer: zuerst kommt ein Tagi-Fritze und schreibt einen Artikel, und dann gehen bald unsere jungen Banker-Bürschchen im Gambrinus essen, geben 50 Franken Trinkgeld und kommen sich dabei lässig vor. Und vorbei ist es mit einer weiteren Insel der städtischen Glückseligkeit.

    • Hansueli Koch sagt:

      Ganz Ihrer Meinung, Hr. Fischer.
      Aber was soll man machen, man kann die Szene-Journis ja nicht einfach abtun wie überzählige Tauben in der Stadt, obwohl man manchmal froh wäre, die würden lieber den Rand halten als alles umeplodere.

  • sperber sagt:

    Nichts gegen das Gambrinus – aber ähnlich gemütlich und freundlich kann man’s auch in der Rheinfelder Bierhalle an der Niederdorfstrasse haben, 20 Franken reichen auch dort für ein einfaches Abendessen.

    • Hansueli Koch sagt:

      Ich liebe den „bluetige Tuume“ auch, aber 20 Franken sind dort eher die Untergrenze, ohne Stange – aber das Niederdorf wurde ja auch längst „aufgemotzt“ — nicht gerade gentrifiziert (wenigstens am WE lungern immer noch die Agglos dort rum, die allerdings eher weniger in den Tuume gehen, mfall).

  • robi keiser sagt:

    hallo tja da hoffe ich dass die Beffa’s wort halten und auch diese chnelle so weiterführen…. der aargauerhof ist auch ok jedoch schon etwas zu “ trendig“ für mich. Also macht weiter so …nach meiner meinung finde euch die besten Gastroleute in der szene..
    und alle leser geht oft ins Gambrinus nur nicht zu oft..sonst finde ich dann keinen platz mehr….;-).

    • Lukas Aeschbacher sagt:

      Ich finde, das Hermanneck hat den Rank gut geschafft, eine Beiz zu einem modernen Restaurant zu renovieren und dabei doch einiges vom Beizencharakter zu erhalten (z.B. das schwarze Wandtelefon).

      • robi keiser sagt:

        ok stimmt, aber es sind unbestritten immer weniger…klar es findet ein wechselmstatt, dennoch ich bin wehmütig und finde es, auch wenn ich’s verstehe, schade.

  • turi m. sagt:

    Eventisierung + Gentrifizierung = Aufwertung Quartier, höhere Immobilienpreise, höhere Mietpreise, höhere Einkommen. Unter dem Strich heisst das mehr Steuerertrag. Solche Aufwertungen sind also nach gängiger Wirtschaftslehre das sozialste, was passieren kann, weil höherer Steuerertrag sozial ist. Und auch dem Mulitkulti-Aspekt wird Rechnung getragen, weil die höheren Preise oft nur gutbetuchte Ausländer bezahlen können. Es gibt aber zum Glück in Graubünden, im Jura und anderswo noch genügend Orte, wo Geringverdiener leben können. Und für 20 Fr. ein Menü und eine Stange erhalten.

    • Pauke Leber sagt:

      @turi das ist jetzt Ironie oder?

    • Allwissend! sagt:

      wo Geringverdiener leben können.
      Ich hoffe ebenfalls, zu ihren Gunsten, dass das geballte Ironie war!
      Soll ich mich als geborene, gelebte und alte Zürcherin einfach so aus dem Staub machen, ohne mich darüber aufregen zu dürfen? wie ignorant ist das Turi M!
      Auch wenn man’s nicht glauben will, und doch jeden Tag vom Gegenteil überzeugt wird, – Zürich gehört auch noch den Alten, Eingessenen, Geringverdienenden und nicht nur der Schicki Micki Gesellschaft die (noch im Moment) über zu viel Kohle verfügt!

  • Sehr geehrte Damen und Herren:
    ich war auch Wirt in der Nähe 26 Jahre. Ich muss aber sagen ,das dieses Restaurant immer eine gute bürgrliche Küche hatte. Auch der Koch den ich gut kenne war immer gut drauf,und hatte was von der Küche verstanden.Da ich gerne Kutteln napoli habe, bin ich öfters ins Cambrinus gegangen.und hatte das bekommen wo ich mir vorstellte. Die meisten Kutteln kommen aus der Büchse.Auch die Suppe war immer perfekt selbst gemacht, was ich immer schätzte. Wenn die Suppe gut ist,meistens auch das ganze Essen. Das war dort so.Es ist schade das alle Beizli weggehen,aber es ist die Zeit.Es muss alles anders sein.Ich würde heute wenn ich noch mal wirten müsste, auf eine gut bürgerlich Küche setzen und das Lokal rustikal nach alter Tradition machen.OL Ein alter Ex Wirt aus dem Kreis 8004 Zürich

  • Daniel sagt:

    Das Gambrinus kann ich jeder und jedem Empfehlen. Wie gesagt, die Speisen sind günstig und angenehme grosse Portionen kriegt man auch! Immer wenn ich an der Langstrasse bin, muss ich nicht lange überlegen wo ich einkehre. Es stimmt einfach alles und wenn die Gebrüder Beffa weiterhin den Chnellen Charakter beibehalten wollen finde ich das Super! Dem Wirt Richi Imboden wünsche ich alles gute und ich hoffe das hinterher auch so ein guter Typ kommen wird wie er es war!

  • Pascal Sutter sagt:

    War denn schon jemand im Pub? Ist der ok oder eher… nun ja..

  • MC sagt:

    Beim letzten Besuch setzte sich Richi, der Wirt, zu uns und plauderte aus dem Nähkästchen. Interviewt ihn noch, bevor er abtritt, es gibt fast nichts, dass er nicht erlebt hat. Vis a vis von mir sass ein Pensionär vor einem Teller Spaghetti und einer Stange und meinte: Isch no guet da. Ich liebe solche einfachen und ursprünglichen Speisekarten, ich ass eine Omelette und die war genau so, wie sie sein musste. Hoffentlich ändert sich nicht all zu viel am Gambrinus.

  • Kevin Maria Sonderegger alias Philipp Rittermann sagt:

    die alteingesessenen knellen im 4i haben diesen stadtkreis seit den 60ern geprägt. ich finde es toll, dass die beffa’s das gambrinus auch nach dem umbau mit dem typischen spunten-charakter weiterbetreiben wollen. die stammgäste werden’s ihnen danken.

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