In Zürich ist Kiffen eigentlich bereits legal

Schweizer Joint: Früher musste man bis zu 18 davon rauchen, um die Wirkung des jetzigen Schweizer Cannabis zu erreichen.

Schweizer Joint: Früher musste man bis zu 18 davon rauchen, um die Wirkung des jetzigen Schweizer Cannabis zu erreichen.

Der Zürcher Stadtrat setzt sich jetzt beim Bund für die Legalisierung von Cannabis ein. Natürlich macht das Sinn, denn wer einmal im Sommer einen Spaziergang ums Seebecken gemacht hat, weiss, dass in Zürich Kiffen bereits gesellschaftlich akzeptiert ist. Ungefähr alle zehn Meter trifft man auf von dichtem Dampf umgebene Grüppchen Jugendlicher, die auf Polizeipatrouillen nur mit einem Schulterzucken in Zeitlupe reagieren.

Eigentlich sind ja sowieso die meisten Schweizer für eine Legalisierung von Cannabis. Dass dies nie bei einer Abstimmung klaren Ausdruck fand, hat damit zu tun, dass die Gruppe der Hardcore-Kiffer es einfach nicht schafft, sich an Abstimmungssonntagen (oder auch an anderen Sonntagen) so früh aufzuraffen.

Aber es sind weder die Jugendlichen, noch die Dauerkiffer, die die Cannabis-Akzeptanz in Zürich erhöhten. Es sind die Normalos, die bereits vor 20 oder 30 Jahren kifften und auch jetzt noch ab und zu einen Joint rauchen. Einige, um zu entspannen, andere, um mit ihrem Drogenkonsum ein Statement für ihre Aufgeschlossenheit und Jugendlichkeit zu setzen. Und die meisten bauen ihr Gras selbst an, oder kriegen es von Freunden geschenkt. Banker kiffen. Friseure kiffen. Backoffice-Assistenten kiffen. Feuerwehrmänner kiffen. Und es gibt wohl den einen oder anderen Richter, der kifft.

Ein weiteres, deutliches Zeichen, dass Kiffen in Zürich (und wohl auch im Rest der Schweiz) etwas Alltägliches ist: Der illegale Drogenmarkt an der «Haschgasse» Ecke Konradstrasse ist beinahe eingeschlafen. Wer sich noch an die Haschdealer am Sihlquai erinnern kann, weiss, wovon ich spreche: Keine 50 bis 100 Leute mehr, die versuchen ihre Hanfprodukte an Passanten zu verscherbeln. Die Schweizer Kiffer sind meist Selbstversorger.

Die organisierten Kriminellen haben den Cannabishandel schon lange abgeschrieben und die Produktion einigen Schweizer Bauern und Indoor-Züchtern überlassen. Es lohnt es sich nicht, Cannabis und Hasch ins Land zu schmuggeln, da die Qualität der heimischen Produkte den Import bei Weitem übersteigt.

«Marihuana ist zurzeit in der Schweiz 7 bis 18-mal stärker (..bis 30 % THC-Anteil) als noch vor wenigen Jahren. Marihuana aus Indoor-Produktion ist meist stärker als ausländisches Haschisch (der berühmt berüchtigte „schwarze Afghane“ weist in der Regel THC-Gehalte von 7 % auf).» Aus einer Studie der Uni Bern 2002

Oder, wie es ein jamaikanischer Freund  nach den ersten Zügen von einem Schweizer Joint ausdrückte, bevor er sich einige Stunden schlafen legte: «Boaah. Man. Boaah.»

Und die Polizei? Am See ist zu beobachten, dass die Beamten eher Hundehalter ermahnen, ihre Tiere an der Leine zu führen, oder andere wichtige Aufgaben erfüllen, als hinter harmlosen Kiffern herzujagen. Wahrscheinlich ist es den Beamten lieber, wenn die Leute kiffen, als wenn sie im Alkoholrausch Strassenschlachten anzetteln. Dafür sind Kiffer nämlich einfach zu verpennt.

Kurz, eine Legalisierung wäre an der Zeit. Die Gesetzgebung hinkt den Realitäten seit den 80ern hinterher.