Rex Populi: Ungezähmt im Kreis 4

Eine doppelte Portion österreichischer Galanterie: Der Gastwirt Sebastian im Rex Populi.

Eine doppelte Portion österreichischer Galanterie: Der Gastwirt Sebastian im Rex Populi.

Geografisch ist der Fall klar: Das Rex Populi, zu Lateinisch König des Volkes, befindet sich an der Ecke Bäckerstrasse/Ankerstrasse, vis-à-vis von Volkshaus und Helvetiaplatz. Worum genau es sich beim Lokal mit dem besten Gastgeber und dem einzigen Late-Night-Wienerschnitzel der Stadt handelt, ist dagegen nicht so leicht auf den Punkt zu bringen. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo zwischen Langstrassen-Panoptikum, Gourmetinsel im Zürcher Nachtleben, Jahrmarkt der Eitelkeiten, Nightclub, Bar und Restaurant.

Hier, wo zu Halloween 72 Stunden am Stück durchgefeiert wurde und bisweilen auch der Formel-1-Star Kimi Räikkönen – ein Freund hochgeistiger Getränke – anzutreffen ist, kündet eine mit Kreide beschriebene Schiefertafel davon, welche Gäste und Besonderheiten am jeweiligen Abend zu erwarten sind. Mori, der Starcoiffeur etwa, die Textnutten, schwedische Jungfrauen und natürlich das Hildegard-Knef-Gedeck – eine Kombination aus Wodka-Shot und Champagner-Flûte, benannt nach der 2002 verstorbenen deutschen Schauspielerin und Sängerin, die sich des Morgens das Gedeck gegönnt haben soll, um den Rost der Nacht abzuschütteln.

«Die beste Kalbsleber der Welt»

Der Autor ist dem Charme des Rex Populi spätestens in jener Nacht erlegen, als ihm Gastgeber und Koch Sebastian, seines Zeichens eine doppelte Portion österreichischer Galanterie, auf die um halb vier geäusserte Frage nach etwas Essbarem antwortete: «Es gibt Leute, die behaupten, ich mache die beste Kalbsleber der Welt.» Umso mehr als die Kalbsleber tatsächlich die Zielvorgabe erfüllte. Ein Traum zu einer Uhrzeit, die in der restlichen Stadt nur die peinigenden Optionen McDonald’s, Burger King und Kebabstand offen lässt. Gewandte Gourmets erinnern sich noch an das alte Rex an der Schützengasse, in unmittelbarer Nachbarschaft der Bahnhofstrasse. Das Rex Populi ist der legitime Erbe des Lokals und führt daher auch den berühmten Robespierre auf der Karte – ein mit wunderbar knusprigen Pommes alumettes serviertes Rindsfilet, am besten natürlich noch blutig. Ganz im Sinne seines Namensgebers, des grausamen Kopfs der Französischen Revolution.

Die Legende lebt

Gleich neben der Bar findet sich eine goldene Tanzstange. Einst das Arbeitsgerät leicht bekleideter Mädchen, bildet sie heute den Mittelpunkt eines Tisches, der von einer halbkreisförmigen, erhöhten Sofabank umgeben ist. Dahinter prangt auf schwarzer Wand in goldenen Lettern der Schriftzug «Ich darf das». Mit dem Dürfen ist es so eine Sache. Man erzählt sich, es sei keine gute Idee, sich an den exklusiven Platz zu setzen, weil dieser einer exklusiven Kundschaft vorbehalten sei. Davon, dass es ernsthafte Konsequenzen gehabt hätte, wenn sich Laufkundschaft auf die verbotene Sofabank setzte, weiss aber niemand zu berichten. Trotzdem ist es schön, dass es diese Legende gibt. Im zunehmend domestizierten und kulissenhaften Langstrassenquartier gibt es davon eindeutig zu wenige.

Könnten die an den Toilettentüren angebrachten Porträts der Filmikonen Paul Newman und Elizabeth Taylor sprechen, sie wüssten noch manch andere Geschichte aus dem Mikrokosmos an der Bäckerstrasse zu erzählen. Wenn sie denn an ihrem angestammten Platz hängen. Dies ist nicht immer der Fall, da es sich ein etwas unverschämter Stammgast zur Gewohnheit gemacht hat, die Bilder jeweils für ein paar Tage zu entführen. Bislang sind Newman und Taylor aber immer wieder zurückgekommen. Genauso wie der Rosenverkäufer, die Musikanten mit den verstimmten Geigen und der stets exzellent gekleidete grauhaarige Mann, der sich im Schattenboxen übt, wenn er an seinem Tisch ein Gemisch aus Bier und Red Bull trinkt.

Täglich bis 4 Uhr geöffnet, an 365 Tagen im Jahr. www.populi.ch

5 Kommentare zu «Rex Populi: Ungezähmt im Kreis 4»

  • Amal sagt:

    🙂 !!!!.sebastiani ist eine von die besten koch!!! und fleish ist von CH:)

  • Guggenbühl sagt:

    Ich sag nur: „AARRRRRIIIIVVVéééééé!“

  • Andrea sagt:

    Tja, das REX an der Schützengasse war schon eine Klasse und auch Nummer für sich. Die Crew, die Gäste, das Essen, der begehbare Humidor, die kolonialistische Einrichtung mit den herrlichen Ledersessels und Sofas……….und dann noch Ché mit einer Zigarre paffend an der Wand….. 🙂

  • Christian G. sagt:

    Tolles Lokal gehe mindestens einmal pro Woche dorthin, schon seit 4 Jahren damals noch an der Schützengasse. Grüsse euch (Stefano und Sebastian) aus Thailand.

  • Kevin Maria Sonderegger alias Philipp Rittermann sagt:

    nette freak-show. ich bin mir da nicht so sicher, ob die leber wirklich vom kalb kommt…..

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