Der Club der nackten Männer

Das Stadtbad am Helvetiaplatz bietet einen neuen Service an: Jeden Donnerstag ist das Bad nur Männern vorbehalten. In unserer Redaktion führte das zu Diskussionen. Wir lassen Sie, liebe Leserinnen und Leser, an einem Pro und Contra teilnehmen. Lesen Sie genau und geben Sie uns in den Comments ein Feedback.

Pro
Von David Sarasin

«Nur für Frauen.» Das steht über Frauendecks und Frauenbädern. Dies praktizieren Saunas und städtische Hallenbäder seit jeher mit Frauentagen und Frauenstunden. Ausser in der Badi im Schanzengraben gibt es so was für Männer aber nicht. Mehr noch, es scheint eine stille Übereinkunft zu geben, dass Frauen das Recht haben sollten, dann und wann ohne die Blicke der Männer auszukommen. Zu Recht wahrscheinlich, zumindest wenn man davon augeht, dass Männer teilweise übermässig auf weibliche Reize reagieren. Doch müsste man dann konsequenterweise nicht auch den Männern ihren Raum gewähren? Rücksicht nehmen auf ihre Biologie quasi?

Zwei Beispiele dazu: Einst in der Sauna im Seebad Enge. Wie in den meisten Saunas gibt es dort Gemischten- und Frauenabteilungen. Eines schönen Wintertages ging ich früh hin, kurz nach Mittag, es waren erst ein halbes Dutzend Leute anwesend – alles Männer. Wir unterhielten uns, lasen, wandelten auf dem Deck. Die Stimmung änderte sich schlagartig, als sich die erste Frau zu uns gesellte – eine attraktive Frau notabene. Man konnte fortan beobachten, wie sich der Gang der Männer veränderte, wie ihre Blicke nervöser umherwanderten als zuvor, wie Bäuche plötzlich flacher wurden. Etwas war anders.

Man weiss, dass Frauenblicke Männer zu Höchstleistungen antreiben. Jeder kennt das von Fussballspielen damals in der Schule. Doch braucht es das auch in einer Sauna oder beim Zeitunglesen im Freibad? Sollte es nicht Zonen geben, wo man bloss Mensch sein kann, ohne ständig an die Biologie erinnert zu werden?

Was mir etwa in der Männerbadi im Schanzengraben auffiel: Selten sah man Männer so selbstvergessen agieren wie hier, selten war der kollektive Testosteronpegel in der Öffentlichkeit auf einem so angenehm tiefen Niveau.

Es ist also zeitgemäss, führt ein Bad, wie jetzt das Stadtbad beim Helvetiaplatz, den Gentlemen’s Day ein. Vielleicht gibts als irgendwann ein Männerdeck in einer Badi oder eine Männersauna – die kein Schwulentreff ist. Zuallererst müssten sich die Männer aber eingestehen, dass solche Einrichtungen dann und wann sogar zu ihrem Vorteil gereichen könnten.

 

Contra
Von Reda El Arbi 

Ich bin eigentlich nicht so der Sauna-Typ. Liegt vielleicht daran, dass ich im zwinglianischen Zürich aufgewachsen bin. Ich glaub schon, das nackt schwitzen super gesund ist, aber weshalb muss ich das in der Öffentlichkeit machen? Klar, in der arabischen Kultur gibts schon seit ewig Schwitzbäder. Das hat aber damit zu tun, dass die früher kein fliessend heisses Wasser in den Wohnungen, kein Duschgel in praktischen kleinen Flaschen und keine Wäschetrockner für flauschige Handtücher in jedem Haus hatten.

Ich geh ins Bad, um etwas zu schwimmen und für soziale Interaktion. Und dazu gehören für mich auch Frauen. Wenn Frauen aus einem Club ausgeschlossen sind oder sich in Gegenwart von Männern nicht nackt zeigen dürfen, erinnert mich das an die alten chauvinistischen, englischen Clubs (die übrigens auch für den Gentlemen’s Day Pate standen) oder noch schlimmer, an restriktive islamische Kulturen. Ich kann gut damit leben, dass gewisse Bäder Frauentage haben, an denen Männern und ihren Blicken der Zugang verwehrt bleibt. Weil ich mir eingestehe, dass ich selbst gucke und weil ich mir vorstellen kann, dass das für die Frauen nicht immer angenehm sein muss. In einer Sauna erst recht.

Trotzdem wundert es mich, dass jetzt auch die Männer im Stadtbad einen frauenfreien Tag, den Gentlemen’s Day, für sich beanspruchen können. Inklusive «Beauty Treatment» und allem Pipapo. Ich kann mir vorstellen, dass ohne anwesende Frauen die Testosteron-Ausschüttung auf null fällt und das Beauty Treatment macht dann den Rest. Wenn die Sauna draussen in der Natur wär, könnten wir Männer ja auch noch gemeinsam Blumen pflücken und vergleichen, wessen Haut weicher ist.

Männer lernen nie den entspannten Umgang mit dem eigenen und dem anderen Geschlecht, wenn sie nur unter sich sind. Entweder es bilden sich völlig schwachsinnige Machogruppen wie etwa im Militär oder einzelnen Fussballvereinen oder wir mutieren zu Supersofties, die Donnerstag mit Sven und Martin ins Männerbad gehen, um ein Cüpli zu schlürfen und uns die Fingernägel machen zu lassen. Wir Männer brauchen Frauen, um das Beste in uns herauszuarbeiten. Wem das zu schwer ist, soll daheim in der Badewanne bleiben.

Echt, wenn der Mann der Zukunft es nicht mehr fertig bringt, sich in der Gegenwart von Frauen zu entspannen, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn jeder dahergelaufene Westentaschen-Macho unsere Angebetete verführen kann.