Keine Deutschen in Zürich

Gelebte Integration.

Gelebte Integration

Die Diskussion um «Deutsche» in Zürich ist müssig. Es gibt keine Deutschen in Zürich. Es gibt nämlich «den Deutschen an sich» nicht.

Wenn ich aus dem nördlichen Nachbarland käme, wär ich nicht beleidigt, weil Natalie Rickli gegen die Deutschen schimpft, sondern, weil sie aus den Deutschen eine homogene Masse macht.

Als Bayer wär ich betupft, mit den Preussen in einen Topf geschmissen zu werden, als Hamburger will ich ganz bestimmt nichts mit den Schwaben zu tun haben, als Kumpel aus dem Ruhrpott würde ich die Hannoveraner nicht mal mit der Kohleschaufel anstupfen. Und als Wessi will ich nichts mit den Ossis zu tun haben.

Die Deutschen sind noch weniger «ein einig Volk» als wir Schweizer. Und wir Schweizer sind ja schon ziemlich heikel. Vor allem wir Zürcher.

Wir nörgeln an den Baslern rum, witzeln über die Aargauer, die in der Stadt Auto fahren, fluchen über die Bündner und Walliser, die uns mit ihrem urchigen Dialekt die Frauen ausspannen und wir halten die Welschen für faul. Ja, grundsätzlich mögen die Zürcher aus dem Kreis 4 nicht mal die aus dem Seefeld. Und umgekehrt.

Wenn wir schon Vorurteile gegen die Deutschen haben, könnten wir sie wenigstens differenzieren. Aber da liegt das Problem mit den Vorurteilen: Wenn man sie ein wenig differenzieren will, lösen sie sich in Luft auf. Zuerst müssten wir uns nämlich mit den Menschen auseinandersetzen. Das führt dann zu Aussagen wie: «Ich mag die Deutschen nicht, ausser natürlich die, die ich kenne.»

Ja, es hat viele Menschen aus Deutschland in Zürich. Aber das sind keine «Deutschen», das sind Andreas, Frauke, Ute und Tobias oder Sven. Und jeder bringt einen Teil seiner persönlichen und kulturellen Identität mit.

Wir sind Zürcher, wir fürchten keine fremden Einflüsse. Wir assimilieren sie – seit über 2000 Jahren – egal ob aus Italien (römisches Reich), aus Frankreich (Napoleon), aus dem Aargau (der Autor) oder aus dem Norden. Gebt ihnen zwei Jahre, und sie sind Zürcher.