Die Nachteile der Wohnungsführung

Beni Frenkel am Donnerstag, den 17. August 2017

Eine schöne neue Küche kann durchaus entzücken. (Foto: Raisa Durandi)

Ich werde selten zum Essen eingeladen. Wahrscheinlich ist das ganz gut so. Ich biete wenig Mehrwert. Ich esse viel, bin aber nicht so lustig. Ausserdem beginne ich schnell zu schwitzen. Im Sommer kann das zu Problemen führen. Letzten Sonntag haben uns Bekannte aus Nürensdorf eingeladen. Nürensdorf ist eine Zürcher Gemeinde und hat einen Steuerfuss von 90 Prozent. Die Gastgeber sind Schweizer. Das hat den Vorteil, dass man bei der Begrüssung nicht verküsst wird. Das hat aber auch den Nachteil, dass man an einer Wohnungsführung teilnehmen muss.

Ich weiss nicht, wer die erste Wohnungsführung erfunden hat. Wahrscheinlich war es ein Schweizer. Natürlich ergeben manche Führungen Sinn. Zum Beispiel am ersten Arbeitstag. Man läuft durch ein Grossraumbüro und wird jedem Mitarbeiter einzeln vorgestellt. So lernt der Neue alle Namen der Kollegen auswendig. Bei der Führung erfährt man auch, wo sich der Defibrillator befindet, wo die Toilette, der Pausenraum, der Chef. Aber welchen Sinn macht eine Wohnungsführung anlässlich eines Mittagessens?

Die Frau des Hauses zeigte uns stolz zuerst ihre neue Küche. Ein Handgriff, und eine Schranktür öffnete sich. Nochmals eine Handbewegung, und eine Schublade mit Besteck kam zum Vorschein. Mich lässt so etwas kalt. Ich muss nur wissen, wo der Kühlschrank ist und wo der Abfalleimer. In unserer Küche gibt es zum Beispiel Türen, die habe ich noch nie aufgemacht. Was mag dahinter stecken? Ein Besen, Putzmittel? Ich werde es nie erfahren.

Darf ich ehrlich sein? Ich mag es überhaupt nicht, wenn uns Leute besuchen. Am schlimmsten ist es, wenn der Gast unsere saubere Toilette benutzt. Dann schaudert es mich jedes Mal. Lieber würde ich ihm zwei Franken in die Hand drücken, damit er die Toilette an der Tramendstation aufsucht. Die ist nur fünf Minuten entfernt. Jeder Mensch ist halt anders. Und das ist doch gut.

Zurück zur Küchenvorführung: Jede Schublade musste ich bestaunen. Meine Frau sagte: Ah. Und dann: Oh. Der Hausherr drehte am Herd an einem Schalter, und schon brodelte das Wasser im Topf. Ah. Induktionsherd. Oh. Und wieder wurde eine Schublade geöffnet. Meine Frau, die ich normalerweise liebe, stellte tausend Fragen. Immer wieder strich sie mit ihrer Hand über die Armaturen.

Früher hätte ich so etwas nie ohne Ritalin ausgehalten. Mein Trick heute: Ich beginne zu summen. Und zwar am liebsten das Schlagerlied «Ich bin a bayrisches Cowgirl» von der rassigen Nicki. Das Lied dauert drei Minuten. Ich summte es dreimal hintereinander. Jedes Mal ein bisschen lauter.

Dadurch verpasste ich viel Wissenswertes über die neue Küche in Nürensdorf. Andererseits begann ich mich wieder wohlzufühlen. Ich schunkelte im Takt und guckte zu, wie Schubladen aufund wieder zugingen. Wahrscheinlich geraten Teilnehmende der Street Parade in ähnliche Trance.

Plötzlich hörte ich einen Donner. Ich unterbrach kurz Nicki und sah meine Gastgeber fragend an. «Der Airbus A380» Das Riesenflugzeug drehte am Himmel eine lange Kurve. Fasziniert schaute ich ihm zu und begann wieder zu schunkeln.

Es gibt kein Chillen

Miklós Gimes am Mittwoch, den 16. August 2017

In den Ferien traf ich Freunde, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. «Es geht mir gut», sagte ich, «einmal in der Woche schreibe ich eine kleine Geschichte für den Tagi.» «Du hast eine Kolumne?» «Etwas in der Richtung», sagte ich, «über Zürich.» «Politik?», fragte jemand. «Ab und zu», sagte ich. «Lustige Sachen?», insistierte ein anderer. «Nein», sagte ich, «kleine Beobachtungen; das Leben halt

Die Leute haben recht mit ihren Fragen, sagte ich mir beim Einschlafen. Ich bin als Kolumnist nirgends zu Hause, weder lustig noch traurig, ich bin kein politischer Kompass, kein schreibender Hausmann, ich mache keine Lebensberatung. Unter dem Fenster rauschte das Meer, manchmal zirpten die Grillen, meist schlief ich irgendwann ein, so wohlig, wie man nur in den Ferien einschlafen kann.

Am Tag der Heimreise wusste ich: Meine erste Stadtgeschichte schreibe ich über das Aufräumen. Klar, aufräumen nach den Ferien ist immer gut, unsere Wohnung braucht eine Entschlackung, deshalb sind wir zeitig zurückgekommen. Mich aber reizte vor allem die kolumnistische Herausforderung: Ich würde versuchen, das Thema im Stil einer Paar-Kolumne anzugehen, Mann gegen Frau, das kennen alle, beim Aufräumen liegen die Nerven schnell einmal blank.

Meine Frau findet, es braucht beim Aufräumen ein Gesamtkonzept. Sie möchte die Kybernetik des Entsorgens und Neuarrangierens voraussehen, vorausplanen, ohne Strategie wird das nichts, ist sie überzeugt.

Ich dagegen fange einfach mal an und arbeite mich ins Chaos hinein, blind und unansprechbar wie ein Maulwurf, learning by doing, könnte man sagen – im besten Fall. Mein Ziel ist es, irgendwann mal anzukommen, irgendwann mal fertig zu sein, mich aufs Sofa zu werfen und ein Buch aufzuschlagen, oder mit Freunden ein Bier zu trinken oder eine DVD einzulegen, die italienische Serie «1992» zum Beispiel über den Beginn der Ära Berlusconi.

Meine Frau hingegen weiss, dass man nie ankommt. Sie ist sich im Klaren darüber, dass die Idee des Gesamtkonzepts eine Illusion ist, eine Utopie, aber man muss an ihr festhalten, alles andere ist geistige Faulheit, der Weg ist das Ziel. Das Aufräumen ist im Grund wie das Leben selbst, ich möchte es hinter mich bringen und chillen. Meine Frau hingegen sagt: «Das Leben ist ein stiller Fluss. Es gibt kein Chillen.»

In den Ferien sprachen wir oft über das Aufräumen. In unserer Runde gab es radikale Wegwerftypen und unverbesserliche Aufbewahrer, es gab Nomaden, die nie ein Bild aufhängen würden, und Gestalter, die sich im Wohnen verwirklichen. Wir hatten unterwegs einige schöne Wohnungen gesehen, in Ljubljana zum Beispiel ein kunstvolles, lebendiges Heim, im hingeworfenen, unperfekt grosszügigen «New York Style», erträumt und verwirklicht in hohen Büros der Altstadt, wo es früher keine Wohnung gab. Oder in Budapest die zeitlose Art-déco-Eleganz in einer bescheidenen Häuserzeile im dritten Bezirk, mit der Patina von bald hundert Jahren Leben und Geschichte.

Jetzt also aufräumen. Packen wirs an. Die Bücher warten, die Serien, die Freunde, das Bier.

Die gelbe Pest verbreitet sich

Réda El Arbi am Dienstag, den 15. August 2017
Sind nur Vorwand, um Daten zu sammeln: Die Bikes von oBike.

Sind nur Vorwand, um Daten zu sammeln: Die Bikes von oBike.

Ich könnte Kaugummi-Automaten auf öffentlichem Grund in der Stadt verteilen und ich bekäme wohl richtig grossen Ärger, wenn ich keine Bewilligung dafür hätte. Ich kann mich noch erinnern, was für ein Gschiss es damals gab, als die verschiedenen Verlage begannen, ihre Boxen für die Gratiszeitungen aufzustellen.

Trotzdem vermüllt der asiatische «Velovermieter» oBike den öffentlichen Raum mit seinen Mietautomaten.  Die grottenhässlichen Bikes sind nichts anderes als Verkaufsautomaten. Dass die Zahlung per App erfolgt und dass die Automaten nicht am Boden festgeschraubt sind, ist nebensächlich. Und inzwischen metastasiert die gelbe Pest in die Vororte und in die kleineren Städte.

oBike benutzt öffentlichen Grund in der Stadt und im ganzen Kanton, um gewerbsmässig Fahrzeuge zu vermieten. Die Stadt und die betroffenen Gemeinden stellen Infrastruktur aus Steuergeldern zur Verfügung und das Unternehmen macht daraus Geld. Wenn ich einen mobilen Glacestand oder ein Crepe-Mobile, einen Foodtruck oder sonst ein kommerzielles Angebot auf Stadtgrund stelle, dauert es meist kaum fünf Minuten, bis ein Polizist der Abteilung Wirtschaft dasteht und eine Genehmigung sehen will.

Der international tätige  Anbieter der plumpen Drahtesel hat in einem kleinen Kaff ausserhalb Genfs seinen Schweizer Firmensitz. Dort würde er wohl Steuern zahlen, wenn das Geschäft mit dem Veloverleih Gewinn abwerfen würde. Das tuts sicher noch nicht. Das ist aber wohl auch nicht der Hauptzweck der Velos. Das Geschäftsmodell ist das Sammeln von Daten.

Immer überwacht dank oBike.

Immer überwacht dank oBike.

10 000 Mal wurde die App im Grossraum Zürich nach Angaben des Unternehmens bereits heruntergeladen. Die meisten werden die App nicht benutzen. Aber das ist völlig egal. Die App verlangt Zugriff auf Bewegungsdaten AUCH WENN MAN DIE APP GERADE NICHT BENUTZT. Wenn man sich mit Facebook anmeldet, kommen die Freundesliste und die Einsicht in die da gemachten Onlinebewegungen dazu.

Aus den in der App nicht ersichtlichen Datenschutzrichtlinien auf der Homepage von oBike:

«  1. oBike sammelt und speichert die Informationen, die Sie in der oBike App eingegeben haben, oder die Informationen, die Sie uns in anderen Quellen zur Verfügung gestellt haben. Wir werden auch Ihre persönlichen oder gruppenbezogenen Informationen von kooperierenden Unternehmen, Geschäftspartnern und anderen unabhängigen Drittquellen sammeln. »

Das Unternehmen verfügt also bereits über Bewegungsprofile von 10 000 Schweizern. Die Daten können an Dritte weitergegeben werden, also zum Beispiel an die Muttergesellschaft in Singapur. Diese Dritten dürfen dann mit den Daten machen, was immer sie wollen. Die Schweizer Gesetzgebung greift da nicht mehr.

Datenhandel steht aber nicht im Handelsregistereintrag der oBike Schweiz AG.

Nachdem wir den Sklavenbetrieb UberPOP losgeworden sind, haben wir einen neuen Player, der die der Realität hinterherhinkende Gesetzgebung ausnutzt. Die Stadt hätte es in der Hand, da den Riegel zu schieben. Die Regulierungen, die für Marroni-Stände und andere Geschäfte auf öffentlichem Grund so hart sind, sollten auch auf den Datenkraken oBike angewandt werden.

Wir persönlich haben es in der Hand, unsere Daten nicht diesem Unternehmen in den Rachen zu werfen. Und uns zu weigern, deren Gewinn auf Kosten der Allgemeinheit zu finanzieren.

«Sie war schön»

Alex Flach am Montag, den 14. August 2017
    Fast wieder wie 1997: Die Street Parade gewinnt an Qualität.Fast wieder wie 1997: Die Street Parade gewinnt an Qualität.

Sie war schön, sie war die schönste seit vielen Jahren: Die Street Parade in diesem Jahr stand wahrlich unter einem guten Stern. Am Anfang stand der erstaunliche Wetterumschwung, just auf Beginn des Umzugs. Wer immer schon den Verdacht hegte, dass Petrus ein alter aber nach wie vor leidenschaftlicher Raver sei, der hat nun ein Indiz mehr das seine Mutmassung stützt.

Meine erste Street Parade habe ich 1994 besucht und bis Ende der Neunziger habe ich dem Umzug alljährlich entgegengefiebert, eine Vorfreude vergleichbar mit jener auf Weihnachten im Vorschulalter. Dann, ab der Jahrtausendwende, franste alles aus. Der Sound an der Parade wurde kommerziell und entsprach nicht mehr jenem, der in den Zürcher Clubs läuft. Sie verabschiedeten sich folgerichtig vom Konvoi und ich mich mit ihnen. 2002, das Jahr in dem es in Strömen regnete und in dem die Temperaturen einem miesen Schweizer Herbst alle Ehre gemacht hätten, war mein letztes auf einem Lovemobile: Damals bin ich auf Höhe des roten Schlosses vom Lastwagen gehüpft und zum Partysan Boot gerannt, in der Hoffnung der Kapitän hätte in weiser Voraussicht einen Vorrat an Heizöl beiseitegelegt.

Nach diesem, auch für das Street Parade-OK, tristen Jahr war die Street Parade nicht mehr dieselbe. Der Zauber war weg und sie hatte einen neuen Lover, die Masse der Eintagesraver, die House nicht von Techno unterscheiden können und die denken, die Swedish House Mafia sei das Nonplusultra in Sachen Danceflooring.

Doch in diesem Jahr war Vieles anders. Nicht ganz so wie früher (noch nicht), aber ein kleines Bisschen schon. Zu Beginn stand das Statement des Street Parade Bookers Robin Brühlmann, dem man entnehmen konnte, dass er die Schnauze voll hat von Beat-gestütztem Saxophongedudel. Es soll wieder mehr Techno werden, weg mit dem als Clubmusik getarnten Pop.

Als nächstes wurde dann verkündet, dass mit dem Klaus nach zig Jahren endlich wieder ein angesagter Zürcher Club ein Lovemobile stellen wird. Natürlich, das Klaus… Alain Mehmann, einer der Chefs da, ist ein Street Parädler der ersten Stunde, einer dem die Liebe zum Umzug auch in den erzkommerziellen Nullerjahren nie abhandengekommen ist.

Dennoch: Über zehn Jahre akustischer Zwiespalt lassen einen trotz dieser Schwalben noch nicht an den Sommer glauben. Erst als mir am Samstag auf dem Sechseläutenplatz von der Hauptbühne der kompromisslose Techno mit 160 bpm entgegendonnerte und erst als ich danach die Superszenis auf dem Klaus-Mobile wie Honigkuckenpferde (Mehmann und seine Partner würden sagen wie Einhörner) grinsen sah, da wusste ich, dass ein Stück des Zaubers zurückgekehrt ist.

Der Rest des Tages war Chaos und Tohuwabohu, vermengt mit reichlich Bier und Vodka Martini. Aber wenn mich die Erinnerung nicht trügt, war 2017 tatsächlich ein wenig wie 1997. Mit dem Unterschied, dass der Kater 1997 nicht ganz so garstig und nachhaltig gewesen sein dürfte.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

Eine Glacegeschichte (7)

Thomas Wyss am Samstag, den 12. August 2017

Zuerst, dachte ich, entledige ich mich der Jacke (damit man mein cooles Che-Guevara-Shirt sehen kann), recke martialisch die Faust in die Luft, rufe «Sin perdón!» und steche ihm mit einem Rambo-Messer beide Pneus auf. Während es dann elend röchelnd die Luft verliert, zerschlitze ich den Sattel, malträtiere mit dem mitgebrachten Vorschlaghammer Pedalen, Rahmen und Speichen bis zur Stufe «irreparabel», und schliesslich übergiesse ich das, was von diesem scheusslichen O-Bike noch übrig ist, mit Benzin und zünde es an.

Dazu entrolle ich trotz der Hitze möglichst feierlich mein im Hausbesetzerstyle gestaltetes Transparent, auf dem steht: «Singapore! If I spit a spearmint chewing gum on your ground, I get penalized as I if were an outlaw… and now you think you can spit – figuratively speaking – a giant yellow-grayblack O-Bike chewing gum on my town without getting punished? Forget it!» (Auf Deutsch: «Singpur! Wenn ich bei dir einen Spearmintkaugummi auf den Boden spucke, werde ich gebüsst, als ob ich ein Gesetzloser wäre… und jetzt meinst du, du könntest – bildlich gesprochen – einen gigantischen gelbgrauschwarzen O-Bike-Kaugummi auf meine Stadt spucken, ohne bestraft zu werden? Vergiss es!») Dieses Transpi halte ich minutenlang grimmig dreinblickend in die mich filmenden Smartphones der deppert bis schockiert dreinblickenden Touristen – und all das am helllichten Tag, mitten in Zürich!

Dann dachte ich, dass es echt ziemlich krank wäre, so was zu tun. Umso mehr, als ich ja in letzter Zeit richtiggehend stolz war, endlich meine innere Mitte gefunden und diese auch in ansprechend gesunder Balance gehalten zu haben. Weiter dachte ich, dass ein Velo ja wahrscheinlich auch so was wie einen Astralleib oder zumindest eine Integrität besitzt, die zu verletzen unter einem ethisch-moralischen Gesichtspunkt betrachtet einer schweren Sünde gleichkommen würde.

Ein nächster, sehr bitterer Gedanke: Wie bünzlig meine Haltung doch war – bloss weil das eine oder andere O-Bike seit einer Woche meinen angestammten Veloparkplatz vor der Tamedia besetzte, wäre ich bereit gewesen, einen kleinen Velo-Jihad loszutreten? Pervers peinlich! Aber noch weit schlimmer: Mit dieser Attitüde lag mein Ich, das sich auf der Leinwand des Lebens immer gern in der Rolle des eigenwilligen Modern Hippie gesehen hat, plötzlich voll auf der aktuellen Mainstream-Züri-Linie… mich schauderte kurz, aber gründlich, wohl im Wissen, dass man so was nicht einfach mit gut duschen wieder wegbringt.

Ja, all das dachte ich. Und plötzlich kam mir in den Sinn, dass ich heute doch mit dieser Glacekulturgeschichte hatte weitermachen wollen (deshalb auch der Titel), und dass es glaub Teil 3 gewesen war, in dem ich Variationstipps des legendären Aeschlimann-Eiskaffees versprochen hatte. Les voilàs.

Tipp 1: Statt dreieinhalb Kugeln Kaffeeglace nehme man zwei Kugeln Kaffeeund eineinhalb Kugeln Schoggiglace, alles andere bleibt gleich – die Creme wird etwas süsser, farblich entsteht ein hübscher Zebraeffekt.

Tipp 2: Man gibt 4 cl Zuger Kirsch in die fertige Glacecreme und rührt nochmals kräftig um. Auf süssere Art kann der «Ouuii, ich han es Schwippsli»-Zustand kaum erreicht werden.

Gesagt ist gesagt

Werner Schüepp am Freitag, den 11. August 2017

«Wer Geld hat, wird bewundert.»

Der Zürcher Glücksforscher Bruno S. Frey sagt, dass es mehr brauche als viel Geld, um zufrieden zu werden. Viel besser wäre es, wenn man aufhören würde, sich ständig zu vergleichen. (Foto: Samuel Schalch) Zum Artikel

 

«Der Stadt sollte kein
finanzieller Schaden entstehen.»

Zwei Monate lang hätten die 20 Sonnenschirme im heissen Sommer Schatten spenden sollen. Nach fünf Tagen wurden sie bereits wieder abmontiert, weil sie dem Wind nicht standhielten. Stadtrat Filippo Leutenegger versichert, dass die Herstellerfirma die Schirme wieder zurücknehme. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich nähere mich dem Gaga-Zustand.»

Max Richter hat in Zürich sein achtstündiges Werk «Sleep» aufgeführt – TA-Redaktor Thomas Wyss und 120 andere Menschen durften zur Musik schlafen – was gar nicht so einfach war. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Das Nachtleben ist für
viele Frauen nicht attraktiv.»

Hinter dem Tresen sind Frauen im Ausgang omnipräsent. In den Führungspositionen dafür sehr selten und das in einer Branche, die als jung und innovativ gilt. Weshalb ist das so? Die Unternehmerin Vania Kukleta kennt die Gründe. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

 

«Gegen die Konkurrenz aus China
sind wir chancenlos.»

Schweizer Hersteller waren dem Staatsbetrieb für die Fassade bei der Zürcher Europaallee zu teuer. Wäre das auch anders gegangen? Fassadenbauer Roman Aepli findet, es herrsche ein völlig ungleicher Wettbewerb in der Branche. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Kommen weitere Anbieter, werden wir
die Situation neu beurteilen.»

Während andere Städte hart gegen sie vorgehen, duldet Zürich die Velos von O-Bike. Das Unternehmen expandiert nun. Und die Velos sind überall in der Stadt zu sehen. Derzeit gebe es noch keine grossen Beschwerden, sagt Mike Sgier vom Tiefbaudepartement. (Foto: Keystone/Ennio Leanza) Zum Artikel

 

«Manche dieser Typen sind gewohnt,
immer alles zu bekommen.»

Diese Woche wurde das Urteil gegen den Küsnachter gefällt, der im Rausch getötet hat (zwölfeinhalb Jahre Gefängnis). In Internaten und Luxuskliniken weiss man, warum manche Zöglinge des Geldadels auf die schiefe Bahn geraten. Und setzt man ihnen Grenzen, dann flippen sie aus, sagt ein Internatspädagoge. (Foto: Franziska Scheidegger) Zum Artikel

 

«Die Langstrasse hat sich
leider zur Partymeile entwickelt.»

Sie sind allgemein zufrieden, die Menschen in den Kreisen 4 und 5. Wäre da nicht die Sorge, dass die Langstrasse etwas verlieren könnte. Tagsüber werde man an der Langstrasse oft angebettelt, sagt André Bleiker, der seit 27 Jahren im Kreis 4 wohnt.  (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Vor allem Frauen und Kinder winken mir zu.»

Was ist denn das? Ein Hochrad, eine Brücke und ein überraschter Mann. Die Geschichte hinter einem 50-jährigen Foto oder wie Hans Keller 1965 mitten durch Zürich fuhr. (Foto: Pfändler, ATP, RDB) Zum Artikel

 

«Die grössten Flops Zürichs.»

Die Stadtregierung meint es ja gut und greift doch ab und zu doch völlig daneben – wie FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger (siehe auch weiter oben) mit den filigranen Sonnenschirmen. Hier sind sie, die sieben peinlichsten Flops der Stadt. (Foto: Doris Fanconi) Zum Artikel

 

«Ich strebe nach Perfektion im Einfachen.»

Aubergine mit Fenchelpollen oder Rüebli mit Himbeeren: Margaretha Jüngling, die einstige Privatköchin von Rockmusiker Neil Young, will mit viel Gemüse und viel Fantasie das Zürcher Publikum begeistern. (Foto Dominique Meienberg) Zum Artikel

Eine Frage der Temperatur

Nicola Brusa am Donnerstag, den 10. August 2017

Wie wichtig die Temperatur für den ­Genuss ist, wissen alle, die schon einmal ein Rindsfilet auf den Punkt gebraten haben. Ein Kalbsbäggli sous vide zur absoluten Zartheit geschmort haben. Oder ein Onsen-Ei mit cremiger Konsistenz fabriziert haben.
Wie wichtig die Temperatur für den ­Genuss ist, wissen alle, die dann und wann ein Süssgetränk geniessen. Oder einen Apéro nehmen. Bei Bier und Süssgetränken gibt es nur eine Temperatur: eiskalt. Bier wird sonst untrinkbar und das Sinalco klebrig. Bei Wein ist es diffiziler. Einen Champagner trinkt man kühler als einen jungen Rotwein als einen schweren Bordeaux als einen Glühwein.

Das führt uns zur Frage, die am Ursprung – oder präziser an der Quelle – dieser Stattgeschichte steht: Bei welcher Temperatur trinkt man das Züri-Wasser am besten?

Diese Frage beschäftigt mich, seit ich zum ersten Mal aus dem neuen Brunnen auf der Traminsel Paradeplatz getrunken habe. Es war Anfang dieses Sommers, ich stieg aus dem Tram 13, wollte auf das Tram 2 umsteigen, und ich war durstig. Ich musste mich weit hinunterbücken. «Ein Monument der Kleinwüchsigkeit», titelte Kollege jr, als Ende 2016 der Brunnen auf dem Paradeplatz aufgestellt war. Dem Brunnen aus Onsernone-Gneis, Zürcher Standardmodell, 60 000 Franken teuer, ging eine politische Odyssee voran. Die Kurzfassung: Dieser zusätzliche Brunnen, in einer Umgebung mit erheblicher Brunnendichte, braucht es, weil die anderen Wasserstrahlen für klein gewachsene Durstige (oder solche mit schmutzigen Händen am Ende von kurzen Armen) nur schwer zu erreichen waren.

Ich bückte mich also hinunter, sehr lange, denn der Brunnen wurde ­offenbar nach den Richtlinien der 2000-Liter-Gesellschaft erstellt: Es rinnt nur wenig Wasser aus dem Mes­singhahn. Würden hier Flaschen gefüllt, es gäbe lange Schlangen wie damals am Samstagmorgen beim Aqui-Brunnen. Neben dem bescheidenen Tempo des Durstlöschens bemerkte ich noch etwas sehr Unzürcherisches: die Wassertemperatur. Ist das schon lau?, fragte ich mich. Erfrischend kühl jedenfalls war es nicht.

«Mehr als 1200 Brunnen verschönern die Stadt Zürich, und aus allen sprudelt erstklassiges Trinkwasser», schreibt die Stadt. Sprudelt es auch aus allen gleich kalt? Oder war ich Opfer einer sensorischen Selbsttäuschung geworden?

Ich ging der Sache mit der nötigen Präzision auf den Grund: Als Liebhaber wohltemperierter Bäder packte ich mein Badethermometer ein und mass in den Brunnen nach. Die Resultate:

Brunnen Ecke Bleicherweg/Genferstrasse: 16 Grad Celsius

Tiefenhöfe: 15 Grad Celsius.

Züghusplatz: 16,5 Grad Celsius.

Münsterhof: 16 Grad Celsius.

Und das «Monument der Kleinwüchsigkeit»? Tatsächlich signifikant wärmer: 17,5 Grad Celsius.

Ich war kurz davor, eine Protestnote an die Wasserversorgung abzusetzen – bis ich merkte: Die Temperaturunterschiede sind Absicht! Denn so individuell die Temperatur beim Wein, so individuell sind die Geschmäcker der städtischen Trinkerinnen und Trinker. Es lohnt also, den Brunnen zu suchen, der Ihren Geschmack trifft.

«Olé Torero – Kuh spiesst Zürcher auf!»

Beni Frenkel am Donnerstag, den 10. August 2017

Von der Wanderlust gepackt: Blick auf das (verhüllte) Brienzer Rothorn. (Foto: Beni Frenkel)

Am Dienstag sind wir zum Brienzer Rothorn gefahren. Von dort oben hat man eine wundervolle Aussicht auf die vielen Berge. Auf dem Gipfel stehen ältere Männer und zeigen mit dem Stock in verschiedene Richtungen. Sie können es nicht unterlassen, ihre Frauen zu langweilen: Dort ist die Jungfrau, da ist Obwalden, da bin ich letztes Jahr mit dem Heinz geklettert.

Im Restaurant habe ich das Tagesmenü bestellt. Dazu ein Bier. Neben mir lag der «Entlebucher Anzeiger» mit vielen Todesanzeigen. Anders als bei uns in Zürich, sieht man bei den ­An­zeigen ein Foto der Dahingeschiedenen. Bei uns steht ja immer das Gleiche. Hier aber lachen die toten Rösis, Miggis, Friedelis und Annelieslis den Leser an. Aber vielleicht sind das auch nur Symbolbilder. Ich bestellte nochmals ein Bier. Auf die lachenden Toten. Meine Frau guckte mich wütend an und meinte: «Du bist dick, du läufst runter!» Ich jubelte. Endlich mal Zeit für mich. Ich liebe wandern. Letztes Jahr – nur so nebenbei – bin ich mit der S4 auf den Uetliberg ­g­e­fahren. Von dort oben bin ich alles runtergelaufen. Und es hat geregnet.

Der Wegweiser auf dem Brienzer Rothhorn meinte, dass ich drei Stunden nach Sörenberg benötige. Das gilt für Anfänger, ich schaffe das in zwei Stunden. Nach zehn Minuten wurde ich ein bisschen unsicher. Der Weg führte über einen Kamm, links und rechts ein paar Hundert Meter Abgrund. Die Wanderer, die mir entgegenkamen, liefen in Bergschuhen und mit Walking-Stöcken. Ich trug alte Turnschuhe. Bei der schlimmsten Stelle, wo der Wanderweg knapp 40 Zentimeter breit war, dachte ich plötzlich an den Tod. Ich konnte mich nicht einmal richtig von der Familie verabschieden. Wenn ich jetzt runterstürze, steht morgen im «Blick»: «Leichtsinniger Wanderer (40) stürzte mit Turnschuhen vom Brienzer Rothorn» Vielleicht schaffe ich es sogar in den Aushang: «Blöder Kolumnist endlich tot!»

Der Hüttenwart wird natürlich auch zitiert: «Ich habe ihm eine halbe Stunde vorher noch ein Bier ein­geschenkt!» Wahrscheinlich gelingt es dem «Blick»-Journalisten, mich noch zusätzlich zu demütigen: «Immer mehr Chinesen verunglücken auf unseren Bergen. Das ist schlecht für unsere Exportwirtschaft.» Ich schaffte es bis zum berüchtigten Lättgässli. Langsam stieg ich die in den Fels geschlagene Treppe runter und hielt mich am Seil fest. Unten sang ich Halleluja. Aber jedes Mal, wenn ich dachte, das Schlimmste sei vorüber, tauchen am Boden diese verdammten weiss-rot-weissen Streifen auf. Die bedeuten: Du kannst immer noch sterben.

Aber Mütter kennen das: Irgendwann hat man es geschafft. Die steilen Abhänge wurden sanfter, dafür brannten meine Oberschenkel wie Hölle. Jeder Schritt, eine Tortur. Und das dürfen Sie jetzt ruhig einmal glauben. Aus dem Nichts tauchten plötzlich Kühe auf. Auch das noch. Eine Kuh mit zwei Hörnern näherte sich mir. Wieder kam mir der «Blick» in den Sinn: ­«Zürcher (40) wollte Kalb belästigen», «Olé Torero – Kuh spiesst Zürcher auf!», «Luzern-  Zürich 1:0», Nach vier Stunden kam ich im Reka-Dorf Sörenberg an. Die Familie sass vor dem Fernseher.

Die Barbaren kommen!

Réda El Arbi am Dienstag, den 8. August 2017
Unausprechliches bringen die Horden nach Zürich. Fliehen Sie ins umland!

Unaussprechliches bringen die Horden nach Zürich. Fliehen Sie ins Umland!

Es gibt in der Menschheitsgeschichte viele Beispiele, in denen eine friedliche Bevölkerung von unzivilisierten Massen überrannt wurde: Die Türken vor Wien, die mongolischen Horden, die Kreuzritter in Jerusalem – und eben die Spasszombies, die jedes Jahr im August über Zürich herfallen. Man kann keinen Widerstand leisten, die Überzahl ist unbezwingbar. Aber man kann fliehen, wenn man sich früh genug vorbereitet. Hier ein paar sichere Horte, an denen Sie diesen Samstag verbingen können:

Die andere Zürcher Stadt

Nur 16 Minuten vor den Toren der Stadt gibts ein Städtchen, das eine eigene, blühende Kulturszene aufweist. Wer Musik mag, die wirklich noch von Menschen an Instrumenten gespielt wird, wird sich an den Musikfestwochen Winterthur wohlfühlen. Je nach Wetter verbringt man den Nachmittag in einem der kleinen Cafes mit dem Lesen eines guten Buchs oder planscht mit den Kids in der Töss, um sich am Abend dann von verschiedenen Konzerten unterhalten zu lassen.

Nordwärts!

Wer dem Niederdorf nachtrauert und wissen will, wie eine lebendige Altstadt aussieht, sollte sich ans Stars in Town in Schaffhausen begeben. Neben verschiedenen Konzerten gibt ein Streetfood-Festival und ein riesiges Nebenprogramm.  Nachmittags kann man sich in Neuhausen am Rheinfall von der Gischt besprühen lassen. Schliesslich war man seit der Schulreise nicht mehr da.

In die Boote!

Wenn wir schon im Norden sind, ist eine kleine Gummibootfahrt auf dem Rhein von Stein am Rhein bis Diessenhofen zu empfehlen. Dazu gibts jede Menge Kultur und Unterhaltung: eine Burg, Wandmalereien aus dem Mittelalter, Pfahlbau-Überreste – und als grossen Joker: Die Minieisenbahn, mit denen man die Kids unterhalten kann. Abends isst man dann Fisch und schaut dem Strassenprogramm des Theaterfestivals nordArt zu.

Zum Feind überlaufen

Für einmal kann man die alte Fehde zwischen Zürich und Basel vergessen und bei den Bäppis um Asyl bitten. Die sind gar nicht so schlimm. Und dieses Wochenende lohnt es sich, Basel einmal zu besuchen: Man kann noch den letzten Tag des Basel Openair miterleben und sich davon überzeugen, dass fremde Kulturen (ja, sogar Basler!) durchaus auch ihren Charme haben.

Gemütlich nehmen

Wer dem Stress der Grossstadt entfliehen will, kann sich nach Bern absetzen. Neben Aareschwimmen und Kaffee in der Altstadt findet man in Bern unter jedem Pflasterstein eine Band. Was in Zürich die Clubs sind, ist in Bern Live-Musik. Von Klassik bis Blues und Rock – in Bern gibts am nächsten Samstag alles.

Ab in die Agglo

Verbringen Sie einen ruhigen, friedlichen Nachmittag am Greifensee und lassen Sie den Abend im Openair Kino in Uster ausklingen. Wir garantieren, dass die Gegend sicher ist, da sich alle ansässigen Barbaren schon früh morgens mit der SBahn in Richtung Stadt aufgemacht haben.

Also, fliehen Sie! Retten Sie sich und ihre Lieben!

Klaus macht Mobile

Alex Flach am Montag, den 7. August 2017
Dieses Jahr ist der Zürcher Club Klaus mit einem Love Mobile an der Parade vertreten.

Dieses Jahr ist der Zürcher Club Klaus mit einem Love Mobile an der Parade vertreten.

Am kommenden Samstag findet die 26. Street Parade statt. Neben dem musikalischen und vom Street Parade-Booker Robin Brühlmann verantworteten Kurswechsel auf den Bühnen an der Strecke, einer Abkehr vom EDM hin zu House und Techno, hat im Vorfeld vor allem das Love Mobile des Klaus-Clubs für Aufsehen gesorgt. Dass ein angesagtes Szene-Lokal wie das Klaus ein eigenes LoMo stellt, ist seit vielen Jahren keine Selbstverständlichkeit mehr: Seit der Jahrtausendwende haben sich die Zürcher Clubszene und die Street Parade auseinandergelebt, sich immer weiter voneinander entfernt.

Als der Klaus-Mitinhaber Alain Mehmann seine erste Street Parade besucht hat, war er noch weit davon entfernt einer der Macher des Zürcher Nachtlebens zu sein. «Während der dritten Parade war ich per Zufall auf Einkaufstour in der Stadt. Da habe ich sie und die elektronische Musik erstmals wahrgenommen. Das war die Initialzündung für mich.»

Mehmann wurde später Redaktor beim ehemaligen Szene-Magazin Forecast. Noch später hat er mit Partnern den Heaven-Club im Niederdörfli eröffnet, das Partylabel Behave (Friedas Büxe) lanciert und schlussendlich hat er seine Unterschrift unter die Gründungsurkunde des Klaus gesetzt, einen der aktuell liebsten Clubs aller sich mit der Aura des Wissens um die wahre Subkultur umgebenden Nachtzürcher.

Mehmann: «Vor circa einem Jahr und nach unserer Street Parade-Afterparty habe, ich halb im Jux, halb im Ernst gesagt: ‚Lasst uns nächstes Jahr auch ein Love Mobile an den Start bringen!‘. Die Reaktionen meiner Partner und Gäste waren so positiv, dass wir an der Sache drangeblieben sind. Definitiv zugesagt haben wir aber erst, als wir das Angebot erhalten haben, den Wagen zusammen mit dem BPM Festival zu organisieren.»

Auch andere Zürcher Clubmacher haben sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten überlegt einen Wagen zu stellen. Dass nun ausgerechnet das Klaus diese Überlegungen Tatsache hat werden lassen, ist auch für das Street Parade-Komitee ein Glücksfall: Nicht viele Zürcher Clubs hätten besser zum Winkelried für künftige Teilnahmen anderer Szenelokale getaugt als der Langstrasse-Memberclub. Mehmann: «Wir haben die Startnummer 13, ein Motto haben wir nicht. Der Wagen wird aber bunt, schrill und schräg sein wie unser Club. Die Deko und die Outfits gehen in Richtung ‚Alice im Wunderland und Mad Max machen zusammen einen Zirkus am Strand mit Grossmutters Möbeln‘. Wie du dir ja vorstellen kannst, machen wir nicht an der Street Parade mit, weil wir mehr Werbung bräuchten. Es ist wirklich aus Freude an der Sache und weil wir finden, dass die Street Parade für die Stadt und das Nachtleben nicht nur eine wichtige Rolle gespielt hat sondern immer noch spielt. Und schlussendlich: es ist ein Riesenspass!»

Alle die noch auf Klaus-Wagen zu den Sets der DJs Carlo Lio, Nathan Barato (beides langjährige DJs am BPM Festival), Playlove, Pazkal, Nici Faerber, Aaron Khaleian und Raphael Raban raven möchten muss Mehmann enttäuschen: «Wir sind leider längst ausgebucht.»

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.