Spoilphil

Emma Roberts (hier in «Scream Queens») ist wohl auch spoilphil. Bild: zvg

«Entschuldigung, ich muss hier raus», sagte der Mann, richtete sich auf und schob mit seiner Einkaufstasche langsam, aber bestimmt meine Beine zur Seite. Wir sassen im Tram und er musste nicht «hier» raus, sondern erst bei der nächsten, gefühlte 200 Kilometer entfernten Haltestelle. Da ich keine Lust auf eine Diskussion hatte, stand ich auf. «Halten Sie sich besser fest», wollte ich sagen, doch der Mann sah aus, als hätte er langjährige Erfahrung im Frühaufstehen. Tat er leider nicht und einen ruckigen Stopp später lag er auf dem Mittelgang.

Hätte ich doch gespoilert! Ihm das Ende der Szene verraten, das so vorhersehbar war wie eine Pointe bei der Comedyserie «King of Queens». Aber dieser Tage ist man ja vorsichtig, was man vorwegnimmt und was nicht. Gerade als Serienjunkie. Ein falsches Stichwort zu «Homeland» hier, eine falsche Bemerkung zu «House of Cards» da – und schon hat man seinem Gegenüber eine ganze Staffel vermiest. «Spoilphobiker» nenne ich Zuschauer, die partout keine Details zu späteren Folgen erfahren wollen. (Den ganzen Beitrag dazu gibt es zum Nachlesen hier)

Aber es geht auch anders. Neulich hat sich eine Kollegin als «spoilphil» geoutet: «Ich bin froh, wenn ich schon weiss, wer in meinen Serien stirbt oder verlassen wird. Dann kann ich mich emotional darauf vorbereiten.» Auch ich habe schon die Handlung einer Serie gegoogelt, weil ich einen Cliffhanger nicht bis zur nächsten Episode ausgehalten habe. Im Leben gibt es schliesslich genug Dinge, die man nicht beeinflussen kann. Stürze im Bus und Ungewissheit vor dem Fernseher gehören nicht dazu.

Alle Folgen vom Serienjunkie finden Sie hier oder auf Facebook. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 30.08.2016, 14:51 Uhr)

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