Die BBC-Sadisten

In der Kürze liegt die Würze, weniger ist mehr, es kommt nicht auf die Länge an: Diese Weisheiten sind nichts als Schwachsinn. Jedenfalls in Bezug auf BBC-Serien. Zum Beispiel «Luther». Eine Serie, die mir mal wieder so richtig den Ärmel reingenommen hat.

Idris Elba, der eben im Biopic als Nelson Mandela auf der Kinoleinwand zu sehen war, spielt den Mordermittler John Luther, der mit unkonventionellen Methoden Verbrecher stellt – und in passenden Situationen auch mal Selbstjustiz übt. Einer der sympathischsten Antihelden der Fernsehgeschichte und mit Tweedmantel und locker sitzender Krawatte auch einer der bestgekleidetsten.

Alles prima? Leider nein, denn: Bei der BBC arbeiten Sadisten! Diese produzieren am Laufmeter grandiose Serien («Sherlock», «Coupling», «The League of Gentlemen»), machen die Zuschauer abhängig und plagen sie dann mit ganz kurzen Staffeln. Drei, vier oder im Fall von «Luther» sechs Folgen und schon muss man wieder ein Jahr auf die nächste Staffel warten. Da hilft die schnellste Internetverbindung nichts.

Als wäre das nicht genug der Folter, legt die BBC im Fall von «Luther» noch einen Zacken zu und setzt die preisgekrönte Serie nach nur drei Jahren ab. Geplagten Serienjunkies wie mir bleibt nichts anderes übrig, als auf den geplanten Spielfilm zu warten und die Serie in der Zwischenzeit auf DVD endlos zu wiederholen. Das macht auf Dauer keinen Spass. Darum, liebe BBC-Macher, schreibt euch das auf die Filmklappe: Stimmt die Qualität, ist länger immer besser!

SRF strahlt die dritte und letzte Staffel nicht mehr aus. Dafür sind alle drei Staffeln in einer DVD-Box erhältlich (2entertain).

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(Erstellt: 05.08.2014, 17:23 Uhr)

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