Von Kätzchen und Hengsten

Ich, schnaubend: «Das ist etwas ganz anderes, als Frau darf ich das sagen, und sowieso: Du bist hier diskriminierend, nicht ich!» Aber alles von Anfang an.

Ein regnerischer Morgen, alle sitzen hinter ihren Bildschirmen. Auf einmal flüstert mir ein Arbeitskollege zu: «Ich bin total süchtig nach ‹Devious Maids›, kennst du die Serie? Hollywoodschund über Haushälterinnen, die einen Mord aufklären. Aber die Darstellerinnen: alles Kätzchen!» Ich so: «Kätzchen, really?» Der Kollege zwinkert und klickt auf der Onlineplattform IMDb.com die Darstellerinnen an. Ana Ortiz, bekannt aus «Ugly Betty». Dania Ramirez aus «Heroes». Und natürlich Judy Reyes aus «Scrubs». Quasi das Who’s who der lateinamerikanischen Serienschauspieler-Zweitliga.

«Ich sehe Frauen, keine Kätzchen», antworte ich pikiert und starte auf srf.ch eine Folge. Nun verstehe ich, warum mein Kollege zu animalischen Vergleichen greift: Die Haushälterinnen schrubben die Böden in hautengen Jeans und mit ausladenden Décolletés oder rennen ganz nackt durch die Villen ihrer Chefs. «Das ist so sexistisch!», entgegne ich genervt und will den Player ausschalten – da sagt der Kollege: «In der nächsten Folge spielt ein Schweizer mit: Carlos Leal.» «Oh, dann schaue ich natürlich weiter. Carlos ist ein echter Hengst!»

«Devious Maids»: Mo, 20 Uhr, SRF2, und auf srf.ch. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 12.11.2014, 11:15 Uhr)

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