Der Serienjunkie macht einen Abflug


Auf einem Drachen aus der meistbesprochenen Serie «Game of Thrones» fliegt der Serienjunkie nach fünf Jahren Kolumnenschreiben davon. So long! Foto: PD / BZ, Montage: BZ

Elf Jahre nach dem Ende der Mafiaserie «The Sopranos» erwische ich mich immer noch beim Grübeln: Wurde der Boss Toni am ­Ende im Restaurant erschossen vom Kerl, der so nervös gegenübersass? Endete die US-Erfolgsserie mit einem Happy End an der Familientafel?

Oder sollte die ­allerletzte Szene nach sechs Staffeln suggerieren, dass Toni für den Rest seines Lebens unter Verfolgungswahn leiden würde, nachdem er alle seine Feinde hatte ermorden lassen? Auch nach der Lektüre diverser Artikel und einer Universitätsarbeit über das «Sopranos»-Aus habe ich keine abschliessende Antwort.

Es war ein brillanter Abschluss, auch wenn mir persönlich offene Enden wenig behagen. Tot oder lebendig, verliebt oder getrennt, Welt gerettet oder Welt zerstört: Nachdem ich viele Stunden fürs Serienschauen aufgewendet habe, schalte ich den Fernseher gerne mit einer Grundgewissheit aus.

Entsprechend enerviere ich mich noch heute über das Serienfinale von «Alf» (1986–1990), in dem der kuschelige Ausserirdische nach vier harmlosen Comedystaffeln auf einmal von grimmigen Militärs umzingelt wird und niemand weiss, was sie mit ihm anstellen. Vielleicht vermag mich ja die neulich angekündigte Fortsetzung etwas zu versöhnen.

Richtig wütend werde ich bei symbolisch überfrachteten Auflösungen, die eine verzwackte Dramaturgie abschliessen und das meiste ungeklärt stehen lassen – ganz so, als hätten die Drehbuchautoren selbst nicht mehr gewusst, wie sie aus dem Handlungsdickicht wieder rausfinden. (Ja, «Lost», ich meine dich.)

Doch auch ein geschlossenes Ende kann Augenrollen auslösen. Etwa, wenn wieder mal das altbackene Muster «Verliebt, verlobt, verheiratet, glücklich schwanger» durchgezogen werden muss. Sogar Samantha, die «Sex and the City»-Nymphomanin vom Dienst, verabschiedete sich 2004 einigermassen monogam vom Bildschirm.

Ehe das seit Jahrzehnten am heissesten erwartete Serienende 2019 ausgestrahlt und somit die Frage geklärt wird, wer das «Game of Thrones» für sich entscheidet, steht nun das Ende dieser Kolumne an. Nach fünf Jahren und 210 Beiträgen verabschiedet sich der «Serienjunkie» nicht mit einer offenen Frage, sondern einer Infografik, die alles erklärt. Danke fürs Lesen – und weiterhin viel Spass vor der ­Glotze!

Alle Beiträge von 2013 bis 2018 finden Sie hier.

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