Trumps Spiel mit den Schwächsten

Ein Proteststickerbuch wirbt damit, dass man sich zweihundert verschiedene Karikaturen des US-Präsidenten Donald Trump auf die Jutetasche kleben kann. Zweihundertmal die Gelegenheit, sich stolz zu fühlen, einen humoristischen Beitrag gegen die humanitären Krisen dieser Welt geleistet zu haben.

Ach, was haben wir bis hierher über Trump gelacht! Über seine Erscheinung, seine Wortwahl, seine Frauen, den mangelnden Intellekt! Wir lachen immer noch, während an der US-Grenze Kinder ihren Familien entrissen werden.

Mich schockiert, was in einer Demokratie alles möglich ist. Mich verstört der Gedanke, was Trump noch alles umsetzen wird – nun, da er sich sogar mit Nordkoreas Führer austauscht. Und ich frage mich: Wie hat es der 72-jährige Spross einer New Yorker Millionärsfamilie in dieses mächtige Amt geschafft?

Diese Frage versucht die britische Dokuminiserie «Trump: An American Dream» (2017) von Channel 4 zu beantworten, die nun auf Netflix zu sehen ist. In Interviews mit zahlreichen Weggefährten Trumps, mit Journalisten und ehemaligen Mitarbeitern folgt sie seinem Weg von den Anfängen in der New Yorker Immobilienszene über seinen Bankrott in der Casinostadt Atlantic City bis zur Präsidentschaftskandidatur. Schon in der ersten Folge wird das Bild eines Spielers gezeichnet:

Trumps Einsatz sind Geld und Beziehungen. Er ist ein Meister darin, Deals abzuschliessen. «Für ihn gibt es nur zwei Sorten Menschen: jene mit Killerinstinkt und jene ohne», schliesst die Fernsehmoderatorin Rona Barrett aus ihren Gesprächen mit Trump. Barbara Res, ab 1979 Projektleiterin des Trump Tower in New York, hatte laut Trump den «Killerinstinkt». Sie erlebte während des prestigeträchtigen Bauprojekts mit, was mit jenen geschieht, die ihn nicht haben: «Trump attackiert die Schwachen.» Also genau jene, die eine Demokratie schützen sollte.

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