Von Dam und Damen

Ein warmer Frühlingstag an einem Schauplatz meiner Kindheit, dem Tier- und Erlebnispark Seeteufel in Studen. Alles ist noch wie damals. Alligatoren treiben ungerührt im Wasser, die Tschutschubahn rattert übers Gelände, und Geissen schlecken das Popcorn aus meiner Hand.

Nur etwas ist anders: Die Besucher schiessen von jedem Tier, das in ihr Blickfeld galoppiert, watschelt oder schwimmt, ein Handyfoto. Auch von den Damhirschen. Das Ganze ist eine ziemlich unaufgeregte Angelegenheit – bis auf einmal ein Männchen die Rasenfläche betritt, sein Geweih fotogen den Besuchern entgegenstreckt und von links und rechts zu hören ist: «Ah! Oh! Wow!»

Das ist wie beim Profisport, denke ich. Rennen Frauen einem Ball hinterher, schauen einige hin, rennen Männer einem Ball hinterher, steht die Weltwirtschaft still. Dabei macht es keinen Unterschied, ob Bälle gekickt, geworfen, geprellt oder durch die Luft geschlagen werden.

Wer in der Geschichte zurückblickt (oder genug Filme schaut), findet allerdings Ausnahmen. 1943 wurde in den USA etwa die All-American Girls Baseball League gegründet. Weil viele Sportler während des Zweiten Weltkriegs an der Front kämpften, wurden Frauen für eine Profiliga rekrutiert. Nach anfänglicher Skepsis kamen die sportbegeisterten Zuschauer bald zahlreich – was der Kinofilm «A League of Their Own» von 1992 mit Geena Davis, Lori Petty und Tom Hanks in den Hauptrollen zeigt. Ein starker Streifen, aus dem der Onlinegigant Amazon nun eine Serie machen will.

«Ah! Wow! Oh!», entfährt es mir, als ich diese Nachricht lese. Dem Damhirsch ist das geplante Fernsehhighlight freilich egal. Er wirft am exponiertesten Ort ein paar Häufchen aus, und ich bin froh, dass er sich diesbezüglich von Profisportlern unterscheidet.

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