Die Moralfrage

Die tote Hannah (Katherine Langford) meldet sich per Kassetten zu Wort.

Es gibt Serien, die unterhalten, gruseln, belustigen – und einige wenige wühlen auf. So ergeht es mir derzeit mit der neuen Netflix-Produktion «13 Reasons Why». Thematisiert wird der Selbstmord einer Schülerin. Darf man das? Ein Serie über Jugendsuizid machen? In den USA gibt es kritische Stimmen: Organisationen und Schulen, die vor Nachahmungen warnen.

Neu ist das Thema am TV nicht. Von 2011 bis 2016 lief auf MTV «Awkward», eine Serie, die nach dem missglückten (oder gar unbeabsichtigten?) Suizidversuch einer 15-Jährigen ansetzt. Über fünf Staffeln erkennt Jenna, wofür es sich zu Leben lohnt. Für Teenagerliebe natürlich. Für Freundschaft. Aber auch für Auseinandersetzungen, an denen man nicht zerbrechen, sondern wachsen kann. Das klingt jetzt wahnsinnig seriös, aber eigentlich ist es eine relativ schrille, oberflächliche Serie.

«13 Reasons Why» ist nicht schrill. Oberflächlich sind höchstens die Persönlichkeiten einiger Figuren. Die Handlung ähnelt einem Thriller: Die Verstorbene Hannah (Katherine Langford) meldet sich via besprochene Kassetten bei ihren Bekannten zu Wort. Die Zuhörer erfahren Schritt für Schritt, was Hannah zu ihrer Tat geführt hat – und welchen Anteil zum Drama sie selber beigetragen haben. Das entwickelt einen unheimlichen Sog. Und immer wieder wird man an die eigene, nicht immer bequeme Jugend erinnert.

Aber eben, darf man das? Ich finde: ja. Jugendsuizid existiert, auch wenn man das Thema totschweigt. «13 Reasons Why» idealisiert nichts, sondern zeigt, wohin unser Umgang mit digitalen Medien im schlimmsten Fall führen kann. Welch grosse Lücke jemand hinterlässt, der sich unsichtbar fühlte. Das wühlt auf. Aber Wegsehen hat noch nie geholfen.

Und hier ein Song des Serien-Soundtracks, der die Stimmung schön zusammenfasst:

 

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