Beiträge mit dem Schlagwort ‘Zach Braff’

Die Lebensrolle des Zach Braff

Fabian Kern am Mittwoch den 22. Oktober 2014

«Wish I Was Here» läuft ab 23.10. im Küchlin.

«Wish I Was Here» läuft ab 23.10. im Küchlin.

Gewisse Rollen haften einem ein Leben lang an. Sie werden so sehr damit identifiziert, dass der Zuschauer das Gefühl hat, der Schauspieler sei in Realität genau so, wie seine Paraderolle. Zach Braff gehört zu dieser Kategorie. Er gilt wohl für immer als der Arzt mit der grossen Klappe, der aber einige Komplexe mit sich herumträgt und das Loser-Image nie ganz loswird. Der sich ständig einredet, dass er glücklich ist, sich das aber selbst nicht abnimmt. Braff hat dieses Bild in seinem ersten Kinofilm «Garden State», bei dem er auch noch Regie führte, gar selbst weiter gepflegt. Auch in jener Hommage an den Staat New Jersey war er der ewige Jugendliche, der in seinen Kindheitsträumen nachhängt, anstatt der Realität ins Gesicht zu schauen.

Fürs Eheglück brauchts immer zwei: Sarah und Aidan.

Fürs Eheglück brauchts zwei: Sarah und Aidan.

Nun kommt Braffs zweite Regiearbeit auf die Leinwand – und es scheint gleich weiter zu gehen. Zwar hat Aidan Bloom (Zach Braff) mit Sarah (Kate Hudson) eine bildhübsche Frau und zwei süsse Kinder, wohnt in einem grossen Haus mit Pool im sonnigen Los Angeles. Doch seit seiner Kindheit möchte er ein Held sein, weshalb er eine Schauspiel-Karriere anstrebt. Seine Karriere aber will einfach nicht in die Gänge kommen. Er eilt von Casting zu Casting, von Enttäuschung zu Enttäuschung, während Sarah die Familie mit ihrem Lohn für einen grauen Bürojob mehr schlecht als recht durchbringt. Völlig auf den Kopf gestellt wird das Familienkonzept durch die Krebs-Erkrankung von Aidans Vater Gabe (Mandy Patinkin). Eine neuartige Therapie macht es diesem unmöglich, die Gebühren für die jüdische Privatschule seiner Enkel weiter aufzubringen. Aidan muss seine Prioritäten neu setzen und beschliesst, das Glas mit den Bussen für das Fluchen, das eigentlich für die Ausbildung der Kinder gedacht war, für einen wichtigeren Zweck einzusetzen. Im Versuch, für seine Kinder dazusein und gleichzeitig sich und seinen faulen Bruder Noah (Josh Gad) dem kranken Vater anzunähern, entdeckt er die Rolle seines Lebens.

Leben, da sind wir: Tucker, Grace und Aidan.

Leben, da sind wir: Tucker, Grace und Aidan.

Die Produktion hing an einem seidenen Faden, konnte erst dank Crowd-Funding finanziert werden. Die Hälfte des 6-Millionen-Dollar-Budgets wurde so hereingeholt. Zum Glück. Dass die bittersüsse und sehr warmherzige Tragikomödie am Sundance Film Festival, dem Woodstock des Indie-Films, gefeiert wurde, ist kein Wunder. Denn nicht nur die gut ausgewählten Darsteller überzeugen. «Wish I Was Here» ist ein Film zum Lachen und Weinen, in dem man sich wiedererkennen kann. Man sieht die Schwächen der Figuren, die sie so menschlich und sympathisch machen. Dass jedermann immer wieder vor grossen und kleinen Entscheidungen steht. Dass einen Traum zu haben gut ist, sich dieser aber im Lauf des Lebens ändern kann. Dass man für die Menschen, die man liebt, manchmal etwas aufgeben kann. Und man sieht einen Zach Braff, der sich den Herausforderungen stellt und zum ersten Mal wirklich reif und erwachsen auftritt. Vielleicht ist das ein Schritt weg von seinem «Scrubs»-Image. Wie er wohl in Wirklichkeit ist?

«Wish I Was Here» läuft ab 21. Oktober 2014 im Kino Pathé Küchlin in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 21. Oktober: Northmen – A Viking Saga, The Boxtrolls, Dark Star – HR Gigers Welt, Cure, Blind Dates.

Oz zum Anfassen

Fabian Kern am Mittwoch den 6. März 2013

Filmplakat

«Die fantastische Welt von Oz» läuft ab 7. März im Küchlin und im Plaza.

Fantasy ist zur Zeit «In» – erst recht, seit die 3D-Technologie in den Kinos hoffähig wurde. Was läge also näher, als die klassischen Märchen mit grossem Aufwand quasi zum Anfassen auf die Leinwand zu bringen? Die Disney-Studios sind deshalb zu ihren Wurzeln zurückgekehrt und haben sich am amerikanischsten aller Märchen versucht: dem «Zauberer von Oz» von L. Frank Baum. Allerdings muss die Geschichte von Dorothy, die von einem Tornado aus Kansas in eine Zauberwelt entführt wird, noch warten. Zuerst erzählt Spiderman-Regisseur Sam Raimi in «Die fantastische Welt von Oz» die Vorgeschichte dazu: Wie der berühmte Zauberer nämlich selbst nach Oz gelangte. Der biografische Hintergrund des Zauberers stammt aber nicht aus der Feder von L. Frank Baum, sondern wurde von den Drehbuchschreibern entwickelt.

Oscar und das Porzellanmädchen

Wo gehts hier zur bösen Hexe? Oscar und das Porzellanmädchen. (Bilder: Disney Enterprises)

Oscar Diggs (James Franco) schlägt sich im Jahr 1905 in Kansas auf einem Jahrmarkt mit überschaubarem Erfolg als Magier «Oz» durch. Der Trickbetrüger fällt dabei aber mehr durch seine zweifelhafte Moral als durch seine Zaubertricks auf. Als er mit einem Heissluftballon fliehen muss, weil er wieder einmal ein naives Mädchen verführt hat, wird der Schwerenöter von einem Tornado erfasst, der ihn in ein unbekanntes Land entführt. Die aufregende, bunte Welt von Oz erscheint Oscar nach der wüsten Einöde des amerikanischen Mittelwestens wie das gelobte Land. Zumal die Einwohner gemäss einer Legende von einem Zauberer erlöst und angeführt werden sollen. Thron und immenser Reichtum in der Smargdstadt scheinen bereit zu liegen für den gierigen Schwindler. Der kleine Haken: Zuerst muss Oscar die böse Hexe besiegen.

Theodora und Oscar

Schön – aber auch gut? Theodora.

Evanora und Oscar

Definitiv böse: Theodoras Schwester Evanora.

Das klingt schon schwierig genug für einen Magier, dessen magisches Talent gegen null tendiert, und dessen Motivation so gar nicht ehrenhaft ist. Doch Oscars vordringliches Problem besteht darin, herauszufinden, wer die böse Hexe ist. Von den Schwestern Evanora (Rachel Weisz) und Theodora (Mila Kunis) wird er auf Glinda (Michelle Williams) gehetzt. Die sanfte Blondine allerdings erfüllt so gar nicht Oscars Bild von der bösen Hexe, und er ahnt, dass die Rollen wohl umgekehrt verteilt sind. Was ihm nicht wirklich viel hilft, denn der Armee der bösen Schwestern hat er nicht viel Schlagkräftiges entgegenzusetzen. Neben einem fliegenden Affen, einer lebendigen Porzellanpuppe und der weissen Magie von Glinda bleibt «Oz» nur der Manpower eines zwar fleissigen, aber durch und durch pazifistischen Volks. Da muss sich Oscar auf seine grosse Stärke, die Illusion, konzentrieren. Oder verlässt ihn doch noch im letzten Moment der Mut und er lässt die liebenswerten Einwohner von Oz trotz seiner Schwäche für Glinda im Stich?

Glinda

Definitiv gut: die schöne Glinda.

Natürlich nicht – es ist schliesslich ein Märchen. Ein Märchen, dessen Fortsetzung man schon kennt. Und das müssen sich auch jene Fantasy-Fans vor Augen halten, die Episches à la Tolkien erwarten. «Die fantastische Welt von Oz» ist familiengerechte Disney-Unterhaltung. Technisch hervorragend gemacht und mit liebevollen Charakteren – allein das Porzellanmädchen ist zum Knuddeln – verzichtet die aufwändige 3D-Produktion auf den im Fantasy-Genre in Mode gekommenen Gothic-Anstrich. Zu ihrem Vorteil. Ebenso die Tatsache, dass bis auf eine Ausnahme auf Gesangseinlagen verzichtet wurde. So ist Raimi, der sich hauptsächlich mit Horrorfilmen einen Namen gemacht hat, ein schönes Märchen gelungen, dem man den Mangel an Tiefgang verzeiht. Und auch wenn noch nichts über weitere Verfilmungen der Abenteuer aus den 14 Oz-Büchern bekannt ist: Disney wird sich nach dem gelungenen Prequel das Remake der berühmten Hauptgeschichte kaum nehmen lassen.

«Die fantastische Welt von Oz» läuft ab 7. März 2013 im Pathé Küchlin und im Pathé Plaza in Basel.

Weitere Filmstarts in Basel am 7. März: Shootout, Night Train to Lisbon, Safe Haven, Detachment, Thérèse Desqueyroux, Appassionata, Il comandante e la cicogna, Appassionata.