Beiträge mit dem Schlagwort ‘Yves Klein’

Eine Art Plattenladen

Luca Bruno am Donnerstag den 16. Juni 2011

Eine Spezialsektion in der in Halle 1 beheimateten «Art Unlimited» heisst «Artists Records». Der Grossteil der dort ausgestellten Tonträger befindet sich allerdings nicht etwa in Vitrinen, sondern ist in herkömmlichen Plattenregalen untergebracht. Am Vinyl hängen anstatt Rote Punkte echte Preisschilder und jeder Messebesucher ist dazu eingeladen, die Sammlung mit eigenen Händen zu durchstöbern. Alle dort verfügbaren Platten können Probe gehört und selbstverständlich auch gleich gekauft und mitgenommen werden.

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Herausgepickt: Yves Kleins Mülleimer

karen gerig am Dienstag den 15. Februar 2011

Der Müll ist das Endstadium jeden Objektes. Müll ist aber auch Merkmal einer Epoche. Für einen Künstler, der für Objekte eine derartige Obsession entwickelt, wie es Arman tat, muss Müll zwingend interessant werden. Arman (1928-2005), der Künstler des Nouveau Réalisme, nutzte gebrauchte Objekte erst als Stempel, um Farbe auf Leinwand zu bringen. Bald wurde das Sammeln solcher Objekte selbst zur Kunst und Gleiches mit Gleichem in Glaskästen gesammelt. Später, in den Siebziger Jahren,  zerschmetterte, zersägte und zündete Arman Gegenstände an, bevor er mit der Farbtube als letztverwendetem Objekt zum Medium Malerei zurückkehrte.

Irgendwann dazwischen aber, Ende der Fünfziger Jahre, begann der Franzose damit, weggeworfene Objekte zu sammeln. Den Müll eines bestimmten Quartiers etwa, oder den Müll einer bestimmten Person. Unser Abfall sagt eine Menge über uns, merkte Arman, und so schuf er individuelle Porträts unterschiedlicher Menschen.

"Premier portrait-robot d'Yves Klein" (1960) von Arman.

Manchmal durchwühlte er jedoch nicht die Abfalleimer, sondern sammelte gezielt Gegenstände, die einen Menschen beschreiben. Yves Klein, ein Künstlerkollege und Freund, auf den Arman in seinem Werk mehrmals Bezug nahm, porträtierte er als einen der ersten auf diese einmalige Weise.

Zentral im «Premier portrait-robot d’Yves Klein», das man ab heute im Museum Tinguely betrachten kann, ist ein Stück ultramarinblau eingefärbtes Papier: Kleins Markenzeichen. Farbverspritzte Plastikplanen, ein Schuh mit pinker Farbe an der Sohle, farbverspritzte Kleidung charakterisieren den Maler. Die Farbe Rosa findet sich auch an zerschnittenen künstlischen Rosen und widerspiegelt so ebenfalls einen wichtigen Teil von Kleins künstlerischem Werk. Während solch werkbezogene Objekte sich jedem Betrachter erschliessen, müssen wir ob eines Fetzens aus einem Tim & Struppi-Comic, mehrerer Buchseiten und einer Rolle Fotonegative stärker und möglicherweise ohne Versprechen auf Lösung rätseln. Sicher ist, dass es sich um persönliche Gegenstände Kleins handelt. Und Arman wird seine Gründe gehabt haben, weshalb er diese Zeitzeugen zu einem Porträt seines Künstlerfreundes gesellte.

Das einzigartige Yves Klein-Porträt ist Teil der Arman-Retrospektive im Museum Tinguely. Vernissage ist heute Dienstag um 17 Uhr. Die Ausstellung dauert bis 15. Mai.