Beiträge mit dem Schlagwort ‘Yann Martel’

Tiger an Bord

Fabian Kern am Montag den 24. Dezember 2012

Filmplakat

«Life of Pi» läuft ab 26.12. im Pathé Plaza und im Rex.

Die Tage zwischen den Jahren haben etwas Spezielles. Irgendwie werden sie gar nicht richtig wahrgenommen. Zu benommen ist man noch vom Fondue Chinoise neben dem Christbaum und von der Vorfreude auf die Silvesterparty. Deshalb gibt es zwischen Weihnachten und Neujahr nichts Gemütlicheres, als sich in den flauschigen Kinosessel einzukuscheln und sich von fantastischen Aufnahmen in eine fesselnde Geschichte hineinziehen zu lassen. Insofern ist der Kinostart von «Life of Pi» ideal gewählt. Und sogar die umstrittene 3D-Brille hat im neusten Werk von Oscar-Preisträger Ang Lee («Brokeback Mountain», «Hidden Dragon, Crouching Tiger») ihre Daseinsberechtigung. Der chinesische Meisterregisseur erzählt die unglaubliche Lebensgeschichte des Inders mit dem kuriosen Namen Piscine Molitor Patel, kurz Pi genannt, in einem rauschenden Bilderbogen, der das Auge verwöhnt und die Seele rührt.

Pi und der Schriftsteller

Pi erzählt dem kanadischen Schriftsteller das Abenteuer seines Lebens. (Bilder: Warner Bros.)

Dem kanadischen Schriftsteller, dem Pi sein grösstes Abenteuer erzählt, wurde versprochen, diese sei der Beweis für Gottes Existenz. Diese faszinierte den Sohn eines Zoodirektors schon seit seiner Kindheit in der indischen Stadt Pondicherry in den 70er-Jahren. Während seine Eltern und sein Bruder Anhänger der Rationalität waren, beschäftigte sich Pi mit allen Arten des Glaubens. Dass er als Einziger seiner Familie den tragischen Untergang jenes japanischen Frachters überlebt, hat er allerdings weniger seiner Religion als vielmehr seiner Leichtsinnigkeit, bei schwerem Seegang an Deck zu gehen, zu verdanken. Ein unglaublicher Sturm versenkt das gewaltige Schiff, als sei es eine Nussschale. Und von diesem Punkt an trumpft Ang Lees Special-Effects-Team ganz gross auf.

Pis Eltern und der Schiffskoch

Kurz vor dem Untergang streiten Pis Eltern mit dem rüpelhaften Schiffskoch (Gérard Depardieu).

Das sinkende Schiff in den turmhohen Wellen des wütenden Pazifiks ist ebenso faszinierend für den 3D-Zuschauer wie tragisch für den Protagonisten. Pi verliert bei diesem Unglück seine Familie und findet sich auf dem einzigen Rettungsboot wieder – nur mit tierischen Leidensgenossen. Da die indische Familie mitsamt den Zoobewohnern auf dem Weg nach Kanada war, schafften es einige Tiere ebenfalls auf das Rettungsboot: Ein Zebra, eine Hyäne, ein Orang Utan und ein Tiger. Den Kampf gegen Hunger und Durst in den ersten Tagen überleben nur Pi und der Tiger, den er schon seit Jahren unter dem Namen Richard Parker kennt. Mit der Raubkatze hatte er sich als kleiner Junge anfreunden wollen, wurde von seinem Vater mittels einer eindrücklichen Lektion eines Besseren belehrt. «Der Tiger wird nie dein Freund sein», lauteten die Worte, an die sich Pi nun auf hoher See erinnert.

Pi

Pi stellt sich dem Duell mit Tiger Richard Parker.

Während der folgenden Tage, Wochen und Monate ist es aber gerade der Tiger, der Pi am Leben hält. Nicht, weil sich die beiden ungleichen Schiffbrüchigen doch noch verbrüdern, was absolut hirnrissig wäre, sondern weil Pi jeden Tag von neuem einen Weg finden muss, mit dem fleischfressenden Raubtier auszukommen. Der Teenager wächst an der Herausforderung, bastelt sich ein Beiboot, lernt zu fischen und Regenwasser zu sammeln. Gleichzeitig kämpft versucht er unablässig, Richard Parker zu zähmen. Die Duelle, die der junge Inder mit dem bengalischen Tiger ausficht, sind ebenso packend wie die Überraschungen, welche die hohe See zu bieten hat.

Ang Lee

Ang Lee hat den unverfilmbaren Roman verfilmt.

Der Roman «Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger» des Kanadiers Yann Martel galt jahrelang als unverfilmbar. Lee hat das Werk nun in unvergesslicher Manier auf die Leinwand gebracht. Dank der stupenden Tricktechnik wirken Tiger wie auch die Naturgewalten sehr real. Die Geschichte, so unglaublich sie auch klingen mag und so kitschig die Bilder zum Teil sein mögen, packt einen bis zum Schluss. Ohne missionarisch zu wirken, ist «Life of Pi» ein Film über den Glauben – an eine höhere Macht und an sich selbst. Was könnte über die Festtage besser passen?

«Life of Pi» läuft ab 26. Dezember in den Basler Kinos Pathé Plaza und Rex.

Filmstarts in Basel am 27. Dezember: DFL, Great Expectations, Jack Reacher, Love Is All You Need, Maniac und Searching for Sugar Man.