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Wal und Qualle tanzen in der Markthalle

Joel Gernet am Freitag den 3. August 2012

Onur Dinc und Wes21 verwandeln das FAKT in eine Unterwasserwelt.

Es ist ein Kampf der Giganten: Eine überlebensgrosse, honigfarbene Qualle umfasst mit ihren meterlangen Tentakeln einen stattlichen Buckelwal. Auf den zweiten Blick gleicht der Kampf dann eher einem Unterwassertanz. Die beiden Ungetümer schweben über die 25-Meter-Wand des FAKT, einem temporären Projektraum für Kunst und Musik im Mantelgebäude der Markthalle.

«Von draussen sieht der Raum aus wie ein Aquarium», sagt der Bieler Künstler Wes21. Der 23-Jährige malt mit Pinsel und Spraydose und ist im FAKT für die farbenfrohe Qualle zuständig. Sein Partner Onur Dinc (32) aus Solothurn kümmert sich daneben mit Farbrolle und vier verschiedenen Schwarztönen um den rund 20 Meter langen Buckelwal. «Es ist ein technisches Bild ohne tieferen Sinn – hier geht es vor allem um die Komposition», sagt Dinc. «Die beiden Elemente müssen sich voneinander abheben und trotzdem zusammenpassen», ergänzt Wes21.

Und tatsächlich: Obwohl – oder vielleicht gerade weil – die beiden völlig unterschiedliche Maltechniken und Farbpaletten verwenden, wirkt das 25-Meter-Bild wie aus einem Guss. Das liegt vermutlich auch daran, dass beide Künstler fast schon versessen detailgetrau malen. Mit dem bewusst dezent gehaltenen Licht im FAKT kann durchaus Aquarium-Feeling aufkommen. Während sich die Qualle hell auf dem schwarzen Hintergrund abzeichnet, bleibt der dunkle Buckelwal im schummrigen Licht fast verborgen. Umso eindrücklicher der Effekt, wenn Abends die Szene von vorbeirauschenden Autoscheinwerfern beleuchtet wird.

Es ist Donnerstag, knapp 24 Stunden vor der Vernissage (Freitag 19 Uhr), noch haben Wes21 und Onur Dinc alle Hände voll zu tun. «Wir werden die Nacht wohl durcharbeiten», sagt Dinc. Ein sanftes Lächeln zeichnet sich unter seinem Bart ab. «Das Bild heisst Qual», fügt Wes21 lachend an – wegen der Qualen bei der Entstehung, vor allem aber auch wegen dem Verschmelzen der beiden Tierbezeichnungen. Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern, die bei derart photorealistischen Bildern eine Foto-Vorlage an die Wand projektieren, haben Wes21 und Dinc ihre Motive freihändig auf die Wand geklatscht. Dort, wo bis vor Kurzem noch das Bild der Berner Künstlers Ata «TOAST» Bozaci prangte. «An der Toast-Vernissage vor einem Monat dachte ich: Shit, das musst du ja dann übermalen». Schlussendlich sei das aber ein fester Bestandteil des Projekts. «Unser Bild wird ja auch wieder übermalt», ergänzt Wes21.

Das Kool-Savas-Cover von Onur Dinc.

Auf die Arbeitsweise der beiden hat die vergänglichkeit ihres Mammut-Bildes jedenfalls keine Auswirkung. «Ich gebe mir nicht weniger Mühe, als etwa bei einem Auftrag für Kool Savas», sagt Dinc, der Ende 2011 (unter anderem) ein Album-Cover für den deutschen Rapstar gemalt hat. Kurz zuvor erschien die CD des nicht minder bekannten Rappers Samy-Deluxe mit einem Titelbild von Wes21.

«Das Lustige war, dass die beiden Aufträge innerhalb von sieben Minuten reinkamen», erinnert sich Wes21. Zusammen mit seinem Solothurner Kumpel sass Wes21 im Zug, als zuerst Savas bei Dinc anrief und sich Samy Minuten später bei ihm meldete. So kommt es, das zwei der erfolgreichsten deutschen Rapplatten 2011 ein Schweizer-Cover haben.

Das Samy-Deluxe-Cover von Wes21.

Kennen gelernt haben sich Dinc und Wes21 vor vier Jahren in…ratet mal wo…genau – Basel. Und zwar im Rahmen der Erstausgabe der Urban-Art-Messe ArtYou. Nun sind die beiden also wieder in Basel aktiv und verwandeln das FAKT in ein gigantisches Aquarium. Bis zur Vernissage ist davon von Aussen allerdings nicht viel zu sehen: Das FAKT-Team hat die grosse Schaufensterfront mit Packpapier verhüllt – schliesslich soll sich die Aura dieses Unterwasserbildes erst an der Vernissage voll entfalten können. Aus diesem Grund (und auf Bitte der FAKT-Macher hin) wird das Bild übrigens auch an dieser Stelle lediglich in Ausschnitten abgebildet.

Und in einem Monat kommt der nächste Künstler und übermalt den «Qual» von Wes21 und Onur Dince. Bis zum Ende der Zwischennutzung sollen sich noch ein Basler und drei ausländische Künstler an der 25-Meter-Wand austoben dürfen – dazu müsste die Zwischennutzung allerdings von den Markthalle-Betreibern verlängert werden. Die Chancen, dass es dazu kommt stehen nicht schlecht, wie aus den Reihen des FAKT-Teams zu erfahren ist. Vorerst aber gehört der Projektraum ganz dem tanzenden Meeres-Paar von Wes21 und Dinc.

Onur & Wes21, FAKT, Viaduktstrasse 10, Basel, 3.-25. August 2012. Vernissage: Fr. 3. August, 19 Uhr, Musik: Konzeptlos (Soul/Funk). Öffnungszeiten: Di.-Fr. 16h-2h, Sa. 10h-2h.