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Rückblick #9: Starke Museen und der Zürich-Komplex

schlaglicht am Montag den 3. Januar 2011

Für den Rückblick auf das Basler Kulturjahr 2010 haben wir verschiedene Persönlichkeiten aus der Region zu ihren Höhe- und Tiefpunkten aus dem sich zu Ende neigenden Jahr befragt. Galerist Stefan von Bartha wünscht sich, dass Basel sein kulturelles Potenzial stärker wahrnimmt und nicht nur die bildende Kunst fördert.

Stefan von Bartha in seiner Galerie am Kannenfeldplatz. (Foto Daniel Desborough)

Stefan von Bartha, was war Ihr kulturelles Highlight 2010?
Die Art Basel-Woche mit den grossartigen Eröffnungen und der Messe. Die Museenszene hat mit Jean-Michel Basquiat, Rodney Graham und Matthew Barney ein unheimlich hohes Niveau erreicht. Art Basel, Design Miami, Liste und Art Unlimited waren sehr spannend, und es war für mich das absolute kulturelle Highlight dieses Jahr! So viele hervorragende Kunst auf so kleinem Raum und in einer Woche, das ist ziemlich unschlagbar. Diese Qualität hat wirklich noch keine weitere Messe erreicht und man kann davon ausgehen, dass dies auch in der Zukunft weiterhin eines der grössten Highlights bleiben wird.

Gab es auch einen kulturellen Tiefpunkt?
Ich würde es nicht «Tiefpunkt» nennen. Ganz allgemein muss Basel als Stadt sehr vorsichtig sein, das Kulturprogramm nicht zu vernachlässigen. Es werden spannende Studien zur Stadt präsentiert, grossartige Museumsausstellungen eröffnet. Wir haben die wichtigste Kunstmesse, und das Label Basel ist weltbekannt. Was aber sonst daraus gemacht wird, ist sehr mager. Es gibt viel zu viele Bereiche, welche kulturell spannend wären, aber überhaupt nicht beachtet werden. Abgesehen von der Art Basel Woche muss die Stadt mehr machen für die Kreativszene. Architektur, Design und Mode brauchen weitere Plattformen, um sich zu präsentieren und auch die Galerienszene muss wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen und an Dynamik gewinnen. Da fehlt es an der Unterstützung und bei manchen an Mut. Die Basler könnten auch noch etwas mehr Eigeninitiative zeigen, und in der Politik müssten gewisse Personen vielleicht etwas mehr Zeit und Engagement  in die Kulturszene investieren und die Stadt fördern statt mit Auftritten beim FC Basel. Kultur scheint in der Politik immer noch ein Fremdwort zu sein und es fehlt an klaren Ideen. Die Politik versteht die Museumslandschaft als Kultur. Dass es da noch weitere Bereiche gibt, scheint fremd.

Was haben Sie verpasst?
Art Basel Miami Beach und Jamiroquai an der Avo Session.

Haben Sie etwas vermisst?
Wie gesagt vermisse ich weitere starke Projekte für die Stadt. Wir müssen jetzt dringend etwas tun, um die verschiedenen Bereiche zu fördern. Manchmal scheint es mir, als wüssten die Menschen gar nicht, wieviele Highlights wir in der Stadt haben. Ein paar der besten Architekturbüros der Welt, interessante junge Mode, tolle Galerien und auch weitere fantastische junge Projekte entstehen, aber bekommen wenig Aufmerksamkeit. Da vermisse ich ganz deutlich das Selbstvertrauen in Basel! Dieser Basel-Zürich-Komplex muss dringend aufhören. Basel ist eine Stadt mit gewaltigen Möglichkeiten und grossem kulturellen Potenzial. Vergleiche sollte man da mit ganz anderen Städten suchen.

Was sind Ihre Kulturwünsche fürs 2011?
Ich wünsche mir, dass 2011 wieder mehr Bewegung in die allgemeine Kulturdiskussion in Basel kommt. Kulturelle und kreative Bereiche müssen wieder enger zusammen arbeiten und man muss von diesem kurzfristigen Denken wegkommen. Wenn jeder versucht, nur sein Ding durchzuziehen, besteht die Gefahr, dass in Basel nur noch ein Fokus auf den Museen und gewissen Projekten liegt. Das gesamte Jahr müssten mehrere Events die verschiedenen Bereiche fördern und die Personen, welche in Basel für Kultur stehen könnten, sich vielleicht etwas öfters zeigen und eine Debatte darüber führen, was besser gemacht werden könnte. Mein grösster Wunsch wäre es, dass anschliessend Besprochenes schnell und unkompliziert umgesetzt wird. Es fehlt an Reaktionen!
Für 2011 wünsche ich mir, dass die lokale Szene mehr Öffentlichkeitsarbeit macht und diese auch aufgenommen wird. Jeder, der ein Interesse an der kulturellen Szene in Basel hat, sollte diese auch nutzen. Wir haben eine hervorragende junge Szene, welche das Gebotene nutzen sollte und auch weitere neue Projekte vorantreiben.

Dies war der letzte Jahresrückblick. Danke fürs Lesen und bis zum nächsten Mal!

Bereits erschienen: Angelo Gallina, Guy Morin, Thomas Jenny, Smash 137, Sam Keller, Tobit Schäfer, Carena Schlewitt, Marlon Mc Neill.